Sodingen

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Sodingen ist ein Stadtteil im Osten der kreisfreien Stadt Herne in Nordrhein-Westfalen. Der Ort gehörte bis 1928 als selbstständige Landgemeinde dem Landkreis Dortmund an und war Sitz des Amtes Sodingen. Die Geschichte Sodingens reicht bis ins Hochmittelalter zurück und ist seit dem 19. Jahrhundert eng mit dem Steinkohlenbergbau, insbesondere der Zeche Mont-Cenis, verbunden.

Lage

Der historische Ort grenzt an die heutigen Herner Stadtteile Börnig, Holthausen und Horsthausen sowie an die Städte Castrop-Rauxel und Bochum. Zum historischen Gemeindegebiet gehörte auch die Bauerschaft Gysenberg.

Die Gemeinde Sodingen-Gysenberg

Die Sodinger Grenze verläuft im Norden mit einem abschließenden Bogen an der Straße Trimbusch Hof entlang bis zum Sodinger Bach. Von dort verläuft die Grenze in süd/östlicher Weise nördlich der Akademie bis zur Kirchstraße/(Bruno-Danek-Weg). Die Grenze verläuft nun durch die Kirchstraße, so dass die westliche Seite dieser zu Sodingen, die Östlich zu Börnig gehört. Kurz vor der Neigung zum Amtshaus knickt die Grenze Richtung Jürgen-von-Manger-Straße ab und folgt ab ihrer Einmündung in die Mont-Cenis-Straße im Zickzack bis kurz hinter der Südlichen Schulhofgrenze der Max-Wiethoff-Schule. (Der Sodinger Marktplatz mit Amshaus und ev. wie kath. Kirche sind Börniger Grund) Von dort geht es weiter im Abstand zur Gerther Straße bis fast zum Hof Wittenberg um von dort zur Gerther Straße zu gelangen. Von hier bis zur Stadtgrenze bleibt die linke Straßenseite Sodinger Grund. Von hier an verläuft die südliche und westliche Grenz entlang dem Ostbach. Erst kurz hinter dem Schmidt Hof knickt die Grenze wieder zur Mont-Cenis-Straße ab um ein Stück dem Schwarzen Weg zu folgen und dann westlich über die Basaltstraße, der halbierten Schultenstraße und Heyerstraße den Weg nach Norden über dem Uhlenbruch in das glechnahmige Naturschutzgebiet zu verlaufen. Der Fußübergang am Hölkeskampring entspricht den ungefähren Grenzverlauf, da ein großer Teil des Herner Stadtgartens ehemals zu Sodingen gehörte. Der letzte Verlauf entspricht die Westgrenze durch die Birnenbruchstraße.

Es gab ursprünglich zwei bzw. drei Sodingen:

Name

Die älteste bekannte urkundliche Erwähnung stammt aus der Zeit um 1150. Im Urbar der Reichsabtei Werden erscheint der Ort als Sothinkge. Der Ortsname wird sprachwissenschaftlich entweder als „Siedlung des Sötho“ oder als „Ort an einer Quelle“ gedeutet.

Geschichte

Mittelalter

Sodingen entwickelte sich als bäuerliche Ansiedlung innerhalb der Grafschaft Mark. Es gehörte zum Kirchspiel und Gericht Castrop. Im 13. Jahrhundert erscheint mehrfach das Geschlecht der Herren von Sodingen in den Quellen. Ihnen gehörte das heute abgegangene Haus Sodingen- 1313 besaß es Adam von Sodingen - , ein Rittersitz, dessen genauer Standort nicht mehr eindeutig bestimmt werden kann. Man vermutet, dass sich die Burg bei dem Hof Schulte-Sodingen in der Nähe der Mont-Cenis-Straße befand. Das adlige Haus Sodingen wechselte nach dem Aussterben der Familie mehrmals zwischen 1550 und 1800 den Besitzer, bis es zuletzt an die Freifrau von Düngelen zur Wische fiel. Die Burggebäude wurden später abgerissen.

Die Bauerschaft Sodingen am Ostbach im Jahre 1802.

Im Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486 wird im Niederamt Bochum "Soyingen" mit fünf Grundbesitzen und im Gericht Castrop "Soedingen" mit sechzehn Grundbesitzern genannt. In der Türkensteuerliste von 1542 sind es zehn, im Türkensteuerregister von 1598 bereits vierzehn.

Frühe Neuzeit

Während der Frühen Neuzeit blieb Sodingen eine überwiegend landwirtschaftlich geprägte Bauerschaft. Die Gerichtsbarkeit lag weiterhin beim Gericht Castrop. Nach dem Übergang der Grafschaft Mark an Brandenburg-Preußen blieb diese Verwaltungsstruktur zunächst bestehen.

J. D. von Steinen beschrieb 1757 die Bauerschaft wie folgt: "Sodingen, am Wege von Herne nach Castrop gelegen. Diese Bauerschaft gehöret theils zum Gericht Castrop, theils zum Gericht Strünckede. Die Scheidung wird durch einen kleinen Bach gemacht, da denn die Seite an der Bach, nach Herne hin gelegen, ins Gericht Strünckede und Kirchspiel Herne, diejenige Seite aber an der Bach nach Castrop hin, ins Gericht und Kirchspiel Castrop gehören."

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gehörte Sodingen während der französischen Herrschaft zur Mairie Castrop. Nach dem Wiener Kongress wurde der Ort preußisch und Teil der Bürgermeisterei beziehungsweise später des Amtes Castrop im Landkreis Dortmund.

1826 nahm die Fläche 589 Morgen und 144 Ruten ein, aufgeteilt in 148 Parzellen.

Im Flurbuch der Gemeinde Castrop von 1829 werden in der Flur XXIII, genannt Sodingen, die Flurstücke "Sodingen, Sodinger Esche, Im Sodinger Esch" genannt.

1818 zählte man in 13 Häusern 57 Einwohner (54 Katholisch, 3 lutherisch); 1849 war die Einwohnerzahl auf 125 gestiegen. 1902 10.130 und 1928 waren 23.543 Einwohner verzeichnet.

Industrialisierung

Mit der Erschließung der Steinkohlenvorkommen wandelte sich Sodingen innerhalb weniger Jahrzehnte grundlegend.

Den entscheidenden wirtschaftlichen Impuls brachte die 1871 gegründete Zeche Mont-Cenis. Der Bergbau führte zu einem starken Bevölkerungswachstum. Neben dem historischen Dorf entstanden zahlreiche Bergarbeitersiedlungen, Schulen, Kirchen und öffentliche Einrichtungen. Aus dem bäuerlichen Dorf entwickelte sich eine eigenständige Industriegemeinde.

Zu den bedeutenden Bauwerken dieser Zeit zählen unter anderem:

  • die katholische Kirche St. Peter und Paul,
  • die evangelische Johanniskirche,
  • das Amtshaus Sodingen,
  • der Kaiser-Wilhelm-Turm (heute Aussichtsturm im Gysenberg).

Am 1. April 1902 wurde aus den Gemeinden Börnig, Holthausen und Giesenberg-Sodingen das neue Amt Sodingen gebildet[5].

Am 30. Mai 1913 erhielt die Gemeinde Giesenberg-Sodingen offiziell den kürzeren Namen Sodingen. Das Amt blieb jedoch weiterhin unter der Bezeichnung Amt Sodingen bestehen.

Das Amt entwickelte eine für Landgemeinden ungewöhnlich moderne Infrastruktur. Es errichtete unter anderem den Volkspark auf dem Beimberg und beteiligte sich an der Finanzierung des Kaiser-Wilhelm-Turms, der zugleich als Wasserturm und Aussichtsturm diente.

Eingemeindung nach Herne

Die Gemeinden

Sodingen, Börnig und der größte Teil Holthausens

wurden nach erhebliche regionalpolitische Auseinandersetzungen mit Castrop-Rauxel am 1. April 1928 nach Herne eingegliedert. Kleinere Randbereiche Holthausens kamen nach Castrop-Rauxel oder Bochum-Gerthe.

Durch die Eingemeindung vergrößerte sich das Stadtgebiet Hernes erheblich; zugleich stieg die Einwohnerzahl um mehr als 23.000 Personen. Damit rückte Herne unmittelbar an die Grenze zur Großstadt heran.

Nach 1928

Nach der Eingemeindung blieb Sodingen ein wichtiger Wohn- und Bergbaustandort. Die Zeche Mont-Cenis prägte den Ort bis zu ihrer Stilllegung 1978.

Seit den 1990er Jahren entstand auf dem Gelände der ehemaligen Zeche die Akademie Mont-Cenis, die heute Sitz verschiedener städtischer Einrichtungen ist und zu den bedeutendsten Beispielen moderner Industriearchitektur im Ruhrgebiet zählt.

Seit dem 1. Januar 1975 ist Sodingen einer der vier Bezirke der neuen Stadt Herne.

Literatur

  • Stadt Herne (Hrsg.): Herne – Von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Herne 1997.
  • Michael Flöer: Die Ortsnamen des Ennepe-Ruhr-Kreises, der Stadt Bochum und der Stadt Herne. Bielefeld 2020.
  • Willy Timm: Die Ortschaften der Grafschaft Mark in ihren urkundlichen Früherwähnungen. Unna 1991.

Lesen Sie auch

Quellen