Hof Gosewinkel (Eickel)

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Der Hof Gosewinkel, auch Schulte Gosewinkel, war ein bedeutender landwirtschaftlicher Hof in der ehemaligen Gemeinde Eickel, heute Stadtteil von Herne. Das 1775 errichtete Hofgebäude lag in der alten Gewannbezeichnung „Frittgras“ in der Gemarkung Eickel, Flur II, genannt Dorneburg, an der Friedgrasstraße (1897: Nr. 10, später etwa Höhe Hausnummer 49).

Hof Gosewinkel †
Bildinfo: Hof Gosewinkel vor 1925
Auch bekannt als: Hof Schulte-Gosewinkel
Stadtbezirk: Herne-Eickel
Ortsteil: Eickel
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Letzte Änderung: 21.02.2026
Geändert von: Andreas Janik

Der Hof befand sich im sogenannten „Friedgras“ des Hauses Gosewinkel bzw. Dorneburg und lag zwischen Heisterkamp, Friedgrasstraße und Am Weustenbusch.

Mittelalterliche Ursprünge

Die frühesten urkundlichen Hinweise datieren auf das Jahr 1358. Damals wurden Henricus von Eclo, Schulte von Eclo, und seine Frau Mette genannt Gosewinckel durch Graf Dietrich von Limburg mit der „Wulfesmühle“ (Wolfsmühle) sowie mit fünf Morgen Land und zwei Wiesen im „Gosewinkel“ belehnt.

1375 erhielt Diederich van Eyckell im Zuge einer Erbteilung unter anderem:

  • den Schultenhof in Eickel
  • eine Weide im Eickeler Bruch
  • zwei Wiesen im Gosewinkel mit der Kornmühle
  • „… dat vreitgraes …“ (Frittgras)

1409 wurde der Oberhof Eickel an Johann von Eickel verlehnt. Um 1420 errichtete er das Haus Gosewinkel. Nach seinem Tod ohne männliche Erben ging der Besitz an seine Tochter Mechthild über, die Nikolaus von Hugenpoth heiratete. Seitdem führte die Familie den Namen „Hugenpoth zum / auf dem Gosewinkel“.

Weitere urkundliche Erwähnungen:

  • 1458: „Johan van Eyckloe, genannt yme Goesswinckel“
  • 1486: Nennung im Schatzbuch der Grafschaft Mark („Ekell“)
  • 1525 heiratete Marie von Eickel den „Willm Hugenpoit in dem Gosewinckell“. 1558 und 1569 werden Mitglieder der Familie Hugenpoth erneut urkundlich genannt.

Übergang an die Familien von Asbeck und von Strünkede

1672 erlosch das Geschlecht Hugenpoth im männlichen Stamm. Die Erbtochter Elenore heiratete Johann Sigismund von Asbeck. Dieser wurde 1691 durch Kurfürst Friedrich III. mit der Kornmühle zu Gosewinkel belehnt.

Nach seinem kinderlosen Tod 1697 ererbte bzw. erwarb Konrad von Strünkede auf Dorneburg das Anwesen. 1725 wird Carl Freiherr von Strünckede als Eigentümer genannt.

Das Gut Gosewinkel erstreckte sich vom Dorf Eickel bis zur Gemeindegrenze von Wanne. 1736 wurden Teile abgetrennt (u. a. der Lechtape-Hof und ein Kotten an der Langekampstraße).

Als die Dorneburg 1749 in Konkurs geriet, wurde das Haus Gosewinkel mit seinen Ländereien parzelliert und veräußert.

Besitzverhältnisse ab 1749

Am 21. November 1749 erwarben Caspar Wirth und Ehefrau Hanna geb. Gilhausen Teile des ehemaligen Gosewinkeler Landes. Zur Finanzierung nahmen sie am 11. November 1749 bei der reformierten Gemeinde Wattenscheid eine Hypothek über 400 Reichstaler auf, die am 18. März 1785 aufgelöst wurde.

Ein Hypothekenbucheintrag vom 8. Januar 1750 beschreibt das Anwesen als:

„Wall mit Graben, Baumgarten, den Birken- mit Schlüsr Garten und den Breiendreich.“Vgl. Hypothekenbuch https://www.landesarchiv-nrw.de</ref>

Als Wert wurden eingetragen:

  • 275 Rtlr. für den Hausplatz
  • 160 Rtlr. für den „Breite Drich“ mit Schlüsengarten
  • 20 Rtlr. für das übrige Land

Neubau des Hofes 1775

Nächster Erbe wurde Engelbert Möller aus Bickern. Seine Ehefrau Anna Gertrud (Heirat Juni 1774) war eine geborene Schulte von Eickel. Mit ihr übernahm der Hof den Namen Schulte-Gosewinkel.[1]

1775 ließ Johann Engelberth Möller von Bickern das neue Hofgebäude errichten.

Scheunentorinschrift (1775)

„SALMON SAGET DURCH WEISHEIT WIRD EIN HAUS GEBAUT UND DURCH VERSTAND ERHALTEN. SPRUCHWÖRTER SALOMONIS 24, V. 3.
JOHANN ENGELBERTH MÖLLER VON BICKERN
ANNA GERDRTH SCHULTE VON ECKEL E.L.
HABEN DIES HAUSZ LASSEN BAUEN ANNO 1775 D. 19. SEPTM. H. NORTMAN“

19. Jahrhundert

Nach Johann Engelberth Möller folgte Engelbert Schulte in der Wanne.

1837: Tod ohne direkte Nachkommen, das Erbe ging an seinen Neffe Johann Engelbert Schulte († 1863). Es folgte nun Engelbert Schulte, der sich „Schulte genannt Gosewinkel“ nannte.

Der Hof blieb landwirtschaftlicher Betrieb inmitten einer sich wandelnden Region.

Verkauf an die Bergbaugesellschaft

Mit dem Vordringen des Bergbaus verlor die Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung.

Am 27. Oktober 1904 berichtete die Gelsenkirchener Allgemeine Zeitung:

„Dem Vernehmen nach ist die Besitzung des Herrn Landwirts Schulte=Gosewinkel in den Besitz der Bergwerksgesellschaft ‚Hibernia‘ übergegangen. Als Kaufpreis werden 250000 Mark genannt.“

Bereits zuvor war ein Teil der Flächen im Einflussbereich der Zeche Shamrock in Holsterhausen geraten.

Ob und in welchem Status die Familie Schulte-Gosewinkel anschließend auf dem Hof verblieb, ist nicht überliefert.

Ein Nachkomme der Familie war der Musiker (Klavier) Hermann Schulte-Gosewinkel.

Ein Vermessungsplan von 1912 zeigt die Flächen noch weitgehend unbebaut – zwischen Friedgrasstraße im Süden, Kurhausstraße im Norden, Dorneburger Straße im Osten und Hauptstraße im Westen.

Abbruch und heutige Nutzung

Der genaue Zeitpunkt des Abbruchs des Hofgebäudes ist bislang nicht belegt.

Das Gelände wurde später in Bauland umgewandelt. Heute befindet sich auf den Grundmauern des Hauses die Mädchenwohngruppe Heisterkamp des Evangelischen Kinderheims – Jugendhilfe Herne & Wanne-Eickel gGmbH.


Siehe auch

Quellen

  1. Vgl. Viehweger 2013 S. 163 f.