Hauptstraße

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
Überblick
Hauptstraße im März 2016 [1]
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Benannt am3. November 1947
durch Stadtvertretung Wanne-Eickel [2]
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Die Hauptstraße ist eine der bedeutendsten historischen Verkehrs- und Geschäftsachsen im heutigen Stadtbezirk Wanne der Stadt Herne. Sie durchquert das ehemalige Stadtgebiet von Wanne-Eickel in Nord-Süd-Richtung und verbindet die historischen Siedlungsbereiche Bickern, Wanne und Eickel. Ihre Geschichte reicht bis in die Zeit vor der Industrialisierung zurück. Aus einem ländlichen Kommunikationsweg entwickelte sich im 19. Jahrhundert eine städtische Verkehrs- und Geschäftsstraße, die während der industriellen Wachstumsphase von Wanne und Eickel zu einer der wichtigsten Einkaufsstraßen der Stadt wurde. Heute ist die Hauptstraße zugleich historischer Erinnerungsraum, innerstädtische Verkehrsachse, Einzelhandelsstandort und Gegenstand umfangreicher Überlegungen zur Zukunft des Wanner Zentrums.

Historie

Geschichte

Der alte Verbindungsweg

Die Geschichte der heutigen Hauptstraße reicht weit vor die Entstehung der Städte Wanne und Wanne-Eickel zurück. Im Gemeinde-Atlas Eickel von 1823 ist der Weg als „Communicationsweg von Eickel nach Bickern“ verzeichnet. Auch im Gemeinde-Atlas Bickern ist die Verbindung aus demselben Jahr eingetragen.[5]

Der Weg verband ursprünglich ländliche Siedlungen und Höfe. Von einer eigentlichen Stadtstraße konnte noch keine Rede sein. Erst die tiefgreifenden Veränderungen des 19. Jahrhunderts gaben der Verbindung ihre spätere Bedeutung.

Mit der Industrialisierung entstanden im Raum Wanne und Eickel Zechen, Kokereien, Gewerbebetriebe und neue Wohngebiete. Die Bevölkerung wuchs innerhalb weniger Jahrzehnte erheblich. Aus den dörflichen Siedlungen entwickelte sich eine dicht bebaute Industrielandschaft.

Die Hauptstraße lag dabei auf einer für die Entwicklung besonders günstigen Achse. Sie verband nicht nur die Siedlungsbereiche miteinander, sondern führte durch jene Bereiche, in denen sich zunehmend Handel, Verwaltung, Gastronomie und Dienstleistungen konzentrierten.

Von mehreren Straßen zur Hauptstraße

Die heutige Hauptstraße existierte lange Zeit nicht unter einem einheitlichen Namen. Die einzelnen Abschnitte trugen unterschiedliche Bezeichnungen. Im Bereich Wanne bestand zwischen Dorstener Straße und Heidstraße zunächst die Cranger Straße. Sie wurde am 26. März 1912 in Bahnhofstraße umbenannt. Der anschließende Abschnitt von der Heidstraße bis Am Alten Amt trug bereits vor 1898 die Bezeichnung Bahnhofstraße.

Auf Eickeler Gebiet wurde der Abschnitt zwischen Am Alten Amt und Am Solbad am 24. April 1899 ebenfalls als Bahnhofstraße bezeichnet. Südlich davon bestanden die Viktoriastraße zwischen Am Solbad und Röhlinghauser Straße sowie die Kaiserstraße zwischen Röhlinghauser Straße und Richard-Wagner-Straße.[6]

Die verschiedenen Straßennamen spiegeln die Entwicklung der damaligen Gemeinden wider. Der nördliche Bereich orientierte sich zunehmend am Bahnhof und am wachsenden Zentrum von Wanne, während die Namen Viktoriastraße und Kaiserstraße den zeittypischen Namensgebrauch des Kaiserreichs widerspiegelten.

Hindenburgstraße und Friedrich-Ebert-Straße

Nach dem Ersten Weltkrieg änderten sich die politischen Rahmenbedingungen und damit auch die Straßennamen.

1918 wurde die Bahnhofstraße im Bereich Wanne und Crange in Hindenburgstraße umbenannt. Am 28. April 1926 folgte die Umbenennung der Bahnhofstraße, Viktoriastraße und Kaiserstraße in Eickel in Hindenburgstraße.[7] Damit erhielt der nahezu gesamte Straßenzug erstmals einen gemeinsamen Namen.

Nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde die Hindenburgstraße am 5. März 1946 zunächst in Friedrich-Ebert-Straße umbenannt. Bereits am 3. November 1947 beschloss die Stadtvertretung Wanne-Eickel die heutige Bezeichnung Hauptstraße.[8]

Die Namensgeschichte macht die Hauptstraße damit zugleich zu einem Beispiel für die politischen Veränderungen des 20. Jahrhunderts.

Industrialisierung und Stadtentwicklung

Eisenbahn und Verkehr

Die Entwicklung der Hauptstraße ist eng mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes verbunden. Der Eisenbahnbau machte Wanne im 19. Jahrhundert zu einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt des Ruhrgebiets. Der entstehende Bahnhof zog Handel, Gewerbe und Wohnbebauung an.

Die damalige Bahnhofstraße führte unmittelbar in das sich entwickelnde Zentrum. Auch die Gemeindeverwaltung war zeitweise an der heutigen Hauptstraße untergebracht. Als 1875 das Amt Wanne gegründet wurde, befanden sich die Amtsräume zunächst im Hause des Brennereibesitzers Hackert an der damaligen Bahnhofstraße. Wegen der beengten und wenig geeigneten Verhältnisse wurden die Amtsstuben kurze Zeit später in Räume an der damaligen Viktoriastraße verlegt.[9]

Die Lage der Hauptstraße zwischen Bahnhof, Verwaltung und Geschäftsbereich war damit bereits früh von zentraler Bedeutung.

Die Entstehung der Geschäftsstraße

Mit dem Bevölkerungswachstum entstand entlang der Hauptstraße eine immer dichtere Folge von Wohn- und Geschäftshäusern. Im Erdgeschoss siedelten sich Läden, Gaststätten und Handwerksbetriebe an, während die Obergeschosse überwiegend dem Wohnen dienten.

Die Hauptstraße wurde damit zu einem typischen Beispiel der innerstädtischen Entwicklung im industrialisierten Ruhrgebiet: Die Straße war gleichzeitig Verkehrsweg, Einkaufsstraße, Wohnort und sozialer Treffpunkt.

Besonders der Bereich zwischen dem ehemaligen Solbad Wanne und der Florastraße entwickelte sich zu einem Schwerpunkt des Wanne-Eickeler Geschäftslebens.[10]

Diese Entwicklung setzte sich im frühen 20. Jahrhundert fort. Neben kleinen Fachgeschäften entstanden größere Kaufhäuser und Warenhäuser. Die Hauptstraße wurde dadurch zunehmend zu einer zentralen Einkaufsstraße für die Bevölkerung von Wanne und Eickel.

Die Kaiserpassage

Eine besondere Stellung in der Geschichte der Hauptstraße nimmt die Kaiserpassage ein.

Die Passage entstand zwischen 1904 und 1912. Zwölf dreieinhalbgeschossige Wohn- und Geschäftshäuser mit Jugendstilfassaden bildeten ein städtebaulich zusammenhängendes Ensemble. Eine Glasüberdachung machte aus dem Durchgang eine geschützte Passage. Sie verband die im Aufbau befindliche Hauptgeschäftsstraße mit dem 1900 eröffneten Kaisergarten, dem späteren Stadtgarten Wanne.[11]

Die Passage war für die damalige Gemeinde Wanne ein ausgesprochen moderner städtebaulicher Akzent. Überdachte Einkaufspassagen waren um 1900 vor allem aus größeren europäischen Städten bekannt. Ihre Errichtung zeigt, welchen Anspruch Wanne bereits vor der Vereinigung mit Eickel entwickelte.

Der Name Kaiserpassage verwies auf den Zeitgeist des Kaiserreichs. Nach 1918 verlor die Bezeichnung ihren ursprünglichen politischen Bezug. Auch der nahegelegene Kaisergarten wurde nach dem Ende der Monarchie in Stadtgarten umbenannt.[12]

Die Passage ist damit zugleich ein Beispiel dafür, wie sich politische Geschichte und Stadtbild unmittelbar miteinander verbinden.

Handel und jüdisches Leben

Die Entwicklung der Hauptstraße zur Geschäftsstraße ist ohne die Geschichte der jüdischen Kaufleute in Wanne und Eickel nicht vollständig zu verstehen.

Die Industrialisierung schuf zahlreiche Arbeitsplätze und führte zu einer starken Zunahme des Handels. In Bickern, dem späteren Wanne, und in Eickel ließen sich jüdische Familien nieder, die vielfach im Einzelhandel, im Bankwesen und in anderen Gewerbezweigen tätig waren. Für die vereinigten Orte Wanne und Eickel sind für die Zeit vor dem Nationalsozialismus mehr als 50 jüdische Unternehmen nachgewiesen. Ein Schwerpunkt der Wohn- und Geschäftshäuser lag an der späteren Hauptstraße, die damals überwiegend Hindenburgstraße hieß.[13]

Zu den jüdischen Unternehmen gehörten Textil-, Konfektions-, Schuh-, Möbel-, Lebensmittel- und Metzgereigeschäfte sowie Kaufhäuser. Die Hauptstraße war damit Teil eines vielfältigen wirtschaftlichen Lebens, das von jüdischen und nichtjüdischen Geschäftsleuten gemeinsam geprägt wurde.

Zu den größeren Unternehmen gehörten unter anderem die Kaufhäuser Sommer & Co. beziehungsweise das spätere Kaufhaus Alsberg sowie weitere jüdische Warenhäuser. Auch das Geschäft von Abraham Leeser lässt sich an der späteren Hauptstraße nachweisen.[14]

Zerstörung jüdischer Geschäfte

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich das Geschäfts- und Gesellschaftsleben grundlegend. Jüdische Geschäftsleute wurden entrechtet, wirtschaftlich ausgegrenzt, zur Aufgabe ihrer Unternehmen gezwungen und schließlich verfolgt und deportiert.

Ein konkretes Beispiel ist die Familie Nussbaum. Im Haus Hauptstraße 234 lebte seit 1920 die Familie des jüdischen Schuhhändlers Isaak Nussbaum. Das Schuhgeschäft befand sich im Erdgeschoss. Während der Novemberpogrome 1938 wurden die Schaufenster zerstört. Nussbaum konnte einer Verhaftung zunächst entkommen; sein 14-jähriger Sohn Walter wurde dagegen verhaftet. Das Geschäft wurde anschließend im Zuge der nationalsozialistischen „Arisierung“ unter Zwang weit unter Wert verkauft.[15] Die Stadt Herne erinnert heute an mehreren Orten an die jüdische Geschichte. Unter anderem verweist eine Gedenktafel an der Hauptstraße 234 auf die Familie Nussbaum; eine weitere Gedenkstätte unter der Bezeichnung Hauptstraße II erinnert an jüdische Geschäfte entlang der Straße.[16]

Die Geschichte der Hauptstraße ist deshalb auch eine Geschichte des Verlustes. Zahlreiche Geschäfte, Familien und persönliche Lebensgeschichten, die einst selbstverständlich zum Stadtbild gehörten, wurden durch Verfolgung, Emigration, Deportation und Mord ausgelöscht.

Architektur und Stadtbild

Die Bebauung der Hauptstraße ist nicht einheitlich. Gerade diese Mischung verschiedener Bauzeiten macht ihren historischen Charakter aus.

Neben älteren Wohn- und Geschäftshäusern der Gründerzeit finden sich Gebäude aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, Bauten der 1920er Jahre und Nachkriegsarchitektur. Die Straße dokumentiert damit die Entwicklung vom Kaiserreich über die Weimarer Republik bis in die Bundesrepublik.

Hauptstraße 89

Ein bedeutendes Baudenkmal befindet sich im Eickeler Abschnitt mit dem Wohn- und Geschäftshaus Hauptstraße 89. Das Gebäude wurde 1929 nach Plänen des Wanne-Eickeler Architekturbüros Georg E. Gobrecht und Ferdinand Revermann für die Elektrizitätsversorgung Wanne-Eickel errichtet.

Der dreieinhalbgeschossige Bau steht stilistisch zwischen der Architektur der Moderne und dem Art déco. Natursteinplatten prägen insbesondere das Erdgeschoss und zentrale Fassadenbereiche. Das Gebäude wurde während des Zweiten Weltkriegs teilweise beschädigt und 1946 durch den Architekten Robert Kaul wiederhergestellt.[17]

Das Gebäude steht seit dem 13. September 2011 unter Denkmalschutz.[18]

Hauptstraße 224

Ein weiteres bedeutendes Baudenkmal ist das ehemalige Sparkassengebäude an der Hauptstraße 224. Das Geschäftshaus wurde 1926 bis 1928 nach Plänen von Georg E. Gobrecht und Ferdinand Revermann für die Stadtsparkasse Wanne-Eickel errichtet.

Der Bau gehört zu den bemerkenswerten Beispielen der modernen Architektur der 1920er Jahre in Wanne-Eickel. Die gerundete Gebäudeecke und die klare Gliederung der Fassade unterscheiden den Bau deutlich von der historistischen Architektur der Jahrhundertwende.[19]

Das Gebäude wird bis 2027 von der Herner Sparkasse genutzt und ist damit ein Beispiel für die dauerhafte Weiterverwendung eines historischen Geschäftshauses.[20]

Hauptstraße und Warenhäuser

Die Entwicklung der Hauptstraße als Einkaufsstraße erreichte nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Dimension. An die Stelle zahlreicher kleinerer Geschäfte traten zunehmend größere Kaufhäuser.

Besondere Bedeutung erlangte das Kaufhaus am Bereich Hauptstraße/Claudiusstraße. Das ursprünglich als Kaufhaus Sommer gegründete Unternehmen wurde später unter dem Namen Alsberg geführt. Nach der nationalsozialistischen Zwangsenteignung wurde das Unternehmen von der Firma Landfried übernommen.[21] Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnete dort 1950 ein Textilkaufhaus unter dem Namen Althoff. Es war die erste Neueröffnung des Unternehmens nach dem Krieg im Ruhrgebiet. Ende der 1960er Jahre wurde das Gebäude erweitert und zum Karstadt-Warenhaus umgebaut.[22]

1970 eröffnete Hertie ein weiteres Warenhaus im Wanner Zentrum. Das Unternehmen entwickelte sich zu einem wichtigen Anziehungspunkt. Besonders die Musikabteilung und die Cafeteria wurden zu Treffpunkten jüngerer Besucher.[23]

Die Entwicklung zeigt den Wandel des Einzelhandels: Die Hauptstraße war nicht mehr allein von kleinen Fachgeschäften geprägt, sondern wurde zunehmend durch großflächige Warenhäuser ergänzt.

Vom Einkaufsboulevard zur Fußgängerzone

Mit dem wachsenden Autoverkehr nach 1945 entstand ein grundlegendes Problem. Die Hauptstraße musste gleichzeitig Einkaufsstraße und leistungsfähige Verkehrsverbindung sein.

1968 wurden erste Überlegungen zur Einrichtung einer Fußgängerzone entwickelt. Aus zeitweisen Sperrungen der Hauptstraße entstand schließlich eine dauerhafte Fußgängerzone im Bereich des Wanner Zentrums. Damit wurde ein wesentlicher Teil der historischen Geschäftsstraße vom Durchgangsverkehr entlastet.[24] Die Veränderung war ein grundlegender Einschnitt. Die Hauptstraße wurde nun stärker als Aufenthalts- und Einkaufsraum verstanden. Gleichzeitig verlor sie im nördlichen Innenstadtbereich ihre frühere Funktion als durchgehende Verkehrsachse.

Der Wandel war typisch für viele Innenstädte des Ruhrgebiets. Nach der Phase des automobilen Wachstums setzte sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass attraktive Geschäftsstraßen nicht allein durch möglichst gute Erreichbarkeit mit dem Auto funktionieren.

Wanne-Eickel und die kommunale Neuordnung

Am 1. April 1926 waren die Gemeinden Wanne und Eickel zur Stadt Wanne-Eickel vereinigt worden. Die Hauptstraße erhielt damit eine besondere Bedeutung als verbindendes Element der neuen Stadt.

Nach der kommunalen Neugliederung des Ruhrgebiets wurde Wanne-Eickel am 1. Januar 1975 mit Herne vereinigt. Die Hauptstraße verlor dadurch ihre Funktion als innerstädtische Achse einer selbstständigen Stadt nicht. Sie blieb vielmehr das Zentrum des heutigen Stadtbezirks Wanne.

Die politische Geschichte der Straße reicht damit von den selbstständigen Gemeinden über die Stadt Wanne-Eickel bis zur heutigen Stadt Herne.

Veränderungen nach 1975

Nach der kommunalen Neuordnung veränderte sich das Verhältnis der Hauptstraße zum übrigen Stadtgebiet. Das Herner Zentrum wurde ausgebaut und modernisiert, während gleichzeitig neue Einkaufsstandorte außerhalb der traditionellen Geschäftsstraßen entstanden.

Für Wanne bedeutete dies eine zunehmende Konkurrenz. Das Wanner Zentrum blieb zwar ein bedeutender Dienstleistungs- und Einzelhandelsstandort, verlor aber Teile seiner früheren überregionalen Bedeutung.

Besonders einschneidend war die Entwicklung des Warenhaussektors. Das Karstadt-Haus an der Hauptstraße wurde 1983 geschlossen. Auch Hertie verschwand später aus dem Wanner Zentrum. Damit gingen zwei wichtige Anziehungspunkte des früheren Einkaufszentrums verloren.[25]

In der Folge entstanden Leerstände, Nutzungswechsel und eine stärkere kleinteilige Mischung unterschiedlicher Betriebe. Der Charakter der Hauptstraße veränderte sich damit erneut.

Stadtumbau Wanne-Mitte

Die strukturellen Veränderungen führten zu neuen städtebaulichen Konzepten. Mit dem Stadtumbauprojekt jetzt Wanne! sollte das Wanner Zentrum langfristig stabilisiert und weiterentwickelt werden.

Die Stadt Herne benannte als zentrale Herausforderungen Bevölkerungsrückgang, demografischen Wandel und wirtschaftlichen Strukturwandel. Gleichzeitig sollte Wanne-Mitte seine Funktion als lebendiges Stadtbezirkszentrum behalten und als Wohnstandort weiterentwickelt werden.[26]

Die Hauptstraße bildet dabei eine der wichtigsten Achsen des Stadtumbaugebiets.

Neugestaltung der Fußgängerzone

Im Bereich zwischen Buschmannshof und Claudiusstraße/Parkstraße wurde die Hauptstraße punktuell neu gestaltet. Ziel war eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität und eine Stärkung des Einzelhandels- und Gewerbestandortes.

Das vorhandene Stadtmobiliar wurde vereinheitlicht. Im Zuge der Umgestaltung wurden 16 neue Straßenbäume gepflanzt. Die Maßnahme orientierte sich am Leitbild einer „Stadtallee“, das bereits 2007 im Rahmen eines Gestaltungsrahmenkonzeptes für Wanne-Mitte entwickelt worden war.[27]

Damit erhielt die Hauptstraße neben ihrer Einkaufsfunktion stärker den Charakter eines öffentlichen Aufenthaltsraumes.

Glückaufplatz und südlicher Innenstadtzugang

Ein weiterer Schwerpunkt war der Bereich zwischen Buschmannshof, Glückaufplatz und Berliner Straße.

Der Glückaufplatz bildet den südlichen Eingang in das Wanner Zentrum und besitzt dadurch eine besondere städtebauliche Bedeutung. Die Stadt bezeichnete ihn als eine Art „Visitenkarte“ des Zentrums.[28]

Im Zusammenhang mit der Ansiedlung von Kaufland wurde der Platz neu gestaltet. Auch das Teilstück der Hauptstraße zwischen Glückaufplatz und Buschmannshof wurde aufgewertet.

Der motorisierte Individualverkehr wurde in diesem Bereich ausgeschlossen. Straßenbahnen und Busse verkehren weiterhin. Durch den Wegfall der Stellplätze entstanden gleichzeitig Möglichkeiten für Außengastronomie und eine stärkere Nutzung des Straßenraums.[29]

Die Hauptstraße als Versorgungszentrum

Die Hauptstraße besitzt heute nicht mehr überall dieselbe Funktion. Ihre Bedeutung verteilt sich auf mehrere Zentren.

Im Bereich Wanne-Mitte liegt das Stadtbezirkszentrum entlang der Hauptstraße zwischen Parkstraße beziehungsweise Claudiusstraße und dem Glückaufplatz.[30]

Weiter nördlich befindet sich entlang der Hauptstraße zwischen Unser-Fritz-Straße und Lortzingstraße beziehungsweise Kolpingstraße das Ortsteilzentrum Wanne-Nord.[31]

Im Süden bildet die Hauptstraße einen wesentlichen Bestandteil des Ortsteilzentrums Eickel. Dieses erstreckt sich über die Hauptstraße zwischen Neue Kampstraße und Richard-Wagner-Straße beziehungsweise Rainerstraße und umfasst auch den Bereich des Eickeler Marktes.[32]

Damit besitzt die Hauptstraße bis heute eine ungewöhnlich große räumliche Bedeutung. Sie verbindet mehrere historische und gegenwärtige Zentren miteinander.

Die Hauptstraße heute

Die Hauptstraße präsentiert sich heute als Folge unterschiedlicher Stadträume.

Im Norden prägen Wohn- und Geschäftshäuser, Nahversorgung und Verkehr das Straßenbild. Im Zentrum von Wanne befindet sich der wichtigste zusammenhängende Geschäfts- und Fußgängerbereich. Südlich davon nimmt der Anteil von Wohnen und gemischten Nutzungen zu, bevor die Straße im Bereich Eickel erneut eine ausgeprägte Zentrumsfunktion erhält.

Diese Unterschiede sind historisch gewachsen. Die Hauptstraße ist deshalb weniger als einheitlicher Boulevard denn als Abfolge verschiedener städtischer Räume zu verstehen.

Der historische Gebäudebestand ist dabei ein wesentlicher Bestandteil ihrer Identität. Auch wenn zahlreiche Gebäude verändert, modernisiert oder durch Neubauten ersetzt wurden, lassen sich an der Hauptstraße noch heute verschiedene Entwicklungsphasen der Stadtgeschichte ablesen.

Die Hauptstraße als Erinnerungsort

Neben Handel und Verkehr besitzt die Hauptstraße eine besondere erinnerungskulturelle Bedeutung.

Hier lässt sich die Entwicklung Wanne-Eickels nahezu exemplarisch verfolgen: vom ländlichen Kommunikationsweg über die Industriestadt bis zur heutigen Großstadt Herne.

Die Straße erinnert zugleich an das jüdische Leben in Wanne-Eickel. Die Gedenkorte Hauptstraße 234 und Hauptstraße II machen sichtbar, dass die Geschäftsstraße einst von jüdischen Kaufleuten und Familien mitgeprägt wurde.[33]

Diese Erinnerung ist insbesondere deshalb wichtig, weil sich der Verlust jüdischer Geschäfte und Familien heute im normalen Straßenbild kaum noch erkennen lässt. Die erhaltenen Häuser sind vielfach weiterhin vorhanden, während ihre früheren Bewohner und Nutzer verschwunden sind.

Die Hauptstraße ist somit nicht nur ein Ort des heutigen Handels, sondern auch ein historischer Erinnerungsraum.

Zukunft

Vom Einkaufszentrum zum gemischten Stadtzentrum

Die Zukunft der Hauptstraße wird wesentlich davon abhängen, ob sie ihre Funktion als reine Einkaufsstraße überwinden und sich zu einem vielseitigen innerstädtischen Raum weiterentwickeln kann.

Die Veränderungen des Einzelhandels machen eine Rückkehr zur Geschäftsstraße der 1950er bis 1970er Jahre unwahrscheinlich. Großflächige Warenhäuser können ihre frühere Rolle nicht ohne weiteres zurückgewinnen. Gleichzeitig bedeutet dies nicht zwangsläufig einen Bedeutungsverlust der Straße.

Stattdessen gewinnen andere Nutzungen an Bedeutung: Dienstleistungen, Gastronomie, Wohnen, soziale Einrichtungen, Kultur und kleinteiliger Einzelhandel können miteinander verbunden werden.

Das städtebauliche Entwicklungskonzept der Stadt Herne verfolgt entsprechend einen Ansatz, der sowohl die Entwicklung des Stadtbezirkszentrums als auch die Entwicklung Wanne-Mittes als Wohnstandort umfasst.[34]

Rathauscarrée

Ein bedeutender Bereich für die weitere Entwicklung liegt unmittelbar westlich der Hauptstraße im Umfeld des Rathauses.

Der Bebauungsplan Nr. 264 Rathauscarrée umfasst rund 2,8 Hektar zwischen Haydnstraße, Rathausstraße, Heinestraße und Hauptstraße. Ziel ist die städtebauliche Neuordnung und Aufwertung eines zentralen Bereichs der Wanner Innenstadt.[35]

Damit wird die Hauptstraße künftig noch stärker mit dem Bereich zwischen Rathaus, Hauptstraße und den angrenzenden Straßen verbunden sein.

Die Entwicklung des Rathauscarrées ist deshalb nicht nur für einzelne Grundstücke relevant. Sie kann Auswirkungen auf die gesamte südliche Wanner Innenstadt und damit auch auf die Funktion der Hauptstraße haben.

Gestaltung und Aufenthaltsqualität

Auch die Gestaltung des öffentlichen Raumes bleibt ein Thema. 2026 führte die Stadt Herne einen Stadtspaziergang durch die Wanner Innenstadt durch. Die Route führte vom Rathaus über die Hauptstraße bis zur Mozartstraße und anschließend zum Glückaufplatz. Dabei wurden unter anderem Barrierefreiheit, Werbeanlagen und Sauberkeit angesprochen.[36]

Die Beteiligung zeigt, dass die Zukunft der Hauptstraße nicht ausschließlich eine Frage des Handels ist. Ebenso wichtig sind Erscheinungsbild, Aufenthaltsqualität, Zugänglichkeit und die Wahrnehmung des öffentlichen Raumes.

Verkehr und Mobilität

Die Hauptstraße wird auch künftig eine wichtige Verkehrsachse bleiben. Dabei treffen unterschiedliche Interessen aufeinander: Fußgänger, Radfahrer, Straßenbahn, Busverkehr, Lieferverkehr und motorisierter Individualverkehr benötigen jeweils Raum.

Bereits die Geschichte der Straße zeigt, dass ihre Funktion mehrfach verändert wurde. Aus dem alten Verbindungsweg wurde eine Verkehrs- und Geschäftsstraße; später wurde ein Teil zur Fußgängerzone. Die heutige Entwicklung setzt diese Anpassung fort.

Für die Zukunft wird daher entscheidend sein, wie die unterschiedlichen Mobilitätsformen miteinander verbunden werden können, ohne die Hauptstraße ihrer Aufenthalts- und Geschäftsqualität zu berauben.

Grün und Stadtklima

Die bisherigen Umgestaltungen zeigen außerdem eine stärkere Bedeutung von Begrünung. Die Pflanzung neuer Straßenbäume im Bereich der Fußgängerzone war Bestandteil des Leitbildes einer Stadtallee.[37]

Vor dem Hintergrund steigender Temperaturen und häufiger sommerlicher Hitze gewinnt dieser Aspekt weiter an Bedeutung. Schatten, Bäume, begrünte Flächen und Aufenthaltsmöglichkeiten können dazu beitragen, die Aufenthaltsqualität der Innenstadt zu verbessern.

Die Begrünung ist damit nicht lediglich eine gestalterische Frage, sondern Bestandteil einer langfristigen Anpassung innerstädtischer Räume an veränderte klimatische Bedingungen.

Kunst und Kultur im öffentlichen Raum

Eine neue Entwicklung der Hauptstraße ist ihre zunehmende Nutzung als Ort für Kunst und kulturelle Veranstaltungen. Besonders deutlich wurde dies im Zusammenhang mit der Manifesta 16 Ruhr im Jahr 2026.

Die europäische Kulturbiennale fand vom 21. Juni bis zum 4. Oktober 2026 erstmals im Ruhrgebiet statt. Die eigentlichen Ausstellungsorte lagen in Duisburg, Essen, Gelsenkirchen und Bochum. Ergänzend dazu wurden im Rahmen des Programms Manifesta 16+ Projekte lokaler Künstler und Initiativen in weiteren Ruhrgebietsstädten durchgeführt. Herne war mit dem Projekt „Catch the Light – build bridges“ vertreten.[38]

Für Herne konzentrierte sich das Projekt auf die Christuskirche Wanne und ihr Umfeld an der Hauptstraße. Die Kirche befindet sich an der Hauptstraße 245 und wurde damit zu einem zentralen Veranstaltungsort des Wanner Manifesta-Programms.[39]

Die Manifesta verband dabei Kunst und Stadtentwicklung. Unter dem Titel „Catch the light – build bridges“ wurde die Hauptstraße nicht lediglich als Veranstaltungsort genutzt. Vielmehr sollte der öffentliche Raum selbst zum kulturellen Schauplatz werden. Tanz, Literatur, Musik, Lichtkunst und partizipative Angebote wurden unmittelbar mit dem Straßenraum und dem Umfeld der Christuskirche verbunden.[40]

Lichtachse Hauptstraße

Ein besonderes Element des Manifesta-Jahres war die geplante beziehungsweise umgesetzte Lichtachse Hauptstraße. Sie war Bestandteil des Herner Begleitprogramms und sollte den öffentlichen Raum der Wanner Innenstadt durch eine besondere Beleuchtung gestalterisch hervorheben.[41]

Die Lichtgestaltung steht dabei in einem größeren Zusammenhang. Während die Hauptstraße historisch durch Geschäfte, Fassaden, Schaufenster und Straßenbeleuchtung geprägt war, wird Licht zunehmend als eigenständiges Gestaltungselement des öffentlichen Raumes eingesetzt.

Damit verbindet sich eine städtebauliche und kulturelle Zielsetzung: Die Hauptstraße soll auch außerhalb der üblichen Geschäftszeiten wahrnehmbar und attraktiv bleiben. Licht kann dabei Orientierung schaffen, historische oder architektonisch interessante Bereiche hervorheben und den Straßenraum als Aufenthaltsort stärker inszenieren.

Die Lichtachse ist deshalb auch unter dem Gesichtspunkt der zukünftigen Stadtentwicklung interessant. Sie steht für den Versuch, die Hauptstraße nicht allein über den Einzelhandel zu definieren, sondern zusätzliche Gründe für einen Besuch und Aufenthalt zu schaffen.

Manifesta 16+ in Wanne

Den Höhepunkt des Herner Manifesta-Programms bildeten am 18. und 19. September 2026 zwei Veranstaltungstage rund um die Christuskirche und die Hauptstraße.

Unter freiem Himmel fanden unter anderem ein Light Graffiti Workshop der Jugendkunstschule, eine öffentliche Generalprobe beziehungsweise Aufführung des Light-Dancetheaters von Pottporus und dem Emscherland-Akkordeon-Orchester sowie ein Light-Night Picknick statt. Im Gebäude der Christuskirche wurden unter anderem Workshops, Ausstellungen, Lesungen und Gesprächsveranstaltungen durchgeführt.[42]

Die Hauptstraße wurde dabei selbst zum Veranstaltungsraum. Dies ist städtebaulich bemerkenswert, weil der Straßenraum nicht nur als Kulisse diente, sondern Bestandteil der kulturellen Inszenierung wurde.

Auch die Ausstellung des großen Fischertechnik-Seilbahnmodells in einem Ladenlokal an der Hauptstraße 259 verband die kulturelle Veranstaltung mit einer möglichen Zukunftsvision für Wanne-Eickel. Das Modell zeigte eine geplante Seilbahnverbindung zwischen dem Wanne-Eickel Hauptbahnhof und dem Gelände Blumenthal hoch3. Die Ausstellung war vom 18. bis 27. September 2026 vorgesehen.[43]

Damit wurde ein leerstehendes beziehungsweise anderweitig genutztes Ladenlokal an der Hauptstraße vorübergehend zu einem Ort für Ausstellung, Technikvermittlung und Stadtentwicklung.

Die Hauptstraße als Kunstort

Bereits vor dem eigentlichen Manifesta-Wochenende wurde die Hauptstraße durch verschiedene Aktionen als Kunst- und Kulturraum inszeniert.

Unter dem Titel „Mal Wanne“ fand am 1. September 2026 ein Urban-Sketching-Angebot unmittelbar vor der Christuskirche statt. Bürgerinnen und Bürger konnten die Hauptstraße zeichnerisch erfassen und damit ihre alltägliche Umgebung selbst zum Gegenstand künstlerischer Betrachtung machen.[44]

Am 4. September folgte mit „Tango Wannentino“ eine öffentliche Tanzveranstaltung auf dem Vorplatz der Christuskirche. Auch hier wurde der Straßenraum der Hauptstraße zum Ort einer kulturellen Veranstaltung.[45]

Diese Veranstaltungen stehen für einen Perspektivwechsel. Die Hauptstraße wird nicht mehr nur als Einkaufsstraße betrachtet, sondern als öffentlicher Raum, der von den Menschen aktiv genutzt und kulturell gestaltet werden kann.

Die Hauptstraße und die Zukunft des Wanner Zentrums

Die Entwicklungen des Jahres 2026 zeigen eine mögliche zusätzliche Perspektive für die Hauptstraße. Neben Handel und Dienstleistungen können Kultur, Kunst und Veranstaltungen zu Bestandteilen der zukünftigen Innenstadtentwicklung werden.

Das ist auch vor dem Hintergrund des Strukturwandels im Einzelhandel von Bedeutung. Die klassischen Warenhäuser, die das Wanner Zentrum über Jahrzehnte prägten, sind verschwunden. Gleichzeitig gibt es leerstehende oder wechselnd genutzte Ladenlokale.

Ein Kulturprogramm kann den Verlust des traditionellen Einzelhandels nicht ersetzen. Es kann jedoch dazu beitragen, Menschen in die Innenstadt zu bringen und Räume anders wahrzunehmen. Veranstaltungen wie die Manifesta-Aktionen, Urban Sketching, Tanz, Lichtkunst oder Ausstellungen nutzen dabei vorhandene Räume und können zeitweise auch Leerstände aktivieren.

Gerade die Verbindung von Kunst und Stadtentwicklung könnte deshalb für die weitere Entwicklung der Hauptstraße von Bedeutung sein.

Licht und Kunst als langfristiges Element

Ob aus den temporären Maßnahmen des Manifesta-Jahres dauerhafte Einrichtungen oder regelmäßige Veranstaltungen entstehen, ist eine Frage der weiteren Stadtentwicklung. Die Erfahrungen des Jahres 2026 bieten jedoch einen Ansatzpunkt.

Eine dauerhaft oder regelmäßig bespielte Lichtachse könnte die Hauptstraße beispielsweise mit dem Glückaufplatz, dem Buschmannshof, der Christuskirche und weiteren öffentlichen Räumen verbinden. Dabei wäre allerdings zwischen dauerhafter künstlerischer Lichtgestaltung und einer bloßen Eventbeleuchtung zu unterscheiden.

Für die historische Hauptstraße wäre insbesondere eine Gestaltung interessant, die auf ihre Architektur und Geschichte Bezug nimmt. Historische Fassaden, ehemalige Geschäftshäuser, Denkmäler und Erinnerungsorte könnten dabei stärker sichtbar gemacht werden.

Kunst im öffentlichen Raum könnte so eine zusätzliche Ebene der Stadtgeschichte vermitteln.

Die Zukunft der Hauptstraße

Die Zukunft der Hauptstraße wird nicht in einer Rückkehr zur klassischen Einkaufsstraße der Nachkriegsjahrzehnte liegen. Der Strukturwandel des Einzelhandels, der Onlinehandel und veränderte Einkaufsgewohnheiten haben die Voraussetzungen grundlegend verändert. Für die Hauptstraße kommt es daher zunehmend darauf an, unterschiedliche Funktionen miteinander zu verbinden: Einzelhandel und Dienstleistungen, Wohnen und Gastronomie, öffentlicher Verkehr, Fuß- und Radverkehr, Grün- und Aufenthaltsflächen sowie Kultur und Veranstaltungen.

Die Entwicklungen des Jahres 2026 zeigen hierfür neue Ansätze. Mit der Manifesta 16 Ruhr, der Lichtachse Hauptstraße, Urban Sketching, Tanzveranstaltungen und weiteren Kulturangeboten wurde die Straße zeitweise selbst zum Kunst- und Veranstaltungsraum. Auch die Ausstellung des großen Fischertechnik-Seilbahnmodells im Ladenlokal Hauptstraße 259 zeigte, wie leerstehende oder anderweitig verfügbare Geschäftsräume vorübergehend für kulturelle und stadtgesellschaftliche Zwecke genutzt werden können.[46]

Die Lichtkunst eröffnet dabei eine zusätzliche Perspektive. Eine dauerhafte oder regelmäßig wiederkehrende Lichtgestaltung könnte künftig historische Gebäude, Plätze und Erinnerungsorte miteinander verbinden und die Hauptstraße auch außerhalb der Geschäftszeiten stärker als öffentlichen Raum erfahrbar machen. Ob aus den temporären Projekten des Jahres 2026 eine dauerhafte Licht- oder Kulturachse entsteht, bleibt abzuwarten.

Eine wichtige Rolle für die weitere Entwicklung spielt außerdem das Rathauscarrée. Der Bereich zwischen Haydnstraße, Rathausstraße, Heinestraße und Hauptstraße soll städtebaulich neu geordnet und weiterentwickelt werden.[47] Seine Entwicklung kann die Verbindung zwischen Rathaus, Hauptstraße und dem Wanner Zentrum stärken.

Damit zeichnet sich für die Hauptstraße ein Wandel vom überwiegend konsumorientierten Geschäftsraum zu einem stärker gemischten innerstädtischen Raum ab. Handel bleibt dabei ein Bestandteil, wird aber durch Wohnen, Dienstleistungen, Gastronomie, Kultur, Kunst und öffentliche Aufenthaltsmöglichkeiten ergänzt.

Die Geschichte der Hauptstraße zeigt, dass ihr Charakter nie statisch war. Vom ländlichen Kommunikationsweg über die Industriestadtstraße und die große Einkaufsstraße bis zur heutigen Fußgängerzone hat sie sich mehrfach an veränderte Bedingungen angepasst. Die Einbeziehung von Kunst und Licht im Jahr 2026 ist daher weniger ein Bruch als eine weitere Phase dieser Entwicklung.

Hausnummern

Nr Was ist oder war hier Foto
127
  • 1904 als Reichsbanknebenstelle erbaut
  • 1966 bis 2018 evangelisch-freikirchliche Friedenskirche
Infos
159 Bis zum 31. Oktober 2024 befand sich hier die Tanzschule Diel
258 Bis zum 28. Juni 2025 ware hier ein REWE-Markt
295 Kompetenzagentur Herne und "Brockenhaus" der Gesellschaft freie Sozialarbeit e.V. (GFS).

Bilder

Literatur

Literatur und Quellen

  • Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen'. Bearbeitet von Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux und Franz Heiserholt. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Herne 1997.
  • Wanne-Eickeler Anzeiger 17.04.1954.
  • Wanne-Eickeler Zeitung 31.03.1934 und 13.02.1938
  • WAZ 01.05.1952.
  • Westfälische Rundschau 05.05.1951.
  • Stadt Herne: Hauptstraße, Straßenverzeichnis.
  • Stadt Herne: Rathaus Wanne – Die Historie.
  • Stadt Herne: Projekt „jetzt Wanne!“ – Städtebauliches Entwicklungskonzept.
  • Stadt Herne: Neue Attraktivität für die Hauptstraße.
  • Stadt Herne: 2. Bauabschnitt Hauptstraße und Glückaufplatz.
  • Stadt Herne: Nahtstellen, fühlbar, hier… – dezentrale Erinnerungsorte zur jüdischen Geschichte.
  • Stadt Herne: Bebauungsplan Nr. 264 – Rathauscarrée.
  • Stadt Herne: Neue Gestaltungssatzung: Rege Beteiligung am Stadtspaziergang durch die Innenstadt Wanne, 16. Juli 2026.
  • Bürgerillustrierte Herne, 1976, Beitrag zur Entwicklung des Glückaufplatzes und der Fußgängerzone.
  • Wilhelm Schulte: Herne-Wanne-Eickel, historische Darstellung zur jüdischen Geschichte und den jüdischen Unternehmen.
  • Urban Arts und Dritte Orte. Frühere Warenhäuser als Impulsgeber für eine gemeinwesenorientierte Zentrenentwicklung, 2026.
  • baukunst-nrw: Sparkasse Wanne-Eickel, Hauptstraße 224.

Lesen Sie auch

Quellen

  1. ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Foto: Gerd Biedermann †
  2. ↑ StAH, Protokollbuch der Stadtvertretung Wanne-Eickel 1945 - 1948, Blatt 106, TOP 4.
  3. ↑ VuKAH, Gemeinde-Atlas Eickel 1823. Übersichts-Handriß.
  4. ↑ VuKAH, Gemeinde-Atlas Bickern 1823. Übersichts-Handriß.
  5. ↑ Stadt Herne: Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, bearbeitet von Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux und Franz Heiserholt, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Herne 1997, Stichwort „Hauptstraße“.
  6. ↑ Stadt Herne: Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stichwort „Hauptstraße“.
  7. ↑ Stadt Herne: Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stichwort „Hauptstraße“.
  8. ↑ Stadt Herne: Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stichwort „Hauptstraße“; Stadt Herne, Straßenverzeichnis, „Hauptstraße“.
  9. ↑ Stadt Herne: Rathaus Wanne – Die Historie.
  10. ↑ Stadt Herne: Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stichwort „Hauptstraße“.
  11. ↑ Stadt Herne: Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stichwort „Kaiserpassage“; Stadtarchiv Herne, Protokollbuch der Gemeindevertretung Wanne 1902–1906, Blatt 354, TOP 16.
  12. ↑ Stadt Herne: Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stichwort „Kaiserpassage“.
  13. ↑ Vgl. Wilhelm Schulte: Herne-Wanne-Eickel, in: Neue Folge der Historischen Kommission für Westfalen, sowie die dort ausgewerteten lokalen Quellen und Unternehmensnachweise.
  14. ↑ Vgl. Wilhelm Schulte: Herne-Wanne-Eickel; Stadt Herne, Projekt „Nahtstellen“.
  15. ↑ Stadt Herne: Projekt Nahtstellen, fühlbar, hier…, Gedenkort Hauptstraße 234; vgl. die dort dokumentierte Geschichte der Familie Nussbaum.
  16. ↑ Stadt Herne: Nahtstellen, fühlbar, hier…, Übersicht der dezentralen Erinnerungsorte.
  17. ↑ Vgl. Denkmaldokumentation der Stadt Herne, Hauptstraße 89; Stadt Herne, Denkmalliste.
  18. ↑ Stadt Herne, Denkmaldokumentation Hauptstraße 89, Denkmal Nr. A 716.
  19. ↑ baukunst-nrw: Sparkasse Wanne-Eickel, Hauptstraße 224; Stadt Herne, Denkmaldokumentation.
  20. ↑ Herner Sparkasse, Niederlassung Wanne, Hauptstraße 224.
  21. ↑ Vgl. Wolfgang Berke: Herne – Stadtgeschichte und Strukturwandel; zur Entwicklung des Warenhauses und der Zwangsarisierung jüdischer Unternehmen.
  22. ↑ Vgl. Wolfgang Berke: Herne – Stadtgeschichte und Strukturwandel, zur Entwicklung des Kaufhauses am Standort Hauptstraße/Claudiusstraße.
  23. ↑ Vgl. die stadtentwicklungsgeschichtliche Untersuchung zu ehemaligen Warenhäusern als Impulsgebern der Zentrenentwicklung.
  24. ↑ Historische Darstellung zur Entwicklung der Wanner Fußgängerzone; vgl. Bürgerillustrierte Herne, 1976, Beitrag zur Entwicklung des Glückaufplatzes und der Hauptstraße.
  25. ↑ Vgl. die Untersuchung Urban Arts und Dritte Orte. Frühere Warenhäuser als Impulsgeber für eine gemeinwesenorientierte Zentrenentwicklung, 2026.
  26. ↑ Stadt Herne: Städtebauliches Entwicklungskonzept Wanne-Mitte.
  27. ↑ Stadt Herne: Neue Attraktivität für die Hauptstraße, Projekt „jetzt Wanne!“.
  28. ↑ Stadt Herne: 2. Bauabschnitt Hauptstraße und Glückaufplatz.
  29. ↑ Stadt Herne: 2. Bauabschnitt Hauptstraße und Glückaufplatz.
  30. ↑ Stadt Herne: Fachbereich Stadtplanung, Darstellung der Versorgungszentren im Stadtbezirk Wanne.
  31. ↑ Stadt Herne: Fachbereich Stadtplanung, Darstellung der Versorgungszentren im Stadtbezirk Wanne.
  32. ↑ Stadt Herne: Fachbereich Stadtplanung, Darstellung der Versorgungszentren im Stadtbezirk Eickel.
  33. ↑ Stadt Herne: Projekt Nahtstellen, fühlbar, hier….
  34. ↑ Stadt Herne: Städtebauliches Entwicklungskonzept im Rahmen des Projekts „jetzt Wanne!“.
  35. ↑ Stadt Herne: Bebauungsplan Nr. 264 Rathauscarrée, Aufstellung und frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit.
  36. ↑ Stadt Herne: Neue Gestaltungssatzung: Rege Beteiligung am Stadtspaziergang durch die Innenstadt Wanne, 16. Juli 2026.
  37. ↑ Stadt Herne: Neue Attraktivität für die Hauptstraße.
  38. ↑ Manifesta 16 Ruhr: Manifesta 16 Ruhr, Programm und Besuchsinformationen, 2026.
  39. ↑ Stadt Herne: Herne wird mit Projekt „Catch the Light – build bridges“ Teil der Kulturbiennale Manifesta 16, 5. Dezember 2025.
  40. ↑ Stadt Herne: Herner „Manifesta“-Programm vorgestellt, 28. August 2026.
  41. ↑ Stadt Herne: Herner „Manifesta“-Programm vorgestellt, 15. Juni 2026.
  42. ↑ Stadt Herne: Manifesta, Programm Catch the light – build bridges, 18. und 19. September 2026.
  43. ↑ Stadt Herne: Herner „Manifesta“-Programm vorgestellt, 28. August 2026; Stadt Herne: Manifesta, Programmübersicht 2026.
  44. ↑ Stadt Herne: Mal Wanne, Programm der Manifesta-Begleitveranstaltungen, 2026.
  45. ↑ Stadt Herne: Tango Wannentino, Stadt Herne, 2026.
  46. ↑ Stadt Herne: Herne wird mit Projekt „Catch the Light – build bridges“ Teil der Kulturbiennale Manifesta 16, 5. Dezember 2025; Stadt Herne: Herner „Manifesta“-Programm vorgestellt, 28. August 2026; Stadt Herne: 100.000 Bauteile von Fischertechnik: Hernes Oberbürgermeister setzt Seilbahn-Modell in Gang, 17. September 2026.
  47. ↑ Stadt Herne: Bebauungsplan Nr. 264 Rathauscarrée.


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