Rathaus Wanne

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Das Rathaus Wanne, ursprünglich Amtshaus Wanne, an der Rathausstraße 6 im heutigen Herner Stadtteil Wanne gehört zu den bedeutendsten historischen Verwaltungsgebäuden der ehemaligen Stadt Wanne-Eickel. Das Gebäude entstand in den Jahren 1903 bis 1904 nach den Plänen des Wanner Amtsbaumeisters Otto Zahn und wurde am 19. Januar 1905 feierlich eröffnet. Es war zunächst Sitz der Verwaltung des Amtes Wanne und wurde nach der Stadtgründung von Wanne-Eickel im Jahr 1926 zum Rathaus der neuen Stadt. Heute wird das Gebäude weiterhin als Verwaltungsstandort der Stadt Herne genutzt. [1]

Denkmalplakette NRW
Rathaus Wanne
Herne-Wanne
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Erbaut1903/1904
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StadtbezirkOrtsteil

Vorgeschichte und erstes Amtshaus

Nach der Bildung des Amtes Wanne im Jahr 1875 benötigte die neue Verwaltung eigene Räume. Die ersten Amtsstuben befanden sich zunächst im Haus des Brennereibesitzers Hackert an der damaligen Bahnhofstraße (heute Hauptstraße). Wegen der ungeeigneten Unterbringung erfolgte bald ein Umzug in Räume an der Viktoriastraße.

Bereits am 5. November 1875 beschloss die Amtsversammlung den Bau eines eigenen Amtshauses. Der Landwirt Langebeckmann stellte hierfür das sogenannte „Heitkamps Feld“ an der damaligen Kaiser-Wilhelm-Straße zur Verfügung. Das erste Amtshaus wurde 1876/77 errichtet und im September 1877 bezogen.

Durch das rasche Bevölkerungswachstum infolge des Bergbaus und der Industrialisierung erwies sich das Gebäude bald als zu klein. Die Verwaltung entschloss sich deshalb zu einem repräsentativen Neubau.

Neubau des Amtshauses 1903–1905

Für den Neubau wurde ein Grundstück an der damaligen Schwerinstraße, der heutigen Rathausstraße, erworben. Die Planung übernahm der Amtsbaumeister Otto Zahn. Mit den Ausschachtungsarbeiten wurde am 14. März 1903 begonnen. Bereits im November 1904 war das neue Verwaltungsgebäude fertiggestellt.

Die feierliche Eröffnung erfolgte am 19. Januar 1905.[2] Das neue Amtshaus spiegelte durch seine Größe und Gestaltung die wachsende Bedeutung Wannes als Industriestandort wider.

Trotz des enorm hohen Bautempos war das dreieinhalbgeschossige Amtshaus Wanne mit U-förmigen Grundriss zu einem Schmuckstück geworden: Mit seinen Rundbogenfenstern, dem Balkon mit Balusterbrüstung über dem Portal, mit seinen geschweiften Giebeln und dem verspielten achtseitigen, kupfergedeckten Zwiebelturm erinnerte das Bauwerk an ein Patrizierhaus. Das Innenleben präsentierte sich weniger barock: Neben einem Sitzungssaal und einem Beratungszimmer enthielt das Amtshaus unter anderem noch 61 Büroräume in drei Stockwerken, sieben Kellerräume sowie die Dienstwohnung des Amtsbaumeisters.
Auch war die Polizeiwache nebst sechs Gefängniszellen im neuen Amtshaus untergebracht.
Da die Verwaltung nicht alle Räume benötigte, wurden in den ersten Jahren im dritten Stockwerk Wohnungen an die Amtsbeamten vermietet. Dies änderte sich aber im Laufe der Jahre.

Rathaus der Stadt Wanne-Eickel

Mit der Vereinigung der Gemeinden Wanne und Eickel zur Stadt Wanne-Eickel am 1. April 1926 wurde das Amtshaus zum Rathaus der neuen Stadt.

Immer wieder wurde über einen Rathausneubau nachgedacht. So wurde auf Grund der „Denkschrift zur Frage Rathaus – Erweiterung oder Neubau“ von Stadtbaurat Koch am 15. Juni 1955 ein Wettbewerb zur Erlangung von Vorentwürfen für den Neubau eines Rathauses der Stadt Wanne-Eickel ausgeschrieben. Zu einer Erweiterung oder einem Neubau kam es aber nie.

Bis zur Städteehe von Wanne-Eickel und Herne fanden die Ratssitzungen der Wanne-Eickeler Stadtverordneten im Verwaltungsgebäude an der Richard-Wagner-Str. 10 in Eickel statt. Der Sitzungssaal im Wanne-Eickeler Rathaus war für die Mitgliederanzahl einfach zu klein.

Das Gebäude blieb bis zur kommunalen Neugliederung Nordrhein-Westfalens im Jahr 1975 Mittelpunkt der Stadtverwaltung von Wanne-Eickel. Nach der Eingliederung Wanne-Eickels in die Stadt Herne wurde das Rathaus Wanne weiterhin als Verwaltungsgebäude genutzt. [3]

Architektur

Das Rathaus Wanne wurde im Stil der Neorenaissance errichtet. Der repräsentative Bau besitzt einen markanten Mittelrisalit, geschweifte Giebel, Rundbogenfenster und einen charakteristischen achteckigen Turm mit kupfergedeckter Zwiebelhaube.

Die Gestaltung sollte den Anspruch einer selbstbewussten kommunalen Verwaltung des industriell stark wachsenden Wanne unterstreichen.

Im Inneren befand sich ein großer Sitzungssaal, der über Jahrzehnte für Sitzungen der Amtsvertretung, des Stadtrates von Wanne-Eickel und später der Bezirksvertretung Wanne genutzt wurde.

Sanierungen und Erhaltungsmaßnahmen

Das Rathaus Wanne wurde im Laufe seiner Geschichte mehrfach modernisiert und an neue Anforderungen angepasst. Eine umfassende Generalsanierung des Gebäudes erfolgte in den Jahren 2005 bis 2013. Dabei wurden unter anderem brandschutztechnische Anforderungen umgesetzt, technische Anlagen erneuert und Schäden durch Hausschwamm beseitigt. Die Maßnahmen kosteten rund drei Millionen Euro.[4]

Eine weitere umfangreiche Maßnahme betrifft den historischen Sitzungssaal des Rathauses. Anlass für die Sanierung war der schlechte Zustand des vorhandenen Bodenaufbaus. Nachdem im Zuge des Ausbaus des alten Parketts Schäden festgestellt wurden, musste der Untergrund grundlegend überprüft und erneuert werden.

Die Arbeiten begannen Anfang 2025. Nach der Entfernung beschädigter Bodenbereiche wurde zunächst der Untergrund instandgesetzt. Aufgrund der geringen Aufbauhöhe und notwendiger Arbeiten an der Betonkonstruktion wurden verschiedene technische Lösungen geprüft. Im November 2025 konnte schließlich ein Sanierungskonzept umgesetzt werden.

Der neue Boden besteht aus hochwertigem Eichenparkett im Fischgrätmuster. Ergänzend erfolgen Arbeiten an der Raumtechnik, Malerarbeiten sowie eine umfassende Reinigung des historischen Saales. Die Fertigstellung ist für Mitte 2026 vorgesehen. Anschließend sollen die Sitzungen der Bezirksvertretung Wanne wieder im renovierten Sitzungssaal stattfinden. Die Gesamtkosten werden mit rund 145.000 Euro angegeben.[5]

Denkmal und Bedeutung

Das Rathaus Wanne ist ein wichtiges Zeugnis der kommunalen Entwicklung im nördlichen Ruhrgebiet. Es dokumentiert den Aufstieg Wannes vom Landbezirk zur bedeutenden Industriestadt und erinnert an die eigenständige Geschichte Wanne-Eickels.

Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und gehört zu den prägenden historischen Bauwerken des Stadtbezirks Wanne.

DENKMAL NR. 18
  • Rathaus Wanne
  • Rathausstraße 6, Wanne
  • Erbaut: 1885-1900
  • Architektur:
  • Details: Bei dem Gebäude handelt es sich um einen 3½-geschossigen Repräsentationsbau aus Ziegelwerksteinverband. Er wurde in den Jahren 1885-1900 erbaut. Die Fassade ist horizontal durch Sockel, Gurt- und Kranzgesims, vertikal durch Quader an den Ortgängen der einzelnen Vorsprünge gegliedert. Über dem Eingangsportal mit kleiner Treppenanlage befindet sich ein Balkon, der mit den dahinterliegenden rundbogigen Saalfenstern der Eingangsfassade einen repräsentativen Charakter verleiht. Diesen Eindruck verstärkt der darüber aufsteigende Neorenaissance-Giebel, den ein dahinterstehender Dachreiter mit Zwiebeldach überragt.

Im Herbst 1977 musste die alte Amtmannvilla rechts neben dem Rathaus weichen um Platz für das neue Gesundheitsamt zu schaffen, welches am 1. Oktober 1980 offiziell seiner Bestimmung übergeben wurde.


Eine Badeeinrichtung im Rathauskeller

Für die städtischen Bediensteten hielt das Rathaus eine besondere Annehmlichkeit bereit. In der im Keller befindlichen Badeeinrichtung konnte ein erfrischendes Vollbad genommen oder unter eine der vier Brausezellen geduscht werden.
Die Badezeiten für die weiblichen und männlichen Verwaltungsangehörigen sowie das Verhalten in der Badeeinrichtung wurden natürlich per Dienstverfügung geregelt. Der Betriebsrat wurde beteiligt.
Die letzten bekannten Badegäste waren in den 1970er Jahren Angestellte des Bezirksschornsteinfegermeisters Helmut Brzukalla.
Die städtischen Bediensteten nahmen da schon längst kein dienstliches Bad mehr.
Wie lange überhaupt die Möglichkeit bestand, im Rathaus zu baden, ist leider nicht überliefert.

Grundrisse, Karten etc.

  • Grundriß Kellergeschoß, um 1935, 1 : 100, 46 x 65 Digitalisiert
  • Grundriß Erdgeschoß, um 1935, 1 : 100, 46 x 65 Digitalisiert
  • Grundriß 1. Obergeschoß, um 1935, 1 : 100, 46 x 65 Digitalisiert
  • Grundriß 2. Obergeschoß, um 1935,1 : 100, 46 x 65 Digitalsiert

Verwandte Artikel

Quellen

  1. Stadt Herne: Rathaus Wanne – Die Historie.
  2. Herner Anzeiger, Jg.1 Nr.36, 16. Mai 1905
  3. Stadt Herne: Rathaus Wanne – Die Historie.
  4. Rathaus Wanne-Eickel – Angaben zur Gebäudesanierung.
  5. Stadt Herne: „Neuer Boden wird verlegt: Sanierung des Sitzungssaals im Rathaus Wanne auf der Zielgeraden“, 30. April 2026.