Den Opfern des Widerstandes 1933 - 1945 / Genius und Hydra

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
Den Opfern des Widerstandes 1933 - 1945
Bild: Gerd Biedermann
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Errichtet1959
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Genius und Hydra ist ein Denkmal in Herne, das an die Opfer des Widerstandes gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft in den Jahren 1933 bis 1945 erinnert. Die monumentale Bronzeplastik wurde von dem Bildhauer Zoltan Székessy[1] geschaffen und am 20. September 1959 an der Bebelstraße vor dem damaligen Arbeitsamt eingeweiht. Seit 2002 erinnert eine zusätzliche Gedenktafel an die während des Zweiten Weltkrieges nach Herne und Wanne-Eickel verschleppten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.

Geschichte

Bereits 1949 hatte die Stadt Herne auf dem Neumarkt ein Mahnmal für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft errichtet. Die Inschrift lautete:

„Die Toten mahnen die Lebenden. Ehre den Kämpfern gegen Tyrannei 1933–1945.“

Im Zusammenhang mit der Umgestaltung des Neumarktes wurde dieses Denkmal 1959 entfernt. An seine Stelle trat das neue Mahnmal an der Bebelstraße. Mit der Gestaltung wurde der in Ungarn geborene und in Düsseldorf tätige Bildhauer Zoltan Székessy beauftragt.

Die Wahl eines figürlichen Kunstwerks unterschied das neue Denkmal von dem früheren, als Gedenkstein ausgeführten Mahnmal. Die Stadt verband mit der neuen Gestaltung die Erinnerung an die Verfolgten mit einer allgemein verständlichen künstlerischen Darstellung des Kampfes zwischen Gut und Böse.

Das Denkmal

Die etwa 5,60 Meter hohe und rund 1,3 Tonnen schwere Bronzeplastik stellt den Genius im Kampf mit der Hydra dar. Die aufrecht stehende, stark stilisierte Gestalt des Genius trägt flügelartige Formen und hält Blitz und Schwert. Zu seinen Füßen beziehungsweise im unteren Bereich der Plastik befindet sich die mehrköpfige Hydra.

Die Darstellung greift ein Motiv aus der antiken Mythologie auf. Die Hydra, ein mehrköpfiges Ungeheuer, steht für die zerstörerische und gewalttätige Macht. Der Genius verkörpert demgegenüber die Kräfte des Guten und des Widerstandes gegen die Gewalt.

Székessy verzichtete damit auf die Darstellung einer bestimmten historischen Person oder eines konkreten Ereignisses. Das Denkmal erhielt vielmehr eine symbolische Aussage. Die Auseinandersetzung zwischen Genius und Hydra sollte den Gegensatz zwischen Freiheit und Unterdrückung verdeutlichen.

Einweihung 1959

Das Denkmal wurde am 20. September 1959 durch den Herner Oberbürgermeister Robert Brauner eingeweiht.

An der Einweihungsfeier nahmen Vertreter von Rat und Verwaltung, Gewerkschaften und politischen Parteien sowie Angehörige der evangelischen und katholischen Kirche und der jüdischen Gemeinde teil. Ebenfalls vertreten war die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN).[2]

Robert Brauner stellte in seiner Ansprache die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus in den Zusammenhang mit der Verantwortung der Gegenwart. Er erinnerte an die während der NS-Herrschaft verfolgten Herner Bürger und an die wegen ihrer politischen Haltung, ihres Glaubens oder ihrer Herkunft verfolgten und in Konzentrationslager verschleppten Menschen.[3]

Für die Herner VVN sprach deren Vorsitzender Otto Kuhn, der selbst ehemaliger KZ-Häftling war. Er verband mit dem Denkmal insbesondere die Hoffnung, dass auch spätere Generationen nach den Gründen für die Verfolgung und den Widerstand während der nationalsozialistischen Herrschaft fragen würden.

Gedenkinschrift

Zum ursprünglichen Denkmal gehört eine Bronzetafel mit der Inschrift:

„ZUR EHRE UND ZUM GEDENKEN
DER OPFER IM WIDERSTAND
GEGEN DIE NATIONALSOZIALISTISCHE
GEWALTHERRSCHAFT
1933–1945“

Damit wurde die Widmung des Denkmals ausdrücklich auf die Opfer des Widerstandes gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft bezogen.

Beschädigung und Restaurierung

Im Februar 2002 wurde die Bronzeplastik durch einen Sturm umgestürzt. Dabei wurde die Befestigung im Inneren der Skulptur beschädigt.

Die Restaurierung erfolgte durch eine Duisburger Restaurierungswerkstatt unter Leitung von Martin Kaufmann[4]. Die Plastik wurde gereinigt und konserviert. Außerdem wurde die Befestigung durch einen Edelstahlbolzen verbessert, mit dem die Skulptur dauerhaft mit dem Sockel verbunden wurde. Die Restaurierung kostete rund 20.000 Euro.

Am 2. Mai 2002 wurde die restaurierte Plastik wieder an ihrem Standort aufgestellt.

Gedenktafel für die Zwangsarbeiter

Im Zusammenhang mit der Wiederaufstellung des Denkmals wurde der Erinnerungsort um eine weitere Gedenktafel ergänzt. Sie wurde am 3. Mai 2002 enthüllt und erinnert an die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die während des Zweiten Weltkrieges nach Herne und Wanne-Eickel verschleppt worden waren.

Die Inschrift lautet:

„ZUM GEDENKEN
AN DIE VIELEN TAUSEND MENSCHEN
AUS DEN VERSCHIEDENSTEN STAATEN EUROPAS,
DIE IN HERNE UND WANNE-EICKEL
WÄHREND DES ZWEITEN WELTKRIEGES
UNTER UNMENSCHLICHEN BEDINGUNGEN
ZWANGSARBEIT LEISTEN MUSSTEN.“

Mit dieser Ergänzung wurde der Erinnerungsort um das Thema der nationalsozialistischen Zwangsarbeit erweitert.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden zahlreiche Menschen aus den von Deutschland besetzten Gebieten nach Herne und Wanne-Eickel gebracht und zur Arbeit eingesetzt. Für die beiden damaligen Städte sind zahlreiche Lager und Unterkünfte für Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene nachgewiesen. Die Stadt Herne geht von insgesamt rund 30.000 Menschen aus, die während des Krieges in Herne und Wanne-Eickel zur Zwangsarbeit eingesetzt wurden.[5]

Standort

Das Denkmal befindet sich an der Bebelstraße auf einer Grünfläche vor dem Gebäude der heutigen Bundesagentur für Arbeit.

Die Lage im öffentlichen Raum sollte das Denkmal in den Alltag der Stadt einbinden. Es handelt sich nicht um einen ausschließlich für Gedenkveranstaltungen bestimmten Ort, sondern um einen frei zugänglichen Erinnerungsort an einer innerstädtischen Verkehrsachse.

Bedeutung für die Erinnerungskultur

Das Denkmal gehört zu den frühen öffentlichen Erinnerungszeichen der Nachkriegszeit in Herne, die sich ausdrücklich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinandersetzen.

Seine ursprüngliche Widmung richtete sich an die Opfer des Widerstandes gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft. Mit der Ergänzung um die Gedenktafel für die Zwangsarbeiter wurde der Erinnerungsort später um eine weitere Opfergruppe erweitert.

Die Geschichte des Denkmals dokumentiert damit zugleich die Entwicklung der öffentlichen Erinnerung an die NS-Zeit in Herne. Während 1959 insbesondere der Widerstand und die politische Verfolgung im Mittelpunkt standen, wurde seit den folgenden Jahrzehnten das Gedenken zunehmend auf weitere Opfergruppen der nationalsozialistischen Herrschaft ausgedehnt.

Literatur und Quellen

  • Manfred Hildebrandt: „…bey den spätesten Nachkommen in beständig gutem Andenken zu erhalten…“ – Denkmäler in Herne und Wanne-Eickel, in: Der Emscherbrücher, Band 14, Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e. V., Herne 2008, S. 57–77.
  • Herner Zeitung, 21. September 1959: Bericht über die Enthüllung des Mahnmals „Genius und Hydra“.
  • Ruhr-Nachrichten, 21. September 1959: „Oberbürgermeister Brauner enthüllte gestern das Mahnmal. Den Märtyrern zur Ehre, den Lebenden zur Mahnung.“
  • WAZ Herne, 20. Januar 1959: „Mahnmal vor dem Arbeitsamt. Professor Szekessy wurde mit der Ausführung beauftragt.“
  • WAZ Herne, 4. Mai 2002: „Gedenktafel regt zum Innehalten an. Zwangsarbeiter-Mahnmal eingeweiht.“
  • Stadt Herne: Zwangsarbeit in Herne und Wanne-Eickel.

Verwandte Artikel


Einzelnachweise

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Zoltan_Sz%C3%A9kessy
  2. Herner Zeitung, 21. September 1959: Bericht über die Enthüllung des Mahnmals.
  3. Herner Zeitung, 21. September 1959: Bericht über die Enthüllung des Mahnmals.
  4. https://schmiede-duisburg.de/
  5. Stadt Herne: Zwangsarbeit in Herne und Wanne-Eickel, städtische Darstellung zur Geschichte der Zwangsarbeit und zum Gedenken an die Opfer.