Waldemar Rochol (Firma)
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Die Firma Waldemar Rochol gehörte zu den prägenden frühen Handelsunternehmen der Stadt Herne und ist eng mit dem wirtschaftlichen und städtebaulichen Aufstieg Hernes von einem ländlichen Dorf zur Industriestadt verbunden.
Anfänge und Familiengeschichte

Der Kaufmann Waldemar Rochol kam im Jahr 1861 nach Herne, als der Ort noch rund 2.000 Einwohner zählte. Zu dieser Zeit begann gerade das Abteufen der Zeche Shamrock. Zeitgenössische Briefe aus dem Familienkreis spiegeln die Unsicherheit der frühen Industrialisierung wider, etwa in der Warnung, den „Engländern“ – gemeint waren die ausländischen Fachkräfte – nichts zu borgen, da sie „heute hier und morgen da“ seien.
Waldemar Rochol heiratete Ernestine Baltz aus Bochum, eine Verwandte der späteren Modegeschäftsfamilie Baltz. Eine Schwester Rochols führte zunächst den Haushalt und äußerte Bedenken, sich „auf dem Lande“ einzuleben.
Geschäft und Immobilien an der Bahnhofstraße
Rochol erwarb 1867 das Haus Bahnhofstraße 63 (Ecke Von-der-Heydt-Straße), damals noch Juckweg genannt. Das Anwesen war zuvor kurzzeitig im Besitz von Schmidt zu Sodingen, der es für 6.800 Taler an ihn verkaufte. Im Erdgeschoss befand sich das Ladengeschäft, in dem ein breit gefächertes Sortiment angeboten wurde: Stoffe, Schuhe, Koffer, Lebensmittel und diverse Haushaltswaren. Zeittypisch waren die Schnapsgläser vorsichtshalber an einer Kette befestigt.
In den Jahren 1896–1897 ließ Waldemar Rochol drei Häuser an der Ecke Bahnhofstraße / Von-der-Heydt-Straße errichten. 1898 entstand anstelle des alten Hauses auf der Bahnhofstraße ein Neubau mit Wirtschaft. Diese entwickelte sich später zur bekannten Wirtschaft Osthold.
5. September 1900 wurde die Handelsgesellschaft "Waldemar Rochol" in das Handelsregister eingetragen. 1973 wurde sie gelöscht.
Weiterführung und spätere Eigentümer
Nach dem Tod von Waldemar Rochol ging das Haus 1905 in den Besitz seiner Witwe Ernestine Rochol, geb. Baltz, über. 1908 war der Wirt Eduard Klüsener als Eigentümer eingetragen.
Das Handelsgeschäft selbst übernahm 1897 der älteste Sohn August Rochol. Er führte die Firma durch die Zeit des Ersten Weltkriegs und die schwierigen Nachkriegsjahre bis zu seinem Tod im Jahr 1933. Während des 1. Weltkrieges war die Firma zeitweise mit der Verteilung von Lebensmitteln für Urlauber und vorübergehend Anwesende betraut. == Bedeutung für die Stadtentwicklung ==
Die Firma W. Rochol, zuletzt ansässig Von-der-Heydt-Straße 1, konnte 1942 auf ein 75-jähriges Bestehen zurückblicken. Der Name Rochol ist eng mit der wirtschaftlichen, sozialen und städtebaulichen Entwicklung Hernes verbunden und steht exemplarisch für den Übergang vom dörflichen Handelsplatz zur industriell geprägten Großstadt.[1]

