St. Bonifatius

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel
St. Bonifatius
Bildinfo: Blick auf die "Alte" St. Bonifatius Kirche
Letze Änderung: 05.09.2016
Geändert von: Andreas Janik
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Die St.-Bonifatius-Kirche ist eine katholische Pfarrkirche im Stadtzentrum von Herne-Mitte. Im ursprünglich ländlichen und seit der Reformation evangelischen Dorf Herne war sie infolge der Industrialisierung Urkirche der katholischen Neugründung. Heute ist sie Pfarrkirche der St.-Bonifatius-Gemeinde im Pastoralverbund Herne-Mitte des Dekanates Emschertal und zukünftig Pfarrkirche der Katholische Pfarrgemeinde St. Dionysius Herne im Erzbistum Paderborn.

Gemeinde-, Baugeschichte und Bauwerk

Seit 1851 siedelten in Herne erstmals seit der Reformation wieder katholische Familien. Am 31. Oktober 1858 wurde hier der erste katholische Gottesdienst in einem angemieteten Haus an der Von-der-Heydt-Straße durch den Eickeler Dechanten Wilhelm Schrepping (*14. April 1797, geweiht am 9. August 1831, in Eickel seit dem 28. Dezember 1836) gefeiert. Herne wurde in dieser Zeit von St. Marien durch einen Missions- und Schulvikar verwaltet (s.u.). 1860 eröffnet eine katholische Privatschule und eine Notkirche wurde aus Spenden der katholischen Bewohner in Riemke erbaut. Die Pfarrei St. Bonifatius wurde am 19. Januar 1862 als Missionspfarrei begründet.
Nachdem bereits 1865 der erste katholische Friedhof (heute steht an der Stelle der Kindergarten der Gemeinde) eingeweiht worden war, konnte 1870 an der Bahnhofstraße, der heutigen Fußgängerzone, ein geeignetes Grundstück erworben werden. In einem ersten Bauabschnitt wurden 1872 bis 1874 das Langhaus (Grundsteinlegung am 22. Mai 1873) und der Chor der Pfarrkirche direkt an der Bahnhofstraße errichtet (14. Mai 1874 Bauabnahme). Die Konsekration erfolgte am 8. Oktober 1886 durch den damaligen Bischof von Fulda Georg von Kopp (Späterer Fürstbischof von Breslau), wobei die Missionspfarrei Herne zu einer eigenständigen Pfarrei erhoben wurde. In einem zweiten Bauabschnitt, bei dem auch der markante Turm entstand, wurde die Pfarrkirche in den Jahren 1888 bis 1889 vollendet. Architekt des Gesamtbaues war Gerhard August Fischer, der u.a. für die Rekonstruktion von Schloss Burg in Solingen verantwortlich war. Seit ihrer Errichtung hatte die Kirche mit starken Bergsenkungen zu kämpfen, die es bereits um 1890 notwendig machten, Stahlverstrebungen von Pfeiler zu Pfeiler zu ziehen, um dem Bau Halt zu geben.

Der heutige Kirchbau entstand in den Jahren 1973 bis 1974 hinter der alten Kirche. Der obere Teil des Gebäudes wird als eigentliche Kirche, der unter Teil als Gemeindezentrum und Jugendheim genutzt. Die alte Kirche wurde daraufhin abgerissen. Erhalten blieb der Kirchturm, der unter Denkmalschutz steht und in eine Ladenzeile integriert wurde.[1] Durch den Standort des ehemaligen Kirchenschiffs führt heute die Zuwegung von der Herner Bahnhofstraße zum neuen Gebäude.

Innenraum

Das erste Konzept der Kirche als Forumskirche wurde durch eine quadratisch offene Bauausführung mit abgesenkten Altarbereich und stufenförmiger Anordnung der Sitzplätze erreicht. Die Beleuchtungskörper waren Straßenlaternen nachempfunden. Einziger Schmuck der Altarwand war eine Kreuzblume. Auffallende Fenster sind nicht vorhanden. Die Nüchternheit dieses Konzepts wurde durch die später ausgeführten Kunstwerke und Umbauten abgeschwächt.

Betritt man unter der Figur des Heiligen Bonifatius die Kirche, gelangt man nicht direkt in den sakralen Raum, sondern in einen abgeschlossenen Vorraum. Der Weg leitet den Besucher vorbei an einer großen Rosenplastik mit dem Symbol des „Ecksteins“ als Mitte. Der Kirchenraum selbst lebt von dem 1978 geschaffenen Mosaikfries der Benediktinerin Schwester Ehrentrud Trost[2] aus Varensell. Unter dem Motiv „Gottes Geschichte mit den Menschen" werden Szenen aus dem Alten und Neuen Testament sowie aus dem Leben des Heiligen Bonifatius dargestellt. Auffallend sind die Orgel und der freistehende Tabernakel.

Einige Einrichtungsgegenstände aus der alten Kirche wurden in den Neubau eingebunden, so der Kreuzweg und der Hochaltar als Wandinstallationen. Das Taufbecken wird von der Gemeinde verwart.

Die Weihnachtskrippe stammt aus dem Jahr 1976, wurde 2003 überarbeitet und neu gestaltet. Sie präsentiert sich vom ersten Adventssonntag bis Lichtmess in mehreren den Erzählungen angepassten Szenen.

Kunstwerke

Zur 1200-Jahresfeier zum Tode des heiligen Bonifatius im Jahr 1954 wurde von der Gemeinde eine 3 Meter große Statue aus Anröchter Stein vom Bildhauer Hubert Hartmann gestiftet, welche sich auf einer Plinthe stehend zwischen zwei Fenstern des Kirchturms befinden.[3] Geweiht wurde diese Gebäude-Installation am 5. Dezember 1954[4]

Orgel

Die Orgel der alten Bonifatius Kirche stammte vom Orgelbauer Karl Kemper, Inhaber der damaligen Orgelbaufirma Emanuel Kemper & Sohn, aus dem Jahr 1948 und wurde in seiner technischen Substanz größtenteils in den Kirchenneubau übernommen.[5] 1975 errichtete die Firma Westfälischer Orgelbau S. Sauer| ein neues Werk, das 1983 einige Änderungen in der Disposition erfuhr. Diese heutige Orgel verfügt über 58 Register, die auf vier Manuale und Pedal verteilt sind.

Glocken

Vgl. auch Glockenstraße. Die Kirche erhielt kurz vor Weihnachten 1889 ihre ersten Glocken. Diese drei schweren Bronzeglocken wurden 1917 eingeschmolzen und zu Kriegsgerät verarbeitet. 1924 kaufte die Kirchengemeinde beim Bochumer Verein drei Stahlglocken – die schwerste wog 60 Zentner. Dieses Geläut wurde im November 1954 aus dem etwa 30 Meter hohen Glockenstuhl heraus gehoben und nach seiner Restaurierung der katholischen Kirchengemeinde St. Bonifatius in Bönen, Kreis Unna, zur Wiederverwendung übergeben.

Nach Montage eines neuen Glockenstuhls konnten am 12. Dezember 1954 sechs neue Gussstahlglocken geweiht werden, deren Sechsklang aus den Tönen a, h, cis, e, fis und a gebildet wird. Sie haben einen Durchmesser zwischen 970 und 1.980 mm. Auch sie wurden beim Bochumer Verein gegossen. Zu dem neuen Geläut gehören:

  • Die Christus-König-Glocke, (a°) 72 Zentner schwer. Sie trägt die Inschrift „Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat“ („Christus siegt, Christus regiert, Christus herrscht“).
  • Die Bonifatiusglocke, (h°) 56 Zentner schwer, ist die Pfarrglocke und dem Patron der Kirche geweiht. Sie trägt die Inschrift „O Glaubensvater, sieh die Not, in der wir uns befinden.“
  • Die Marienglocke läutet zum Angelus, (cis’) wiegt 40 Zentner und hat die Inschrift „Königin des Friedens, bitte für uns.
  • Die Josefsglocke, (e’) 25 Zentner schwer. Ihre Inschrift lautet „St. Josef, alle Zeit steh hilfreich uns zur Seiten.“
  • Die Dionysiusglocke, (fis’) 16 Zentner schwer, dem Schutzpatron der ersten Pfarrkirche, dem Märtyrer Dionysius geweiht. Sie hat die Inschrift „Weizenkorn, das stirbt und lebt.“
  • Die Barbaraglocke, (a’) kleinste der sechs Glocken und 10 Zentner schwer. Sie ist der Schutzpatronin der Bergleute gewidmet und trägt die Inschrift „Heilige Barbara, du edle Braut, mein Leib und Seel’ sei dir vertraut.

Geistliche (Auswahl)

Amtszeit Name Lebensdaten Anmerkungen
1859–1862 Vikar Schmelzer Missions- und Schulvikar
1862–1873 Pfarrer Otto Schwartz * 24. April 1836 in Arolsen  ; † 23. September 1873 Herne Priesterweihe am 18. August 1859 in Paderborn, Seit dem 29. April 1862 Missionspfarrer der Missionspfarrei Herne
1873/1887–1892 Pfarrer Gerhard Strickmann * 7. März 1844 in Herzebrock, † 17. Juni 1892 Herne Priesterweihe am 21. März 1871 in Paderborn, seit 1872 Pfarrvikar der Missionspfarrei und erster Pfarrer der eigenständigen Gemeinde. Während des Kulturkampf es entzug der Pfarrstelle und Ausweisung aus dem Regierungsbezirk Arnsberg . Er nahm in Recklinghausen-Süd seine Wohnung, konnte 1876 zurückkehren aber erst ab 1880 wieder vollständig amtieren.
1892–1924 Franz Schäfer * 22. Mai 1848 Olpe [6] Priesterweihe am 21. März 1874 in Paderborn. Seminarpriester und Kaplan in Thieringhausen und Detmold. Seit dem 20. Oktober 1892 in Herne tätig, Dechant des Dekanates Herne.
1924–1947 Heinrich Wüseke * 14. August 1875 Paderborn,
† 27. April 1947 Herne
Priesterweihe am 30. März 1900, Vikariat in Hagen (1900–1903), Iserlohn (1903–1917) und Pfarrer in Detmold (1917–1924), Geistlicher Rat.
1947–1969 Aloys Deppe * 21. Februar 1900 Gütersloh,
† 7. April 1991 Langenberg (Kreis Gütersloh)
Krombach , 1949–1969 Dechant des Dekanates Herne, Ehrendechant und Geistlicher Rat. Ab 1969 Subsidiar in der Liebfrauengemeinde in Gütersloh.
1969–1983 Theodor Villis * 10. April 1913 in Gelsenkirchen,
† 29. April 2009 in Essen-Heisingen
Priesterweihe am 2. April 1938 in Paderborn, 1941–1949 Pfarrvikar zu St. Konrad (Herne-Süd) , 1956–1969 Pfarrer in St.Joseph Siegen-Weidenau , Geistlicher Rat.
1983–1999 Pfarrer Hermann Josef Klöpper * 2. Juni 1933 Dortmund Stukenbrock
1999–31. August 2016 Pfarrer Christian Gröne * 1962 Dortmund-Bodelschwingh Abitur am ASG in Castrop-Rauxel, Studium in Paderborn, 1988 Priesterweihe, Vikar in Arnsberg und Fröndenberg-Langschede. Schulseelsorger und Religionslehrer in Dortmund. Pfarrvikar in Iserlohn, seit 1999 Pfarrer und zugleich Pfarradministrator von St. Elisabeth (Herne), St. Marien (Herne-Baukau) (2014), Herz-Jesu und St. Konrad (2015). Leiter des Pastoralverbundes Herne Mitte bis September 2016 und von Juni 2010 bis März 2016 Dechant des Dekanates Emschertal. Leiter des neuen pastoralen Raumes Alt-Herne.[7]

Bilder

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Ursprungstext und Autorenverzeichnis

Wikipedia: St. Bonifatius (Herne)[8], abgerufen am 7. Januar 2015

Weblinks

Einzelnachweise