Willi Zehrt (1933) Grafiker & Künstler

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
Willi Zehrt
Grafiker
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Geboren25. Juni 1933
in Herne

Willi H. Zehrt (* 25. Juni 1933 in Herne) ist ein deutscher Grafiker, Maler, Fotograf und Bildhauer. Er war über Jahrzehnte als Werbegrafiker und Art Director tätig und gehört zu den prägenden Künstlern des Herner Kulturlebens der zweiten Hälfte des 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts. 1990 gehörte er neben Hans Menne und Jupp Gesing zu den Gründern des Herner Künstlerbundes und leitete diesen über viele Jahre.[1]

Leben und Ausbildung

Willi H. Zehrt wurde am 25. Juni 1933 in Herne geboren. Bereits in den 1950er Jahren begann er, sich intensiv mit der Bildenden Kunst auseinanderzusetzen. Nach einem Zeichenkurs bei Gerhard Hauptmeier folgten erste Ausstellungen in der Bochumer Galerie Hymer.[2]

Zehrt erlernte zunächst die Schriftsatzlehre und war als Werbeassistent tätig. Anschließend studierte er Grafik an der Folkwangschule in Essen-Werden sowie Typografie an der Werkkunstschule Hagen.[3] Seine Ausbildung als Schriftsetzer und Grafiker blieb auch für seine spätere künstlerische Arbeit prägend.[4]

Tätigkeit in der Werbung

Nach seiner Ausbildung wechselte Zehrt in die professionelle Werbung. Über mehrere Jahrzehnte arbeitete er als Texter, Fotograf und Art Director in internationalen Werbeagenturen. Stationen seiner beruflichen Tätigkeit waren unter anderem Düsseldorf, Köln, Berlin, Stuttgart und Frankfurt am Main. Zu seinen Kunden gehörten international tätige Unternehmen wie Bosch, Blaupunkt und Honda.[5]

1970 kehrte Zehrt aus familiären Gründen nach Herne zurück. Dort übernahm er unter anderem das Marketing für das neu eröffnete City-Center an der Bahnhofstraße. Außerdem entwickelte er eine Herner Stadtillustrierte und gestaltete Anzeigen für Herner Unternehmen und Institutionen, darunter die Sparkasse und die Stadtwerke.[6]

Künstlerisches Schaffen

Seit 1983 arbeitete Zehrt als freischaffender Künstler. Sein künstlerisches Spektrum umfasst Grafik, Malerei, Fotografie und Bildhauerei. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt.[7]

Die unterschiedlichen künstlerischen Techniken stehen in engem Zusammenhang mit seiner beruflichen Ausbildung. Insbesondere typografische Elemente, Schrift und grafische Gestaltung finden sich in seinem Werk wieder.[8]

Zehrt arbeitete über Jahrzehnte mit anderen Herner Künstlern zusammen. Dazu gehörten unter anderem Hans Menne, Jupp Gesing, Max Leih und Michael Kade. Ein wichtiger Ort dieses künstlerischen Austauschs war das Schollbrockhaus im Schlosspark Strünkede.[9]

Herner Künstlerbund

1990 gehörte Zehrt gemeinsam mit Hans Menne und Jupp Gesing zu den Gründern des Herner Künstlerbundes. Bei der Gründung übernahm zunächst Hans Menne den Vorsitz, Jupp Gesing dessen Stellvertretung und Willi Zehrt das Amt des Schatzmeisters.[10]

Der Herner Künstlerbund verstand sich von Beginn an als Zusammenschluss unterschiedlicher Künstler und öffnete sich sowohl professionell arbeitenden Künstlern als auch Autodidakten. Die erste Ausstellung fand 1990 im Sinn-Pavillon am damaligen Verweilplatz, dem heutigen Robert-Brauner-Platz, statt. Zu den dort vertretenen Künstlern gehörten Gesing, Menne und Zehrt.[11]

In späteren Jahren übernahm Zehrt selbst den Vorsitz des Künstlerbundes und leitete ihn über einen längeren Zeitraum. 1997 wird er als Vorsitzender genannt.[12]

Künstlerische Arbeiten im Stadtbild

Eine besondere Rolle spielte Zehrt bei den Aktivitäten des Herner Künstlerbundes zum 100-jährigen Bestehen der Stadt Herne im Jahr 1997. Im Bereich der U-Bahn-Station An der Kreuzkirche wurden 20 großformatige Bildtafeln angebracht. Zehrt war außerdem an der Gestaltung eines sogenannten Kulturturms an der U-Bahn-Station Herne-Mitte beteiligt.[13]

Die unter dem Titel Künstler erobern die U-Bahn zusammengefasste Aktion verband historische Darstellungen der Stadtgeschichte mit unterschiedlichen künstlerischen Techniken. Eine Reihe von Tafeln beschäftigte sich mit der Geschichte Hernes, eine weitere mit dem Wandel der Zeit. Ergänzend wurden 42 Fahnen im Stadtgebiet aufgestellt.[14]

Bereits 1992 war Zehrt an einer Ausstellung des Herner Künstlerbundes zum Thema Rhein-Herne-Kanal beteiligt. In der Chronik des Künstlerbundes werden unter den ausgestellten abstrakten Objekten auch Arbeiten von Wilhelm Heinrich Zehrt genannt.[15]

Spätere Arbeiten und Ausstellungen

Zehrt blieb auch im höheren Lebensalter künstlerisch tätig. 2010 stellte er gemeinsam mit Kasimier Rajkowski beim Art-Duell im Innovations- und Gründerzentrum am Westring in Baukau aus.[16]

2011 war Zehrt an der Ausstellung W. Zehrt und das Kunstlabor in der Alten Druckerei 1926 beteiligt. Die Ausstellung zeigte Arbeiten von Zehrt und weiteren Mitgliedern des sogenannten Kunstlabors.[17]

Im Februar 2019 wurde im Innovations- und Gründerzentrum am Westring 303 die Retrospektive Lebensspuren von Willi H. Zehrt gezeigt. Sie gab einen Überblick über rund sieben Jahrzehnte künstlerischer Tätigkeit. Neben größeren Arbeiten wurden auch Fotografien aus dem Familien- und Freundeskreis gezeigt, die den persönlichen und beruflichen Lebensweg Zehrts dokumentierten.[18]

Zu diesem Zeitpunkt lebte und arbeitete Zehrt seit vielen Jahren im Schlosspark Strünkede. Die Ausstellung zeigte neben grafischen und malerischen Arbeiten auch großformatige Werke. In seinem späteren Schaffen wandte er sich zudem verstärkt religiösen Themen zu.[19]

Bedeutung für das Herner Kulturleben

Willi H. Zehrt verband eine langjährige berufliche Tätigkeit in der Werbung mit einem kontinuierlichen eigenen künstlerischen Schaffen. Für die Herner Kunstszene war insbesondere seine Beteiligung an der Gründung und späteren Leitung des Herner Künstlerbundes von Bedeutung.

Gemeinsam mit Hans Menne und Jupp Gesing gehörte er zu jener Künstlergeneration, die Anfang der 1990er Jahre eine dauerhafte Plattform für die Präsentation zeitgenössischer Kunst in Herne schuf. Durch seine Tätigkeit als Grafiker, Fotograf und Gestalter brachte er zugleich Erfahrungen aus der visuellen Kommunikation und Werbung in das lokale Kulturleben ein.

Namensformen

In den Quellen erscheint Zehrt unter verschiedenen Namensformen. Neben Willi H. Zehrt werden Wilhelm H. Zehrt, Wilhelm Zehrt und Wilhelm Heinrich Zehrt verwendet. Die Chronik des Herner Künstlerbundes nennt ihn 1992 als Wilhelm Heinrich Zehrt, während städtische Veröffentlichungen aus den 1970er Jahren die Namensform Wilhelm Zehrt verwenden.[20]

Literatur und Quellen

  • Hermann, Pitt: Lebensspuren von Willi H. Zehrt – Retrospektive im Baukauer Innovationszentrum, halloherne.de, 18. Februar 2019.
  • Martens, Horst: Spagat zwischen Elite und Autodidakten – Als der Herner Künstlerbund sich vor 25 Jahren gründete, inHerne, 2015.
  • Chronik des Herner Künstlerbundes 90 e.V.
  • Programm des Kongresses 2010 mit biografischen Angaben zu Willi H. Zehrt.
  • Stadt Herne: Unsere Stadt, 1975.

Verwandte Artikel

Quellen

  1. ↑ Programm des Kongresses 2010, Angaben zu Willi H. Zehrt: https://www.hv-her-wan.de/
  2. ↑ Hermann, Pitt: Lebensspuren von Willi H. Zehrt – Retrospektive im Baukauer Innovationszentrum, halloherne.de, 18. Februar 2019: https://www.halloherne.de/artikel/lebensspuren-von-willi-h-zehrt-34666
  3. ↑ Programm des Kongresses 2010, biografische Angaben zu Willi H. Zehrt.
  4. ↑ Hermann, Pitt: Lebensspuren von Willi H. Zehrt, halloherne.de, 18. Februar 2019.
  5. ↑ Hermann, Pitt: Lebensspuren von Willi H. Zehrt, halloherne.de, 18. Februar 2019.
  6. ↑ Hermann, Pitt: Lebensspuren von Willi H. Zehrt, halloherne.de, 18. Februar 2019.
  7. ↑ Programm des Kongresses 2010, biografische Angaben zu Willi H. Zehrt.
  8. ↑ Hermann, Pitt: Lebensspuren von Willi H. Zehrt, halloherne.de, 18. Februar 2019.
  9. ↑ Hermann, Pitt: Lebensspuren von Willi H. Zehrt, halloherne.de, 18. Februar 2019.
  10. ↑ Chronik des Herner Künstlerbundes 90 e.V.: Gründungsjahr 1990.
  11. ↑ Martens, Horst: Spagat zwischen Elite und Autodidakten – Als der Herner Künstlerbund sich vor 25 Jahren gründete, inHerne, 2015.
  12. ↑ Chronik des Herner Künstlerbundes 90 e.V., Jahr 1997.
  13. ↑ Chronik des Herner Künstlerbundes 90 e.V., Jahr 1997.
  14. ↑ ebd.
  15. ↑ Chronik des Herner Künstlerbundes 90 e.V., Jahr 1992.
  16. ↑ Sonntagsnachrichten, Bericht über das Art-Duell im Innovations- und Gründerzentrum, 2010.
  17. ↑ Slow Food Deutschland: In Memoriam Manfred Meimberg. Eine Slow-Food-Tafel für die Kunst, 2011.
  18. ↑ Hermann, Pitt: Lebensspuren von Willi H. Zehrt, halloherne.de, 18. Februar 2019: https://www.halloherne.de/artikel/lebensspuren-von-willi-h-zehrt-34666
  19. ↑ ebd.
  20. ↑ Unsere Stadt, Stadt Herne, 1975; Chronik des Herner Künstlerbundes 90 e.V., 1992.
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