Alter Dorfkirchhof Eickel

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
Dorffriedhof Eickel
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Der alte Dorfkirchhof Eickel war der historische Begräbnisplatz der Einwohner des ehemaligen Dorfes Eickel. Er lag unmittelbar bei der alten evangelischen Dorfkirche Eickel im Bereich des heutigen Eickeler Marktes in Herne-Eickel. Über Jahrhunderte wurden hier die Verstorbenen der örtlichen Kirchengemeinde bestattet. Mit der Verlegung des Begräbnisplatzes auf den 1827 eingerichteten Friedhof auf dem sogenannten Pastorats-Kamp endete die Nutzung des alten Kirchhofs als reguläre Begräbnisstätte.[1]

Im Oktober 2026 wurden bei Tiefbauarbeiten am Eickeler Markt menschliche Knochenreste entdeckt. Die Funde rückten den historischen Begräbnisplatz erneut in den Blick der Öffentlichkeit und verdeutlichen, dass unter dem heutigen Ortszentrum noch Zeugnisse der älteren Dorfgeschichte erhalten sein können.[2]

Geschichte

Der Kirchhof als Begräbnisplatz des Dorfes

Bis in das frühe 19. Jahrhundert war es im ländlichen Westfalen üblich, die Verstorbenen auf dem Kirchhof unmittelbar bei der Pfarrkirche zu bestatten. Auch in Eickel befand sich der Begräbnisplatz im Umfeld der alten Johanneskirche.

Die Kirche bildete zusammen mit dem Kirchhof und dem benachbarten Markt einen Mittelpunkt des dörflichen Lebens. Hier versammelte sich die Gemeinde zum Gottesdienst; zugleich war der Kirchhof der Ort, an dem die Verstorbenen ihre letzte Ruhestätte fanden.

Die Geschichte dieses Bereichs reicht weiter zurück als die heute sichtbare Bebauung. Vgl.: Das Dorf Eickel (1860) Häuserliste Eickel gehörte zu den historisch gewachsenen Siedlungen des westlichen Ruhrgebiets. Die kirchliche und dörfliche Entwicklung des Ortes war eng mit dem Bereich um die Johanneskirche und den später als Eickeler Markt bezeichneten Platz verbunden.[3]

Über die genaue Ausdehnung des ursprünglichen Kirchhofs, die Zahl der dort vorgenommenen Bestattungen und die Lage einzelner Gräber liegen bislang keine abschließend ausgewerteten archäologischen Angaben vor. Die 2026 aufgefundenen Knochenreste vor dem Haus Königstraße 5 zeugen aber von einer weitaus größeren Ausdehnung des Bestattungsplatzes als bisher vermutet.

Bestattet wurden hier die Bewohner des Dorfes und der zum Kirchspiel Eickel gehörigen Gläubigen. Dazu gesellten sich die adeligen der Umgebung, die eigene Grabkapellen mit Gruftanlagen in und an der Kirche hatten. Die Herren von Düngelen auf Haus Dahlhausen, die Herren von Loe bzw. von Strünkede auf Haus Dorneburg und die von Hugenpoth auf Gosewinkel. Ihre Grabdenkmäler und Memoriensteintafeln[4] befinden sich seit dem Ankauf 1893 im Märkischen Museum Witten. Die katholischen Gemeindemitglieder unterhielten nach der Reformation einen eigenen Gottesacker an der Herzogstraße.

Die alte Johanneskirche

Die alte Johanneskirche stand am historischen Dorfmittelpunkt von Eickel. Sie war der zentrale Sakralbau der örtlichen Kirchengemeinde und prägte gemeinsam mit dem Kirchhof das Erscheinungsbild des Dorfes.

Das ältere Gotteshaus wurde im späten 19. Jahrhundert abgebrochen. Als Gründe werden der schlechte bauliche Zustand und der für die gewachsene Gemeinde nicht mehr ausreichende Kirchenraum genannt. Die neue Johanneskirche entstand an anderer Stelle im Bereich der heutigen Richard-Wagner-Straße und wurde am 10. Dezember 1896 eingeweiht.[5]

Mit dem Abbruch der alten Kirche verschwand ein wesentlicher Teil des historischen Ortsbildes. Der ehemalige Kirchhof blieb als archäologisch bedeutsamer Bereich jedoch weiterhin von Interesse, da unterirdisch erhaltene Bestattungen und weitere Relikte der früheren Nutzung nicht zwangsläufig mit dem oberirdischen Abbruch beseitigt wurden.

Die Verlegung des Begräbnisplatzes im 19. Jahrhundert

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts veränderten sich die Anforderungen an die Bestattungskultur. Hygienische Überlegungen, das Bevölkerungswachstum und staatliche Vorschriften führten dazu, dass Begräbnisplätze zunehmend außerhalb der dicht bebauten Ortskerne angelegt wurden.

In Eickel entstand 1827 auf dem westlich des Dorfes gelegenen sogenannten Pastorats-Kamp ein neuer Friedhof. Dieser ist der heutige Friedhof Eickel (Alt) an der Lohofstraße. Er gehört zu den ältesten öffentlichen Friedhöfen im heutigen Stadtgebiet von Herne.[6]

Die Verlegung bedeutete einen tiefgreifenden Wandel: Während zuvor die Kirche und ihr Kirchhof den Mittelpunkt des religiösen und funerären Lebens bildeten, entstand mit dem neuen Friedhof ein räumlich vom Dorfzentrum getrennter Begräbnisplatz.

Der alte Kirchhof verlor damit seine Funktion als reguläre Bestattungsstätte. Daraus folgt allerdings nicht, dass sämtliche Gräber entfernt oder der gesamte Bereich vollständig geräumt worden wäre. Ob und in welchem Umfang ältere Bestattungen umgelagert wurden, lässt sich ohne entsprechende historische oder archäologische Nachweise nicht abschließend bestimmen.

Archäologische Funde im Oktober 2026

Entdeckung menschlicher Überreste

Im Oktober 2026 wurden bei Tiefbauarbeiten im Bereich des Eickeler Marktes menschliche Knochen entdeckt. Die WAZ berichtete am 21. Oktober 2026 über Funde, die Überreste mehrerer Personen betrafen. Nach dem veröffentlichten Bericht ermittelte die Kriminalpolizei zum Zeitpunkt der Meldung.[7]

Der Fundort liegt im historischen Ortskern von Eickel, in dessen Umfeld sich die alte Johanneskirche und ihr ehemaliger Kirchhof befanden. Damit besteht ein nachvollziehbarer historischer Zusammenhang zwischen den Funden und der früheren Nutzung des Areals als Begräbnisplatz.

Eine abschließende archäologische Einordnung der Knochenfunde ist damit jedoch nicht verbunden. Insbesondere ist anhand der bislang veröffentlichten Angaben nicht gesichert, aus welcher Zeit die einzelnen Überreste stammen, wie viele Bestattungen betroffen sind oder ob die Knochen unmittelbar einem bestimmten Abschnitt des ehemaligen Kirchhofs zugeordnet werden können.

Historische Einordnung der Funde

Die Entdeckung menschlicher Überreste an einem früheren Kirchhof ist grundsätzlich mit der historischen Nutzung solcher Flächen vereinbar. Kirchhöfe wurden über lange Zeiträume belegt. Bei späteren Baumaßnahmen können deshalb auch Jahrhunderte nach der Aufgabe eines Begräbnisplatzes noch Knochen oder Reste älterer Grabanlagen zutage treten.

Für Eickel ist dabei die zeitliche Abfolge zu berücksichtigen: Der Kirchhof bei der alten Johanneskirche wurde bereits vor der Einrichtung des neuen Friedhofs im Jahr 1827 als Begräbnisplatz genutzt. Der Abbruch der alten Kirche am Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte erst Jahrzehnte nach dieser Verlegung.

Aus den Funden allein lässt sich deshalb weder eine mittelalterliche Datierung noch eine Zuordnung zu einer bestimmten historischen Persönlichkeit ableiten. Hierfür wären unter anderem die genaue Fundlage, die stratigrafischen Verhältnisse, mögliche Grabstrukturen und gegebenenfalls naturwissenschaftliche Untersuchungen maßgeblich.

Auch die Frage, ob die Knochen in ursprünglicher Lage gefunden wurden oder durch spätere Bodeneingriffe verlagert worden sind, kann nur anhand der archäologischen Dokumentation beantwortet werden.

Bedeutung für die Ortsgeschichte

Die Funde verdeutlichen die Bedeutung des Eickeler Marktes als historischen Siedlungskern. Der heutige Platz ist nicht nur ein Ort der Markt- und Wirtschaftsgeschichte, sondern auch ein Bereich, in dem sich die religiöse und soziale Entwicklung des früheren Dorfes nachvollziehen lässt.

Sollten weitere Untersuchungen den Zusammenhang mit dem alten Kirchhof bestätigen, könnten die Funde zusätzliche Erkenntnisse über die Ausdehnung des Begräbnisplatzes und die historische Nutzung des Geländes liefern. Weitergehende Aussagen über Bestattungsrituale, Lebensbedingungen oder die Herkunft der hier beigesetzten Menschen wären erst nach entsprechender wissenschaftlicher Auswertung möglich.

Der Kirchhof und der Eickeler Markt

Der alte Dorfkirchhof ist eng mit der Geschichte des Eickeler Marktes verbunden. Der Platz erinnert an den ehemaligen Dorfmittelpunkt, dessen Bedeutung sich aus der Nähe von Kirche, Begräbnisplatz und Markt ergab.

Für das Jahr 1750 sind im Kirchspiel Eickel drei Jahrmärkte zu den Festen Mariä Verkündigung, Mariä Geburt und zum Michaelistag überliefert. Daneben fanden Kram- und Viehmärkte statt. Der Markt war damit ein wichtiger wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Treffpunkt für die Bevölkerung des Kirchspiels.[8]

Die räumliche Nähe von Kirche, Kirchhof und Markt veranschaulicht die traditionelle Struktur eines westfälischen Dorfmittelpunktes. Religiöses Leben, Bestattung, Handel und soziale Begegnung waren hier räumlich eng miteinander verbunden.

Im Zuge des 19. Jahrhunderts veränderte sich diese Struktur. Die Bestattungen wurden auf den neuen Friedhof an der Lohofstraße verlagert, die alte Johanneskirche wurde abgebrochen und die wirtschaftlichen sowie baulichen Funktionen des Ortskerns entwickelten sich weiter.

Auch die Geschichte der Denkmäler auf dem Eickeler Markt gehört zu diesem Wandel. Die 1875 errichtete Siegessäule wurde Anfang des 20. Jahrhunderts versetzt. An ihre Stelle trat 1909 der sogenannte Hohenzollernbrunnen, dessen Figur später im Zuge der Metallspende des Zweiten Weltkriegs entfernt wurde. Das weitere Schicksal des Brunnensockels ist ungeklärt.[9]

Die aktuellen Knochenfunde ergänzen diese Ortsgeschichte um eine weitere Dimension. Sie lenken den Blick auf eine Nutzung des Platzes, die im heutigen Erscheinungsbild nicht mehr unmittelbar erkennbar ist: den ehemaligen Begräbnisplatz der Dorfgemeinde.

Denkmalpflegerische und historische Bedeutung

Der Bereich um die alte Johanneskirche und den ehemaligen Dorfkirchhof ist als Teil des historischen Ortskerns von Eickel von besonderem lokalgeschichtlichem Interesse.

Die aktuellen Funde zeigen, dass bei Eingriffen in den Boden auch innerhalb eines lange überformten Stadtzentrums mit historischen Überresten gerechnet werden muss. Für die wissenschaftliche Bewertung sind eine genaue Dokumentation des Fundortes und die fachgerechte Einordnung der Funde entscheidend.

Ob der ehemalige Kirchhof in seiner Gesamtheit oder in Teilen noch archäologisch erhalten ist, muss anhand der historischen Karten, der Baugeschichte und gegebenenfalls weiterer Untersuchungen geprüft werden. Eine konkrete Abgrenzung des früheren Begräbnisareals ist mit den bislang vorliegenden Angaben nicht möglich.

Literatur und Quellen

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Quelle

  1. ↑ Vgl. Daniels 1927, S. 184; Historischer Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.: Friedhof Eickel (Alt).
  2. ↑ WAZ, Sarah Schlüter: „Skelettfunde bei Bauarbeiten in Herne: Arbeiter finden menschliche Überreste“, 21. Oktober 2026.
  3. ↑ Stadt Herne: „Eickeler Markt“, Straßenverzeichnis; Stadt Herne: „Stadtbezirk Eickel“.
  4. ↑ Beispiel: Elisabeth Clara von Loe (1651-1684)
  5. ↑ Vgl. Daniels 1927; Stadt Herne: „Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen“, Eintrag „Eickeler Markt“.
  6. ↑ Vgl. Daniels 1927, S. 184; Historischer Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.: „Friedhof Eickel (Alt)“.
  7. ↑ WAZ, Sarah Schlüter: „Skelettfunde bei Bauarbeiten in Herne: Arbeiter finden menschliche Überreste“, 21. Oktober 2026.
  8. ↑ Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux und Franz Heiserholt (Bearb.): „Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen“, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Band 1, Herne 1997, S. 192–193.
  9. ↑ Stadt Herne: „Eickeler Markt“, Straßenverzeichnis; Stadtarchiv Herne, Dokumentationsbibliothek, Bestand „Denkmale“.