Heribert Zerkowski (1944-2010) Dechant

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Heribert Zerkowski (* 13. Mai 1944 in Witten; † 8. Dezember 2010 in Herne) war katholischer Priester, langjähriger Pfarrer der Gemeinde St. Peter und Paul in Herne-Börnig sowie Dechant der Dekanate Herne und Emschertal. Er galt als profilierter Seelsorger, engagierter Sozialpfarrer und prägende Persönlichkeit des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens in Herne.

Heribert Zerkowski
Geboren am: 13. Mai 1944
Geboren in: Witten
Gestorben am: 8. Dezember 2010
Gestorben in: Herne
Titel: Pfarrer / Dechant
Letzte Änderung: 03.03.2026
Geändert von: Andreas Janik


Leben und Ausbildung

Heribert Zerkowski wurde am 13. Mai 1944 in Witten geboren. Nach dem Studium der Theologie empfing er 1971 in Paderborn die Priesterweihe. In den folgenden Jahren war er in verschiedenen seelsorglichen Aufgaben tätig, so in Dreis-Tiefenbach und zuletzt von 1983 bis 1986 in St. Vitus Alhausen, bevor er 1986 zum Pfarrer der Gemeinde St. Peter und Paul in Herne-Börnig ernannt wurde.

Vom 1. Juli 1986 bis zu seinem Tod am 8. Dezember 2010 wirkte er als Pfarrer in Börnig. Darüber hinaus übernahm er Leitungsverantwortung auf Dekanatsebene:

  • Dechant des Dekanates Herne (1997–Juli 2006)
  • Dechant des Dekanates Emschertal (Juli 2006–April 2010)

Am 2. Dezember 2010 wurde ihm der Titel Geistlicher Rat ad honores verliehen.

Ziemlich genau ein Jahr vor seinem Tod wurde bei ihm eine schwere Krebserkrankung diagnostiziert. Nachdem sich sein Gesundheitszustand rasch verschlechtert hatte, erlag er am 8. Dezember 2010 im Alter von 66 Jahren seinem Leiden. Die Beisetzung erfolgte am 13. Dezember 2010 auf dem Friedhof seiner Gemeinde St. Peter und Paul in Börnig.

Wirken in Herne

Heribert Zerkowski verstand sein Priesteramt nicht als rein kirchliche Verwaltungsaufgabe, sondern als umfassenden seelsorglichen und gesellschaftlichen Auftrag. Zeitgenossen beschrieben ihn als aufrechten, streitbaren und zugleich tief im Glauben verwurzelten Seelsorger, der die Botschaft des Evangeliums klar und unverstellt verkündete.

Soziales Engagement

Zerkowski engagierte sich in besonderer Weise für Menschen in Not:

  • Einsatz für den Erhalt der Herner Arbeitslosenzentren
  • Unterstützung der Unterbringung von Geflüchteten aus Containerunterkünften in reguläre Wohnungen
  • Förderung und Mitbegründung des Lukas-Hospizes in Herne
  • Unterstützung der Herner Tafel
  • Mitglied im Caritas-Vorstand und im Herner Sozialforum

Dabei arbeitete er häufig eng mit dem Superintendenten des evangelischen Kirchenkreises Herne, Reiner Rimkus, zusammen. In sozialen Fragen traten beide Kirchenleitungen vielfach gemeinsam auf und setzten sich geschlossen für benachteiligte Gruppen ein.

Ökumene und interreligiöser Dialog

Ein besonderes Anliegen war ihm die Ökumene sowie der christlich-islamische Dialog. Zerkowski suchte den offenen Austausch zwischen den Konfessionen und Religionen und verstand Kirche als Teil der Stadtgesellschaft. Seine Kirche in Börnig öffnete er bewusst für unterschiedliche Gruppen – von Künstlern bis zu Eltern-Kind-Gruppen.

Kirchenstrukturreform

Zu den anspruchsvollsten Aufgaben seiner Amtszeit gehörte die Neuordnung der kirchlichen Strukturen im Zuge sinkender Mitgliederzahlen und veränderter pastoraler Anforderungen. Aus mehreren eigenständigen Dekanaten entstand ein gemeinsames Dekanat; Pfarreien wurden zu Pastoralverbünden zusammengeschlossen, langfristig mit dem Ziel von Großpfarreien für Herne und Wanne-Eickel.

Dieser tiefgreifende Reformprozess verlief nicht konfliktfrei. Zerkowski setzte sich dafür ein, die Veränderungen möglichst basisnah und transparent zu gestalten. Seine Erkrankung verhinderte, dass er den begonnenen Umstrukturierungsprozess vollständig begleiten konnte.

Persönlichkeit und Vermächtnis

Heribert Zerkowski wurde als gradlinig, zielstrebig und zugleich menschennah beschrieben. Er predigte tiefgründig und engagiert, scheute jedoch nicht davor zurück, Missstände offen anzusprechen. Seine Haltung war geprägt von einem festen Glauben, aus dem heraus er gesellschaftliche Verantwortung ableitete.

Mit seinem Tod verlor Herne einen engagierten Verfechter von Menschlichkeit und sozialer Gerechtigkeit – einen Seelsorger, der nicht nur predigte, sondern sein Verständnis von Kirche sichtbar lebte.

Kuriosum am Kirchenportal

Ein kleines, augenzwinkerndes Detail an der Außenfassade der Kirche St. Peter und Paul in Herne-Börnig erinnert bis heute an den langjährigen Pfarrer Heribert Zerkowski.

Rechts neben dem Eingangsportal befindet sich ein fest installierter Aschenbecher. Er wurde Zerkowski zu seinem 60. Geburtstag geschenkt – nicht ohne Hintersinn. Der Pfarrer war dafür bekannt, nach dem Gottesdienst vor der Kirche noch mit Gemeindemitgliedern zusammenzustehen, Gespräche zu führen und dabei auch eine Zigarette zu rauchen.

Was andernorts vielleicht als Nebensächlichkeit gegolten hätte, wurde in Börnig zu einem Sinnbild seiner Nähe zu den Menschen: Zerkowski blieb nach der Messe nicht im Pfarrhaus oder in kirchlichen Gremien, sondern suchte bewusst das Gespräch „auf Augenhöhe“ – direkt vor dem Portal, mitten im Alltag. Der Aschenbecher wurde so zu einem humorvollen, aber zugleich sprechenden Erinnerungszeichen an einen Seelsorger, der Gemeinschaft nicht nur predigte, sondern praktizierte. Für viele Gemeindemitglieder gehört dieses Detail bis heute zu den kleinen Geschichten, die das Wirken Zerkowskis lebendig halten.

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