Alter Friedhof Eickel

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
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Alter Friedhof Eickel (auch Lohof-Friedhof) ist ein evangelischer Friedhof im Herner Stadtbezirk Eickel. Die rund einen Hektar große Friedhofsanlage liegt an der Lohofstraße und gehört zu den ältesten noch bestehenden öffentlichen Friedhöfen im heutigen Stadtgebiet von Herne. Der Friedhof wurde 1827 angelegt und umfasst heute rund 1.900 Grabstellen.[1]

Alter Eickeler Friedhof
Alter Friedhof Eickel im Januar 2017
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Angelegt1827
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Auch bekannt alsLohof Friedhof
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Die Anlage ist durch alte Grabmale, Pfarrgräber, ein steinernes Hochkreuz, mächtige Kastanien sowie mehrere Gedenkstätten geprägt. Besonders hervorzuheben ist das Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks auf der Zeche Pluto vom 10. Mai 1882, das als Baudenkmal der Stadt Herne unter der Nummer 627 eingetragen ist.[2]

Lage

Der Alte Friedhof Eickel befindet sich an der Lohofstraße 17 im Stadtteil Eickel, unmittelbar westlich des historischen Ortskerns. Die heutige Anschrift lautet 44651 Herne.[1]

Die Lage des Friedhofs steht in engem Zusammenhang mit der historischen Entwicklung Eickels. Die Lohofstraße selbst ist bereits im Gemeinde-Atlas Eickel von 1823 verzeichnet. Ihr Name geht auf die alte Gewannbezeichnung Lo-hofer Feld zurück. Die Bezeichnung „Lohof“ ist damit wesentlich älter als der Friedhof selbst.[3]

Heute liegt der Friedhof inmitten des dicht bebauten Eickeler Siedlungsraumes. Die historische Friedhofsfläche bildet dabei eine wichtige innerstädtische Grünfläche und bewahrt zugleich einen Teil der historischen Struktur des ehemaligen Dorfes Eickel.

Geschichte

Der Kirchhof an der Dorfkirche

Vor der Anlage des heutigen Alten Friedhofs wurden die Verstorbenen der Eickeler Gemeinde auf dem Kirchhof an der damaligen Dorfkirche bestattet. Dieser Begräbnisplatz lag unmittelbar bei der evangelischen Johanneskirche beziehungsweise ihren Vorgängerbauten.

Die Bestattung auf Kirchhöfen war bis in das frühe 19. Jahrhundert üblich. Mit dem Anwachsen der Bevölkerung und den hygienischen Problemen innerörtlicher Begräbnisplätze änderte sich diese Praxis. Die napoleonische Zeit brachte zudem neue Vorschriften für die Anlage von Friedhöfen außerhalb der Siedlungen. Diese Bestimmungen wurden nach dem Ende der französischen Herrschaft durch preußische Regelungen weitergeführt.

Für Eickel führte diese Entwicklung zur Aufgabe beziehungsweise Ablösung des alten Kirchhofs als zentralem Begräbnisplatz und zur Anlage eines neuen Friedhofs außerhalb des damaligen Dorfkerns.

Anlage im Jahr 1827

Im Jahr 1827 wurde auf dem westlich des damaligen Dorfes gelegenen sogenannten „Pastorats-Kamp“ ein neuer Friedhof eingerichtet.[4]

Damit entstand einer der ältesten öffentlichen Friedhöfe im heutigen Herner Stadtgebiet. Neben der privaten Familiengrabstätte der Familie von Forell bei Schloss Strünkede ist der Alte Friedhof Eickel als älteste erhaltene öffentliche Begräbnisstätte im heutigen Stadtgebiet.

Die Verlegung des Friedhofs aus dem unmittelbaren Umfeld der Kirche entsprach dem Wandel der Bestattungskultur im frühen 19. Jahrhundert. Der Friedhof wurde damit zu einem eigenständigen, räumlich von Kirche und Wohnbebauung getrennten Begräbnisplatz.

Erweiterungen im 19. Jahrhundert

Der Friedhof musste bereits wenige Jahrzehnte nach seiner Einrichtung mehrfach vergrößert werden. Als Erweiterungsjahre werden 1851, 1862, 1872 und 1875 genannt.[4]

Die Erweiterungen spiegeln die tiefgreifenden Veränderungen wider, denen Eickel im 19. Jahrhundert unterlag. Aus dem bäuerlich geprägten Dorf entwickelte sich im Zuge der Industrialisierung zunehmend eine Bergarbeiter- und Industriegemeinde. Der Bergbau, insbesondere die Zechen in Eickel und der näheren Umgebung, führte zu einem starken Bevölkerungswachstum.

Damit veränderte sich auch die Zusammensetzung der Bevölkerung. Neben alteingesessenen Familien fanden zunehmend Bergleute, Handwerker, Gewerbetreibende und Angestellte aus anderen Regionen im Ort eine neue Heimat. Der Friedhof wurde zu einem Spiegel dieser gesellschaftlichen Entwicklung.

Wandel im Zeitalter des Bergbaus

Das 19. Jahrhundert war für Eickel durch die zunehmende Industrialisierung und insbesondere den Steinkohlenbergbau geprägt. Die Entwicklung der Zeche Pluto, Zeche Hannibal und anderer Bergwerke in der Umgebung führte zu einer starken Veränderung des Ortes.

Auf dem Alten Friedhof finden sich bis heute Spuren dieser Entwicklung. Neben den Familiengräbern alteingesessener Eickeler finden sich Grabmale von Personen, die mit Kirche, Verwaltung, Wirtschaft und Bergbau verbunden waren.

Anlage und Gestaltung

Der Alte Friedhof Eickel besitzt trotz seiner langen Nutzung eine vergleichsweise überschaubare Fläche von etwa einem Hektar. Nach Angaben der heutigen Friedhofsträgerin befinden sich auf dem Gelände etwa 1.900 Grabstellen.[1]

Das Erscheinungsbild wird wesentlich durch den alten Baumbestand geprägt. Besonders die großen Kastanien gehören zu den charakteristischen Elementen der Anlage. Zusammen mit den historischen Grabsteinen und der Friedhofsmauer vermitteln sie den Eindruck eines über einen langen Zeitraum gewachsenen Begräbnisplatzes.

Im Gegensatz zu jüngeren Friedhofsanlagen steht beim Alten Friedhof Eickel nicht eine einheitliche gärtnerische Gestaltung im Vordergrund. Vielmehr entstand das heutige Erscheinungsbild aus den unterschiedlichen Nutzungsphasen und Erweiterungen seit dem 19. Jahrhundert.

Zu den prägenden Elementen gehören:

  • das steinerne Hochkreuz,
  • historische Grabsteine und Grabmale,
  • die Pfarrgräber,
  • Familiengrabstätten,
  • das Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks auf der Zeche Pluto,
  • Kriegsgräber,
  • der alte Baumbestand, insbesondere die Kastanien.

Historische Grabstätten und Grabmale

Der Alte Friedhof Eickel besitzt eine Reihe historisch und ortsgeschichtlich bedeutender Grabstätten. Die Grabmale dokumentieren dabei nicht nur die Geschichte einzelner Familien, sondern auch die Entwicklung der Eickeler Gesellschaft.

Denkmäler und Grabstätten

Grabstätte Schulte Schüren gen. Ahmann

Zu den hervorgehobenen historischen Grabstätten gehört das Grabdenkmal Schulte Schüren gen. Ahmann.

Die Familie Schulte Ahmann gehört zu den Familien, deren Geschichte mit der älteren bäuerlichen und bürgerlichen Entwicklung Hordels verbunden ist. Das Grabdenkmal ist damit Bestandteil der ortsgeschichtlichen Überlieferung des Friedhofs.

Grabstätte Tiemann

Eine weitere historisch hervorgehobene Grabstätte ist die Grabstätte Tiemann.

Wie bei zahlreichen älteren Familiengräbern des Friedhofs dokumentiert das Grabmal die Bedeutung der Familie für die lokale Geschichte und die Entwicklung Eickels im 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Pfarrergräber

Eine besondere Gruppe bilden die Gräber der evangelischen Geistlichen.

An der nördlichen Seite des Friedhofs, unmittelbar an der Friedhofsmauer, befinden sich unter anderem die Grabstätten der Pfarrer Friedrich Engelin (1848–1909) und Johannes Daniels (1838–1908).

Die Pfarrergräber verweisen auf die enge Verbindung zwischen dem Friedhof und der Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Eickel.

Johannes Daniels war darüber hinaus als Verfasser einer Geschichte der evangelischen Gemeinden von Wanne, Eickel und Crange mit der regionalen kirchengeschichtlichen Überlieferung verbunden.

Gedenkstein für das Grubenunglück auf der Zeche Pluto

Eine der bedeutendsten Gedenkstätten auf dem Friedhof ist das Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks auf der Zeche Pluto vom 10. Mai 1882.

Kriegsgräber

Auf dem Alten Friedhof befinden sich auch Kriegsgräber beziehungsweise Gräber ziviler Opfer des Zweiten Weltkriegs.

Nach der Dokumentation des Historischen Vereins befinden sich auf dem Friedhof:

  • zwei männliche Zivilopfer des Zweiten Weltkriegs,
  • ein weibliches Zivilopfer des Zweiten Weltkriegs.

Die Existenz dieser Gräber verweist auf die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf die Bevölkerung Eickels. Während zahlreiche Friedhöfe des Ruhrgebiets durch Bombenangriffe und die Folgen des Krieges stark beschädigt wurden, dokumentieren die erhaltenen Gräber die lokale Dimension der Kriegsereignisse.

Auch die staatliche Überlieferung bestätigt, dass die evangelischen Friedhöfe an der Lohofstraße zu den Friedhöfen gehörten, die im Zusammenhang mit der Verwaltung von Kriegsgräbern in Wanne-Eickel dokumentiert wurden.[5]

Der Friedhof als Zeugnis der Eickeler Ortsgeschichte

Der Alte Friedhof Eickel besitzt über seine Funktion als Begräbnisplatz hinaus eine besondere Bedeutung für die Ortsgeschichte.

Auf engem Raum lassen sich verschiedene Entwicklungsphasen Eickels ablesen:

  1. die bäuerlich geprägte Gemeinde des frühen 19. Jahrhunderts,
  2. die Entwicklung der evangelischen Kirchengemeinde,
  3. das starke Bevölkerungswachstum im Zuge der Industrialisierung,
  4. die Bedeutung des Bergbaus,
  5. die Entstehung eines örtlichen Bürgertums,
  6. die Folgen der beiden Weltkriege,
  7. die Veränderungen der Bestattungskultur im 20. und 21. Jahrhundert.

Die Grabmale bilden dabei eine Art steinernes Geschichtsbuch. Namen, Lebensdaten, Berufe, Familienzugehörigkeiten und Gestaltung der Grabsteine geben Hinweise auf die soziale Struktur der Gemeinde und ihre Veränderungen.

Besonders wertvoll sind die älteren Grabsteine des 19. Jahrhunderts. Sie unterscheiden sich in Material, Form und Gestaltung deutlich von modernen Grabmalen und geben Einblick in die Entwicklung der bürgerlichen Sepulkralkultur.

Verhältnis zum Neuen Friedhof Eickel

Mit dem Neuen Friedhof Eickel entstand später ein weiterer evangelischer Friedhof im Ortsteil.

Der Neue Friedhof an der Edmund-Weber-Straße wurde bereits 1885 eingeweiht.[1]

Die Einrichtung eines weiteren Friedhofs war Ausdruck des starken Bevölkerungswachstums und des zunehmenden Platzbedarfs. Der Alte Friedhof blieb jedoch als Begräbnisplatz erhalten.

Damit bestehen in Eickel zwei Friedhofsanlagen, deren Entstehungsgeschichte unmittelbar mit der Entwicklung des Ortes im 19. Jahrhundert verbunden ist.

Der Neue Friedhof unterscheidet sich in seiner Gestaltung deutlich vom historischen Alten Friedhof und besitzt heute eher den Charakter eines Ruheparks.[1]

Entwicklung der Bestattungskultur

Die Nutzung des Alten Friedhofs hat sich im Laufe von fast zwei Jahrhunderten verändert.

Während im 19. Jahrhundert überwiegend Erdbestattungen in Familien- und Wahlgräbern üblich waren, kamen im 20. und 21. Jahrhundert zunehmend Urnenbestattungen hinzu.

Heute werden auf dem Friedhof sowohl Sargbestattungen als auch Urnenbeisetzungen angeboten. Zusätzlich besteht die Möglichkeit einer pflegefreien Urnenbeisetzung im Rasen an einem Baum.[1]

Damit verbindet der Friedhof die historische Friedhofsstruktur mit heutigen Formen der Bestattung.

Bedeutung für Denkmalpflege und Erinnerungskultur

Die historische Bedeutung des Alten Friedhofs ergibt sich nicht allein aus einzelnen Grabmalen. Vielmehr bildet die gesamte Anlage ein Ensemble, in dem sich fast 200 Jahre Eickeler Geschichte widerspiegeln.

Besonders bedeutsam sind:

  • die frühe Entstehung im Jahr 1827,
  • die mehrfachen Erweiterungen im 19. Jahrhundert,
  • die historischen Grabmale,
  • die Pfarrgräber,
  • das Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks von 1882,
  • die Kriegsgräber,
  • der historische Baumbestand.

Das unter Denkmalschutz stehende Grubenunglücksdenkmal stellt dabei einen besonders herausgehobenen Einzelbestandteil der Anlage dar.[2]

Die Evangelische Kirchengemeinde Wanne-Eickel beschreibt den Friedhof heute ausdrücklich als einen von alten Grabsteinen, Denkmälern, Pfarrgräbern und großen Kastanien geprägten historischen Ort.[1]

Auch im Rahmen der städtischen Kulturvermittlung wird der Alte Friedhof als historische Sehenswürdigkeit Eickels berücksichtigt. Die städtische Audiotour Von Burgen und vom Brauen führt unter der Station „Alter Friedhof“ die kunstvollen Grabsteine und die Ruhestätten bedeutender Eickeler Bürger als Besonderheiten des Ortes auf.[6]

Heutige Nutzung

Der Alte Friedhof wird weiterhin als Friedhof genutzt und ist damit keine ausschließlich historische Anlage.

Trägerin des Friedhofs ist die Evangelische Kirchengemeinde Wanne-Eickel. Sie ist für Leitung, Verwaltung und Betrieb des Friedhofs zuständig.[7]

Der Friedhof ist täglich von morgens bis zum Sonnenuntergang zugänglich.[1]

Trauerfeiern finden heute nicht in einer eigenen Trauerhalle auf dem Alten Friedhof statt. Für Trauerfeiern wird die Friedhofskapelle auf dem Friedhof Wanne-Süd genutzt; die Bestattungsunterlagen der Kirchengemeinde weisen ausdrücklich auf diese Regelung hin.[1][8]

Literatur

  • Johannes Daniels: Geschichte der evangelischen Gemeinden Wanne, Eickel und Crange. 1927, insbesondere S. 184.
  • Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux, Franz Heiserholt: Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Band 1, Herne 1997.
  • Stadt Herne: Denkmalliste der Stadt Herne, Listenteil A, Denkmal Nr. 627.
  • Stadt Herne: Gedenkstein für das Grubenunglück auf der Zeche Pluto, Denkmalbeschreibung Nr. 627.
  • Evangelische Kirchengemeinde Wanne-Eickel: Friedhöfe der Evangelischen Kirchengemeinde Wanne-Eickel.

Weblinks

Verwandte Artikel

Quellen

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 1,8 Evangelische Kirchengemeinde Wanne-Eickel: Friedhöfe der Evangelischen Kirchengemeinde Wanne-Eickel, abgerufen am 6. September 2026.
  2. 2,0 2,1 Stadt Herne: Denkmal Nr. 627 – Gedenkstein für das Grubenunglück auf der Zeche Pluto, Lohofstraße, evangelischer Friedhof Eickel.
  3. Manfred Hildebrandt u. a.: Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Band 1, Herne 1997, S. 444.
  4. 4,0 4,1 Vgl. Johannes Daniels: Geschichte der evangelischen Gemeinden Wanne, Eickel und Crange, 1927, S. 184.
  5. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen: Quellen zur Zwangsarbeit in Westfalen 1939–1945, Sachinventar, Aktenhinweise zu Kriegsgräbern in der Stadt Wanne-Eickel.
  6. Stadtmarketing Herne: Audiotour Eickel – Von Burgen und vom Brauen, Hörstation 10 „Alter Friedhof“, Lohofstraße 17.
  7. Evangelische Kirchengemeinde Wanne-Eickel: Friedhofssatzung, Stand 17. Februar 2020.
  8. Evangelische Kirchengemeinde Wanne-Eickel: Trauerfall- & Bestattungsmeldung für den Alten Friedhof Eickel (Lohof-Friedhof), Stand 9. März 2026.