Cranger Tor
Das Cranger Tor ist ein schmiedeeisernes Eingangstor am Rand des Cranger-Kirmes-Geländes in Herne und ein markantes Wahrzeichen der Veranstaltung. Es steht symbolisch für die Verbindung von Volksfesttradition, lokalem Handwerk und städtischer Identität. Es befindet sich an der Einmündung der Straße An der Cranger Kirche an der Dorstener Straße gegenüber dem Ende der Hauptstraße.
Ursprungsbau und Unfälle


Ein einfaches erstes Tor war als Geschenk des Bad Dürkheimer Schaustellers Ludwig Kallenkoot an die Cranger Kirmes am 2. August 1978 eingeweiht worden. Der damals 50-jährige Schausteller war zur Aufstellung des Ur-Cranger-Tors genau 20 Jahre mit seinem Riesenrad "Jupiter" auf der Kirmes vertreten.
Dieses ursprüngliche Cranger Tor wurde 1990 restauriert, neu verziert und markierte über zwei Jahrzehnte hinweg einen zentralen Zugang zur Cranger Kirmes.
Erste Gestaltung und Technik
Gefertigt wurde das neue Tor von Schlossermeister Constantin „Costa“ Costaras und seinem Sohn Elias Michel Costaras. Sie führten aufwändige Kunstschmiedearbeiten zwischen den Bögen aus – unter anderem mit stilisierten Blumenornamenten und Drachenmotiven. Die Wappen kamen erst später an den Bogen des Tores. Das mittlere Bogenstück besteht aus hochlegiertem Stahl; die übrigen Teile aus robustem Baustahl. Eine Besonderheit der Konstruktion ist die vollständig verschraubte Verbindung aller Teile – es wurde weder geschweißt noch genietet.[3]
Bereits 1997 wurde es bei einem Verkehrsunfall beschädigt, blieb aber in Gebrauch. Am 1. August 2010, ausgerechnet zum 575. Jubiläum der Kirmes nach alter Zählweise, wurde das Tor erneut von einem Lastwagen gerammt – diesmal so schwer, dass es abgebaut werden musste. Der Vorfall wurde als Versicherungsfall eingestuft und später geregelt.[4]
Wiederaufbau 2011
Nach einem Jahr wurde am 8. Juni 2011[5], aufgebaut.[6] Zwei Kräne der Herner Firma Hölzgen hoben die vorgefertigte Konstruktion auf das vorbereitete Fundament. Das neue Tor übertrifft die alte Version in mehreren Aspekten:
- Durchfahrthöhe: 5 Meter
- Breite: 9,40 Meter (vorher 9,10 Meter)
- Gewicht: ca. 4,5 Tonnen (vorher 800 kg)
Die Fundamente reichen etwa einen Meter tief und wurden eigens neu gegossen.
In Bezug auf die Stabilität äußerte sich der ausführende Handwerker selbstbewusst: „Das nächste Mal wird der Lastwagen den Unfall spüren, nicht das Tor.“[7]
Konstruktion und Gestaltung
Das neue Cranger Tor entstand mit einem Arbeitsaufwand von etwa 2.500 Lohnstunden. Für die Konstruktion wurden 120 große und 1.600 kleine Schrauben verwendet. Mit einem Gewicht von 4,5 Tonnen ist das Tor rund 800 Kilogramm schwerer als sein Vorgänger. Die Durchfahrt ist 9,40 Meter breit und erreicht in der Mitte eine Höhe von 5 Metern. Die kunstvoll gestaltete florale Ornamentik mit zahlreichen dekorativen Schnörkeln bildet den oberen Abschluss. Einschließlich dieser Ornamentik erreicht das Tor eine Gesamthöhe von etwa 7,50 Metern und ist damit rund 70 Zentimeter höher als das Vorgängertor.
Die beiden seitlichen Träger bestehen nicht mehr aus Rundprofilen, sondern aus Vierkantrohren, wodurch die Konstruktion optisch und statisch stabiler wirkt. Vater und Sohn Costaras befestigten die Träger an ihrer Basis mit großen Schrauben auf den Fundamenten. Auch diese wurden gegenüber der Vorgängerkonstruktion deutlich größer und belastbarer ausgeführt. Sie sind jeweils 3 Meter breit sowie 1 Meter hoch und 1 Meter tief.
Eine besondere gestalterische Veränderung betrifft das waagerechte Element über der Durchfahrt. Während dieses beim Vorgänger aus geraden Vierkantrohren bestand, ist es beim neuen Tor leicht gebogen und erinnert in seiner Form an eine leichte Schienenkurve. Dadurch wirkt die Konstruktion gefälliger und zugleich nostalgischer. Zur besonderen Wirkung trägt auch die aufwendige Verschraubung der einzelnen Bauteile bei. Nach Angaben von Elias Costaras orientiert sich das Konstruktionsprinzip an einer Eisenbahnbrücke aus dem Jahr 1896. Anders als bei den damaligen Brücken wurden jedoch keine Nieten, sondern Schrauben verwendet.[8]
Wappen
- Oben: Allianzwappen (Eheleute) von Rump/von Eickel zu Crange
- von links nach Rechts (Blickwinkel in Richtung Crange): in Groß: von Rump | Emscherbrücher (leider nicht das ab 1975)
- in klein: Grafschaft Mark | Von der Dorneburg gen. Aschebrock | von Rump | von Eickel | Wanne-Eickel | Mond von Wanne-Eickel (Fantasiewappen) | Nordrhein-Westfalen | von Strünkede | Herne | von Backum | von Bickern.
Sanierung 2026
Nach der Cranger Kirmes 2025 beschloss die Bezirksvertretung Wanne, das Cranger Tor aufgrund von oberflächlichen Schäden sanieren zu lassen. Die Arbeiten wurden vom 20. bis 29. April 2026 durchgeführt und konnten wegen der günstigen Witterung planmäßig abgeschlossen werden. Mit der Ausführung wurde der von Emanuel Claudio Villani geführte Herner Malerbetrieb Boginski beauftragt.[9]
Für die Instandsetzung wurde das gesamte Tor zunächst bis auf die Grundschicht sandgestrahlt. Dabei wurden weitere Beschädigungen sichtbar, die anschließend mit einer Schleifmaschine und in Handarbeit mit Schleifpapier bearbeitet wurden. Abschließend erhielt die Stahlkonstruktion eine neue Lackierung mit einer Spezialfarbe. Diese soll das Tor für bis zu 20 Jahre vor Witterungseinflüssen schützen.[10]
Bei der Sanierung wurden die charakteristischen Gestaltungselemente des Tores vollständig erhalten. Nach Angaben der Stadt Herne gehört auch die sichtbare Patina an den Kunstschmiedearbeiten zum Erscheinungsbild und ist ausdrücklich gewollt. Damit konnte das Cranger Tor als Wahrzeichen und Haupteingang der Cranger Kirmes erhalten und zugleich langfristig gegen Witterungsschäden geschützt werden.[11]
Am 23. Juli 2026 wurde am frisch sanierten Cranger Tor die Zahl 542 für die Cranger Kirmes 2026 angebracht. Die jährliche Zahl knüpft seit 2019 an das Jahr 1484 als historischen Ausgangspunkt der Kirmeszählung an. Die Montage der Zahl markiert traditionell den Beginn des Countdowns bis zum Kirmesbeginn.[12]
Jahreszahl zählweise
Die Freiheit Crange wird mit implizierten Marktrecht erstmalig 1484 erwähnt. Oberbürgermeister Frank Dudda (SPD) teilt in der Sitzung des Haupt- und Personalausschusses am 19. Februar 2019 mit, dass die durch das Nazi-Regime eingeführte Zählweise der Cranger-Kirmes, auf das historisch richtigerere Datum 1484 geändert wird. Die Cranger-Kirmes wird demnach um 49 Jahre jünger und feierte 2019 ihr 535. bestehen. So folgte auf 583 die Zahl 535.
-> Siehe: Cranger Kirmes – Die wievielte eigentlich?
Rezeption
Trotz wolkenverhangenem Himmel bei der Enthüllung äußerten viele Passanten spontan Anerkennung für das neue Tor:
„Eigentlich hätte am Mittwoch die Sonne scheinen müssen, um die Schönheit des Wahrzeichens voll zur Geltung zu bringen. Aber selbst unter bedecktem Himmel entlockte das neue Cranger Tor den Passanten Bravo-Rufe.“[13]
Es ist seitdem ein beliebtes Motiv für Selfies vom Kirmesplatz.
Bedeutung für die Stadtgeschichte
Das Cranger Tor ist nicht nur ein Zugang zur größten Kirmes in NRW, sondern auch ein Ausdruck lokaler Handwerkskunst, Widerstandskraft und Gemeinschaftsgefühl. Seine Geschichte steht exemplarisch für die Verbindung von Tradition, Katastrophenbewältigung und gestalterischer Erneuerung in Herne.
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Quellen
- ↑ https://de.m.wikipedia.org
- ↑ https://de.m.wikipedia.org
- ↑ ebd.
- ↑ WAZ Herne: „Cranger Tor steht wieder – noch schöner als zuvor“, erschienen am 31.07.2014, https://www.waz.de/staedte/herne-wanne-eickel/cranger-tor-steht-wieder-noch-schoener-als-zuvor-id9625369.html
- ↑ https://www.halloherne.de/artikel/cranger-tor-erfolgreich-saniert-79934
- ↑ https://www.bild.de/regional/koeln/repariertes-wahrzeichen-empfaengt-besucher-19125832.bild.html
- ↑ ebd.
- ↑ https://www.waz.de/staedte/herne-wanne-eickel/article4744857/ein-herrliches-tor.html
- ↑ Cranger Kirmes: Cranger Tor wurde erfolgreich saniert, 6. Mai 2026.
- ↑ Cranger Tor erfolgreich saniert, HalloHerne, 6. Mai 2026.
- ↑ Cranger Tor wurde erfolgreich saniert, Cranger Kirmes, 6. Mai 2026.
- ↑ Die Zahl 542 hängt am Cranger Tor, aufCrange.de, 23. Juli 2026.
- ↑ ebd.

