Otto Hue (1868-1922) Gewerkschaftler
Otto Hue (eigentlich Konrad Hue; * 2. November 1868 in Dortmund-Hörde, † 18. April 1922 in Essen) war einer der bedeutendsten Gewerkschaftsführer, Sozialdemokraten und Bergarbeiterfunktionäre des Deutschen Kaiserreichs und der frühen Weimarer Republik. Obwohl er selbst nie Bergmann war, entwickelte er sich zu einer der zentralen Figuren der deutschen Bergarbeiterbewegung und galt im Ruhrgebiet als „ungekrönter König der Bergarbeiterschaft“.
Seine politische und gewerkschaftliche Tätigkeit war eng mit dem Ruhrgebiet verbunden. Besonders in Herne hinterließ Hue bleibende Spuren: durch seine Auftritte vor Bergarbeitern, seine organisatorische Arbeit im Revier sowie durch die nach ihm benannte Otto-Hue-Straße in Herne-Mitte.
Otto Hue und seine Verbindungen nach Herne
Herkunft und Jugend
Otto Hue wurde 1868 in Hörde geboren, das heute zu Dortmund gehört. Sein Vater arbeitete als Walzmeister beim Hörder Verein. Nach dem frühen Tod des Vaters geriet die Familie in wirtschaftliche Not. Hue absolvierte eine Ausbildung zum Schlosser und arbeitete anschließend in verschiedenen Eisen- und Hüttenwerken des Ruhrgebiets.
Zwischen 1882 und 1895 war er in mehreren Betrieben tätig. In dieser Zeit entwickelte sich seine politische Orientierung zur Sozialdemokratie. Ende der 1880er beziehungsweise Anfang der 1890er Jahre trat er sowohl der SPD als auch dem „Verband zur Wahrung und Förderung der bergmännischen Interessen in Rheinland und Westfalen“ bei.
Aufstieg in der Bergarbeiterbewegung
Obwohl Otto Hue niemals selbst unter Tage arbeitete, wurde er zu einer Schlüsselfigur der deutschen Bergarbeiterbewegung.
Seit Beginn der 1890er Jahre schrieb er für die „Deutsche Berg- und Hüttenarbeiter-Zeitung“, später „Bergarbeiter-Zeitung“. 1895 übernahm er die Redaktionsleitung. Über Jahrzehnte hinweg prägte er damit die politische Ausrichtung des freigewerkschaftlichen Bergarbeiterverbandes.
Hue entwickelte sich zu einem herausragenden Redner, Organisator und Strategen. Unter seiner Mitwirkung wuchs der sogenannte „Alte Verband“ von einer geschwächten Organisation zu einer der bedeutendsten Gewerkschaften des Deutschen Reiches.
Um 1910 vertrat der Verband bereits mehr als 120.000 Bergleute.
Politische Karriere
Otto Hue war nicht nur Gewerkschaftsführer, sondern auch Parlamentarier.
Reichstag und Landtag
Er gehörte als SPD-Abgeordneter dem Deutschen Reichstag für den Wahlkreis - Regierungsbezirk Arnsberg 5 Bochum, Gelsenkirchen, Hattingen, Herne, an:
- 1903 bis 1912
- 1919 bis 1922
Außerdem war er Mitglied:
- des Preußischen Abgeordnetenhauses (1913–1918)
- der Weimarer Nationalversammlung
- des Preußischen Landtages (1921–1922)
Während der Revolution von 1918/19 spielte Hue eine wichtige Rolle in der Neuordnung des Bergbaus und der Energieversorgung.
Er war:
- Beigeordneter im preußischen Handelsministerium
- Mitglied der Sozialisierungskommission
- Reichskommissar für die Kohleversorgung
- Mitglied des Reichswirtschaftsrates
- Mitglied des Reichskohlenrates
Hue galt als ausgewiesener Fachmann für Bergbau- und Wirtschaftsfragen. Zeitweise wurde sogar diskutiert, ihn als Wirtschaftsminister in die Reichsregierung zu berufen.
Otto Hue und Herne
Bedeutung Hernes im Bergbau
Um die Verbindung Otto Hues zu Herne zu verstehen, muss die Rolle Hernes im Ruhrbergbau betrachtet werden.
Herne entwickelte sich im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zu einer der wichtigsten Bergbaustädte des Ruhrgebiets. Zechen wie Shamrock, Friedrich der Große, Constantin der Große oder Mont-Cenis prägten Wirtschaft, Stadtentwicklung und Gesellschaft.
Die Arbeiterschaft Hernes war stark gewerkschaftlich organisiert. Damit wurde die Stadt zu einem zentralen Wirkungsraum für Persönlichkeiten der Bergarbeiterbewegung – darunter Otto Hue.
Vorträge und politische Arbeit in Herne
Historische Quellen belegen, dass Otto Hue in Herne zahlreiche Vorträge vor Bergarbeitern hielt.
Diese Veranstaltungen dienten:
- der politischen Bildung,
- der gewerkschaftlichen Organisation,
- der Mobilisierung der Bergarbeiter,
- sowie der Diskussion über Arbeitsbedingungen, Löhne, Knappschaftswesen und Arbeitsschutz.
Hue trat in Herne als prominenter Sprecher der Bergarbeiterbewegung auf. Seine Reden richteten sich insbesondere an die große Zahl von Bergarbeitern in den Herner Zechen.
Durch seine publizistische Arbeit und seine Auftritte wurde Herne Teil seines politischen Netzwerkes im Ruhrgebiet.
Otto-Hue-Straße in Herne
Die wichtigste sichtbare Erinnerung an Otto Hue in Herne ist die Otto-Hue-Straße in Herne-Mitte. Die Straße wurde am 24. Juli 1922 durch die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Herne nach Otto Hue benannt – nur wenige Monate nach seinem Tod.
Dies zeigt die hohe Wertschätzung, die Hue in der Arbeiterbewegung und insbesondere im Ruhrgebiet genoss.
Frühere Namen
Die Straße trug zuvor und während der NS-Diktatur andere Namen:
- vor 1912: Eitel-Friedrichstraße
- 1922: Huestraße
- 1933: Schlageterstraße
- seit 1945: Otto-Hue-Straße
Die Umbenennung während der NS-Zeit und die Rückbenennung nach 1945 spiegeln die politischen Brüche des 20. Jahrhunderts wider.
Otto Hue als Symbolfigur der Herner Arbeiterbewegung
Otto Hue wurde in Herne nicht nur als Politiker wahrgenommen, sondern als Symbolfigur der organisierten Bergarbeiterschaft.
Seine Forderungen nach:
- besseren Arbeitsbedingungen,
- Arbeitsschutz,
- sozialer Absicherung,
- gewerkschaftlicher Organisation,
- demokratischen Rechten,
- und wirtschaftlicher Mitbestimmung
trafen in der stark industriell geprägten Stadt Herne auf große Resonanz.
Vor allem seine Rolle während der sozialen Konflikte im Ruhrbergbau machte ihn für viele Bergarbeiter zu einer Identifikationsfigur.
Veröffentlichungen und Schriften
Otto Hue veröffentlichte zahlreiche Artikel und Bücher zur Lage der Bergarbeiter.
Zu seinen wichtigsten Werken gehören:
- „Die Bergarbeiter. Historische Darstellung der Bergarbeiter-Verhältnisse von der ältesten bis in die neueste Zeit“ (2 Bände, 1910–1913)
- „Mehr Arbeitsschutz“
- „Streiflichter auf unser Knappschaftswesen“
Seine Schriften gelten als wichtige Quellen zur Sozial- und Bergbaugeschichte des Ruhrgebiets.
Politische Positionen
Hue vertrat innerhalb der SPD überwiegend einen reformorientierten Kurs.
Während des Ersten Weltkriegs unterstützte er zunächst die Haltung der Mehrheitssozialdemokratie und den sogenannten Burgfrieden. Später sprach er sich für einen Verständigungsfrieden aus.
Nach der Novemberrevolution lehnte er radikale Sozialisierungsforderungen im Bergbau ab und setzte stattdessen auf schrittweise Reformen.
Diese Position brachte ihm sowohl Anerkennung als auch Kritik ein.
Tod und Nachwirkung
Otto Hue starb am 18. April 1922 in Essen.
Sein Grab befindet sich auf dem Südwestfriedhof Essen.
Noch heute erinnern zahlreiche Straßen im Ruhrgebiet an ihn, unter anderem in:
- Herne
- Essen
- Bochum
- Dortmund
- Marl
- Hattingen
- Lünen
- Gelsenkirchen
- Mülheim an der Ruhr
Die Erinnerung an Hue ist eng mit der Geschichte der Bergarbeiterbewegung und der Sozialdemokratie im Ruhrgebiet verbunden.
Historische Einordnung
Historiker betrachten Otto Hue heute als eine der prägenden Persönlichkeiten der deutschen Arbeiterbewegung vor 1933.
Seine Bedeutung lag insbesondere:
- im organisatorischen Aufbau der Bergarbeitergewerkschaften,
- in seiner Rolle als Vermittler zwischen Gewerkschaft und Politik,
- in seiner Funktion als Bergbauexperte,
- sowie in seiner publizistischen Arbeit.
Für Herne war Hue deshalb wichtig, weil die Stadt zu den zentralen Orten jener industriellen Arbeitswelt gehörte, für deren Interessen er kämpfte.
Die Benennung der Otto-Hue-Straße und die wiederholte Erinnerung an seine Auftritte in Herne dokumentieren diese enge Verbindung.

Quellen und Literatur
Digitale Quellen
- [1](https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Hue)
- [2](https://www.gewerkschaftsgeschichte.de/biografien-55540-otto-hue-1868-1922.htm)
- [3](https://www.essen.de/dasistessen/stadtgeschichte_1/stadtarchiv_1/otto_hue.de.html)
Literatur
- Nikolaus Osterroth: Otto Hue. Ein Lebensbild für seine Freunde. Bochum 1922.
- Johann Mugrauer: Otto Hue (1868–1922). Münster 1931.
- Karl Lauschke: Otto Hue – Sprecher der Bergarbeiter.
- Klaus Wisotzky: Otto Hue (1868–1922). Für Freiheit, Demokratie und gleiches Recht. Münster 2024.

