Jupp Gesing (1922-1998) Künstler
Jupp Gesing (eigentlich Josef Gesing; *14. Juli 1922 in Herne; † 11. April 1998 ebenda) war ein deutscher Glasmaler, Maler, Grafiker und Glaskünstler. Er zählt zu den prägenden Künstlerpersönlichkeiten Hernes der Nachkriegszeit und gehörte zu den wichtigsten Vertretern der sakralen Glasmalerei im Ruhrgebiet und in Westfalen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Lebenslauf
Joseph "Jupp" Gesing wurde als Sohn des Bergmanns Hermann Gesing und seiner Frau Elisabeth Böning in Herne geboren und am 23. Juli 1922 in der Herz-Jesu Kirche getauft.
Josef „Jupp“ Gesing besuchte von 1928 bis 1936 die Volksschule in Herne. Anschließend absolvierte er von 1936 bis 1941 eine Ausbildung zum Werbegrafiker und Schaufenstergestalter bei den Herner Firmen Leitner & Co. beziehungsweise Lewecke. Parallel dazu belegte er Abendkurse an der Kunstgewerbeschule Dortmund in Freihandzeichnen, Modezeichnen und Schriftgestaltung.
1941 wurde Gesing zum Kriegsdienst eingezogen; ab 1943 befand er sich in Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr begann seine eigentliche künstlerische Laufbahn. Gemeinsam mit seinem Bruder, dem Künstler Hermann Gesing, gehörte er 1946 zu den Gründungsmitgliedern der ersten Herner Künstlergruppe.
Von 1946 bis 1950 studierte Gesing an der Kunstakademie Düsseldorf die Fächer Bühnenbild, Glasmalerei, Malerei und Zeichnung. 1950 wurde er Meisterschüler von Walter von Wecus. Bereits ein Jahr später gründete er in Herne ein eigenes Atelier und arbeitete fortan freischaffend in den Bereichen Malerei, Glasmalerei, Grafik, Mosaik und Sgraffito.
1990 gehörte Gesing außerdem zu den Gründungsmitgliedern des Herner Künstlerbundes „90“, dessen Vorsitz er zwischen 1993 und 1995 innehatte.
Künstlerisches Werk
Das Werk Jupp Gesings umfasst mehrere Schaffensphasen. Seine frühen Arbeiten bestanden überwiegend aus Zeichnungen sowie gegenständlicher Ölmalerei. In den 1960er- und 1970er-Jahren entwickelte sich sein Stil zunehmend in Richtung einer postimpressionistischen und später abstrahierenden Farbmalerei. Die späten Arbeiten der 1990er-Jahre zeigen häufig blockhafte, stark reduzierte Farbkompositionen.
Seine größte Bedeutung erlangte Gesing jedoch als Glasmaler. Zwischen 1953 und etwa 1990 schuf er mehr als 200 Glasfenster für Kirchen und öffentliche Gebäude in Deutschland sowie einzelne Arbeiten im Ausland, darunter auch in Trondheim.
Charakteristisch für seine Glasarbeiten ist die Verbindung moderner Formensprache mit traditionellen sakralen Bildmotiven. Seine Fenster zeichnen sich durch kräftige Farbigkeit, geometrische Gliederung und symbolische Verdichtung aus. Viele seiner Werke entstanden für katholische Kirchenneubauten der Nachkriegszeit und stehen exemplarisch für die Erneuerung der religiösen Kunst im westdeutschen Kirchenbau der 1950er- bis 1980er-Jahre.
Bedeutende Werke
Zu den bekanntesten Arbeiten Gesings zählt das große bogenförmige Glasfenster im Bahnhof von Herne aus dem Jahr 1953. Das Werk thematisiert die Bedeutung des Bergbaus für die Stadt und wurde nach einem Wettbewerb der Deutschen Bundesbahn und der Stadt Herne ausgeführt. Im Zentrum stehen Fördertürme und Motive der Montanindustrie. Das Fenster gilt bis heute als bedeutendes Beispiel für „Kunst am Bau“ der frühen Nachkriegszeit im Ruhrgebiet.
Jupp Gesing gehörte neben Künstlern wie Lothar Gambke und Bruno Foltynowicz zu jener Generation, die das kulturelle Leben Hernes nach dem Zweiten Weltkrieg neu prägte. Seine Arbeiten befinden sich in den Sammlungen des Emschertal-Museum und der Städtischen Galerie Herne.
Die starke lokale Verwurzelung blieb für Gesing lebenslang charakteristisch. Seine Kinder beschrieben ihn rückblickend als ausgesprochen heimatverbunden; Herne bot ihm die Möglichkeit, sein Werk frei zu entwickeln und gleichzeitig regional sichtbar zu bleiben.
2022 erinnerte das Emschertal-Museum mit einer Ausstellung zum 100. Geburtstag an Leben und Werk des Künstlers.
Familie und Nachwirkung Die von ihm gegründete Firma existiert noch immer unter seinem Namen und wird von seinem ebenfalls künstlerisch tätigen Sohn Christoph Gesing (* 1956 Herne)[1] weitergeführt. Christoph Gesing studierte an der Kunstakademie Düsseldorf unter anderem bei Gerhard Richter und entwickelte ein eigenständiges künstlerisches Werk zwischen Malerei und Glasbildkunst.
Jupp Gesing war seit dem 18. August 1948 mit Cäcilie geb. Cal (1923-2016) verheiratet.[2]. Sein älterer Bruder war der Herner Künstler Hermann Gesing (1913-1997).
Ausstellungen (Auswahl)
- 1949 1. Herbstausstellung der Herner Künstlergruppe im Wirtschaftsamt (Gruppenausstellung = G)
- 1950 2. Herbstausstellung der Herner Künstlergruppe (G)
- 1951 Museum am Ostwall, Dortmund (G)
- 1953 Kunsthalle Recklinghausen (G)
- 1956 Winterausstellung Bildender Künstler von NRW, Düsseldorf (G)
- 1965 Heimathaus des Emschertal-Museums, Herne (G)
- 1968 Entwürfe von Kirchenfenstern, Sparkasse Herne (Einzelausstellung =E)
- 1969 Heimathaus des Emschertal-Museums, Herne (E)
- 1970 Katholische Akademie, Schwerte (G)
- 1974 Schloss Lembeck, Glasmalerei (G)
- 1980 Städt. Galerie des Emschertal-Museums Herne (E)
- 1980/81 Dorstener Kunstverein, Kreissparkasse Markt, Dorsten (E)
- 1982 Volkshochschule Wanne-Eickel im Haus am Grünen Ring (E)
- 1983 Galerie "Fraiche", Paris (G)
- 1984 Bochumer Künstlerbund, Museum Bochum (G)
- 1985 "Bilder zur Bibel", St. Peter und Paul Kirche, Herne-Sodingen (E)
- 1987 Handzeichnungen, Galerie Schollbrockhaus, Herne (E)
- 1987 Rathaus-Galerie am Europaplatz, Castrop-Rauxel (E)
- 1991 Herner Künstlerbund, Pavillon am Verweilplatz, Herne (E)
- 1991 Landeskulturtage NRW "Revier-Landschaft/Stadt-Landschaft/Kunst-Landschaft", Städt. Galerie, Herne (G)
Werke (nur Glasfenster)

| Ort | Kirche / Kapelle | Ausführende Glaswerkstatt | Jahr |
|---|---|---|---|
| Aachen | Synagoge | 1957 | |
| Allagen | Pfarrkirche St. Joh. Baptist | 1986 | |
| Brilon-Alme | Friedhofskapelle | Peters (Paderborn) | 1972 |
| Almert | Kapelle St. Hubertus | 1980 | |
| Brilon-Altenbüren | Pfarrkirche St. Johannes u. St. Agatha | Peters (Paderborn) | 1978 |
| Rüthen-Altenrüthen | Pfarrkirche St. Gervasius u. Protasius | Peters (Paderborn) | 1976 |
| Anröchte | Frankenkapelle | Peters (Paderborn) | 1975 |
| Anröchte-Mellrich | St. Antomius in Uelde | 1984? | |
| Arnsberg-Neheim-Hüsten | Pfarrkirche St. Michael | Koll (Bottrop) | 1981 |
| Bad Sassendorf-Ostinghausen | St. Christopherus | Knack (MS) | 1984/85 |
| Benolpe | Pfarrkirche St. Elisabeth | 1959 | |
| Bestwig | Pfarrkirche Christ König | Peters (Paderborn) | 1978 |
| Bilstein | Kath. Pfarrkirche | Peters (Paderborn) | 1959 |
| Bocholt | Klosterkirche | Peters (Paderborn) | 1970 |
| Brilon-Wald | Pfarrkirche St. Josef | Peters (Paderborn) | 1974 |
| Brilon | Altenheim-Kapelle | 1984 | |
| Brilon-Wülfte | Filialkirche St. Anna | Peters (PB) | 1974 |
| Castrop-Rauxel | Pfarrkirche St. Antonius (Antoniusfenster) | Knack (MS) | 1986 |
| Castrop-Rauxel | Pfarrkirche Hl. Schutzengel | Knack (MS) | 1978 |
| Castrop-Rauxel | Pfarrkirche St. Lambertus | Knack (MS) | 1984 |
| Dortmund-Aplerbeck | Kap. im Altenheim St. Ewaldi | Knack (MS) | 1987 |
| Eslohe-Niederlandenbeck | St. Mariä Heimsuchung | Knack (MS) | 1977 |
| Gütersloh | Pfarrkirche Christkönig | Knack (MS) | 1980 |
| Hamm-Rhynern | Pfarrkirche St. Regina | 1986? | |
| Herne | Bildfenster im Herner Bahnhof | 1953 | |
| Herne | Pfarrkirche Herz-Jesu | 1953-1956 | |
| Herne-Sodingen | Pfarrkirche St. Peter + Paul | 1985 | |
| Iserlohn-Letmathe | Pfarrkirche St. Kilian | 1975? | |
| Lübbecke | St. Joh. Bapt. (Schiff/Marienkap) | Knack (MS) | 1981 |
| Lügde | Pfarrkirche St. Kilian | 1976 | |
| Marsberg-Oesdorf | Pfarrkirche St. Joh. Bapt. (F. i. Eingang) | Knack? (MS) | 1982? |
| Medebach-Deifeld | Pfarrkirche St. Joh. Bapt. | Donat (Da) | 1975 |
| Möhnesee- Körbecke-Neuhaus | Kap. im Jagdschloß St. Meinolf | Knack (MS) | 1982 o. 87 |
| Olsberg-Assinghausen | Pfarrkirche St. Katharina (Chorf+Engelf i Eingg) | Knack? (MS) | 1973 |
| Olsberg-Bigge | Kap. im Josefsheim | Knack (MS) | 1976 |
| Olsberg-Bigge | Pfarrkirche St. Martin | Peters (Paderborn) | 1971 |
| Paderborn | Dom (KapS: Umgst d F v Keusch) | Peters (PB) | ? |
| Paderborn | Dom (kl. F. unter dem gr. Ostf.) | Peters (PB) | 1979/80 |
| Paderborn | Kap. i Mhs. d Sw d christl Liebe | Peters (PB) | 1978 |
| Paderborn | Kap. i Hs. Mallinckroth | Knack (MS) | 1982 |
| Poppenhausen | Pfarrkirche St. Georg | (?) | (?) |
| Rietberg | Pfarrkirche St. Joh. Bapt. | Knack (MS) | 1974 |
| Schloss Holte-Stukenbrock | Pfarrkirche St. Ursula | Hertel (LP) | 1975 |
| Schmallenberg-Fleckenberg | Pfarrkirche St. Antonius Eins. | Knack (MS) | 1974 |
| Schmallenberg-Oberkirchen | Friedhofskapelle | Knack (MS) | ca1978? |
| Schmallenberg-Oberkirchen | Kap. in Almert | Knack (MS) | ca1980? |
| Schmallenberg-Oberkirchen | Kap. in Winkhausen | Knack (MS) | 1980 |
| Warburg | St. Marien (F. i.d Marienkap.) | Peters (PB) | 1975 |
| Warburg-Ossendorf | Pfarrkirche St. Johannes Enthauptung | ca. 1974 | |
| Weseke | Pfarrkirche St. Ludgerus | 1963 - 1966[4] | |
| Winterberg-Grönebach | Kap. im Marienheim | Knack (MS) | 1982 |
| Witten | Pfarrkirche St. Franziskus | Knack (MS) | 1983 |
| Wünnenberg | Pfarrkirche St. Antonius v. P. | Knack (MS) | 1977 |
Literatur
- EGV-PB (Hrsg.) Der Dom Nr. 16 vom 19. April 1987, S.1 [Abb.: Auferstehungsfenster in Arnsberg-Neheim].
- EGV-PB (Hrsg.) Der Dom Nr. 49 vom 6. Dezember 1987, S.23 [Abb.: Engelf. in Olsberg-Assinghausen].
- EGV-PB (Hrsg.) Der Dom Nr. 14 vom 3. April 1988, S.5 [Abb.: "Der Auferstandene mit der erlösten Menschheit" St. Johannes Enthauptung, Warburg-Ossendorf].
- EGV-PB (Hrsg.) Der Dom Nr. 19 vom 8. Mai 1988, S.20 [Abb.: Maximilian-Kolbe, Witten St. Franziskus].
- EGV-PB (Hrsg.) Kalender "Unser Erzbistum Paderborn 1986", 5b[Castrop-Rauxel, St. Lambertus].
- EGV-PB (Hrsg.) Kalender "Unser Erzbistum Paderborn 1980", 10a[Hamm-Rhynern, St. Regina].
- EGV-PB (Hrsg.) Kalender "Unser Erzbistum Paderborn 1984", 12a[Herne-Sodingen, St. Peter+Paul].
- Falke, U., Alte und Neue Kunst im Erzbistum-Paderborn 31/32 (1983/84) 144[Gütersloh].
- Hohmann, F.G., Die Kilianskirche zu Lügde, o.V. Paderborn 21984, 23.
- Kath. Kirchengem. St. Lambertus Castrop. (Hrsg.) Pfarrkirche St. Lambertus Castrop, Castrop-Rauxel 1984, 12.
- Rüenauver, J., Das Münster 20 (1967) 98.
- Schnell, H., Das Münster 14 (1961) 217.
- Stadt Herne, Emschertal-Museum, Herne (Hrsg.) Jupp Gesing – Retrospektive. Malerei und Glasmalerei, Herne 1992 ISBN: 3-922987-29-X
- Stiegemann, H., ANK 31/32 (1983/84) 78[PB, Dom-Kapitelsaal].
Siehe auch
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- Herz Jesu (Herne-Süd) (← Links)
- St. Peter und Paul (Kirche) Börnig (← Links)
- St. Elisabeth (Herne) (← Links)
- St. Konrad (Herne-Constantin) (← Links)
- Bahnhof Herne (← Links)
- Leo Reiners (1898-1958) Journalist - Beamter - Heimatforscher (← Links)
- Einigkeit, Recht, Freiheit (← Links)
- 1998 (← Links)
- 1902 (← Links)
- 1922 (← Links)
- 1993 (← Links)
- 2007 (← Links)
- 19. Januar (← Links)
- 14. Juli (← Links)
- Piepenfritz und die Kunst (← Links)
- Wenke 1967 (← Links)
- Ein gläsernes Bild des Bergbaus - Glasfenster im Herner Bahnhof (← Links)
- Immer näher klingt das Dröhnen, Keuchen, Fauchen (← Links)
- Hermann Gesing (1913-1997) Künstler (← Links)
- Wolfgang Hauptmeier (← Links)
- Wie entsteht ein Kirchenfenster - Schug 2019 (← Links)
- Lothar Gambke (1921-2011) Künstler (← Links)
- Johannes Tigges (← Links)
- Liste von Herner Personen (Wikipedia) (← Links)
- Allerhl. Dreifaltigkeit (Wanne) (← Links)

