Der Rote Block (Amtmann-Winter-Straße 5/7/9 – Wanner Straße 4/6/8/10/12 – Wibbeltstraße 7/8)

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Der Rote Block ist eine denkmalgeschützte Wohnanlage im Herner Stadtteil Wanne. Das aus mehreren viergeschossigen Wohnhäusern bestehende Gebäudeensemble befindet sich an der Amtmann-Winter-Straße 5/7/9, der Wanner Straße 4/6/8/10/12 sowie der Wibbeltstraße 7/8. Die Wohnanlage zählt zu den bedeutendsten Beispielen des Backsteinexpressionismus und des Neuen Bauens in Herne und wurde am 24. November 1988 in die Denkmalliste der Stadt Herne eingetragen (Denkmal Nr. A 87). Das Wohnhaus Wanner Straße 4 wurde 1995 als eigenständiger Bauabschnitt unter Denkmalschutz gestellt.

Rote Block
Bild: Gerd Biedermann 2016 †
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Erbaut1927-1929
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Geschichte

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung Wannes in den 1920er Jahren entstand westlich des Rathauses ein neues Verwaltungs- und Geschäftszentrum. Zur städtebaulichen Neuordnung des Bereiches zwischen Hauptstraße, Wanner Straße und Rathausstraße wurden mehrere repräsentative Neubauten errichtet. Hierzu gehörten neben dem Sparkassengebäude auch eine großflächige Wohnanlage für den Gemeinnützigen Bauverein Essen.

Die Wohnanlage entstand zwischen 1927 und 1929 nach Plänen des Wanne-Eickeler Architekturbüros Georg Gobrecht und Ferdinand Revermann. Bauherr war der Gemeinnützige Bauverein Essen. Das Ensemble bildete den südöstlichen Abschluss eines gesamten Häuserblocks und war Bestandteil einer modernen städtebaulichen Entwicklung, die sich an den Prinzipien des Neuen Bauens orientierte.

Im Volksmund erhielt die Anlage aufgrund ihrer vollständig mit roten Klinkern verkleideten Fassaden schon früh den Namen „Roter Block“. Dieser Name setzte sich dauerhaft durch und wird bis heute verwendet.

Während des Zweiten Weltkrieges entstand im Innenhof der Wohnanlage ein Luftschutzhochbunker, der die Wohnanlage bis heute prägt. Er wurde nach 1939 errichtet und besitzt eine Grundfläche von rund 620 Quadratmetern.

1994 erfolgte eine umfassende Sanierung der Gebäude durch die damalige Vestische Wohnungsgesellschaft. Dabei wurden unter anderem die ursprünglichen Holzfenster gegen Kunststofffenster ersetzt. Seit 2007 befindet sich die Wohnanlage im Besitz eines privaten Wohnungsunternehmens.

Architektur

Der Rote Block gilt als eines der wichtigsten Beispiele expressionistischer Wohnarchitektur in Herne.

Kennzeichnend sind:

  • viergeschossige Blockrandbebauung
  • vollständig mit roten Klinkern verkleidete Fassaden
  • plastisch gegliederte Baukörper
  • stark betonte vertikale Treppenhausachsen
  • mehrfach abgestufte Gebäudeecken
  • abgerundete Ecklösungen
  • expressionistische Formensprache
  • flach geneigte Satteldächer

Besonders auffällig ist die dynamische Gliederung der Fassaden. Die einzelnen Wohnhäuser erscheinen trotz ihrer geschlossenen Blockrandbebauung als eigenständige Baukörper. Abgerundete Gebäudeecken und hervortretende Treppenhäuser erzeugen ein lebendiges Wechselspiel von Licht und Schatten. Diese Gestaltung zählt zu den charakteristischen Merkmalen des nordwestdeutschen Backsteinexpressionismus.

Städtebauliche Bedeutung

Der Rote Block bildet zusammen mit der benachbarten ehemaligen Sparkasse Wanne-Eickel eines der bedeutendsten Architekturensembles der Wanner Innenstadt.

Die Gebäude markieren den Übergang zwischen Rathaus, Hauptstraße und dem Bahnhofsumfeld und prägen bis heute das Stadtbild. Gemeinsam mit dem Rathaus entstand hier Ende der 1920er Jahre ein modernes Verwaltungs- und Geschäftszentrum, das den Wandel Wannes von einer Industriestadt zu einer urbanen Großstadt dokumentiert.

Die Wohnanlage stellt zugleich ein wichtiges Beispiel der kommunalen Wohnungsbaupolitik der Weimarer Republik dar. Anders als die Zechensiedlungen entstand hier städtischer Geschosswohnungsbau mit architektonischem Anspruch und hoher gestalterischer Qualität.

Denkmalschutz

Die Wohnanlage wurde am 24. November 1988 als Baudenkmal in die Denkmalliste der Stadt Herne aufgenommen.

DENKMAL NR. 87
  • Wohn-und Geschäftshausblock
  • Amtmann-Winter-Str. 5/7/9 Wanner Str. 4/6/8/10/12 Wibbeltstr.7/8
  • Erbaut: 1927-1929
  • Architektur: Georg Gobrecht, Ferdinand Revermann
  • Details: Der Wohnblock bildet den Abschluss einer Gebäudegruppe, die sich von der Amtmann-Winter-Straße über die Wibbeltstraße bis hin zur Wanner Straße erstreckt. Diese Häuserblöcke wurden in den Jahren von 1927-1929 errichtet. An den drei Straßenseiten staffeln sich die Fronten durch verschiedene fünfgeschossige Blocksysteme, die auf die Straßenecken hin abgerundet in mehreren Stufen eine Baumaßgliederung erzeugen. Das mit flachgeneigtem Satteldach abschließende fünfgeschossige Wohnhaus weist eine Klinkerverblendung auf, die durch einzelne Schmelzflußziegel belebt wird. Besonders geprägt wird die Fassade durch ein kräftiges Horizontalband über dem Erdgeschoss und durch vertikale schmale Mauerwerksstreifen, die die Fenster der Bodenräume einfassen. Der Bauhauseinfluss ist hier unverkennbar. Im Zusammenhang mit den angrenzenden Wohnhausblöcken wurde eine ausgezeichnete städtebauliche Situation geschaffen.

Wanner Straße 4

Das an der Wanner Straße gelegene Eckhaus Nr. 4 entstand erst 1936 nach Plänen des Architekten Hermann Riedl. Obwohl es einige Jahre später errichtet wurde, orientiert sich seine Gestaltung bewusst an der bestehenden Wohnanlage und wurde am 16. März 1995 ebenfalls unter Denkmalschutz gestellt.

Bedeutung

Der Rote Block gehört zu den architektonisch bedeutendsten Wohnanlagen der Zwischenkriegszeit in Herne. Er verbindet die Formensprache des Backsteinexpressionismus mit den städtebaulichen Ideen des Neuen Bauens und dokumentiert den kommunalen Wohnungsbau der Weimarer Republik.

Gemeinsam mit der benachbarten ehemaligen Sparkasse sowie dem Rathaus bildet das Ensemble eines der qualitätvollsten Bauensembles der Wanner Innenstadt und besitzt sowohl architekturgeschichtliche als auch städtebauliche Bedeutung.

Weblinks


Literatur

  • Stadt Herne: Denkmalliste der Stadt Herne. Herne.
  • Olaf Peterschröder: Topographie des Neuen Bauens in Westfalen – Herne. Münster.
  • Baukunst NRW: Siedlung „Roter Block“.
  • Architektur im Ruhrgebiet.
  • Herne – Architekturführer.

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Einzelnachweise