Die Toten mahnen - Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus (1949-1959)

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
Die Toten mahnen
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Errichtet1949
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Die Toten mahnen war ein von der Stadt Herne errichtetes Mahnmal für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Es wurde am 11. September 1949 auf dem Neumarkt in Herne, an der zur Schaeferstraße gelegenen Seite des Platzes, eingeweiht. Das Mahnmal erinnerte an die Opfer des nationalsozialistischen Regimes und an die Menschen, die sich der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft widersetzt hatten.

Das Denkmal bestand aus einem steinernen Aufbau aus Bruchsteinen mit einer Bronzetafel. Den oberen Abschluss bildete eine bronzene Opferschale. Die Gedenktafel trug die Inschrift:

„Die Toten mahnen die Lebenden.
Ehre den Kämpfern gegen Tyrannei
1933–1945“

Das Mahnmal bestand nur zehn Jahre an seinem ursprünglichen Standort. Im März 1959 wurde es im Zuge der Umgestaltung des Neumarktes und der Einrichtung eines Parkplatzes abgebrochen. Die Steine des Denkmals wurden jedoch nicht beseitigt, sondern später für eine neue Gedenkstätte auf dem jüdischen Friedhof in Baukau verwendet.

Entstehung nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft entstand auch in Herne das Bedürfnis nach einem öffentlichen Erinnerungsort für die Opfer der Jahre 1933 bis 1945. Die Stadt entschied sich für die Errichtung eines Mahnmals auf dem zentral gelegenen Neumarkt.

Die Wahl des Neumarktes als Standort gab dem Denkmal eine besondere öffentliche Wirkung. Der Platz gehörte zu den zentralen innerstädtischen Bereichen Hernes und war damit für die Bevölkerung unmittelbar zugänglich und sichtbar.

Das Mahnmal wurde durch die Stadt Herne errichtet. Es war eines der ersten öffentlichen Denkmäler in Herne, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ausdrücklich an die Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft erinnerten.[1]

Einweihung am 11. September 1949

Die Einweihung des Mahnmals fand am 11. September 1949 statt.

Das Denkmal wurde von Oberbürgermeister Walter enthüllt. Bei der Feier war auch der britische Stadtkommandant Major Hardy anwesend.

Die Anwesenheit des britischen Stadtkommandanten verweist auf die politische Situation der Entstehungszeit. Herne befand sich vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges noch unter dem Eindruck der Besatzungszeit. Zugleich war mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland am 23. Mai 1949 wenige Monate zuvor ein neuer staatlicher Rahmen entstanden.

Das Mahnmal gehörte damit zu den frühen Zeichen der öffentlichen Auseinandersetzung der Stadt Herne mit der nationalsozialistischen Vergangenheit.

Gestaltung

Das Mahnmal war als vergleichsweise schlichte monumentale Anlage gestaltet. Den Kern bildete ein Bruchsteinsockel, in den eine Bronzetafel eingelassen war. Auf dem steinernen Aufbau befand sich eine Opferschale aus Bronze.

Die Gestaltung verzichtete auf die Darstellung einzelner Personen oder konkreter Ereignisse. Im Mittelpunkt stand vielmehr die Inschrift, die mit den Worten „Die Toten mahnen die Lebenden“ den Charakter des Denkmals bestimmte.

Die Verbindung von Opferschale und Mahnung entsprach der Gedenkkultur der unmittelbaren Nachkriegszeit. Das Denkmal sollte nicht nur an die Toten erinnern, sondern zugleich die Lebenden zur Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft auffordern.

Die Inschrift

Die Bronzetafel trug die Worte:

„Die Toten mahnen die Lebenden.
Ehre den Kämpfern gegen Tyrannei
1933–1945“

Die Formulierung „Die Toten mahnen die Lebenden“ stellt den Gedanken der Mahnung in den Mittelpunkt. Die zweite Zeile „Ehre den Kämpfern gegen Tyrannei“ verweist darüber hinaus ausdrücklich auf diejenigen, die sich gegen die nationalsozialistische Herrschaft gestellt hatten.

Die Jahreszahlen 1933–1945 kennzeichnen den Zeitraum der nationalsozialistischen Herrschaft und des Zweiten Weltkrieges.

Das Mahnmal und die Erinnerung an die NS-Zeit

Die Widmung des Mahnmals war nicht auf eine einzelne Opfergruppe beschränkt. Sie bezog sich allgemein auf die Opfer des nationalsozialistischen Regimes und stellte zugleich die Kämpfer gegen die „Tyrannei“ heraus.

Damit entsprach das Denkmal einer frühen Form der Nachkriegserinnerung, in der unterschiedliche Opfergruppen unter dem Begriff der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zusammengefasst wurden.

Die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus waren damit zwar vom allgemeinen Gedenken eingeschlossen, wurden durch die ursprüngliche Inschrift jedoch nicht ausdrücklich als eigene Opfergruppe genannt.

Diese Form des Gedenkens veränderte sich in den folgenden Jahrzehnten. In Herne entstanden weitere Gedenkorte, die einzelne Opfergruppen und konkrete Aspekte der nationalsozialistischen Verfolgung ausdrücklich in den Mittelpunkt stellten.

Abbruch im Jahr 1959

Bereits zehn Jahre nach der Einweihung wurde das Mahnmal am Neumarkt wieder entfernt.

Anfang März 1959 wurde der Neumarkt im Zusammenhang mit einer Umgestaltung des Platzes und der Errichtung eines Parkplatzes verändert. Das Mahnmal wurde dabei stillschweigend abgebrochen.

Die Herner Zeitung berichtete am 5. März 1959 unter der Überschrift „Mahnmal vom Neumarkt verschwunden“ über den Abbruch. Gleichzeitig wurde auf die geplante Errichtung eines neuen Mahnmals auf dem Platz vor dem Herner Arbeitsamt hingewiesen.[2]

Der Abbruch bedeutete allerdings nicht das vollständige Verschwinden des alten Mahnmals.

Weiterverwendung auf dem jüdischen Friedhof

Die Steine des abgebrochenen Mahnmals wurden aufgrund eines Beschlusses des Hauptausschusses des Rates der Stadt Herne der jüdischen Gemeinde zur Verfügung gestellt.

Aus dem Material des ehemaligen Neumarkt-Mahnmals wurde auf dem jüdischen Friedhof in Baukau eine neue Gedenkstätte errichtet. Damit blieb zumindest ein wesentlicher Teil des ursprünglichen Denkmals erhalten.[3]

Das Monument erhielt dort eine neue Bronzetafel. Die ursprüngliche Inschrift wurde nicht übernommen. Stattdessen wurde das Gedenken nun ausdrücklich auf die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus bezogen:

„ZUM GEDENKEN AN UNSERE JÜDISCHEN BRÜDER UND SCHWESTERN,
DIE IN DEN JAHREN 1933–1945 INFOLGE
NATIONALSOZIALISTISCHEN TERRORS
UMS LEBEN GEKOMMEN SIND.“

Das heutige Monument auf dem jüdischen Friedhof ist damit unmittelbar mit der Geschichte des ersten Herner Nachkriegsmahnmals verbunden.

Ein neues Mahnmal an der Bebelstraße

An die Stelle des abgebrochenen Mahnmals auf dem Neumarkt trat 1959 ein neues Denkmal an der Bebelstraße vor dem damaligen Arbeitsamt.

Der Düsseldorfer Bildhauer Zoltan Székessy schuf die Bronzeplastik Den Opfern des Widerstandes 1933 - 1945 / Genius und Hydra. Sie wurde am 20. September 1959 eingeweiht.

Die Widmung dieses neuen Denkmals lautete:

„Zur Ehre und zum Gedenken der Opfer im Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft 1933–1945.“

Damit wurde das Gedenken an die NS-Zeit in Herne an einen neuen öffentlichen Standort verlagert. Während das Material des alten Neumarkt-Mahnmals auf dem jüdischen Friedhof weiterlebte, entstand an der Bebelstraße ein eigenständiges künstlerisches Mahnmal.

Bedeutung für die Herner Erinnerungskultur

Das Neumarkt-Mahnmal nimmt in der Geschichte der Herner Erinnerungskultur eine besondere Stellung ein. Es war das erste große städtische Mahnmal der Nachkriegszeit, das die Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft dauerhaft im öffentlichen Raum verankern sollte.

Seine Geschichte ist zugleich ein Beispiel für den Wandel des Erinnerns. Das 1949 allgemein formulierte Gedenken wurde 1959 durch mehrere Entwicklungen abgelöst: durch das neue Mahnmal an der Bebelstraße und durch die Weiterverwendung der Steine auf dem jüdischen Friedhof.

Die Geschichte des Denkmals endete somit nicht mit seinem Abbruch. Ein Teil seiner materiellen Substanz wurde erhalten und erhielt auf dem jüdischen Friedhof eine neue Bedeutung.

Erinnerung an das ehemalige Denkmal

Vom ursprünglichen Mahnmal auf dem Neumarkt ist heute am früheren Standort nichts mehr vorhanden. Seine Geschichte lässt sich jedoch über zeitgenössische Berichte, Fotografien und die erhaltenen Teile des Bauwerks rekonstruieren.

Das Monument auf dem jüdischen Friedhof in Baukau ist dabei ein materielles Zeugnis dieser Geschichte. Es macht die Verbindung zwischen dem ersten städtischen NS-Mahnmal von 1949 und der späteren Entwicklung des jüdischen Gedenkens in Herne nachvollziehbar.

Die Geschichte des auf dem jüdischen Friedhof erhaltenen Monuments wird im eigenen Artikel Monument auf dem jüdischen Friedhof in Baukau dargestellt.

Literatur und Quellen

  • Manfred Hildebrandt: „…bey den spätesten Nachkommen in beständig gutem Andenken zu erhalten…“ – Denkmäler in Herne und Wanne-Eickel, in: Der Emscherbrücher, Band 14, Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e. V., Herne 2008, S. 57–77.
  • Herner Zeitung, 5. März 1959: „Mahnmal vom Neumarkt verschwunden“.</ref>

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Einzelnachweise

  1. Manfred Hildebrandt: „…bey den spätesten Nachkommen in beständig gutem Andenken zu erhalten…“ – Denkmäler in Herne und Wanne-Eickel, in: Der Emscherbrücher, Band 14, Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e. V., Herne 2008, S. 57–77.
  2. Herner Zeitung, 5. März 1959: „Mahnmal vom Neumarkt verschwunden“.
  3. Herner Zeitung, 5. März 1959: „Mahnmal vom Neumarkt verschwunden“