Gedenkstein für das Grubenunglück 1922 auf Shamrock

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

In der Abteilung 19 des Südfriedhofes befindet sich ein Ehrenmahl für das Grubenunglück vom 23. November 1922 in der Schachtanlage I/II der Zeche Shamrock in Herne. Es ist ein eindrucksvolles Zeugnis der regionalen Bergbaugeschichte und der Trauerkultur der frühen 1920er Jahre.

Gedenkstätte Grubenunglück 1922
Bildinfo: Bild: Andreas Janik. Zustand des Denkmals auf dem Südfriedhof 2016
Erbaut: 1922
Letze Änderung: 17.04.2026
Geändert von: Andreas Janik
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Die Castroper Zeitung Nr. 275/1922 S. 1 berichtete:

Grubenbrand auf Shamrock
"Dortmund, 25.Nov. Das preußische Oberbergamt in Dortmund teilt mit: Am Donnerstag, den 23. d. Mts., nachmittags gegen 5 Uhr, ist auf der Schachtanlage Shamrock 1/2 in Herne ein Grubenbrand ausgebrochen, bei dem ein Steiger und 9 Bergleute zu Tode gekommen sind. Weitere Leute sind nicht in Gefahr. Das Feuer ist entstanden in einer einziehenden, in Holzzimmerung stehenden Gesteinsrichtstrecke, in der elektrische Lokomotivförderung mit Oberleitung umgeht. Die Ursache war Kurzschluß der Fahrdrähte oder der elektrischen Kabel, die, als eine Lokomotive entgleiste, und den Ausbau der Strecke umriß, von den nachstürzenden Gesteinsmassen zerrissen worden ist. Infolge dieses Kurzschlusses geriet die Holzzimmerung in Brand. Es pflanzte sich wegen des lebhaften Wetterzuges zunächst schnell fort. Die Verunglückten sind in den Brandgasen erstickt, bevor ihnen Rettung gebracht werden konnte. Das Feuer ist sofort bekämpft worden und zum größten Teil bereits gelöscht. Die bergbehördliche Untersuchung ist im Gange.“[1]

Die Beisetzungsfeierlichkeiten der Opfer fand am 29. November 1922 statt.

1. Architektur und Baumaterial

  • Backsteinexpressionismus: Das Denkmal ist ein klassisches Beispiel für den in den 1920er Jahren im Ruhrgebiet vorherrschenden Backsteinexpressionismus. Typisch ist die Verwendung von dunklen, hartgebrannten Klinkern (meist Eisenklinker), die Widerstandsfähigkeit und Bodenständigkeit ausstrahlen.
  • Geometrische Strenge: Die Bauform ist blockhaft und symmetrisch. Die vertikale und horizontale Ausrichtung der Ziegel (Rollschichten am Sockel, vorstehende Zierfugen an den Seiten) verleiht dem Grabmal eine architektonische Schwere, die fast an eine Festung oder ein Portal erinnert.
  • Dreiteiliger Aufbau: Das Monument ist in drei Segmente gegliedert – ein erhöhtes Mittelteil mit der Gedenktafel und zwei flankierende, niedrigere Flügelwände. Dies erinnert an die Form eines Triptychons (Altarbildes).

2. Symbolik der Gestaltung

  • Schlägel und Eisen: Vor der Gedenktafel liegt auf dem an dieser Stelle leicht nach vorne verbreiteten Sockel das Zeichen des Bergbaus in Form der gekreuzten Schlägel und Eisen.
  • Das Kreuz: In die seitlichen Klinkerwände sind schlichte Kreuze eingearbeitet (dunklere Steinsetzung). Dies verbindet den industriellen Charakter des Materials mit dem christlichen Kontext des Friedhofs.
  • Materialwahl als Identifikation: Dass für Bergleute Backstein gewählt wurde, ist kein Zufall. Es ist das Material der Zechengebäude und Arbeitersiedlungen. Das Denkmal spricht somit die "Sprache" der Arbeitswelt der Verstorbenen.
  • Barriere und Schutz: Die breite, mauerartige Form wirkt wie ein Abschluss oder ein Schutzwall, was in der Trauerpsychologie der Zeit oft als Symbol für die ewige Ruhe und die Trennung zwischen der Welt der Lebenden und der Toten (unter Tage / über Tage) genutzt wurde.

3. Die Gedenktafel (Epigraphik)

  • Zentrale Inschrift: Die Metallplatte im Zentrum nennt die Namen der Verunglückten. Solche Tafeln wurden oft von der Bergbaugesellschaft (hier die Gewerkschaft Hibernia, zu der Shamrock gehörte) gestiftet.
  • Korporative Trauer: Die Inschrift „Dem Andenken ihrer Knappen gewidmet – Gewerkschaft Hibernia“ verdeutlicht das damals patriarchale Verhältnis zwischen Zechenherr und Belegschaft. Es ist ein offizielles Ehrengrab, das die soziale Verantwortung des Unternehmens demonstrieren sollte.

Inschrift

AM 23. NOVEMBER 1922
VERUNGLÜCKTEN TÖDLICH AUF DER
ZECHE SHAMROCK I/II

Wilhelm Schaefer † August Lange † Friedrich Reidt † Lorenz Wlodarkiewicz
Stanislaus Kaczmarek † Franz Zurawski † Josef Kania † Johann Mojerczyk
Heinrich Georgi † Bestattet in Wanne-Eickel † Theodor Hoewener
DEM
ANGEDENKEN IHRER KNAPPEN GEWIDMET
BERGWERKSGESELLSCHAFT HIBERNIA

4. Historischer Kontext (1922)

  • Die Zeit der Weimarer Republik: 1922 war ein Jahr extremer wirtschaftlicher Not und politischer Instabilität (Inflation). Dennoch investierten die Zechengesellschaften in solche massiven Denkmäler, um den sozialen Frieden zu wahren und die Gefährlichkeit der Arbeit durch eine heroisierende Architektur zu würdigen.
  • Grubenunglücke: Die Zeche Shamrock war Schauplatz mehrerer schwerer Unglücke. Ein Denkmal dieser Größe deutet darauf hin, dass es sich um ein Ereignis mit mehreren Todesopfern handelte, die gemeinschaftlich beigesetzt wurden.

Zusammenfassung

Das Ehrengrab ist ein funktionales und zugleich würdevolles Bauwerk. Es verzichtet auf kitschige Engelsfiguren und nutzt stattdessen die Ästhetik der Industrie (Klinker/Eisen), um den Bergleuten ein Denkmal zu setzen. Es spiegelt die harte Realität des Ruhrbergbaus wider: massiv, ernst und tief in der Erde sowie im Material der Region verwurzelt.

Genealogische Anmerkungen

• Bergmann Heinrich Georgi, geb. 1901 (R) in Eickel, wohnhaft Goebenstraße 46 in Eickel. [2]

• Bergmann Theodor Hoewener, geb. 1901 (R) in Holsterhausen. [3]

• Steiger Robert Wilhelm Heinrich Schaefer, geb. 30. August 1878 in Herne, (Eltern Bergmann Heinrich Schaefer / Anna Martha Schmied), getauft am 8. September 1878[4] wohnhaft Schaeferstraße 14 (1914 Neustraße 51). [5] Verheiratet mit Helene Emilie Weite, geb. am 27. April 1878 in Herne (Eltern Weite/Mumme). Er hinterließ 7 Kinder.[6]

• Bergmann Josef Kania, geb. 1897 (R) in Münchwitz, Kreis Groß Wartenberg in Schlesien. Wohnhaft auf dem Regenkamp 15. [7] Verheiratet mit Franziska Nawrot.

• Bergmann Johann Mojerczyk, geb. 1878 in Luszkowo Kreis Kosten in Posen, wohnhaft auf dem Grenzweg 70. [8] Verheiratet mit Stanislawa Tahner.

• Bergmann Lorenz Wlodarkiewicz, geboren 1884 (R) in Konojad Kreis Kosten in Posen, wohnhaft in Eickel. [9] Verheiratet mit Stanislawa Kauffmann.

• Bergmann Stanislaus Kaczmarek, geboren 1876 (R) in Kreis Schrimm in Posen, wohnhaft in Eickel. [10] Verheiratet mit Katharina Boyek.

• Bergmann Franz Zurawski, geboren 1888 (R) Mahlin, Kreis Dirschau in Westpreußen. Wohnhaft in der Schillerstraße 28. [11]

• Bergmann Friedrich Georg Reidt, geboren am 12. März 1901 in Herne, getauft am 24. März 1901 in der Kreuzkirche.[12]. (Eltern: Bergmann Johann Reidt und Anna Meier), 1922 wohnhaft auf der Shamrockstraße 77. [13][14]

• Bergmann August Lange, geboren am 14. Mai 1901 in Stemwede-Dielingen/Drohne, Kreis Lübbecke, Wohnhaft auf der Shamrockstraße 107. [15][16]


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Siehe auch

Anmerkungen

  1. online auf Zeit.punkte.nrw
  2. Standesamt Herne Sterberegister Nr. 884/1922 online
  3. Standesamt Herne Sterberegister Nr. 883/1922 online
  4. Kirchenbücher der ev. Gemeinde Herne Reg. 242/1878
  5. Standesamt Herne Sterberegister Nr. 885/1922 online
  6. Kirchenbücher der ev. Gemeinde Herne, Sterberegiter Nr. 290/1922
  7. Standesamt Herne Sterberegister Nr. 886/1922 online
  8. Standesamt Herne Sterberegister Nr. 887/1922 online
  9. Standesamt Herne Sterberegister Nr. 888/1922 online
  10. Standesamt Herne Sterberegister Nr. 889/1922 online
  11. Standesamt Herne Sterberegister Nr. 890/1922 online
  12. Kirchenbücher der ev. Gemeinde Herne, Taufregiter Nr. 187/1901
  13. Standesamt Herne Sterberegister Nr. 891/1922 online
  14. Kirchenbücher der ev. Gemeinde Herne, Sterberegiter Nr. 291/1922
  15. Standesamt Herne Sterberegister Nr. 892/1922 online
  16. Kirchenbücher der ev. Gemeinde Herne, Sterberegiter Nr. 292/1922