Dekanat Emschertal 2006-2026

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Das Dekanat Emschertal war ein römisch-katholisches Dekanat des Erzbistums Paderborn. Es umfasste die katholischen Kirchengemeinden im Gebiet der Städte Herne einschließlich Wanne-Eickel sowie Castrop-Rauxel mit Ausnahme des Stadtteils Henrichenburg. Das Dekanat entstand am 1. Juli 2006 durch die Zusammenlegung der bisherigen Dekanate Herne, Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel. Es bildete damit eine mittlere kirchliche Verwaltungsebene zwischen den einzelnen Pfarreien bzw. Pastoralen Räumen und dem Erzbistum Paderborn.[1]

Seinen Namen erhielt das Dekanat nach der Emscher, die den nördlichen Teil seines Gebietes durchquert. Die Bezeichnung knüpfte zugleich an die gemeinsame siedlungs- und industriegeschichtliche Prägung von Herne, Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel an. In seiner knapp zwanzigjährigen Geschichte wurde das Dekanat selbst mehrfach von tiefgreifenden Veränderungen der katholischen Kirchenorganisation geprägt. Aus ursprünglich zahlreichen selbstständigen Pfarreien entstanden größere Pastorale Räume und schließlich Großpfarreien. Mit der Neuordnung des Erzbistums Paderborn endet die Geschichte des Dekanats Emschertal als eigenständige kirchenrechtliche Ebene zum 1. Advent 2026; an seine Stelle tritt der neue Seelsorgeraum Emschertal.[2]

Kirchliche Vorgeschichte

Die Geschichte des späteren Dekanats Emschertal reicht weit über das Jahr 2006 hinaus. Die katholischen Gemeinden des Gebietes gehörten über Jahrhunderte unterschiedlichen kirchlichen Organisationsstrukturen an.

Das Gebiet des heutigen Herne lag bis zur Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse im frühen 19. Jahrhundert im Bereich des Erzbistums Köln. Mit der Neuordnung der katholischen Diözesen in Preußen kam es 1821 zum Bistum Paderborn, das 1930 zum Erzbistum erhoben wurde.[3]

Die katholische Bevölkerung war im heutigen Stadtgebiet Herne zunächst verhältnismäßig klein. Dies änderte sich mit der Industrialisierung grundlegend. Der Ausbau des Steinkohlenbergbaus, der Eisen- und Stahlindustrie sowie des Eisenbahnnetzes führte seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem starken Bevölkerungswachstum. Mit den zuziehenden katholischen Arbeitern und ihren Familien wuchs auch der Bedarf an Kirchen, Schulen, Vereinen und eigenständigen Pfarreien.

In Herne entstand 1859 zunächst eine katholische Notkirche; 1862 wurde eine selbstständige katholische Pfarrei errichtet. In Eickel bestand dagegen bereits seit dem 17. Jahrhundert eine katholische Tradition. 1687 ist dort eine katholische Kapelle belegt. Mit dem Wachstum der Bevölkerung entstanden im 19. Jahrhundert weitere Tochtergemeinden.[4]

Auch im immer überwiegend katholisch geprägten Castrop und den umliegenden Ortschaften entwickelte sich im 19. Jahrhundert infolge der Industrialisierung ein immer dichteres Netz katholischer Gemeinden.

Entstehung der Vorgängerdekanate

Die wachsende Zahl katholischer Pfarreien machte eine kirchliche Neuordnung erforderlich. Die Gemeinden im Raum Herne, Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel wurden zunächst in größere Dekanatsstrukturen eingegliedert. Für das Gebiet des späteren Emschertals waren insbesondere die Dekanate Wattenscheid, Herne, Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel von Bedeutung.

Mit dem Anwachsen der Städte und der Zahl der katholischen Gemeinden entstanden schließlich eigene Dekanate. Herne wurde Sitz eines eigenen Dekanats; auch Wanne-Eickel erhielt 1926 ein eigenes Dekanat.[5]

Die Dekanate waren keine eigenständigen Diözesen und auch keine Pfarreien. Sie dienten vor allem der Koordination der Seelsorge, der Zusammenarbeit der Geistlichen und der Verbindung zwischen den örtlichen Gemeinden und dem Bischof.

Die katholische Kirche im Industriezeitalter

Die Entwicklung der späteren Dekanate Herne, Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel ist eng mit der Industrialisierung des nördlichen Ruhrgebietes verbunden.

Mit dem Aufkommen der Zechen veränderte sich die konfessionelle Zusammensetzung der Städte. Zahlreiche katholische Arbeiter kamen aus anderen Regionen Westfalens und des Deutschen Reiches, insbesondere aus den östlichen preußischen Provinzen. In den neu entstehenden Bergarbeiterquartieren entstanden katholische Kirchen und Kapellen, katholische Schulen, Gesellen- und Arbeitervereine, Jugendgruppen sowie Einrichtungen der Caritas.

Die katholischen Gemeinden entwickelten sich damit zu wichtigen sozialen und kulturellen Zentren der industriell geprägten Stadtgesellschaft.

In Herne entstanden unter anderem die Pfarreien St. Bonifatius, St. Joseph, St. Marien, St. Peter und Paul, Herz Jesu, St. Elisabeth und weitere Gemeinden. In Wanne und Eickel bildete sich ebenfalls ein dichtes Netz katholischer Pfarreien. Castrop-Rauxel entwickelte eine vergleichbare Struktur.

Diese Vielzahl selbstständiger Pfarreien prägte die katholische Landschaft bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Das Dekanat Herne

Das Dekanat Herne entwickelte sich im Zuge des starken Wachstums der katholischen Bevölkerung zu einer wichtigen kirchlichen Organisationseinheit der Stadt.

Seine Pfarreien lagen überwiegend im heutigen Herner Stadtgebiet. Neben der eigentlichen Pfarrseelsorge übernahmen die Gemeinden zahlreiche gesellschaftliche Aufgaben. Katholische Vereine, Verbände, Jugendorganisationen, Schulen, Krankenhäuser und karitative Einrichtungen bildeten ein engmaschiges katholisches Milieu.

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb diese Struktur zunächst weitgehend erhalten. Die gesellschaftlichen Veränderungen seit den 1960er Jahren führten jedoch zu einem allmählichen Wandel. Die Bindung an die traditionellen Milieus nahm ab, während gleichzeitig die Zahl der hauptamtlichen Priester und die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinden langfristig zurückgingen.

Das Dekanat Wanne-Eickel

Das Dekanat Wanne-Eickel entstand im Zusammenhang mit der kommunalen und industriellen Entwicklung des Gebietes. Die eigenständige Stadt Wanne-Eickel bestand von 1926 bis 1975. Die katholische Kirche entwickelte dort eine eigenständige Dekanatsstruktur.

Zum Bereich gehörten die Gemeinden in Wanne, Eickel, Röhlinghausen und den angrenzenden Siedlungsgebieten. Die Kirchen bildeten zusammen mit katholischen Vereinen, Schulen und karitativen Einrichtungen wichtige Mittelpunkte des öffentlichen Lebens.

Auch nach der kommunalen Vereinigung von Wanne-Eickel mit Herne zum 1. Januar 1975 blieb das Dekanat Wanne-Eickel zunächst als kirchliche Organisationseinheit bestehen.

Damit existierten innerhalb der neu gebildeten Stadt Herne zwei katholische Dekanate: Herne und Wanne-Eickel.

Das Dekanat Castrop-Rauxel

Das dritte Vorgängerdekanat war das Dekanat Castrop-Rauxel. Es umfasste die katholischen Pfarreien der Stadt Castrop-Rauxel, soweit diese nicht anderen kirchlichen Zuständigkeitsbereichen zugeordnet waren.

Auch hier hatte die Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert zu einer starken Vermehrung der katholischen Bevölkerung und zur Gründung weiterer zahlreicher Pfarreien geführt.

Das Dekanat Castrop-Rauxel unterschied sich insofern von den beiden Herner Dekanaten, als sein Gebiet weiterhin eine eigenständige Kommune bildete. Dennoch bestanden aufgrund der räumlichen Nähe, der gemeinsamen Industriegeschichte und der Zugehörigkeit zum Erzbistum Paderborn zahlreiche Verbindungen.

Die Gründung des Dekanats Emschertal 2006

Eine grundlegende Veränderung trat im Rahmen der Strukturreformen des Erzbistums Paderborn ein.

Zum 1. Juli 2006 wurden die bisherigen Dekanate Herne, Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel zum neuen Dekanat Emschertal zusammengeführt.[6]

Die Wahl des Namens „Emschertal“ verdeutlichte die neue regionale Perspektive. Das Dekanat sollte nicht mehr in erster Linie an den historischen Stadt- und Dekanatsgrenzen orientiert sein, sondern den gemeinsamen pastoralen Raum der Städte Herne, Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel abbilden.

Erster Dechant des neuen Dekanats wurde Pfarrer Heribert Zerkowski aus Herne-Sodingen. Er hatte zuvor von 1997 bis 2006 das Dekanat Herne geleitet und übernahm mit Wirkung vom 1. Juli 2006 zusätzlich die Leitung des neuen Dekanats Emschertal.[7]

Zerkowski blieb bis April 2010 Dechant des Dekanats Emschertal. Mit seinem Amtsverzicht endete diese erste Leitungsphase.[8]

Die Strukturreform nach 2006

Mit der Bildung des Dekanats Emschertal war die kirchliche Strukturreform noch keineswegs abgeschlossen. Vielmehr begann eine Entwicklung, in deren Verlauf die Zahl der selbstständigen Pfarreien und Gemeinden erheblich reduziert wurde.

Zunächst wurden die Pfarreien zu größeren Pastoralen Verbünden zusammengeführt. Seit 2010 bildete das Dekanat vier größere pastorale Bereiche:

Ursprünglich bestanden im Gebiet des Dekanats 29 selbstständige Pfarreien. Die Zahl verringerte sich im Zuge der Strukturreformen schrittweise.[9]

Die Pfarrei St. Dionysius Herne

Einen wichtigen Einschnitt bildete die Neuordnung der katholischen Kirche in Herne.

Zum 1. Januar 2017 entstand die neue Pfarrei St. Dionysius Herne. In ihr wurden die zuvor selbstständigen katholischen Gemeinden im Bereich der früheren Stadt Herne zusammengeführt.

Zu den Gemeinden gehörten unter anderem St. Barbara, St. Bonifatius, St. Dreifaltigkeit, St. Elisabeth, Herz Jesu, St. Joseph, St. Konrad, St. Marien, St. Peter und Paul und St. Pius.

Die Errichtung der Pfarrei bedeutete eine deutliche Verschiebung der kirchlichen Organisationsstruktur: An die Stelle zahlreicher selbstständiger Kirchengemeinden trat eine Großpfarrei mit mehreren weiterhin örtlich verankerten Gemeinden und Kirchen.[10]

Die Pfarrei Corpus Christi Castrop-Rauxel

Im Norden von Castrop-Rauxel entstand zum 1. Januar 2015 die Pfarrei Corpus Christi Castrop-Rauxel als Pastoraler Raum.

Sie umfasst die katholischen Gemeinden im nördlichen Teil der Stadt. Dazu gehören unter anderem St. Antonius in Ickern, St. Barbara in Ickern, Herz Jesu in Rauxel und St. Josef in Habinghorst.

Die Errichtung dieser Pfarrei war Teil der Entwicklung hin zu größeren pastoralen Einheiten.[11]

Die Pfarrei St. Christophorus Wanne-Eickel

Ein weiterer großer Schritt erfolgte in Wanne-Eickel.

Zum 1. Januar 2019 wurde die Pfarrei St. Christophorus Wanne-Eickel errichtet. Sie vereinigte die zuvor selbstständigen Gemeinden des Wanne-Eickeler Raumes.

Zu ihr gehören die Gemeinden:

Die Errichtung der Pfarrei St. Christophorus war damit die kirchenrechtliche Umsetzung einer Entwicklung, die bereits Jahre zuvor durch Pastorale Verbünde vorbereitet worden war.[12]

Veränderungen des kirchlichen Lebens

Die Strukturreformen gingen mit einem erheblichen Wandel des katholischen Lebens vor Ort einher.

Die traditionelle Einteilung in zahlreiche eigenständige Pfarreien hatte sich über mehr als hundert Jahre entwickelt. Jede Pfarrei verfügte über eigene Kirchenvorstände, Pfarrgemeinderäte, Pfarrbüros, teilweise eigene Kindergärten, Friedhöfe, Pfarrheime und weitere Einrichtungen.

Mit der Zusammenlegung wurden diese Strukturen zunehmend auf größere Pfarreien übertragen. Gleichzeitig blieb das Gemeindeleben vielfach an den einzelnen Kirchenstandorten erhalten.

Damit entstand ein Spannungsverhältnis zwischen zentraler Organisation und lokaler Identität. Die historischen Gemeinden verloren teilweise ihre rechtliche Selbstständigkeit, blieben aber als kirchliche Orte, Gemeinschaften und Erinnerungsräume bestehen.

Kirchen und Profanierungen

Die Strukturreformen standen gleichzeitig im Zusammenhang mit der Aufgabe zahlreicher Kirchengebäude.

In Herne wurden unter anderem die Kirchen St. Elisabeth und St. Konrad von Parzham im Jahr 2024 profaniert. Auch St. Barbara im Elpeshof wurde nach dem letzten Gottesdienst 2024 aufgegeben.[13]

In Wanne-Eickel wurden bereits 2023 mehrere Kirchen außer Dienst gestellt, darunter die Kirchen Allerheiligste Dreifaltigkeit, St. Michael und St. Franziskus.[14]

Die Veränderungen betrafen damit nicht nur Verwaltungsstrukturen. Sie veränderten auch das sichtbare Erscheinungsbild des katholischen Lebens in den Städten.

Das Dekanat als pastorale Ebene

Das Dekanat erfüllte trotz der zunehmenden Größe der Pfarreien weiterhin wichtige Aufgaben.

Nach dem kirchenrechtlichen Verständnis ist ein Dekanat ein Zusammenschluss mehrerer benachbarter Pfarreien zur Förderung der gemeinsamen Seelsorge. Der Dechant fungierte als Bindeglied zwischen der diözesanen Ebene und den Pfarreien und koordinierte die gemeinsame pastorale und caritative Arbeit.[15]

Im Dekanat Emschertal entwickelte sich deshalb eine Reihe gemeinsamer Aufgaben und Einrichtungen. Dazu gehörten unter anderem die Zusammenarbeit in der Caritas, Jugend- und Familienpastoral, Kirchenmusik, im Religionsunterricht und in der Kooperation mit kommunalen Stellen und anderen christlichen Kirchen.

Auch die katholischen Kindertageseinrichtungen wurden zunehmend auf Ebene größerer Trägerstrukturen organisiert. Im Bereich Herne und Wanne-Eickel bestanden zuletzt 16 katholische Kindertageseinrichtungen, im Bereich Castrop-Rauxel weitere elf Einrichtungen.[16]

Die Dechanten des Dekanats Emschertal

Heribert Zerkowski

Erster Dechant des am 1. Juli 2006 errichteten Dekanats Emschertal war Pfarrer Heribert Zerkowski, Pfarrer in Herne-Sodingen. Er war zuvor Dechant des Dekanats Herne gewesen und übernahm die Leitung des neuen Dekanats unmittelbar mit dessen Errichtung.

Seine Amtszeit als Dechant des Dekanats Emschertal endete am 9. April 2010.[17]

Christian Gröne

Nach Zerkowski übernahm Pfarrer Christian Gröne die Leitung des Dekanats. Seine Amtszeit endete 2016 aus gesundheitlichen Gründen.[18]

Norbert Johannes Walter

2016 wurde Pfarrer Norbert Johannes Walter zum Dechanten des Dekanats Emschertal ernannt. Die Amtseinführung fand am 7. September 2016 in der St.-Joseph-Kirche in Herne statt.

Walter leitete das Dekanat von 2016 bis 2021. Er war zuvor Pfarrer in Herne und Leiter des Pastoralverbundes Herne-Nord gewesen.[19]

Ludger Plümpe

Zum 1. Juli 2021 wurde Pfarrer Ludger Plümpe, Pfarrer in Wanne-Eickel, zum Dechanten des Dekanats Emschertal ernannt. Seine Amtszeit war zunächst auf fünf Jahre angelegt.[20]

Plümpe war zugleich leitender Pfarrer der Pfarrei St. Christophorus Wanne-Eickel und zuvor über mehr als 2 Jahrzehnte Pfarrer in Herz Jesu Herne. Zum Ende der Dekanatsstruktur 2026 ist er damit der letzte Dechant des Dekanats Emschertal.

Das Dekanat in den Jahren 2024 bis 2026

Die letzten Jahre des Dekanats waren von einer weiteren Konzentration kirchlicher Strukturen geprägt. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die bisherige Organisationsebene selbst vor einer grundlegenden Veränderung stand.

Im September 2024 besuchte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz das Dekanat Emschertal. Der Besuch führte ihn nach Herne, Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel. Im Mittelpunkt standen die kirchliche Situation vor Ort, die Veränderungen der Region und die Zukunft kirchlichen Lebens unter den Bedingungen des Strukturwandels.[21]

Inzwischen bestanden im Dekanat vier Pastorale Räume beziehungsweise Pfarreien:

  • St. Dionysius Herne,
  • St. Christophorus Wanne-Eickel,
  • Corpus Christi Castrop-Rauxel und
  • St. Lambertus Castrop-Rauxel.

Die Pfarrei St. Lambertus entstand zum 1. April 2025 aus den sechs Gemeinden im Süden Castrop-Rauxels. Zu ihr gehören Heilig Kreuz, Heilige Schutzengel, St. Elisabeth, St. Franziskus, St. Lambertus und St. Marien.[22]

Damit war die seit 2006 angestrebte Konzentration der ehemals zahlreichen Pfarreien weitgehend umgesetzt.

Der Bistumsprozess „Glauben. Gemeinsam. Gestalten.“

Die letzte Phase des Dekanats wurde durch den bistumsweiten Veränderungsprozess des Erzbistums Paderborn bestimmt.

Unter dem Leitwort „Glauben. Gemeinsam. Gestalten.“ entwickelte das Erzbistum eine neue Struktur, in der die bisherigen Dekanate durch größere Seelsorgeräume ersetzt werden.

Die neuen Seelsorgeräume sollen pastorale und administrative Aufgaben stärker miteinander verbinden. Vorgesehen ist ein Leitungssystem aus Pfarrer, pastoraler Koordination und Verwaltungsleitung. Gleichzeitig sollen lokale und thematische Formen kirchlicher Verantwortung erhalten beziehungsweise neu geschaffen werden.[23]

Für das Emschertal wurde Pfarrer Dr. Nils Petrat als vorgesehener Übergangsleiter benannt. Er ist Pfarrer der Pfarrei St. Dionysius Herne und war bis zur Neuordnung erster stellvertretender Dechant des Dekanats Emschertal.[24]

Das Ende des Dekanats 2026

Die Auflösung des Dekanats Emschertal ist Teil einer grundlegenden Neuordnung des Erzbistums Paderborn.

Mit der Errichtung der neuen Seelsorgeräume werden die bisherigen Dekanate des Erzbistums aufgelöst. Dies betrifft ausdrücklich auch das Dekanat Emschertal.[25]

Die Errichtung der neuen Seelsorgeräume ist zum 1. Advent 2026, also zum 29. November 2026, vorgesehen. Für die ersten drei Seelsorgeräume Bielefeld, Waldeck und Emschertal beginnt anschließend eine besondere Erprobungsphase als sogenannte Lernräume. Ab Januar 2027 sollen dort zentrale Elemente der neuen Struktur unter praktischen Bedingungen erprobt werden.[26]

Das Dekanat Emschertal besteht damit im Jahr 2026 letztmalig als Dekanat. Seine bisherigen Pfarreien bleiben jedoch bestehen. Die Auflösung des Dekanats bedeutet daher nicht die Auflösung der katholischen Gemeinden oder Pfarreien in Herne, Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel. Vielmehr wird die übergeordnete kirchliche Organisationsebene neu geordnet.

Der Seelsorgeraum Emschertal

Der neue Seelsorgeraum Emschertal umfasst die vier bisherigen Pfarreien:

  • Pfarrei Corpus Christi Castrop-Rauxel,
  • Pfarrei St. Dionysius Herne,
  • Pfarrei St. Lambertus Castrop-Rauxel,
  • Pfarrei St. Christophorus Wanne-Eickel.

Damit entspricht sein räumlicher Zuschnitt zunächst im Wesentlichen demjenigen des bisherigen Dekanats.[27]

Als Übergangsleiter wurde Pfarrer Dr. Nils Petrat vorgesehen. Er soll gemeinsam mit den Verantwortlichen der bestehenden Pfarreien und Pastoralen Räume die Übergangsphase gestalten und die Entwicklung der neuen Struktur koordinieren.[28]

Die bisherigen Rechte und Aufgaben der Pfarrer, Kirchenvorstände und pastoralen Gremien bleiben während der Übergangsphase grundsätzlich bestehen. Die neue Struktur soll zunächst Erfahrungen sammeln, bevor weitere rechtliche und organisatorische Schritte erfolgen. Erste Pfarreifusionen sind nach den Planungen des Erzbistums frühestens ab dem 1. Januar 2028 vorgesehen.[29]

Am Ende der Übergangsphase steht die Neugründung einer neuen Pfarrei im Emschertal zum 1. Januar 2028.

Bedeutung des Dekanats Emschertal

Das Dekanat Emschertal war eine vergleichsweise kurze, aber wichtige Phase in der Geschichte der katholischen Kirche im mittleren Ruhrgebiet.

Seine Entstehung 2006 stand am Ende einer Entwicklung, die mit der Industrialisierung und dem starken Anwachsen der katholischen Bevölkerung im 19. Jahrhundert begonnen hatte. Aus kleinen ländlichen Pfarreien waren im Industriezeitalter zahlreiche selbstständige Gemeinden entstanden. Diese Gemeinden bildeten über Jahrzehnte ein dichtes katholisches Milieu mit eigenen Kirchen, Schulen, Vereinen und sozialen Einrichtungen.

Das Dekanat Emschertal stellte schließlich den Versuch dar, diese historisch gewachsenen Strukturen unter einer gemeinsamen regionalen Ebene zusammenzuführen.

In seiner knapp zwanzigjährigen Existenz erlebte das Dekanat zugleich eine zweite, gegenläufige Entwicklung: Die Zahl der selbstständigen Pfarreien nahm stark ab, größere Pfarreien entstanden und zahlreiche Kirchenstandorte wurden aufgegeben. Damit veränderte sich auch die Bedeutung der früheren Dekanatsgrenzen.

Die Auflösung des Dekanats im Jahr 2026 bildet den vorläufigen Endpunkt dieser Entwicklung.

Zeittafel

Jahr Ereignis
1821 Neuordnung der katholischen Diözesanstrukturen; das Gebiet des späteren Dekanats gelangt zum Bistum Paderborn.
1859 Errichtung einer katholischen Notkirche in Herne.
1862 Errichtung der selbstständigen katholischen Pfarrei Herne.
1926 Wanne-Eickel wird Sitz eines eigenen katholischen Dekanats.
1. Juli 2006 Aus den Dekanaten Herne, Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel entsteht das Dekanat Emschertal.
2006–2010 Pfarrer Heribert Zerkowski ist erster Dechant des neuen Dekanats.
2010 Weitere Neuordnung der pastoralen Strukturen.
2015 Errichtung der Pfarrei Corpus Christi Castrop-Rauxel.
2016 Norbert Johannes Walter wird Dechant des Dekanats Emschertal.
2017 Errichtung der Pfarrei St. Dionysius Herne.
2019 Errichtung der Pfarrei St. Christophorus Wanne-Eickel.
2021 Ludger Plümpe wird Dechant des Dekanats Emschertal.
2023–2024 Aufgabe und Profanierung mehrerer Kirchenstandorte im Bereich Herne und Wanne-Eickel.
2024 Erzbischof Udo Markus Bentz besucht das Dekanat Emschertal.
1. April 2025 Errichtung der Pfarrei St. Lambertus Castrop-Rauxel.
2026 Vorbereitung der neuen Seelsorgeräume des Erzbistums Paderborn.
2. Juli 2026 Pfarrer Dr. Nils Petrat wird als vorgesehener Übergangsleiter des künftigen Seelsorgeraums Emschertal benannt.
September 2026 Erzbischof Udo Markus Bentz besucht in einer Woche unter dem Titel "Amtssitzwechsel" u.a. das Dekanat Emschertal.
1. Advent 2026 Vorgesehene Auflösung des Dekanats Emschertal und Errichtung des Seelsorgeraums Emschertal.
2027 Beginn der Erprobungsphase des Seelsorgeraums Emschertal als Lernraum.

Literatur und Quellen

  • Erzbistum Paderborn: Kirchliches Amtsblatt für die Erzdiözese Paderborn, insbesondere die Ausgaben 2006, 2010, 2021 und 2026.
  • Erzbistum Paderborn: Dekanate.
  • Erzbistum Paderborn: Erzbischof Bentz besucht das Dekanat Emschertal, 6. September 2024.
  • Erzbistum Paderborn: Erzbistum benennt Übergangsleitungen für die künftigen Seelsorgeräume, 2. Juli 2026.
  • Erzbistum Paderborn: Bielefeld, Waldeck und Emschertal erproben nächste Schritte auf dem Weg in die neuen Seelsorgeräume, 23. September 2026.
  • Dekanat Emschertal: Das Dekanat.
  • Dekanat Emschertal: Pfarreien und Pastorale Räume.
  • Dekanat Emschertal: Pfarrei St. Christophorus Wanne-Eickel.
  • Dekanat Emschertal: Pfarrei St. Lambertus Castrop-Rauxel.
  • Pfarrei St. Dionysius Herne: Veröffentlichungen zur Geschichte und Struktur der katholischen Kirche in Herne.

Verwandte Artikel

Quellen

  1. ↑ Erzbistum Paderborn: Dekanate, https://www.erzbistum-paderborn.de/einrichtungen-gemeinden/dekanate/
  2. ↑ Erzbistum Paderborn: Kirchliches Amtsblatt 2026/8, § 3 „Auflösung der Dekanate“, https://kirchenrecht-ebpb.de/document/10570
  3. ↑ Zur kirchlichen Neuordnung nach dem Wiener Kongress und zur Entwicklung des Erzbistums Paderborn siehe die Veröffentlichungen des Erzbistums Paderborn, https://www.erzbistum-paderborn.de/
  4. ↑ Stadt Herne: Geschichte der katholischen Kirche in Herne; ergänzend zur Entwicklung der Pfarreien siehe die Veröffentlichungen der Pfarrei St. Dionysius Herne, https://www.st-dionysius-herne.de/
  5. ↑ Zur historischen Entwicklung der katholischen Dekanate in Herne und Wanne-Eickel siehe die kirchengeschichtlichen Darstellungen der Stadt Herne sowie die einschlägigen Veröffentlichungen des Erzbistums Paderborn.
  6. ↑ Erzbistum Paderborn, Kirchliches Amtsblatt 2006, Stück 9; Personalnachrichten zum 1. Juli 2006: Pfarrer Heribert Zerkowski wird zusätzlich zum Dechanten für das Dekanat Emschertal ernannt. https://www.erzbistum-paderborn.de/wp-content/uploads/sites/6/2021/08/Stueck_09_2006.pdf
  7. ↑ Erzbistum Paderborn, Kirchliches Amtsblatt 2006, Stück 9, Personalnachrichten, https://www.erzbistum-paderborn.de/wp-content/uploads/sites/6/2021/08/Stueck_09_2006.pdf
  8. ↑ Erzbistum Paderborn, Kirchliches Amtsblatt 2010, Stück 7, Personalchronik: Entpflichtung von Pfarrer Heribert Zerkowski als Dechant des Dekanates Emschertal zum 9. April 2010, https://www.erzbistum-paderborn.de/wp-content/uploads/sites/6/2021/08/Kirchl-Amtsblatt-Stueck-7-2010.pdf
  9. ↑ Dekanat Emschertal, historische Darstellung und Strukturübersicht; die heutige Dekanatsseite führt die vier Pastoralen Räume auf, https://www.dekanat-emschertal.de/dekanat/pfarreien/
  10. ↑ Urkunde über die Errichtung der Katholischen Kirchengemeinde Pfarrei St. Dionysius Herne, 16. November 2016, https://www.st-dionysius-herne.de/
  11. ↑ Erzbistum Paderborn: Urkunde über die Errichtung der Katholischen Kirchengemeinde Pfarrei Corpus Christi Castrop-Rauxel als Pastoraler Raum, Kirchliches Amtsblatt für die Erzdiözese Paderborn, 17. Dezember 2014, Nr. 160, Art. 3, S. 219.
  12. ↑ Erzbistum Paderborn: Urkunde über die Errichtung der Katholischen Kirchengemeinde Pfarrei St. Christophorus Wanne-Eickel, Kirchliches Amtsblatt für die Erzdiözese Paderborn, 31. Januar 2019, Nr. 3, Art. 3, S. 7.
  13. ↑ Zur Entwicklung der Kirchenstandorte siehe Pfarrei St. Dionysius Herne, https://www.st-dionysius-herne.de/
  14. ↑ Pfarrei St. Christophorus Wanne-Eickel: Gemeinden in der Pfarrei, https://www.dekanat-emschertal.de/dekanat/pfarreien/st-christophorus-wanne-eickel/
  15. ↑ Erzbistum Paderborn: Neue Dechanten legen Amtseid ab, 30. Juni 2021, https://www.erzbistum-paderborn.de/news/neue-dechanten-legen-amtseid-ab/
  16. ↑ Dekanat Emschertal: Kindertageseinrichtungen im Dekanat Emschertal, https://www.dekanat-emschertal.de/bereiche/kindertageseinrichtungen/
  17. ↑ Erzbistum Paderborn: Kirchliches Amtsblatt 2010, Stück 7, Personalchronik, https://www.erzbistum-paderborn.de/wp-content/uploads/sites/6/2021/08/Kirchl-Amtsblatt-Stueck-7-2010.pdf
  18. ↑ Zur Amtsübergabe 2016: Pfarrer Norbert Walter als Dechant eingeführt, https://www.halloherne.de/artikel/pfarrer-norbert-walter-als-dechant-eingefuehrt-16501
  19. ↑ Erzbistum Paderborn: Besondere Ehrung für verdiente Priester, 24. Dezember 2021, https://www.erzbistum-paderborn.de/news/besondere-ehrung-fuer-verdiente-priester/
  20. ↑ Erzbistum Paderborn: Neue Dechanten legen Amtseid ab, 30. Juni 2021, https://www.erzbistum-paderborn.de/news/neue-dechanten-legen-amtseid-ab/
  21. ↑ Erzbistum Paderborn: Erzbischof Bentz besucht das Dekanat Emschertal – Drei Orte und eine Region im Wandel, 6. September 2024, https://www.erzbistum-paderborn.de/news/erzbischof-bentz-besucht-das-dekanat-emschertal/
  22. ↑ Dekanat Emschertal: Pfarrei St. Lambertus Castrop-Rauxel, https://www.dekanat-emschertal.de/dekanat/pfarreien/pfarrei-st-lambertus-castrop-rauxel/
  23. ↑ Erzbistum Paderborn: Erzbistum benennt Übergangsleitungen für die künftigen Seelsorgeräume, 2. Juli 2026, https://www.erzbistum-paderborn.de/news/erzbistum-benennt-uebergangsleitungen-fuer-die-kuenftigen-seelsorgeraeume/
  24. ↑ Erzbistum Paderborn: Erzbistum benennt Übergangsleitungen für die künftigen Seelsorgeräume, 2. Juli 2026, https://www.erzbistum-paderborn.de/news/erzbistum-benennt-uebergangsleitungen-fuer-die-kuenftigen-seelsorgeraeume/
  25. ↑ Erzbistum Paderborn: Kirchliches Amtsblatt 2026/8, § 3 Abs. 1: „Mit Errichtung der Seelsorgeräume werden die Dekanate ... Emschertal ... aufgelöst“, https://kirchenrecht-ebpb.de/document/10570
  26. ↑ Erzbistum Paderborn: Bielefeld, Waldeck und Emschertal erproben nächste Schritte auf dem Weg in die neuen Seelsorgeräume, 23. September 2026, https://wir-erzbistum-paderborn.de/news/bielefeld-waldeck-und-emschertal-erproben-naechste-schritte-auf-dem-weg-in-die-neuen-seelsorgeraeume/
  27. ↑ Erzbistum Paderborn: Kirchliches Amtsblatt 2026/8, Abschnitt „Seelsorgeraum Emschertal“, https://kirchenrecht-ebpb.de/document/10570
  28. ↑ Erzbistum Paderborn: Bielefeld, Waldeck und Emschertal erproben nächste Schritte auf dem Weg in die neuen Seelsorgeräume, 23. September 2026, https://wir-erzbistum-paderborn.de/news/bielefeld-waldeck-und-emschertal-erproben-naechste-schritte-auf-dem-weg-in-die-neuen-seelsorgeräume/
  29. ↑ Erzbistum Paderborn: Erzbistum benennt Übergangsleitungen für die künftigen Seelsorgeräume, 2. Juli 2026, https://www.erzbistum-paderborn.de/news/erzbistum-benennt-uebergangsleitungen-fuer-die-kuenftigen-seelsorgeraeume/
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