Hafen König Ludwig

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Der Hafen König Ludwig ist ein ehemaliger Zechenhafen am Rhein-Herne-Kanal im Bereich des heutigen Herner Meeres an der Grenze zwischen Herne und Castrop-Rauxel. Er wurde Ende des 19. Jahrhunderts für die Zeche König Ludwig angelegt und diente vor allem dem Umschlag von Steinkohle sowie der Anlieferung von Gruben- und Betriebsmaterial. Der Hafen war über eine eigene Werksbahn mit den Schachtanlagen des Bergwerks in Recklinghausen verbunden.

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Mit dem Niedergang und der Stilllegung der Zeche verlor der Hafen seine ursprüngliche Funktion. Seit den 1980er Jahren wird das ehemalige Hafenbecken als Sportboothafen genutzt. Zugleich bildet der Hafen den südlichen Ausgangspunkt der König-Ludwig-Trasse, die auf der ehemaligen Zechenbahntrasse als Geh- und Radweg ausgebaut wurde.[1]

Lage

Der Hafen König Ludwig liegt am nördlichen Ufer des Rhein-Herne-Kanals bei Kanalkilometer 38, unmittelbar oberhalb der Schleuse Herne-Ost. Er befindet sich damit im Bereich des Herner Meeres, einer durch Hafenanlagen, Schleusenvorhafen und Sportboothäfen geprägten Erweiterung des Kanalraumes.

Auf der gegenüberliegenden, südlichen Kanalseite liegt der ehemalige Hafen Friedrich der Große. Beide Hafenanlagen waren ursprünglich mit großen Bergwerksbetrieben verbunden und bildeten wichtige Umschlagstellen der Montanindustrie.

Verwaltungsmäßig liegt der Hafenbereich heute auf dem Gebiet von Castrop-Rauxel beziehungsweise unmittelbar an der Grenze zu Herne. Die historische Funktion des Hafens ist jedoch eng mit der auf Recklinghäuser Stadtgebiet gelegenen Zeche König Ludwig verbunden. Die Stadt Recklinghausen bezeichnet die Hafenanlage am Rhein-Herne-Kanal als Bestandteil der industriellen Entwicklung des Bergwerksstandortes.[2]

Entstehung des Hafens

Die Anlage des Hafens steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Ausbau der Wasserstraßen im nördlichen Ruhrgebiet. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der sogenannte Zweigkanal vom Dortmund-Ems-Kanal bei Henrichenburg nach Herne gebaut. Dieser Kanalabschnitt bildete später einen Teil des Rhein-Herne-Kanals.

Bereits während der Bauphase des Zweigkanals begann die Zeche König Ludwig mit der Anlage eines eigenen Hafens. Das Hafenbecken wurde zwischen Dezember 1897 und 1898 hergestellt. Zu diesem Zeitpunkt war der betreffende Kanalabschnitt bereits mit Wasser gefüllt.[3]

Die Lage am Wasser war für die Zeche von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung. Der Bergbau hatte sich im südlichen und östlichen Recklinghausen seit den 1870er Jahren stark entwickelt. Die Stadt Recklinghausen weist für das Bergwerk König Ludwig eine Entwicklung von den ersten bergbaulichen Arbeiten in den 1870er Jahren bis zur Aufnahme der Förderung in den 1880er Jahren aus.[4]

Der neue Hafen ergänzte die bereits vorhandenen Eisenbahnverbindungen und ermöglichte es, die auf König Ludwig geförderte Kohle unmittelbar auf Binnenschiffe zu verladen.

Hafenanlage

Das Hafenbecken hatte ursprünglich eine Fläche von etwa 1,7 ha. Es lag als seitliches Becken am Rhein-Herne-Kanal und besaß eine eigene Kaimauer sowie Umschlag- und Lagerflächen.

Die Anlage war nicht ausschließlich für den Kohlenversand bestimmt. Neben der Verladung der geförderten Steinkohle diente sie auch der Anlieferung von Material für das Bergwerk. Damit war der Hafen sowohl Ausgangs- als auch Eingangspunkt des bergwerklichen Güterverkehrs.

Eine besondere Bedeutung besaßen die Lagerflächen für Kohle und Koks. Über die angeschlossene Werksbahn konnten die Erzeugnisse der Zeche zum Hafen transportiert, zwischengelagert und anschließend auf Schiffe verladen werden.

1913 wurde das Hafenbecken erweitert. Der Ausbau stand im Zusammenhang mit der wachsenden Förderleistung der Zeche und dem zunehmenden Güterverkehr auf dem Kanal.[5]

Güterumschlag

Die Leistungsfähigkeit des Hafens zeigt sich an den für die Vorkriegszeit überlieferten Umschlagszahlen. Im Jahr 1912 wurden im Zechenhafen König Ludwig insgesamt 360.096 Tonnen Güter umgeschlagen.[6]

Der Hafen gehörte damit zu den bedeutenden werkseigenen Umschlagstellen des östlichen Ruhrgebiets. Der Güterverkehr bestand überwiegend aus Massengütern, insbesondere Kohle, Koks und für den Bergwerksbetrieb benötigten Materialien.

Der Wasserweg bot gegenüber dem Eisenbahntransport den Vorteil, große Mengen mit wenigen Schiffen bewegen zu können. Für die Zeche König Ludwig bedeutete der eigene Hafen daher eine unmittelbare Verbindung zum westdeutschen Wasserstraßennetz.

Werksbahn zum Hafen

Von besonderer Bedeutung war die Verbindung des Hafens mit den Schachtanlagen der Zeche König Ludwig. Die sogenannte König-Ludwig-Trasse entstand aus der ehemaligen Werksbahn des Bergwerks.

Bereits 1885 bestand eine zecheneigene Eisenbahnverbindung von König Ludwig I/II zum Eisenbahnnetz. Mit dem Bau des Zweigkanals wurde die Strecke nach Süden bis zum neuen Hafen verlängert.[7]

Die Werksbahn diente insbesondere dem Transport der Kohle von den Schachtanlagen zum Hafen. Gleichzeitig konnten über sie Materialien vom Hafen zu den Zechenanlagen gebracht werden.

Die Hafenbahn bildete somit das Bindeglied zwischen den beiden wichtigsten Verkehrsträgern des Bergwerks: der Eisenbahn und der Wasserstraße.

Umschlaganlagen

Für den Kohlenumschlag standen am Hafen umfangreiche Lager- und Verladeflächen zur Verfügung. Auf den Lagerplätzen konnten Kohle und Koks vor der Verladung zwischengelagert werden.

Eine große Portalkrananlage diente dem Umschlag zwischen Eisenbahn, Lagerplatz und Schiff. Die technische Ausstattung verdeutlicht, dass der Hafen nicht lediglich als Anlegestelle, sondern als eigenständige industrielle Umschlaganlage konzipiert war.

Die Kombination aus Werksbahn, Lagerplätzen, Krananlage und Kaimauer entsprach dem typischen Aufbau eines größeren Zechenhafens am Rhein-Herne-Kanal.

Das Kanalschloss

Unmittelbar am Rhein-Herne-Kanal in Pöppinghausen befand sich das sogenannte Kanalschloss. Bei dem Gebäude handelte es sich ursprünglich um das 1896 errichtete Ausflugslokal. Wegen seiner repräsentativen, für ein Ausflugslokal ungewöhnlich aufwendigen Architektur erhielt das Gebäude im Volksmund den Namen Kanalschloss.[8]

Bergsenkungen und bauliche Veränderungen

Wie zahlreiche Anlagen des Ruhrbergbaus war auch der Hafen König Ludwig von den Folgen des untertägigen Abbaus betroffen. Durch die Förderung der Kohle kam es zu Bergsenkungen, die das Gelände und die wasserbaulichen Anlagen veränderten.

Besonders betroffen war die Kaimauer. Im Jahr 1954 musste sie infolge der Bergsenkungen um etwa 2,5 Meter erhöht werden.[9]

Die Maßnahme zeigt die besonderen technischen Probleme, die sich aus dem Nebeneinander von Bergbau und Kanalbau ergaben. Während der Kanal auf einem bestimmten Wasserspiegel betrieben werden musste, senkte sich das angrenzende Gelände durch den untertägigen Abbau. Hafenbecken, Kaimauern, Gleisanlagen und Zufahrten mussten deshalb wiederholt angepasst werden.

Der Hafen ist damit zugleich ein anschauliches Beispiel für die Wechselwirkungen zwischen dem Bergbau und der Wasserbaugeschichte des Ruhrgebiets.

Ende der Zechenfunktion

Die Zeche König Ludwig stellte ihre Förderung schrittweise ein. Die einzelnen Schachtanlagen wurden in den 1960er Jahren stillgelegt; die letzten Förderanlagen des Bergwerks gingen 1965 außer Betrieb.[10]

Mit dem Ende der Kohlenförderung verlor auch der Hafen seine ursprüngliche Funktion. Der regelmäßige Umschlag von Kohle und bergbaulichen Materialien ging zurück und kam schließlich vollständig zum Erliegen.

Anders als manche andere Zechenhäfen wurde die Anlage jedoch nicht beseitigt. Ihre Lage am Rhein-Herne-Kanal und die vorhandene Wasserfläche ermöglichten eine neue Nutzung.

Umwandlung zum Sportboothafen

In den 1980er Jahren pachtete der Automobil- und Motorbootsport-Club Castrop-Rauxel e. V. das nicht mehr benötigte Hafengelände von der Ruhrkohle AG. Seitdem wird das ehemalige Zechenhafenbecken als Anlegehafen für Sportboote genutzt.

Damit vollzog sich ein charakteristischer Funktionswandel: Aus einem ausschließlich der Schwerindustrie dienenden Umschlaghafen wurde eine Anlage für den Wassersport.[11]

Die historische Hafenstruktur blieb dabei in wesentlichen Grundzügen erhalten. Das Hafenbecken erinnert weiterhin an seine ursprüngliche Funktion als Zechenhafen, während die heutige Nutzung durch Sportboote einen deutlichen Gegensatz zur industriellen Vergangenheit bildet.

König-Ludwig-Trasse

Am Hafen beginnt die ehemalige König-Ludwig-Trasse. Sie folgt der früheren Werksbahnverbindung zwischen dem Hafen und den Schachtanlagen der Zeche König Ludwig.

Die Trasse wurde abschnittsweise zu einem Geh- und Radweg umgebaut. Der erste Abschnitt vom ehemaligen Hafen am Rhein-Herne-Kanal bis zur Ortlohstraße in Recklinghausen wurde Ende 2008 fertiggestellt.<ref>Stadt Recklinghausen: König-Ludwig-Trasse, 14. Juni 2018; Regionalverband Ruhr: König-Ludwig-Trasse.<ref>

Der RVR beschreibt den heutigen Ausgangspunkt der Trasse ausdrücklich am Herner Meer, dem Hafen- und Schleusenbereich am Rhein-Herne-Kanal. Von dort führt die Strecke vorbei an den ehemaligen Schachtanlagen König Ludwig 1/2/6 sowie an den früheren Anlagen 4/5 und 7/8.[1]

Damit ist der Hafen heute nicht nur ein ehemaliger Industriestandort, sondern zugleich ein Ausgangspunkt eines regionalen industriegeschichtlichen Rad- und Wanderweges.

Der Hafen im Landschaftsraum des Herner Meeres

Durch seine Lage am Oberwasser der Schleuse Herne-Ost gehört der ehemalige Zechenhafen heute zum Bereich des Herner Meeres. Hier treffen mehrere unterschiedliche Nutzungen aufeinander: die Bundeswasserstraße Rhein-Herne-Kanal, die Schleusenanlage, Sportboothäfen, Rad- und Wanderwege sowie die verbliebenen industriellen Nutzungen der Umgebung.

Der Gegensatz zwischen der historischen Funktion des Hafens und seiner heutigen Nutzung ist an diesem Ort besonders deutlich. Die großen Lagerflächen und Umschlaganlagen der Zechenzeit sind teilweise verschwunden oder umgenutzt worden; das Hafenbecken selbst blieb dagegen als prägendes Element erhalten.

Die Umwandlung des Hafens ist damit Teil eines größeren Strukturwandels entlang des Rhein-Herne-Kanals. Zahlreiche ehemalige Zechen- und Werkshäfen verloren seit dem Ende des Bergbaus ihre ursprüngliche Aufgabe und wurden entweder industriell weitergenutzt, zurückgebaut oder für Freizeit und Wassersport erschlossen.

Bedeutung für die Industriegeschichte

Der Hafen König Ludwig besitzt für die Geschichte des nördlichen Ruhrgebiets eine besondere Bedeutung. Seine Entstehung zeigt, wie eng die Entwicklung des Steinkohlenbergbaus mit dem Ausbau der künstlichen Wasserstraßen verbunden war.

Der Hafen ermöglichte der Zeche König Ludwig einen direkten Anschluss an das überregionale Wasserstraßennetz. Zusammen mit der König-Ludwig-Bahn entstand dadurch ein leistungsfähiges Verkehrssystem, das die Schachtanlagen mit dem Kanal verband.

Die Anlage dokumentiert zugleich die technischen Folgen des Bergbaus. Die notwendige Erhöhung der Kaimauer im Jahr 1954 macht sichtbar, wie stark die Bergsenkungen die oberirdische Infrastruktur beeinflussten.

Heute ist der Hafen ein Beispiel für die erfolgreiche Umnutzung einer montanindustriellen Infrastruktur. Während die Zeche König Ludwig verschwunden ist, blieb der Hafen als Wasserfläche erhalten und erhielt mit der Nutzung durch den Wassersport eine neue Funktion.

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Arbeitsgruppe König Ludwig, Christoph Thüer (Hrsg.): Unsere Zeche König Ludwig. Wiege der Ruhrfestspiele und mehr. Regio-Verlag, Werne 2005.
  • Stadt Recklinghausen: Bergbau-Chronik. Zeittafel zur Geschichte des Steinkohlebergbaus in Recklinghausen.
  • Stadt Recklinghausen: Informationen zur König-Ludwig-Trasse und zu den ehemaligen Schachtanlagen.
  • Regionalverband Ruhr: König-Ludwig-Trasse.
  • Bezirks- und Hafenverzeichnis 1956.
  • Historische Hafen- und Wasserstraßenunterlagen zum Rhein-Herne-Kanal.
  • Bildquellen: historische Fotografien und Kartenbestände, unter anderem im Stadtarchiv Recklinghausen und in einschlägigen montanhistorischen Sammlungen.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Regionalverband Ruhr: König-Ludwig-Trasse, Darstellung des Streckenverlaufs und der Entwicklung der ehemaligen Zechenbahntrasse.
  2. Stadt Recklinghausen: Stadtgeschichte; dort wird der Ausbau der künstlichen Wasserstraßen und der Hafenanlagen im Zusammenhang mit der Industrialisierung der Stadt dargestellt.
  3. Vgl. die historischen Angaben zur Entstehung des Hafenbeckens und zum Ausbau des Zweigkanals zum Rhein-Herne-Kanal.
  4. Stadt Recklinghausen: Bergbau-Chronik, Zeittafel zur Geschichte des Steinkohlebergbaus in Recklinghausen.
  5. Vgl. die Angaben zur Erweiterung des Hafenbeckens im Zusammenhang mit dem Ausbau des Zechenhafens König Ludwig.
  6. Bezirks- und Hafenverzeichnis 1956, historische Angaben zum Hafen König Ludwig; ergänzend die überlieferten Hafenstatistiken des Rhein-Herne-Kanals.
  7. Regionalverband Ruhr: König-Ludwig-Trasse; Stadt Recklinghausen: Informationen zur König-Ludwig-Trasse und den ehemaligen Schachtanlagen.
  8. Recklinghäuser Zeitung: Vor 98 Jahren in Recklinghausen: Bergleute sprengen den Kanal, 27. Juni 2021; dort wird das Gebäude als 1896 in feudalem Stil errichtetes Ausflugslokal Haus Pantring beschrieben.
  9. Vgl. die überlieferten Angaben zur Anpassung der Kaimauer des Hafens König Ludwig im Jahr 1954.
  10. Stadt Recklinghausen: Bergbau-Chronik; vgl. auch die historische Darstellung der Zeche König Ludwig.
  11. Vgl. die Angaben zur Übernahme des Hafengeländes durch den Automobil- und Motorbootsport-Club Castrop-Rauxel e. V. in den 1980er Jahren.

Lesen Sie auch


Quellen

Dieser Artikel, diese genealogische oder textliche Zusammenstellung bzw. dieses Bild wird von Andreas Janik (ehem. Johann-Conrad) für das Wiki der Herner Stadtgeschichte zur Verfügung gestellt und unterliegt dem Urheberrecht. Bei einer Verwendung dieser Abbildung und/oder dieses Textes - auch als Zitat - außerhalb des Wikis der Herner Stadtgeschichte ist die Genehmigung beim Autor einzuholen.


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