Geschichte eines Herner Lazaretts - Schlenkhoffs Lazarett 1914-1916
Der folgende Zeitungsartikel aus dem Jahr 1934[1] gewährt einen eindrucksvollen Einblick in die Erinnerungskultur der Zwischenkriegszeit und in den lokalen Umgang mit den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs. Im Mittelpunkt steht das Herner Lazarett Schlenkhoff, ein vergleichsweise kleines, privat eingerichtetes Genesungsheim, das dennoch beispielhaft für das Zusammenspiel von bürgerlichem Engagement, karitativer Hilfe und patriotischer Gesinnung steht. Der Text verbindet historische Berichterstattung mit emotional gefärbter Rückschau und lässt dabei insbesondere die Stimmen der verwundeten Soldaten selbst zu Wort kommen.
Auffällig ist die Perspektive des Jahres 1934: Der Krieg wird nicht nur als vergangenes Ereignis erinnert, sondern zugleich im Sinne der damaligen politischen Ideologie gedeutet. Opferbereitschaft, Gemeinschaftssinn und nationale Pflichterfüllung treten deutlich hervor. Besonders wertvoll sind die Auszüge aus dem Gästebuch des Lazaretts, die einen unmittelbaren, persönlichen Zugang zu den Empfindungen der Soldaten ermöglichen – zwischen Dankbarkeit, Heimweh und erneuter Kampfbereitschaft.
So ist der Artikel nicht nur eine lokale Chronik, sondern auch ein zeittypisches Dokument, das zeigt, wie Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg zwanzig Jahre später verarbeitet, interpretiert und für die Gegenwart nutzbar gemacht wurden.
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Geschichte eines Herner Lazaretts
Ein Gästebuch erzählt vom Genesungsheim Schlenkhoff
Reime dankbarer Soldaten / Erinnerungen
In diesem Jahre gleiten die Blicke mehr denn je in die Zeit furchtbarsten Geschehens, das vor zwanzig Jahren— im Jahre 1914— seinen Anfang nahm. Kriegslärm erfüllte die Welt, an allen Fronten brüllten die Kanonen, barsten die Granaten und Schrapnells und mähten unbarmherzig reihenweise tapfere Krieger hüben wie drüben nieder. Von dieser Seite aus wollen wir heute den Weltkrieg betrachten, wollen uns der wackeren Männer erinnern, die ihre Gesundheit für ihr Vaterland dahingaben, verwundet in die Heimat zurückkehrten und trotz alledem fast alle nur den Wunsch hatten, sobald wie möglich wieder an die Front zu gelangen. Ihnen soll hier, nicht ohne auch der zwei Millionen, die nie wiederkehrten, zu gedenken, ein Erinnerungsblatt gewidmet werden, in dessen Mittelpunkt das Lazarett Schlenkhoff steht. Von dieser aus Spendenmitteln und freiwilliger Hilfsarbeiter entstandenen Pflegestätte deutscher Soldaten künden unsere Zeilen.
Am 1. September 1914 …
hr Herne, 1. September.
An allen Fronten tobte der Kampf: das Blut wackerer Männer wurde vergossen, und viele Verwundete nahmen die Lazarettzüge auf, um sie in die Heimat zu bringen. Überall regten sich fleißige Hände, den deutschen Kriegern Ruhe= und Genesungsstätten zu bereiten. Auch in Herne wurde Vorsorge zu ihrem Empfang getroffen.
Mit aller Tatkraft ging hier Herr Wilhelm Schlenkhoff sen. daran, in der alten Waschanstalt an der Friedrichstraße zwei Stockwerke als Lazarett und Genesungsheim einzurichten, die mit 15 Betten ausgerüstet wurden. Am 1. September wurde dieses private Lazarett fertiggestellt und harrte seiner Bestimmung. In diesem in uneigennütziger Nächstenliebe hergerichteten Hause der Barmherzigkeit befanden sich zwei Schlafsäle, ein Baderaum und ein Tages- und Essraum.
Operationen, die etwa erforderlich wurden, waren dagegen in den Herner Krankenhäusern vorzunehmen, während man dem Lazarett Schlenkhoff Leichtverletzte zuwies, die durch das Deutsche Rote Kreuz vermittelt wurden.
Das Lazarett war früher Kinderschule gewesen und wurde späterhin wieder als Nähschule eingerichtet. Das alte Gebäude, das heute Wohnungen enthält, zeichnete sich durch seine besonders schöne Lage in dem großen Park aus und hat, wenn man an die alte Vergangenheit jenes Besitzes denkt, eine reiche Geschichte hinter sich. Denken wir nur an die in der Nähe früher gelegene alte Mühle mit dem damals noch vorhandenen Mühlenteich — es war eine idyllische Stätte dort, wo sich heute der große Garten erstreckt.
Zur Zeit der Besetzung Hernes durch die Franzosen befand sich in dem großen Hause eine Waschanstalt, die die Franzosen für ihre Zwecke beschlagnahmten. Nach ihrem Abrücken wurde der Betrieb in der Waschanstalt aufgegeben und das Haus Wohnzwecken dienstbar gemacht.
Die ersten Verwundeten treffen ein
In der Ausgabe der „Herner Zeitung“ vom 14. September 1914 lesen wir:
„Nun konnte gestern in Herne endlich die Feldflagge des Roten Kreuzes entfaltet werden. Das Oberkommando des Sanitätswesens hatte die Einrichtung von Kriegslazaretten in unserer Stadt kaum genehmigt, als auch schon ein Telegramm eintraf, dass gestern Vormittag 9.45 Uhr 281 Verwundete hierher verwiesen seien.
Es gab natürlich sofort den längst erwarteten Alarm für Ärzte, Rotes Kreuz, für Vaterländischen und die übrigen Frauenvereine. Im Nu sprach sich die Meldung herum und als die vom ersten Kolonnenführer der Sanitätskolonne, Herrn Mumme, nach dem Bahnhof dirigierten Überführungswagen eintrafen, hatte sich eine große Menschenmenge dort angesammelt.
Der Dienst an den meist leichtverwundeten Kriegern, die pünktlich ankamen mit einem mehrhundertköpfigen Franzosentransport, funktionierte glatt.
Sie wurden sämtlich zunächst in die provisorisch hergerichteten unteren Räume des neuen Empfangsgebäudes gebracht und dort durch warmen Kaffee, Bouillon, Würstchen, belegte Brötchen, Limonade, Zigarren usw. erfrischt.
Bald belebten sich die bei der Ankunft von Übermüdung und Strapazen zeugenden Gesichter der Braven: sie wurden mitteilsam und gaben lebhaft ihrer Genugtuung über den herzlichen Empfang durch die Herner Ausdruck. Die Herner Damen und Herren, an der Spitze unser erster Bürgermeister Dr. Sporleder, Bürgermeister Lampe, die Ärzte und Vorstände der Pflegevereine, ließen es an nichts fehlen, die Lage der Krieger erträglich und ihnen für den Augenblick vergesslich zu machen, dass sie eben aus fürchterlichen Kämpfen kamen.


Ein edler Wetteifer entstand, der rührend anzusehen war, zumal an freiwilligen Liebesgaben reichlich zur Verfügung stand. Nach einer Stunde erfolgte die Verteilung der Verwundeten auf Grund der getroffenen Zuteilung. Es kamen nach dem evangelischen Krankenhause 74, nach dem katholischen 69, nach der Zeche Shamrock 50, in das evangelische Kinderheim (Gartenstraße) 20, und zur Herner Dampfwäscherei (W. Schlenkhoff) 18.
Die Einrichtungen zur Verpflegung und Wiederherstellung der Verwundeten müssen überall als mustergültig bezeichnet werden. Mit Lesestoff über den Fortgang der Kriegsereignisse werden die Tapferen durch die Ortspresse versorgt werden. Auch anderer Lesestoff ist sehr erwünscht und wird an den betreffenden Stellen gern entgegengenommen.“
Am 30. September lesen wir des weiteren eine beherzigenswerte Mahnung im Interesse der hier weilenden Verwundeten an gleicher Stelle:
„Die in den hiesigen Lazaretten untergebrachten Verwundeten bedauern, dass die ihnen in Gestalt von Zigarren und Zigaretten bisher gemachten Liebesgaben neuerdings nur noch in beschränktem Maße zugehen. Die Herner werden sich hoffentlich nicht nachsagen lassen, dass sie die verwundeten Krieger, die im Felde Engländern und Franzosen das Fell so wacker vergerbten, knapp gehalten werden. Also: Ran mit den Glimmstengeln und Friedenspfeifen! Die Gaben können in den Lazaretten abgeben werden. Mehrere Geheilte verlassen schon heute wieder unsere Stadt: also ist Eile not, ihren gastlichen Ruf zu wahren.“
Genesungsheim Schlenkhoff arbeitet
Nun ging die Arbeit im Lazarett Schlenkhoff los. Eine Küche war in der Bahnhofstraße eingerichtet, über deren Leistungen die Verwundeten des Lobes voll waren. Sie wurden auch sonst in jeder Weise vorbildlich betreut und haben, wie wir weiter unten zeigen können, mit ihrem Lobe und herzlichem Dank für alles Gute nicht zurückgehalten. Liebesgaben flossen namentlich nach Erlass obigen Appells an die Herner, in reichem Maße: der Aufenthalt wurde zu einem zwanglos sich abwickelnden Tagesverlauf für die Soldaten. Höhepunkte bildeten die geselligen Abende, die von den um das Lazarett verdienten Herner Bürgern veranstaltet wurden.
Man erfüllt hier eine Pflicht der Dankbarkeit, wenn man vor allem des Herrn Wilhelm Schlenkhoff sen. gedenkt, dem das Entstehen dieses in jeder Hinsicht vorbildlichen kleinen Privatlazarettes zu danken war. Daneben gilt die Anerkennung allen jenen, die ihm halfen und das Werk förderten. Als Pflegerinnen und zur Beaufsichtigung der Fürsorge für die Verwundeten seien genannt Frau Martha Schlenkhoff, Frau Elfriede Schlenkhoff, Frau Dr. Friederichs (Herr Dr. Friederichs hatte die ärztliche Betreuung der Kranken), Frau Regierungsbaumeister Schäfer, Pastor Deichsel, Kaplan Menke, Frau Sanitätsrat Dr. Schauberg, Frau Rechtsanwalt Dr. Papentin und andere.
Ein Dokument aus jenen Tagen:
Und nun lassen wir ein Dokument auszugsweise sprechen, das besser als jeder Bericht von der Stimmung und Harmonie in diesem gastlichen Hause zeugen kann. Es ist das uns freundlichst vermittelte Gästebuch des Lazarettes Schlenkhoff, das als schöne Erinnerung in der Familie Schlenkhoff aufbewahrt wird. Es zeugt von dem gesunden und schönen Geist unserer Vaterlandsverteidiger und es beweist, wie dankbar sie sich für alle Wohltaten zu zeigen bemüht waren, die sie in den Wochen ihres Aufenthaltes erfahren durften. Leider ist das Buch nicht bis zur Aufhebung des Lazarettes im Jahre 1916 (Herbst) fortgeführt worden: dennoch geben die von uns ausgewählten Reime im „Schriftdeutsch“ ein Stimmungsbild jener Tage, das für sich sprechen möge.
Den Grundsatz des nationalsozialistischen Staates fühlte Musketier Gluth voraus, wenn man so sagen darf, als er schrieb:
Der Krieg verkündet unaufhörlich durch den Donnerton seiner Geschütze, daß der Einzelne und sein Leben, verschwindend wenig sei gegen das Leben seines Volkes, und daß jeder Einzelne sein Leben und Habe hinzugeben habe für sein Volk.
Zum Andenken an Familie Schlenkhoff,
Gewidmet von
Musketier Gluth[2],
Inftr. Regmt. 49 Gnesen, den 12. 11. 14.
Die Bayern, die als erste Gäste nach Herne kamen, verewigten sich in einfach ,schlichter Weise— kunstlos, aber gut gemeint—, mit folgenden Versen:
Nach Herne als ich kam verwundet an,
Die Leute uns alle verwundeten schauen an.
Von Staub und Schweiß bedeckt das Gesicht,
Doch die Liebe zum Vatterland erlischt dadurch nicht.
Liebe Verwanden von Herne, von hier scheit ich nicht gerne.—
Und als ich mußt das essen hollen gehn—
Da tat ich es nicht recht verstehn,
Als ich es verstanden nun, zog ich fort wie ein krankes Huhn,
Nun zog ich— o Graus— zu meinem
stolzen Franzmann wieder hinaus.
Hinterlassen:
Meidenbauer 5/11 Inf. Bayern Bamberg.
Vom 3. 10. bis 16. 16. 14.
Es zogen Verwundete her den Reihn,
In Herne bei Wilh. Schlenkhoffs kerten sie ein,
Daselbst gabs sehr gutes Essen, Bier und Wein,
Oh könten wir doch ewig bei Schlenkhoffs sein.
Aber ohne weiter eine Brücke zu schlagen überm Reihn
Führen wir weiter, ins Bayrisch Haym.
Gewidmet:
von Resv. Burger Inft. 10/2 Bayern.
Vom 3. 10. bis 16. 10. 14.
Gib uns Mut in den Gefahren,
Wenn der Feind uns ernst bedroht,
Das wir Treue dann bewahren,
Gehen freudig in den Tod,
Du bist unser Kriegspanier,
Gott mit uns, so siegen wir,
Nun, Heute scheid ich, Morgen wandre ich
Keine Seele weint um mich
Nun ade du schöne Hernestadt.
Zum Andenken an Familie Schlenkhoff,
Gewidmet von Reserv. Jakob Zirnbauer,
2. Bayr. Inft. Regt. 12. Kp München.
14 Tage lang gehegt, gepflegt
In Schlenkhoffs Lazarett zu Herne
Die Wunden heil, gestärkt, gestählt,
Zu neuem Kampf in Frankreichs Ferne.
Zum Abschied ein Händedruck
Lebt wohl, habt tausend Dank.
Es geht jetzt mit frischem Mut
Aufs neu ins Frankenland.
In dankbarer Erinnerung
an die Zeit vom 5.—20. Oktober des Kriegsjahres 1914
Michael Lapawa,
9. Komp. Inft. Rgt. 97 Herne.
Bald schlägt die Abschiedsstunde,
Aus Schlenkhoffs Genesungsheim
Es hat mir sehr gut gefallen
Im Paradies kann es auch nicht schöner sein.
Wir hatten alles, was unser Herz begehrt,
Oft wurden wir noch heimlich beschert.
Gepflegt wurden wir von echt deutschen Frauen,
Es war eine Lust, dies anzuschauen.
Nun aber heißt es scheiden von hier,
Diesen Tag vergeß ich im Leben nicht mehr.
Nun geht es in die Heimat, zu Frau und Kind,
Aber nur für kurze Zeit geschwind:
Dann heißt es wieder in's Feld zu zieh'n,
Für Kaiser und Reich meine Pflicht zu erfüllen.
Zum Andenken gewidmet
Kon. Oberleiter. Krankenträger, Sanitäts=Komp. Nr. 3 II. Bay. Armeek.
Als Dichter wollte sich Seb. Gohr gern ausgeben, leider wird jeder Reuter=Kenner sofort sehen, wo der Plagiator „geklaut" hat. Immerhin hat er Fritz Triddelfitz' poetischen Erguß recht geschickt für seine Zwecke zurechtgestutzt und bewiesen, wie schwer ihm der Abschied geworden ist:
O Wiedersehn, o Wiedersehn!
Bis dahin will ich nun von Euch gehn,
Will all mein Sehnen, all mein Denken
In den stillen Strom versenken.
Ach, ein Jüngling hat auch Stunden,
die man leider kaum versteht.
Aber Rache will ich üben
An dem Feind, der mich so kränkt.
Ich, der dies Gedicht geschrieben
Bin so schwer von Euch geschieden.
Gewidmet vom Inf. Seb. Gohr bayr. 17. Inf. Rgt. 11. Komp.
Vom 3. Oktober bis 13. November.
Etwas melancholisch und uns nicht so ganz verständlich ist das Gedicht „Wiedersehen". Aber auch dies ist psychologisch sehr interessant.
Heimat und Fremde
Wo hört die Heimat auf,
Und fängt die Fremde an?
Es liegt daran, wie weit
Das Herz ist aufgetan.
Ein enges Herz, das sich
Versteckt im Winkel hat,
Es findet fremdes Land
Drei Finger von der Stadt:
Ein weites aber hat
Das Fernste sein genannt,
Als wie vom Himmel
Wird die blüh´nde Welt umspannt.
Wiedersehn.
Mein Vater hatte einen Garten,
Der grenzte an einen Zaun,
Dort durft' ich mein Liebchen erwarten
Und ihm in die Augen schaun...
Jetzt lieg ich im Feldlazarette,
Verwundet bis auf den Tod.
Das taten die Bajonette,
Die unser Land bedroh'n...
Ich werd' wohl sterben müssen!
— Eine Schwester sich über mir neigt,
Sie tat die Stirn mir küssen
Und hat mir ihr Antlitz gezeigt...
Dein Vater besaß einen Garten,
Denkst du der Zeit noch?
Dort kamst du, mich stets zu erwarten,
Lebewohl! und die Stimme ihr brach.-
Dieses schrieb ich zum Andenken an die gut verlebten Tage in Schlenkhoffs Genesungsheim vom 14. September bis 16. November.
Musketier Borkert II,
27. Inf. Regt. 3. Komp. Halberstadt.
Eindrucksvoll und nicht ohne Geschick hat ein hannoverscher Königsulan ein Kriegserlebnis in Verse gebracht und dadurch seine Dankbarkeit dem Hause Schlenkhoff bezeugt:
[Anm. d. Red.: Dieses Gedicht wurde aufgrund seines kriegsverharmlosenden und martialischen Inhalts aus dem Text entfernt. Interessierte Leserinnen und Leser können es im Original nachlesen.]
Dieses schrieb in dankbarer Erinnerung an die gut verlebte Zeit vom 3. Oktober bis 17. November 1914 in Schlenkhoff Genesungsheim
Gefreiter Robert Feklies,
3. Esk. Königs=Ulanen=Regt. 1. Hannov. Nr. 13
R. Feklies, Dohnsen, Kr. Holzminden.
Zum Schluss unserer kleinen Auslese aus dem Gästebuch sollen noch zwei Gedichte versöhnlicher Art hier Platz finden, die an einige der um das Wohl der Verwundeten besorgten Damen gerichtet sind und die ganze Anhänglichkeit der Lazarettinsassen dokumentieren:
Frau Sanitätsrat Dr. Schauberg gewidmet am 6. Dezember 1914.
Die Tabaksgranaten,
Die Sie uns gebracht,
Haben den Soldaten
Riesig große Freud gemacht.
Jeder raucht nun mit Behagen
Nach dem Essen mit Bedacht.
Die Zigarren, frei wollen wirs sagen,
Frau Sanitätsrat uns gebracht.
Nehmen Sie drum den Dank entgegen
Von den kranken Kriegern,
Und sind wir wieder auf Schlachtenwegen,
Fürs Vaterland wir wollen siegen.
Auch Frau Rechtsanwalt Dr. Papentin
Unser Dank gebührt fürwahr,
Ins Feld ihr Herr Gemahl mußt ziehn:
Schütz Gott ihn vor der Feinde Schar!
Die verwundeten Krieger
des Genesungsheims Schlenkhoff.
Frau Regierungsbaumeister Schäfer gewidmet zum Geburtstage.
Nachträgliche Gratulation!
Kuchen haben Sie uns beschert
Zu ihrem Wiegenfeste,
Leider hat man uns erst heut belehrt.
Das wir waren Ihre Gäste.
Wir bitten drum nachträglich noch,
Daß Sie nehmen unsren Dank entgegen
Und möge der gewaltige Gott
Sie behüten auf allen Wegen.
Die verwundeten Krieger
des Genesungsheims Schlenkhoff.
Herne, den 5. Dezember 1914.
Heute— nach zwanzig Jahren— liest diese schlichten, ehrlich und gut gemeinten Ergüsse nicht ohne herzliches Empfinden. Wer von diesen braven Soldaten mag, nachdem er wieder ins Feld gerückt ist, heimgekehrt sein? Von vielen enthält dieses Buch letzte Worte, letzte Grüße, letzte Dankesbeweise ... Darum wollen wir unsere Erinnerungsbetrachtung beschließen, indem wir heut aller derer gedenken, die für uns bluteten und starben— ihnen in unseren Herzen ein Gedenkmal errichten:
den deutschen Feldgrauen des Weltkrieges, die einmalig sind in der Geschichte des Erdballs!
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Quellen
- ↑ Herner Zeitung 11. September 1934. Online auf: https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/21315019
- ↑ Gerhard Gluth aus Rummelsburg. Erneut am 17. Dezember 1915 und am 7. September 1916 verwundet.
Eine Gruppe Verwundeter mit ihren Betreuern. In der Mitte Herr Wilhelm Schlenkhoff sen.
