Hafen des Wasserstraßen-Maschinenamtes Herne

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Der Hafen des Wasserstraßen-Maschinenamtes Herne war eine technische Betriebsanlage am Rhein-Herne-Kanal im Bereich Herne-Ost im heutigen Stadtteil Horsthausen. Er diente vor allem dem Betrieb, der Unterhaltung und der Instandsetzung der technischen Anlagen und Fahrzeuge der staatlichen Wasserstraßenverwaltung. Der Hafen stand in engem Zusammenhang mit der Schleuse Herne Ost und den dortigen wasserbaulichen und maschinentechnischen Einrichtungen.

Im Unterschied zu den zahlreichen Umschlaghäfen des Herner Stadtgebietes war der Hafen keine Anlage für den regelmäßigen Güterumschlag. Seine Bedeutung lag vielmehr in seiner Funktion als Betriebs- und Werfthafen der Wasserstraßenverwaltung.

Überblick
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Straßenansicht
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Entstehung und Lage

Der Hafen befand sich am nördlichen Rand des Herner Stadtgebietes unmittelbar am Rhein-Herne-Kanal bei der Schleuse Herne-Ost. Die historische Zuordnung des Bereichs zur staatlichen Wasserstraßenverwaltung ist bereits für die Nachkriegszeit belegt. Im Herner Stadtplan von 1958 werden als Wasserstraßendienststellen das Wasserstraßen-Maschinenamt an der Pöppinghauser Straße 10, die Kanalabgabenstelle an der Schleuse Herne-Ost, die Schleppbetriebsstelle Herne-Ost, die Wasserschutzpolizeistation und die Schleuse Herne-Ost aufgeführt.[1]

Der Standort lag damit in einem für die Wasserstraßenverwaltung besonders wichtigen Bereich. Die Schleuse Herne-Ost bildete den östlichen Endpunkt des Herner Abschnitts des Rhein-Herne-Kanals. Gleichzeitig befanden sich hier technische Einrichtungen zur Bewirtschaftung und Unterhaltung der Wasserstraße.

Eine historische Darstellung bezeichnet die Anlage ausdrücklich als „Wasserstraßen-Maschinenamt Herne mit dem Werfthafen“ und ordnet sie räumlich der alten Schleuse Herne-Ost zu.[2]

Das Wasserstraßen-Maschinenamt Herne

Das Wasserstraßen-Maschinenamt war eine technische Dienststelle der staatlichen Wasserstraßenverwaltung. Seine Aufgaben unterschieden sich von denen der örtlichen Wasser- und Schifffahrtsämter, die vor allem für den Betrieb und die Unterhaltung der Wasserstraßen zuständig waren. Die Maschinenämter waren auf die technische Seite des Wasserstraßenbetriebs spezialisiert.

Für das Wasserstraßen-Maschinenamt Herne ist die Zugehörigkeit zur Wasser- und Schifffahrtsdirektion Münster dokumentiert. Eine amtliche Übersicht von 1951 führt unter den Dienststellen der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Münster ausdrücklich das „Wasserstraßen-Maschinenamt Herne“ auf.[3]

Die Aufgaben eines Wasserstraßen-Maschinenamtes umfassten insbesondere technische Anlagen, Maschinen, Fahrzeuge und Einrichtungen der Wasserstraßenverwaltung. Eine Übersicht über die Organisation und Ausbildung innerhalb der Wasserstraßenverwaltung nennt für die Wasserstraßen-Maschinenämter unter anderem Beschaffung, Vergabewesen, Bauaufsicht, Abnahme und die Überwachung technischer Anlagen.[4]

In Herne waren diese Aufgaben besonders eng mit dem Rhein-Herne-Kanal und seinen zahlreichen technischen Anlagen verbunden.

Der Werfthafen

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Rhein-Herne-Kanal, Einfahrt zum Werfthafen Herne um 1950.[5]

Die Bezeichnung Werfthafen weist auf die eigentliche Funktion des Hafenbeckens hin. Das Becken ermöglichte es der Wasserstraßenverwaltung, Arbeitsfahrzeuge, Schlepper und andere schwimmende Geräte vom Rhein-Herne-Kanal aus aufzunehmen, zu warten und gegebenenfalls instand zu setzen.

Die Bedeutung dieser Funktion wird auch durch die überlieferten technischen Unterlagen des Wasserstraßen-Maschinenamtes deutlich. Im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen haben sich zahlreiche Konstruktionszeichnungen und technische Unterlagen erhalten, die unmittelbar dem Wasserstraßen-Maschinenamt Herne zugeordnet sind. Dazu gehören beispielsweise Konstruktionszeichnungen von Holländerschleppern aus den Jahren 1927 bis 1943.[6]

Auch Konstruktionszeichnungen von Laufkränen aus dem Jahr 1929 sind im Zusammenhang mit dem Wasserstraßen-Maschinenamt Herne überliefert.[7]

Die überlieferten Unterlagen zeigen, dass das Herner Maschinenamt nicht lediglich eine Verwaltungsstelle war, sondern über eine erhebliche technische Kompetenz und einen entsprechenden Geräte- und Fahrzeugbestand verfügte.

Fahrzeuge und technische Anlagen

Zum Aufgabenbereich der Maschinenämter gehörte die Unterhaltung des technischen Geräteparks der Wasserstraßenverwaltung. Dazu zählten unter anderem Schlepper, Arbeitsschiffe, Kräne, Pumpen und weitere schwimmende oder landgebundene Maschinen.

Auch im Deutschen Schifffahrtsmuseum befinden sich Unterlagen, die das Wasserstraßen-Maschinenamt Herne als Eigentümer bzw. Nutzer technischer Fahrzeuge dokumentieren. So ist beispielsweise ein 1950 datierter Schiffsplan des Frachtschiffes Hector mit dem geografischen Bezug Herne und dem Wasserstraßen-Maschinenamt Herne als beteiligter Körperschaft überliefert.[8]

Der Hafen bildete somit einen wichtigen Bestandteil der technischen Infrastruktur des Amtes. Hier konnten Wasserfahrzeuge anlegen, ausgerüstet, gewartet und für Einsätze auf dem Kanal bereitgestellt werden.

Zusammenhang mit der Schleuse Herne-Ost

Die Lage unmittelbar bei der Schleuse Herne-Ost war für die Funktion des Hafens von besonderer Bedeutung. Die Schleuse stellte einen zentralen Punkt des östlichen Rhein-Herne-Kanals dar und erforderte eine Vielzahl technischer Einrichtungen.

Der Bereich war deshalb schon in den 1950er Jahren durch mehrere Dienststellen der Wasserstraßenverwaltung geprägt. Neben dem Wasserstraßen-Maschinenamt bestanden dort die Schleppbetriebsstelle Herne-Ost, die Kanalabgabenstelle und die Wasserschutzpolizeistation.[9]

Der Maschinenhafen war damit Teil eines größeren staatlichen Betriebsstandortes. Die Konzentration verschiedener Dienststellen an der Schleuse erleichterte die technische Unterhaltung des Kanals und den Einsatz von Arbeits- und Betriebsfahrzeugen.

Entwicklung nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Wasserstraßenverwaltung des Bundes neu organisiert. In der amtlichen Verwaltungsstruktur der frühen Bundesrepublik gehörte das Wasserstraßen-Maschinenamt Herne zur Wasser- und Schifffahrtsdirektion Münster.[10]

Die Bedeutung des Standortes blieb auch in den folgenden Jahrzehnten erhalten. Die Wasserstraßenverwaltung benötigte am Rhein-Herne-Kanal weiterhin technische Einrichtungen für die Unterhaltung von Schleusen, Pumpwerken und sonstigen Anlagen.

Das alte Hafenbecken wurde nach 1990 aufgeschüttet und nur noch wenige Restflächen sind als Biotop mit Wasser gefüllt. Erhalten sind weiterhin ein jetzt als Wohngebäude genutztes ehem. Verwaltungsgebäude und die Aufleger der Verbindungsbrücke über der Hafenzufahrt.

Im Zuge des Rückbaues der Schleuse West wurde ein neuer Hafenbereich am Hoverskamp 33 für das Amt hergestellt.

Mit der Neuorganisation der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung änderte sich schließlich die institutionelle Stellung des Herner Maschinenamtes. Das Wasserstraßen-Maschinenamt Herne bestand bis 1998. Anschließend wurde die Einrichtung als Fachstelle für Maschinenwesen Herne weitergeführt. Im Jahr 2000 erfolgte die Zusammenlegung mit dem Wasserstraßen-Neubauamt Datteln.[11]

Damit endete die eigenständige Geschichte des Wasserstraßen-Maschinenamtes Herne.

Bedeutung für die Herner Kanalgeschichte

Der Hafen des Wasserstraßen-Maschinenamtes gehört zu den weniger bekannten Hafenanlagen des Herner Stadtgebietes. Anders als die Häfen von Wanne-Eickel, der Hafen Friedrich der Große oder der Hafen König Ludwig war er nicht vom Kohle- und Güterumschlag geprägt.

Seine Bedeutung lag in der technischen Infrastruktur der Wasserstraße. Ohne Betriebs- und Reparatureinrichtungen wie den Werfthafen hätten die zahlreichen Schleusen, Pumpwerke, Brücken und sonstigen Anlagen des Rhein-Herne-Kanals nicht dauerhaft betrieben werden können.

Der Standort dokumentiert damit einen wichtigen, aber häufig wenig beachteten Teil der Geschichte des Rhein-Herne-Kanals: Neben den großen Industrie- und Umschlaghäfen existierte eine eigenständige Infrastruktur der staatlichen Wasserstraßenverwaltung. Sie bestand aus Dienstgebäuden, Werkstätten, Maschinenanlagen, Fahrzeugen, Schleusen und Betriebsbecken.

Heutige Situation

Die frühere Funktion als Hafen des Wasserstraßen-Maschinenamtes ist heute nicht mehr unter dieser Behördenbezeichnung vorhanden. Die technische Zuständigkeit für die Wasserstraßeninfrastruktur im Raum Herne ist inzwischen in die Organisation der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes integriert.

Der Bereich an der Schleuse Herne-Ost besitzt jedoch weiterhin eine wasserwirtschaftliche und technische Funktion. Moderne Anlagen wie das Pumpwerk Herne-Ost stehen in der Tradition der technischen Einrichtungen, die seit dem Bau und Ausbau des Rhein-Herne-Kanals für dessen Betrieb erforderlich sind. Die heutige Fachstelle für Maschinenwesen West beim Wasserstraßen-Neubauamt Datteln ist weiterhin mit technischen Aufgaben an Anlagen des Rhein-Herne-Kanals befasst.[12]

Der ehemalige Werfthafen ist damit als Teil der historischen technischen Infrastruktur des Herner Kanalraumes zu betrachten.

Literatur und Quellen

  • Bundesgesetzblatt, Teil I, 1951, Nr. 45, Bonn 1951.
  • Gemeinsames Ministerialblatt, 1967, Nr. 10.
  • Stadt Herne: Stadtplan Herne 1958.
  • Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, Bestand W 051 Karten A (Allgemein), Unterlagen des Wasserstraßen-Maschinenamtes Herne.
  • Deutsche Digitale Bibliothek: Digitalisierte Karten, Pläne und technische Unterlagen des Wasserstraßen-Maschinenamtes Herne.
  • Deutsches Schifffahrtsmuseum: Digitales Depot, Bestände zum Wasserstraßen-Maschinenamt Herne.
  • Wasserstraßen-Neubauamt Datteln: Geschichte des Wasserstraßen-Neubauamtes und der Fachstelle für Maschinenwesen.
  • Stadt Herne: Bebauungsplan Nr. 251 – Emsring / Lotsenweg, Begründung, 2017.

Verwandte Artikel


Quellen

  1. Stadt Herne: Stadtplan Herne 1958, Rückseite, Abschnitt „Wasserstraßendienststellen“.
  2. Binnenschifferforum: „Alte Schleuse VII / Herne-Ost“, Beitrag vom 18. Februar 2011.
  3. Bundesgesetzblatt, Teil I, 1951, Nr. 45 vom 11. September 1951, S. 827.
  4. Gemeinsames Ministerialblatt, 1967, Nr. 10, S. 137.
  5. Rhein-Herne-Kanal,_Einfahrt_Werfthafen_1950_-_1960_HB00311
  6. Deutsche Digitale Bibliothek: „Holländerschlepper Konstruktionszeichnungen Blatt 1–20, 21 doppelt, 22–23, 26–44, 1927–1943“, Provenienz Wasserstraßen-Maschinenamt Herne, Bestand W 051 Karten A (Allgemein), Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen.
  7. Deutsche Digitale Bibliothek: „Laufkräne (20 t), 3 Blätter, 1929“, Wasserstraßen-Maschinenamt Herne, Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen.
  8. Deutsches Schifffahrtsmuseum: Digitales Depot, „HECTOR: Seitenansicht, Decksriss“, datiert 2. Februar 1950, Personen/Körperschaften: Wasserstraßen-Maschinenamt Herne.
  9. Stadt Herne: Stadtplan Herne 1958, Abschnitt „Wasserstraßendienststellen“.
  10. Bundesgesetzblatt, Teil I, 1951, Nr. 45 vom 11. September 1951, S. 827.
  11. Wasserstraßen-Neubauamt Datteln: Geschichte des Wasserstraßen-Neubauamtes Datteln und der Fachstelle für Maschinenwesen West.
  12. Fachstelle für Maschinenwesen West beim Wasserstraßen-Neubauamt Datteln: Ausschreibung „Pumpenerneuerung Herne-Ost, Gelsenkirchen und Oberhausen“, 2025.
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