Gerd Biedermann (1957–2021) Bergmann, Sporttaucher, Fotograf und Heimatforscher
Gerd Alfred Biedermann (* 1. April 1957 in Herne; † 10. April 2021 ebenda) war Heimatforscher, Fotograf und Chronist der Stadt Herne. Biedermann war zunächst Bergmann „unter Tage“, später Sporttaucher „unter Wasser“ und schließlich Heimatforscher „in den Archiven“. Diese drei Bereiche – Bergbau, Wassersport und Stadtgeschichte – prägten sein öffentliches Wirken in Herne besonders stark.
Leben
Gerd Biedermann wurde 1957 in Herne geboren und blieb seiner Heimatstadt zeitlebens eng verbunden. Bereits früh entwickelte er ein ausgeprägtes Interesse an der Geschichte Hernes und seiner Stadtteile. Im Laufe seines Lebens entwickelte sich Biedermann zu einem engagierten Fotografen und Heimatforscher. Als Autodidakt eignete er sich umfangreiche Kenntnisse in der Fotografie, der Digitalisierung und Lokalgeschichte an. Seine Streifzüge durch Herne führten ihn regelmäßig zu historischen Orten, ehemaligen Zechenstandorten und stadtgeschichtlich bedeutsamen Gebäuden. Biedermann verstarb am 10. April 2021 im Alter von 64 Jahren nach kurzer und schweren Krankheit (Corona).
Wirken als Heimatforscher
Besondere Bekanntheit erlangte Biedermann durch seine aktive Mitwirkung im ersten Online-Portal „Hün un Perdün – Stadtgeschichte goes Facebook“, dem Vorläufer des Historischen Vereins Herne / Wanne-Eickel e. V.. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich dort mit Erinnerungen, Fotografien und Dokumenten an der Aufarbeitung der Stadtgeschichte. 2014 gegründete er selber die Facebook-Gruppe „Herne von damals bis heute“. Die Plattform entwickelte sich zu einem weiteren Treffpunkt für lokalgeschichtlich Interessierte.
Historischer Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
Biedermann engagierte sich zudem im Historischen Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.. Dort gehörte er an seinem Geburtstag 2015 zu den Mitgründern und gehörte zunächst dem erweiterten Vorstand als Beisitzer an. Durch seine Recherchen, Veröffentlichungen und seine Vernetzung innerhalb der lokalhistorischen Szene leistete er einen wichtigen Beitrag zur Vereinsarbeit und zur öffentlichen Wahrnehmung der Stadtgeschichte.
Seine Arbeitsweise zeichnete sich durch Bürgernähe aus. Biedermann verband klassische Archivrecherche mit Zeitzeugenberichten und privaten Sammlungen. Dadurch gelang es ihm, historische Zusammenhänge einem breiten Publikum verständlich zu vermitteln und viele Menschen erstmals für Heimatgeschichte zu begeistern.
Fotografisches Werk
Neben seiner Forschungsarbeit dokumentierte Biedermann das zeitgenössische Stadtbild Hernes. Seine Fotografien zeigen sowohl bekannte Wahrzeichen als auch alltägliche Ansichten des städtischen Lebens. Besonders geschätzt wurden seine Bildmontagen, in denen historische Aufnahmen mit aktuellen Fotografien kombiniert wurden. Auf dieser Basis sind zahlreiche , nun ebenfalls schon historische Bilder Hernes entstanden und öffentlich zugänglich. Seine Arbeiten gelten daher als wichtige zeitgeschichtliche Dokumente. Darüber hinaus unterstützte er das Stadtarchiv Herne ehrenamtlich bei Recherchen und Digitalisierungsprojekten. Zahlreiche historische Quellen wurden durch seine Arbeit erschlossen, überhaupt erst nutzbar gemacht oder einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht.
Tauchsport und Vereinsleben
Neben seiner Tätigkeit als Heimatforscher und Fotograf war Gerd Biedermann über viele Jahre dem Tauchsport verbunden. Als aktiver Sporttaucher engagierte er sich beim Herner-Sport-Taucher e.V. und übernahm dort zeitweise Verantwortung als Sportlicher Leiter. Auch war er 21 Jahre lang als Rettungsschwimmer und Tauchausbilder im LAGO tätig. Als Mitglied des LAGO Tauchteams hatte er bei vielen Aktionstagen vielen Badegästen, Groß und Klein durch Schnorchel-Kurse und Schnuppertauch-Aktionen ein Erlebnis im Wasser ermöglicht. Der Tauchsport war für ihn weit mehr als ein Freizeitvergnügen. Er verband sportliche Aktivität, Naturerlebnis und Gemeinschaft. Gerade in Zeiten gesundheitlicher Einschränkungen blieb die Bewegung im Wasser ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. Vereinskameraden schätzten ihn als engagierten Mitstreiter, der sich aktiv in das Vereinsleben einbrachte. Seine Verbundenheit mit dem Wasser spiegelte sich später auch in seiner Fotografie wider. Viele seiner Naturaufnahmen entstanden an Gewässern im Herner Stadtgebiet. Die Beobachtung von Wasservögeln, Nutrias und anderen Tieren gehörte zu seinen bevorzugten Motiven. Der Tauchsport, die Fotografie und die Heimatforschung bildeten gemeinsam die drei großen Leidenschaften, die sein Leben außerhalb des Berufs als gelernter Bergmann prägten.
Letzte Jahre
Die Geschichtsgruppe „Die Vier!“
Nach Rückzug des Stadtarchivs Hernes aus dem Historischen Verein Herne / Wanne-Eickel e. V. gehörte Biedermann Anfang 2018 zu den vier Mitgründern der vom Archiv gelenkten Geschichtsgruppe „Die Vier!“. Gemeinsam mit weiteren lokalhistorisch engagierten Akteuren verfolgte die Gruppe das Ziel, Stadtgeschichte zu erforschen und ebenfalls öffentlich zu vermitteln. Sie unterstützten damit ehrenamtlich die Aufgaben des Stadtarchivs und verbesserten dadurch die öffentliche Sichtbarkeit des Amtes.
Aus der Zusammenarbeit entstand unter anderem ein digitale Geschichtsbuch das ebenfalls historische Artikel, Fotografien, Dokumente und Filme zur Geschichte Hernes und Wanne-Eickels vermittelte.
Bedeutung
Obwohl Gerd Biedermann keine wissenschaftliche Laufbahn als Historiker einschlug, entwickelte er sich zu einem der bekanntesten ehrenamtlichen Heimatforscher Hernes. Sein Verdienst in der nur kurzen Zeit seiner öffentlichen Arbeit lag insbesondere darin, historische Forschung aus Archiven heraus in die Öffentlichkeit zu tragen und Bürgerinnen und Bürger aktiv an der Geschichtsarbeit zu beteiligen. Zeitgenossen beschrieben ihn als neugierig, wissbegierig und ausgesprochen hilfsbereit. Seine Fähigkeit, Menschen für lokale Geschichte zu begeistern, trug wesentlich dazu bei, das Interesse an der Vergangenheit Hernes neu zu beleben.
Ehrungen
Im Jahr 2021 wurde Gerd Biedermann posthum mit der Ehrenamtsnadel des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt Herne ausgezeichnet. Die Auszeichnung würdigte sein ehrenamtliches Engagement für die Erforschung und Bewahrung der Herner Stadtgeschichte.
Nachwirkung
Auch nach seinem Tod wirken zahlreiche seiner Projekte fort. Seine Fotografien, Veröffentlichungen und digitalen Sammlungen werden weiterhin genutzt und bilden einen wichtigen Bestandteil der lokalhistorischen Erinnerungskultur in Herne.
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