Amt Eickel

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Das Amt Eickel war eine kommunale Verwaltungseinheit im Landkreis Gelsenkirchen der preußischen Provinz Westfalen. Es bestand vom 1. November 1891 bis zum 1. April 1926 und umfasste zunächst die beiden Landgemeinden Eickel und Holsterhausen. Nach der Eingemeindung Holsterhausens in die Gemeinde Eickel am 1. April 1910 bestand das Amt nur noch aus der Gemeinde Eickel.

Siegelmarke_Kommunalkasse_Eickel_W0383087

Das Amt entstand durch die Teilung des seit 1875 bestehenden Amtes Wanne. Während die Gemeinden Bickern, Crange und Röhlinghausen im Amt Wanne verblieben, bildeten Eickel und Holsterhausen das neue Amt Eickel.[1]

Der Amtssitz befand sich zunächst in angemieteten Räumen. 1893 bezog die Verwaltung ein eigenes Amtshaus an der heutigen Richard-Wagner-Straße 5. Das Gebäude wurde zum Mittelpunkt der kommunalen Verwaltung Eickels und beherbergte unter anderem Standes- und Meldeamt, Steuerbüro, Kommunalkasse und Sparkasse. Wegen des starken Bevölkerungswachstums musste die Verwaltung bereits 1899 durch den Ankauf des Nachbarhauses erweitert werden.

Mit der kommunalen Neuordnung des Ruhrgebiets endete die Geschichte des Amtes. Zum 1. April 1926 wurden die Ämter Eickel und Wanne aufgelöst und zur kreisfreien Stadt Wanne-Eickel vereinigt. Damit endete zugleich die Zugehörigkeit Eickels zum Landkreis Gelsenkirchen.[2]

Vorgeschichte

Eickel und Holsterhausen im Amt Herne

Die später zum Amt Eickel gehörenden Gemeinden Eickel und Holsterhausen waren bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts Teil des größeren Verwaltungsverbandes um Herne. Nach der preußischen Verwaltungsneuordnung nach 1815 wurde der Raum in der Bürgermeisterei Herne beziehungsweise später im Amt Herne verwaltet.

Die Entwicklung war eng mit dem allgemeinen Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum des Ruhrgebiets verbunden. Die Industrialisierung führte insbesondere seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem starken Anwachsen der Bevölkerung. Der Bergbau wurde zum wichtigsten Motor der wirtschaftlichen Entwicklung.[3]

Im Jahr 1875 wurde das bisherige Amt Herne geteilt. Zum 1. August 1875 entstanden das Restamt Herne und das neue Amt Wanne. Zum Amt Wanne gehörten zunächst die Gemeinden Bickern, Crange, Eickel, Holsterhausen und Röhlinghausen. Das Amt Herne und das Amt Wanne gehörten zunächst zum Kreis Bochum.

Die Entwicklung war Ausdruck des starken Bevölkerungswachstums. Die Gemeinden des westlichen Herner Raumes hatten sich innerhalb weniger Jahrzehnte von ländlich geprägten Gemeinden zu dicht besiedelten Industrieorten entwickelt.

Übergang zum Landkreis Gelsenkirchen

Mit Wirkung vom 1. Juli 1885 kam das Amt Wanne zum neugebildeten Landkreis Gelsenkirchen. Das Amt Herne verblieb dagegen im Kreis Bochum.

Damit gehörten Eickel und Holsterhausen unmittelbar vor der Bildung des Amtes Eickel zum Landkreis Gelsenkirchen. Die Entwicklung des Verwaltungsgebietes war in dieser Zeit eng mit der industriellen Expansion der Städte Gelsenkirchen, Herne, Bochum und des späteren Wanne-Eickel verbunden.

Bildung des Amtes Eickel

Die Bildung eines selbständigen Amtes für Eickel und Holsterhausen war eine Folge des starken Wachstums und der zunehmenden Verwaltungsbelastung des Amtes Wanne.

Am 7. März 1891 tagten die Gemeinderäte der zum Amt Wanne gehörenden Gemeinden Eickel, Bickern, Holsterhausen, Röhlinghausen und Crange unter dem Vorsitz des Gelsenkirchener Landrats Constanz Maximilian Friedrich von Baltz. Gegenstand der Sitzung war die geplante Teilung des Amtes Wanne. Nach längerer Beratung wurde die Teilung einstimmig beschlossen. Eickel und Holsterhausen sollten ein eigenes Amt bilden, während Bickern, Röhlinghausen und Crange beim Amt Wanne verblieben.[4]

Die staatliche Genehmigung erfolgte im Laufe des Jahres. Der preußische Innenminister genehmigte im Einvernehmen mit dem Bezirksausschuss aufgrund des § 22 der Kreisordnung vom 31. Juli 1886 die Abtrennung der Gemeinden Eickel und Holsterhausen vom Amt Wanne und ihre Vereinigung zu einem neuen Amt.[5]

Zum 1. November 1891 trat die neue Verwaltungsordnung in Kraft. Das bisherige Amt Wanne wurde damit geteilt:

Amt Eickel Amt Wanne
Eickel Bickern
Holsterhausen Crange
Röhlinghausen

Das neugebildete Amt Eickel hatte bei seiner Entstehung eine Fläche von rund 973 Hektar und etwa 12.956 Einwohner.[6]

Verwaltung

Amtmänner

An der Spitze des Amtes stand der Amtmann. Er führte die Verwaltung und war insbesondere für die kommunalen Verwaltungsaufgaben, das Polizeiwesen, das Meldewesen, die kommunalen Finanzen sowie weitere staatlich übertragene Aufgaben zuständig.

Für die Amtszeit sind unter anderem folgende Amtmänner überliefert:

Amtszeit Amtmann Anmerkung
1. November 1891 – 1. August 1892 Alfred von Unger kommissarisch
1. August 1892 – 9. Juni 1897 Konrad Briese
1. Juli 1897 – 1918 Karl Berkermann
1918 – 1926 Friedrich Maßmann

Alfred von Unger wurde vom Oberpräsidenten mit der kommissarischen Verwaltung des neugebildeten Amtes beauftragt. In den ersten Tagen nach der Amtsgründung befanden sich die Diensträume noch in einem gemieteten Gebäude.

Nach dem Ausscheiden von Unger übernahm 1892 Konrad Briese das Amt. Nach dessen Tod im Juni 1897 wurde Karl Berkermann zum Amtmann ernannt. Berkermann prägte die Verwaltung des Amtes über zwei Jahrzehnte und war auch über die kommunale Verwaltung hinaus tätig.

So war Berkermann unter anderem Vorsitzender der westfälischen Kinokommission und engagierte sich für eine pädagogische und volksbildnerische Nutzung des neuen Mediums Film. 1913 leitete er in Eickel einen Instruktionskurs der Kinokommission des Westfälischen Landgemeindetages.[7]

Nach Berkermanns Amtszeit übernahm Friedrich Maßmann die Leitung des Amtes. Er blieb bis zur Auflösung des Amtes im Jahr 1926 im Amt.

Amtsverwaltung

Amtsversammlung

1891:
Vogelsang, Lehmkuhl, Middeldorf und Tiemann

Amtsverwaltung

Amtsverwaltung Eickel

Erste Diensträume

Die Verwaltung des neuen Amtes Eickel verfügte bei ihrer Gründung noch nicht über ein eigenes Verwaltungsgebäude. Die ersten Diensträume wurden in einem privaten Gebäude eingerichtet.

Eine zeitgenössische Bekanntmachung vom 2. November 1891 teilte mit, dass die Büros des Amtes zunächst im Haus des Kaufmanns beziehungsweise Schneidermeisters Hahn untergebracht waren. Die Verwaltung war dort zu festgelegten Zeiten für die Bevölkerung geöffnet. Standesamtliche Angelegenheiten mussten zunächst noch beim Standesamt in Wanne erledigt werden.[8]

"Die Bureaux des Amtes Eickel, im Hause des Schneidermeisters Hahn, Bahnhofstraße Nr. 19, sind bis auf Weiteres für das Publikum von 9-12 Uhr Vormittags und von 2-5 Uhr Nachmittags geöffnet. 5289 Gleichzeitig wird bemerkt daß die standesamtlichen Anzeigen 2c. aus dem neuen Amtsbezirke Eickel vorläufig noch beim Königlichen Standesamte in Wanne zu bewirken sind. Eickel, den 2. November 1891. Der Amtmann"[9]

Die provisorische Unterbringung war von Anfang an nur als Übergangslösung gedacht.

Amtshaus Eickel

Vorlage:Hauptartikel Bereits kurz nach der Bildung des Amtes wurde der Bau eines eigenen Verwaltungsgebäudes vorbereitet.

1892 erwarb die Amtsverwaltung an der damaligen Bismarckstraße 7, der heutigen Richard-Wagner-Straße 5, ein Grundstück mit einer Fläche von rund 1.762 m². Der Kaufpreis betrug 18.000 Mark.

Der Baubeginn erfolgte im März 1893. Bereits am 1. November 1893 konnte das neue Amtshaus bezogen werden. Die feierliche Einweihung fand am 2. November 1893 statt. Die Baukosten beliefen sich auf rund 68.000 Mark.

Das Amtshaus wurde damit zum administrativen Zentrum des Amtes Eickel. Hier befanden sich unter anderem:

  • Standesamt
  • Meldeamt
  • Steuerbüro
  • Kommunalkasse
  • Sparkasse
  • Amtsverwaltung

Mit der zunehmenden Einwohnerzahl und der wachsenden Zahl kommunaler Aufgaben erwies sich das Gebäude schon wenige Jahre nach seiner Fertigstellung als zu klein.

Erweiterung 1899

1899 erwarb die Amtsverwaltung das benachbarte Grundstück beziehungsweise Gebäude an der damaligen Bismarckstraße 9, der heutigen Richard-Wagner-Straße 7. Das Gebäude gehörte zuvor den Erben des verstorbenen Sanitätsrats Dr. med. Schultz. Der Kaufpreis betrug 57.500 Mark.

Zum 1. Oktober 1899 wurden dort weitere Dienststellen untergebracht. Dazu gehörten:

  • Büro für Armen- und Invaliditätssachen
  • Baubüro
  • Polizeibüro
  • Büro für Militärangelegenheiten

Damit entstand ein kleiner Verwaltungskomplex, der die unterschiedlichen Aufgaben der kommunalen und staatlichen Verwaltung im Amt Eickel zusammenfasste.

Gemeinden des Amtes

Eickel

Die Gemeinde Eickel bildete das Zentrum des Verwaltungsbezirks. Der Ort war bereits vor der Industrialisierung ein bedeutender Siedlungs- und Kirchort. Mit dem Aufkommen des Steinkohlenbergbaus und weiterer Industriebetriebe veränderte sich sein Charakter innerhalb weniger Jahrzehnte grundlegend.

Die Bevölkerungsentwicklung verlief außerordentlich dynamisch. Während Eickel im 19. Jahrhundert noch stark ländlich geprägt war, entwickelte es sich zu einem dicht besiedelten Industrieort.

Der Bergbau wurde zu einem der wichtigsten Faktoren dieser Entwicklung. In Eickel lagen unter anderem Anlagen der Zeche Hannibal und weitere industrielle Einrichtungen. Die damit verbundenen Arbeitsplätze führten zu einem starken Zuzug von Arbeitskräften und zum Bau neuer Wohngebiete.

Holsterhausen

Holsterhausen war bei der Bildung des Amtes Eickel neben Eickel die zweite selbständige Gemeinde.

Auch Holsterhausen war durch die Industrialisierung einem starken Bevölkerungswachstum ausgesetzt. Die zunehmende räumliche und wirtschaftliche Verflechtung mit Eickel führte schließlich zur kommunalen Vereinigung.

Zum 1. April 1910 wurde Holsterhausen in die Gemeinde Eickel eingemeindet. Damit bestand das Amt Eickel von 1910 bis 1926 nur noch aus einer Gemeinde.

Gebiets- und Verwaltungsentwicklung

Die Entwicklung des Amtes lässt sich in mehreren Stufen darstellen:

Zeitraum Verwaltungszugehörigkeit
bis 31. Juli 1875 Bürgermeisterei Herne / Amt Herne (Kreis Bochum)
1. August 1875 – 30. Juni 1885 Amt Wanne (Kreis Bochum)
1. Juli 1885 – 31. Oktober 1891 Amt Wanne (Landkreis Gelsenkirchen)
1. November 1891 – 31. März 1910 Amt Eickel (Landkreis Gelsenkirchen), bestehend aus Eickel und Holsterhausen
1. April 1910 – 31. März 1926 Amt Eickel (Landkreis Gelsenkirchen), bestehend nur noch aus der Gemeinde Eickel
ab 1. April 1926 kreisfreie Stadt Wanne-Eickel

Diese Entwicklung zeigt, dass Eickel innerhalb eines halben Jahrhunderts mehrfach seinen kommunalen Verwaltungsverband wechselte. Die Veränderungen waren insbesondere eine Reaktion auf das starke Bevölkerungswachstum und die zunehmende Verdichtung der Siedlungsstruktur.

Bevölkerungsentwicklung

Die Industrialisierung führte zu einem außerordentlichen Bevölkerungsanstieg.

Für das Amt Eickel sind unter anderem folgende Werte überliefert:

Jahr Einwohner Bemerkung
1891 12.956 Gründung des Amtes
1895 15.951 Gemeinden Eickel und Holsterhausen
1910 33.496 nach Eingemeindung Holsterhausens
1925 33.261 vor Auflösung des Amtes

Die Zahl von 15.951 Einwohnern für 1895 bezieht sich auf das Gebiet des damaligen Amtes beziehungsweise die Gemeinden Eickel und Holsterhausen. Für 1910 werden für Eickel 33.496 Einwohner angegeben.[10]

Eine Untersuchung zur Bevölkerungsentwicklung des Ruhrgebiets verdeutlicht den außergewöhnlichen Wachstumsschub: Eickel entwickelte sich von 15.951 Einwohnern im Jahr 1895 auf 33.496 Einwohner im Jahr 1910 und damit innerhalb von nur 15 Jahren auf mehr als das Doppelte.[11]

Die Entwicklung war Ausdruck der industriellen Expansion des mittleren Ruhrgebiets.

Wirtschaft und Industrialisierung

Die Geschichte des Amtes Eickel ist eng mit dem Übergang von einer agrarisch geprägten Landschaft zu einem Industriegebiet verbunden.

Besonders der Steinkohlenbergbau veränderte Eickel und Holsterhausen nachhaltig. Zechenanlagen, Arbeiterwohngebiete, Verkehrswege, Geschäfte und kommunale Einrichtungen entstanden in kurzer Zeit.

In Eickel wurde unter anderem auf der Zeche Hannibal Kohle gefördert. Der Schacht 2 war 1872 abgeteuft worden; 1876 begann dort die Kohlenförderung. 1913 erreichte die Förderung des Eickeler Schachtes rund 983.000 Tonnen. Dafür waren etwa 3.570 Bergleute beschäftigt.

Die kommunale Verwaltung musste auf diese Entwicklung reagieren. Aufgaben in den Bereichen Bauwesen, Straßen, Schule, Polizei, Armenfürsorge, Meldewesen, Steuern und Versorgung nahmen entsprechend der Bevölkerungsentwicklung zu.

Das Amt Eickel war somit nicht nur eine Verwaltungseinheit, sondern zugleich ein Ausdruck der kommunalen Bewältigung der Industrialisierung.

Kommunale Infrastruktur

Das starke Bevölkerungswachstum führte zu einem erheblichen Ausbau der kommunalen Infrastruktur.

Zu den Aufgaben der Amtsverwaltung gehörten unter anderem:

  • Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten
  • Standes- und Meldewesen
  • Steuerverwaltung
  • Kommunalkasse
  • Sparkassenangelegenheiten
  • Armen- und Invalidenfürsorge
  • Bauverwaltung
  • Polizeiverwaltung
  • Militärangelegenheiten
  • Schulangelegenheiten
  • Grundstücks- und Wegeangelegenheiten

Die räumliche Ausdehnung der Verwaltung im Amtshaus und dem benachbarten Gebäude zeigt, wie stark der Verwaltungsaufwand innerhalb weniger Jahre angewachsen war.

Politische und kommunale Entwicklung nach 1918

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs änderten sich die politischen und kommunalen Rahmenbedingungen grundlegend.

Auch die Zukunft der Ämter Eickel und Wanne wurde zunehmend diskutiert. Im Zuge der Überlegungen zur Neuordnung der kommunalen Verhältnisse im Ruhrgebiet wurden verschiedene Modelle einer Zusammenlegung beziehungsweise Eingemeindung erörtert.

Die Stadt Herne war bereits früh an einer Eingemeindung der Ämter Eickel und Wanne interessiert. Der Herner Oberbürgermeister Georg Sporleder schlug 1919 vor, die Ämter Eickel und Wanne nach Herne einzugemeinden und gemeinsam mit weiteren Gebieten eine leistungsfähige Großstadt zu schaffen.

Auch andere Städte verfolgten eigene Interessen. Die Diskussionen verdeutlichten die wachsende Bedeutung der dicht besiedelten Industriegebiete zwischen Herne, Gelsenkirchen und Bochum.

Letztlich entschieden sich Wanne und Eickel nicht für eine Eingemeindung nach Herne oder Bochum.

Auflösung und Übergang zu Wanne-Eickel

Die kommunale Neuordnung führte schließlich zur Auflösung des Amtes Eickel.

Zum 1. April 1926 wurden die Ämter Wanne und Eickel aufgelöst. Aus ihren Gemeinden entstand die neue kreisfreie Stadt Wanne-Eickel. Gleichzeitig endete die Existenz des Landkreises Gelsenkirchen.

Damit wurde Eickel Bestandteil einer selbständigen Stadt. Die neue Stadt Wanne-Eickel umfasste zunächst die Gebiete der bisherigen Ämter Wanne und Eickel und hatte etwa 90.000 Einwohner.

Die Bildung der Stadt war ein bedeutender Einschnitt in der Geschichte des westlichen Ruhrgebiets. Die jahrzehntelange Entwicklung von Eickel als selbständiger Gemeinde beziehungsweise Amtsteil fand damit ihren Abschluss.

Das ehemalige Amt Eickel bestand als Verwaltungseinheit nicht weiter.

Das Amt Eickel im historischen Rückblick

Das Amt Eickel bestand nur 35 Jahre, fiel jedoch in eine entscheidende Phase der Entwicklung des Ruhrgebiets.

Bei seiner Gründung 1891 war Eickel noch Teil einer kommunalen Landschaft, deren Strukturen stark von älteren ländlichen Gemeinden geprägt waren. Bereits 1926 war daraus ein dicht besiedelter Industrieort mit mehr als 33.000 Einwohnern geworden.

Die Geschichte des Amtes steht daher exemplarisch für die kommunalen Folgen der Industrialisierung:

  • starke Bevölkerungszunahme,
  • Entstehung neuer Wohngebiete,
  • Ausbau von Straßen und Verkehrswegen,
  • Wachstum des Bergbaus,
  • Ausweitung der kommunalen Verwaltung,
  • zunehmende Trennung beziehungsweise Spezialisierung von Verwaltungsaufgaben,
  • Eingemeindungen und Gebietsreformen,
  • schließlich die Bildung einer kreisfreien Industriestadt.

Die Entwicklung von Eickel zeigt zugleich, dass die kommunalen Grenzen mit dem wirtschaftlichen und sozialen Wandel nicht Schritt hielten. Die Teilung des Amtes Wanne 1891, die Eingemeindung Holsterhausens 1910 und die Vereinigung von Wanne und Eickel 1926 waren Stationen eines fortschreitenden Konzentrationsprozesses.

Amtshaus und heutige Erinnerung

Das frühere Amtshaus an der Richard-Wagner-Straße 5 blieb auch nach dem Ende des Amtes als historischer Ort der Eickeler Verwaltung in Erinnerung.

Nach dem Ende der Amtsverwaltung und der Bildung Wanne-Eickels verloren die Gebäude ihre ursprüngliche Funktion. Im weiteren Verlauf wurden die ehemaligen Amtshausgebäude abgebrochen.

Auf dem Grundstück entstand später das Eickel-Center. Die Eröffnung des Einkaufs- und Wohnzentrums erfolgte am 29. März 1973.[12]

Damit verschwand ein wichtiger baulicher Zeuge der Amtsgeschichte aus dem Eickeler Stadtbild.

Die Erinnerung an das Amt Eickel ist heute vor allem durch historische Quellen, Veröffentlichungen zur Stadtgeschichte und die erhaltene Dokumentation des ehemaligen Amtshauses überliert.

Bedeutung für die Geschichte Wanne-Eickels

Das Amt Eickel nimmt in der Vorgeschichte der Stadt Wanne-Eickel eine zentrale Stellung ein.

Gemeinsam mit dem Amt Wanne bildete es den unmittelbaren kommunalgeschichtlichen Vorläufer der 1926 entstandenen kreisfreien Stadt. Die spätere Doppelstadt Wanne-Eickel war somit nicht plötzlich entstanden, sondern war das Ergebnis einer jahrzehntelangen Entwicklung, in der sich die ehemals selbständigen Gemeinden des westlichen Herner Raumes immer wieder neu zusammenschlossen und voneinander trennten.

Der Weg lässt sich vereinfacht wie folgt darstellen:

Jahr Entwicklung
1844 Zuordnung der Landgemeinden zum Amt Herne
1875 Bildung des Amtes Wanne (u. a. mit Eickel und Holsterhausen)
1885 Wechsel des Amtes Wanne zum Landkreis Gelsenkirchen
1891 Ausgliederung und Bildung des selbständigen Amtes Eickel
1893 Einweihung des eigenen Amtshauses in Eickel
1899 Erweiterung des Amtshauses um das Nachbargebäude
1910 Eingemeindung Holsterhausens nach Eickel
1926 Vereinigung der Ämter Wanne und Eickel zur kreisfreien Stadt Wanne-Eickel

Siehe auch

Literatur

  • Hegler, Gustav, Eickel-Wanne einst und jetzt. Geschichte der Gemeinden beider Ämter. 1903
  • Manfred Hildebrandt, Michael Frensel, Jürgen Bodeux, Friedrich Heiserholt: Herne von Ackerstr. bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Stadt Herne, Stadtdruck, Herne 1997.
  • Wolfgang Leesch: Die Verwaltung der Provinz Westfalen 1818–1945. Strukturen und Organisation. Aschendorff, Münster 1993.
  • Stadtarchiv Herne: Dokumentationsbibliothek, Sammlung Amtshäuser.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Geographische Kommission für Westfalen: Veröffentlichungen zur Bevölkerungs- und Siedlungsentwicklung des Ruhrgebiets.

Weblinks

Verwandte Artikel

Einzelnachweise

  1. Manfred Hildebrandt, Michael Frensel, Jürgen Bodeux, Friedrich Heiserholt: Herne von Ackerstr. bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Stadt Herne, Stadtdruck, 1997, S. XIII–XV.
  2. Stadt Herne: Stadtgeschichte. Chronologie zur Entwicklung der Ämter Herne, Wanne und Eickel.
  3. Stadt Herne: Stadtgeschichte, insbesondere die Chronologie der Jahre 1815 bis 1891.
  4. Wattenscheider Zeitung, 11. März 1891, Bericht über die Sitzung vom 7. März 1891; wiedergegeben in der Dokumentation des Historischen Vereins Herne/Wanne-Eickel.
  5. Emscher Zeitung, 28. September 1891, Bekanntmachung über die Bildung des Amtes Eickel.
  6. Gustav Hegler: Eickel-Wanne einst und jetzt. Geschichte der Gemeinden beider Ämter. 1903, S. 37–39.
  7. Internet-Portal Westfälische Geschichte: Bericht über den Instruktionskurs der Kinokommission des Westfälischen Landgemeindetages am 26. Februar 1913 in Eickel.
  8. Märkischer Sprecher, 6. November 1891; zeitgenössische Bekanntmachung über die Diensträume des neuen Amtes Eickel.
  9. Vgl.: Märkischer Sprecher 63 (6.11.1891). online auf Zeitpunkt.nrw
  10. Gemeindelexikon für die Provinz Westfalen, Ausgabe 1895; Uli Schubert: Deutsches Gemeindeverzeichnis 1910; Angaben zum Gebietsstand 1925.
  11. Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Geographische Kommission für Westfalen: Das Ruhrgebiet im 19. und 20. Jahrhundert.
  12. Schettler: EickelCenter feiert 50jähriges Bestehen, 4. Juli 2023.
Dieser Artikel, diese genealogische oder textliche Zusammenstellung bzw. dieses Bild wird von Andreas Janik (ehem. Johann-Conrad) für das Wiki der Herner Stadtgeschichte zur Verfügung gestellt und unterliegt dem Urheberrecht. Bei einer Verwendung dieser Abbildung und/oder dieses Textes - auch als Zitat - außerhalb des Wikis der Herner Stadtgeschichte ist die Genehmigung beim Autor einzuholen.


ⓘ Hinweis:

Dieser Artikel / dieses Bild wurde unter Nutzung von KI-generierten Inhalten erstellt und anschließend redaktionell geprüft.
Die automatisierte Erstellung diente als Grundlage und wurde von menschlichen Bearbeiterinnen inhaltlich und sprachlich überarbeitet, um Richtigkeit und Verständlichkeit sicherzustellen. KI-generierte Bilder stellen eine Interpretation dar und basieren auf überprüfbaren Vorlagen sowie den Angaben der Erstellerinnen.