Strukturwandel in Herne und Wanne-Eickel

Der Strukturwandel bezeichnet die tiefgreifende Veränderung der wirtschaftlichen, sozialen, städtebaulichen und ökologischen Verhältnisse, die Herne und Wanne-Eickel seit dem Niedergang der Montanindustrie durchlaufen. Er ist vor dem Hintergrund der Industrialisierung im 19. Jahrhundert zu verstehen, durch die aus ursprünglich landwirtschaftlich geprägten Dörfern dicht besiedelte Bergbau- und Industriestädte entstanden. Steinkohlenbergbau, Eisenbahn, Maschinenbau und die mit ihnen verbundenen Unternehmen bestimmten über ein Jahrhundert lang Arbeitswelt, Bevölkerungsentwicklung, Siedlungsstruktur und Stadtbild.[1]
Der eigentliche Strukturwandel setzte nicht erst mit den letzten Zechenschließungen ein. Bereits seit dem Ende der 1950er Jahre geriet der deutsche Steinkohlenbergbau zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Rationalisierung, Förderkonzentration und Zechenstilllegungen führten in Herne und Wanne-Eickel zu einem langfristigen Verlust von Arbeitsplätzen. Mit der Schließung der letzten fördernden Zechen endete eine Epoche, in der der Bergbau die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Städte maßgeblich bestimmt hatte.[2]
Der Zusammenschluss der Städte Herne und Wanne-Eickel zum 1. Januar 1975 fiel in diese Umbruchphase. Die neue Stadt musste nicht nur die Folgen des wirtschaftlichen Niedergangs bewältigen, sondern zugleich mit großflächigen Industrie- und Zechenbrachen, Bergsenkungen, Umweltbelastungen und veränderten Bevölkerungsstrukturen umgehen.[3]
Seit den 1980er Jahren wandelte sich der Umgang mit den industriellen Hinterlassenschaften. Ehemalige Zechenflächen wurden saniert und einer neuen Nutzung zugeführt. Gewerbegebiete, Wohnquartiere, Kulturstandorte und öffentliche Einrichtungen entstanden. Gleichzeitig wurde das industrielle Erbe zunehmend als Bestandteil der Stadtgeschichte und der regionalen Industriekultur erkannt. Die Internationale Bauausstellung Emscher Park gab dieser Entwicklung in den 1990er Jahren wichtige Impulse.[4]
Parallel dazu veränderte sich die Landschaft. Die ökologische Erneuerung der Emscher, die Umgestaltung ehemaliger Industrieflächen zu Grün- und Freiräumen und der Ausbau neuer Rad- und Fußwege gehören zu den sichtbaren Ergebnissen dieses Prozesses. Der Emscher-Umbau stellt dabei eines der größten Infrastruktur- und Umweltprojekte der Region dar.[5]
Im 21. Jahrhundert hat sich der Charakter des Strukturwandels erneut verändert. Neben der Bewältigung der Folgen des Bergbauzeitalters stehen heute die Entwicklung neuer Gewerbe- und Technologieflächen, die Stärkung von Wissenschaft und Bildung, die Gesundheitswirtschaft, Logistik, Digitalisierung, Klimaanpassung und die Entwicklung neuer innerstädtischer Quartiere im Mittelpunkt. Projekte wie das FunkenbergQuartier, der Shamrock Park und insbesondere Blumenthal hoch3 auf dem Gelände der ehemaligen Zeche General Blumenthal stehen für diese jüngere Phase der Stadtentwicklung.[6]
Der Strukturwandel ist damit kein abgeschlossener Vorgang. Bis 2026 hat sich die wirtschaftliche Grundlage der Stadt erheblich verändert, ohne dass die industrielle Vergangenheit verschwunden wäre. Sie prägt weiterhin das Stadtbild, die Siedlungsstruktur, die Erinnerungskultur und zahlreiche Flächenentwicklungen. Zugleich entstehen neue Wirtschafts- und Wissensstandorte, die Herne langfristig stärker in eine wissens-, technologie- und dienstleistungsorientierte Wirtschaftsstruktur führen sollen.
Die nachfolgenden vier Teile behandeln diese Entwicklung chronologisch und thematisch.
- Teil I beschreibt die Entstehung der industriellen Stadt,
- Teil II den Niedergang der Montanindustrie und die unmittelbaren Folgen,
- Teil III die Konversion der ehemaligen Industrieflächen und die Bedeutung der Industriekultur und
- Teil IV die Entwicklung des Strukturwandels im 21. Jahrhundert bis zum Jahr 2026.
Lesen Sie auch
Quellen
- ↑ Stadt Herne: Stadtgeschichte. Stadt Herne, https://www.herne.de/Stadt-und-Leben/Stadtgeschichte/ (Abruf: 24. September 2026).
- ↑ Stadt Herne: Stadtgeschichte, Chronik des Bergbaus und der Zechenstilllegungen. Stadt Herne, https://www.herne.de/Stadt-und-Leben/Stadtgeschichte/ (Abruf: 24. September 2026).
- ↑ Stadt Herne: Stadtgeschichte, Eintrag 1975. Stadt Herne, https://www.herne.de/Stadt-und-Leben/Stadtgeschichte/ (Abruf: 24. September 2026).
- ↑ Karl Lauschke: Die Internationale Bauausstellung Emscher Park. In: Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Westfälische Geschichte. Online unter: https://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/ (Abruf: 24. September 2026).
- ↑ Emschergenossenschaft: Bilanz: Emscher-Umbau in Herne, 6. Januar 2022. Online unter: https://www.eglv.de/medien/bilanz-emscher-umbau-in-herne/ (Abruf: 24. September 2026).
- ↑ Stadt Herne: Aktive Gestaltung des Strukturwandels. Stadt Herne, https://www.herne.de/Stadt-und-Leben/Zukunftsimpuls-Herne-2025/Arbeit-und-Wirtschaft/Aktive-Gestaltung-des-Strukturwandels/ (Abruf: 24. September 2026).



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