Zeche Shamrock (1856-1967) Herne

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Die Zeche Shamrock war das erste Steinkohlenbergwerk auf dem Gebiet der heutigen Stadt Herne und gehörte zu den bedeutenden frühen Zechen des Ruhrbergbaus. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet und entwickelte sich zu einer groß angelegten Bergwerksanlage mit mehreren Schachtanlagen. Der Betrieb dauerte von 1860 bis 1967.

Zeche Shamrock
Stadtbezirk: Herne-Mitte
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Letzte Änderung: 14.03.2026
Geändert von: Andreas Janik

Der Name „Shamrock“ (englisch für Kleeblatt) geht auf irische Kapitalgeber und den aus Irland stammenden Bergbauunternehmer William Thomas Mulvany zurück, der maßgeblich an der Gründung beteiligt war.

Die Anlage entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem komplexen Bergwerk mit mehreren Förder-, Wetter- und Hilfsschächten. Die wichtigsten Schachtanlagen waren I/II, III/IV sowie später weitere Schächte (V–X).

Entstehung der Zeche

Die Bergwerksgesellschaft Shamrock wurde am 21. März 1856 gegründet. Bereits kurz darauf begann man mit dem Abteufen der ersten Schächte. Das Ziel war der industrielle Abbau der Steinkohlevorkommen im nördlichen Ruhrgebiet, das sich zu dieser Zeit rasch entwickelte.

  • 1855: Verleihung des Bergwerkseigentums
  • 1857: Beginn des Abteufens von Schacht I
  • 1860: Beginn der Kohleförderung

Damit wurde Shamrock zu einem der frühen industriellen Bergwerke im Bereich des heutigen Herne und spielte eine wichtige Rolle bei der Industrialisierung der Region.

Schachtanlage I und II

Die erste Schachtanlage bildete den Kern der frühen Zeche.

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Entstehung und Ausbau ===

  • 1857: Abteufen von Schacht I
  • 1860: Förderbeginn
  • 1860: Abteufen von Schacht II als Wetterschacht

Schacht I diente hauptsächlich der Kohleförderung, während Schacht II für Bewetterung und später teilweise ebenfalls für Förderung genutzt wurde.

Entwicklung im 19. Jahrhundert

Die Förderung wuchs schnell:

  • 1865: 172.000 t Kohle (637 Beschäftigte)
  • 1873: 328.000 t
  • 1888: 657.000 t

Parallel wurde eine Kokerei errichtet, die die Kohle weiterverarbeitete.

Unglücke und Ereignisse

Der Betrieb war von mehreren schweren Unglücken geprägt:

  • 1884: Schlagwetterexplosion (8 Tote)
  • 1885: Grubenbrand (7 Tote)

Solche Ereignisse waren im frühen industriellen Bergbau häufig.

Entwicklung im 20. Jahrhundert

Die Anlage wurde mehrfach modernisiert und erweitert. Später wurden weitere Schächte an diese Anlage angeschlossen (u. a. 6 und 9).

1957–1960 entstand ein Zentralschacht, um die Förderung zu konzentrieren.

Schachtanlage III und IV

Zeche Shamrock, Schacht 3/4

Die zweite große Schachtanlage wurde ab 1890 aufgebaut, um neue Flöze zu erschließen und die steigende Produktion zu bewältigen.

Bau und Technik

  • 1890: Beginn des Abteufens von Schacht III und IV
  • 1892: Aufnahme der Förderung
  • Schacht III: Hauptförderschacht
  • Schacht IV: Wetter- und Pumpenschacht

Die Anlage war technisch modern ausgestattet und konnte bereits früh hohe Förderleistungen erreichen.

Behrensschächte

1906 erhielt die Anlage zu Ehren des Hibernia-Generaldirektors Carl Behrens den Namen Behrensschächte.

Zweiter Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Anlagen 1945 durch Bombenangriffe schwer beschädigt.

Stilllegung

Mit der Konzentration der Förderung auf die zentrale Anlage wurden 1961 die Schächte III und IV außer Betrieb genommen.

Weitere Schächte (V–X)

Mit der Expansion der Zeche entstanden zahlreiche zusätzliche Schächte zur Förderung, Bewetterung und Wasserhaltung.

Ausbauphase um 1900

  • 1897: Schächte V und VI
  • 1899: Wetterschacht VII
  • 1908: Wetterschacht VIII

Diese Erweiterungen waren notwendig, da die Förderung um 1900 bereits fast 2 Millionen Tonnen jährlich erreichte.

Moderne Förderanlagen

  • 1911–1914: Abteufen von Schacht IX (Hauptförderschacht)
  • 1925–1928: Bau von Schacht X
  • Schacht IX ersetzte ältere Förderschächte und übernahm einen Großteil der Förderung.

Produktionshöhepunkt

  • 1929: rund 1,98 Mio. t Kohle
  • etwa 5800 Beschäftigte

Damit gehörte Shamrock zu den leistungsstarken Zechen des nördlichen Ruhrgebiets.

Niedergang und Stilllegung

Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet der Steinkohlenbergbau zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Die Zeche wurde zwar modernisiert, doch die Kohlekrise der 1960er-Jahre führte schließlich zur Aufgabe.

Wichtige Ereignisse:

  • 1961: Stilllegung der Schächte III/IV
  • 1964: Aufgabe der Schächte V und VIII
  • 1966: Förderung etwa 1,6 Mio. t
  • 1967: endgültige Stilllegung der Zeche

Kurz vor der Schließung ereignete sich noch ein schweres Unglück: Ein Strebbruch am 29. September 1967 forderte vier Todesopfer.

Am 31. Oktober 1967 endete der Betrieb endgültig.

Nachnutzung des Geländes

Nach der Stilllegung wurden große Teile der Anlagen abgerissen.

Am 24. August 1967 erfolgte der Durchschlag am Schacht 3/4/11 auf der 7. Sohle zur Zeche General Blumenthal dessen Name "leider" den Historischen Namen verdängte. Die Anlagen gehörten fortan zur Zeche General Blumenthal unter dem Namen Schacht 11. Am 31. Oktober 1967 wurde die Zeche Shamrock stillgelegt. Auf ihrem Gelände entstand damals ein Betrieb der Chemischen Werke Hüls, heute ein Produktionsstandort der südafrikanischen Chemiefirma SASOL. An der Toreinfahrt des Werkes sind noch einige wenige Gebäude des ehemaligen Zechenbetriebs erhalten. Auf dem Gelände der ehemaligen Schächte 3/4/11 steht heute noch Reste des Kraftwerks Shamrock.

Zusammenfassung

Die Zeche Shamrock war:

  • das erste Bergwerk in Herne,
  • ein bedeutender früher Industriebetrieb im Ruhrgebiet,
  • ein Bergwerk mit mehreren großen Schachtanlagen,
  • und bis 1967 in Betrieb.

Mit ihrer Entwicklung von einer kleinen Grube zu einer Großanlage spiegelt sie exemplarisch die Geschichte des Ruhrbergbaus vom Industrialisierungsboom des 19. Jahrhunderts bis zur Kohlekrise der 1960er-Jahre wider.

Zeittafel

  • 15.04.1855: Verleihung des Bergwerkseigentums
    • 15.04.1855: Grubenfeld Markania
    • 30.04.1855: Grubenfeld Markania I & II
    • 18.03.1856: Grubenfeld Barbara
    • 29.04.1856: Grubenfeld Bochumia[1]
  • 1857: Abteufbeginn des: 172.000 Tonnen durch 637 Beschäftigte
  • 13.09.1869: Vereinigung aller Grubenfelder unter der Zeche "Schöngelegen" in Riemke unter dem Namen Shamrock[2]
  • 1873: Kohleförderung: 328.000 Tonnen
  • 1873: Bau einer Kokerei
  • 1879: Kokserzeugung: 60.000 Tonnen
  • 1880: Schacht 2 erhält ein eisernes Fördergerüst.
  • 1881: Schacht 1 erhält ein eisernes Fördergerüst.
  • 1884: Eine Schlagwetterexplosion fordert acht Todesopfer.
  • 1885: Einem Grubenbrand fallen sieben Bergleute zum Opfer.
  • 1885: Kohleförderung: 524.000 Tonnen durch 1.370 Beschäftigte
  • 1887 (19. Mai): Durch Brand wird die Wäsche und Seperationsanlage vernichtet.
  • 1887 (Oktober: Inbetriebnahme einer modernen Wäsche und Seperationsanlage.
  • 1888: Kohleförderung: 657.000 Tonnen
  • 1890: Abteufen der Schächte Shamrock 3 und 4
Einer der beiden Behrensschächte - Shamrock III / IV
  • 1892: Förderungsaufnahme der Schachtanlage 3/4
  • 1893 (30. Juli): Durchschlag voin Shamrock 3/4 zu Shamrock
  • 1895: Kohleförderung: 1,16 Millionen Tonnen durch 3.622 Beschäftigte
Aus der Festschrift des Kohlensyndikats 1858-1908
  • 1897: Abteufen der Schächte 5 und 6
  • 1899: Beginn des Teufens des Wetterschachtes 7
  • 1900: Kohleförderung: 1,8 Millionen Tonnen durch 5.693 Beschäftigte
  • 1906: Die Schachtanlage 3/4 erhält zu Ehren des Generaldirektors der Bergwerksgesellschaft Hibernia AG, Bergrat Karl Behrens, den Namen "Behrensschächte".
  • 1908: Abteufen des Schachtes 8 (Bewetterung)
  • 1910: Beim Absturz des Förderkorbs in den schacht sterben vier Männer.
  • 1911: Teufbeginn des Hauptförderschachtes 9
  • 1912: Schacht 9 stößt bei 150 m auf das Steinkohlengebirge.
  • 1914: Schacht 9 nimmt die Förderung auf; die Förderung in den Schächten 2 und 6 wird eingestellt.
  • 1922: Ein Streckenbrand auf der Anlage 1/2/6/9 fordert zehn Todesopfer.
  • 1925: Abteufen des Schachtes 10
  • 1928: Inbetriebnahme von Schacht 10
  • 1929: Kohleförderung: 1,98 Millionen Tonnen durch 5.809 Beschäftigte
  • 23. März 1935: Abriss des Mulvanyschacht I. von 1881.
  • 1945: Die Behrensschächte werden durch Bomben schwer beschädigt.
  • 1951: Im Juli tötet ein Strebbruch zwei Bergmänner.
  • 1957: Teufen des Zentralschachtes II
  • 1958: Ausbau der Zeche zur Zentralschachtanlage
  • 1959: Bei einem Strebbruch am 29. Juli sterben sieben Bergleute auf der Anlage 1/2/6/9. Tausende erscheinen bei der Trauerfeier.
  • 1960: Inbetriebnahme des Zentralschachtes II
  • 1961: Einstellung der Förderung der Schächte 3 und 4
  • 1964: Aufgabe der Schächte 5 und 8
  • 1965: Auffahrung eines Querschlages zwischen Shamrock und General Blumenthal (8,8 km lang)
  • 1966: Kohleförderung: 1,6 Millionen Tonnen
  • 1967: Stilllegung der Zeche Shamrock. Kurz davor fordert ein Strebbruch am 29. September vier Todesopfer. Erst nach 58 Tagen wird der erste Tote geborgen. 65 Tage nach dem Unglück erfolgt die Beisetzung. [3]

Fotos

Schachtstandorte

Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten der Schächte:

Archivalien

  • Landesarchiv NRW Vgl. Shamrock Dokumente

Literatur

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Quellen