Hafen Friedrich der Große 1/2
Der Hafen Friedrich der Große 1/2 war eine historische Hafenanlage der Zeche Friedrich der Große in Herne-Horsthausen. Er entstand in Verbindung mit dem zwischen 1893 und 1896 angelegten Stichkanal, einem rund sieben Kilometer langen Seitenkanal des Dortmund-Ems-Kanals, und diente insbesondere dem Umschlag der auf der Schachtanlage 1/2 geförderten Steinkohle. Der Hafen ist von dem später entstandenen Hafen der Schachtanlage Friedrich der Große 3/4 am Rhein-Herne-Kanal deutlich zu unterscheiden. Die beiden Anlagen lagen räumlich voneinander getrennt. [1]
Entstehung und verkehrsgeschichtlicher Zusammenhang

Die Schachtanlage Friedrich der Große 1/2 gehörte zu den ältesten großen Bergwerksanlagen im heutigen Herner Stadtgebiet. Nachdem 1870 die Steinkohlenfelder Gutes Recht I bis IV zur Friedrich der Große konsolidiert worden waren, wurde der erste Schacht abgeteuft. Bereits 1874 nahm die Zeche die Förderung auf. Die zunehmende Förderleistung machte neben dem Eisenbahnanschluss eine leistungsfähige Wasserstraße für den Abtransport der Massengüter erforderlich. [2]
Mit dem Bau des Stichkanals zwischen 1893 und 1896 erhielt die Zeche einen unmittelbaren Anschluss an das westfälische Kanalnetz. Der Kanal führte vom Bereich der späteren Schachtanlage 3/4 über Horsthausen bis zu seinem nördlichen beziehungsweise westlichen Endpunkt an der heutigen Bahnhofstraße. Der Endabschnitt lag unmittelbar bei der Schachtanlage 1/2. Dort befand sich der Hafen der Zeche. Die Stadt Herne bezeichnet diesen Hafen ausdrücklich als Hafen der Zeche Friedrich der Große 1/2. [3]
Die Einweihung des eigenen Hafens wird von der Stadt Herne für das Jahr 1895 angegeben. Damit entstand die Anlage nur wenige Jahre nach dem Ausbau des Stichkanals und wurde zu einem wichtigen Bestandteil der Transportinfrastruktur der Zeche. [4]
Lage und baulicher Zusammenhang
Der Hafen lag im Bereich der Schachtanlage 1/2 in Horsthausen und damit östlich des späteren Hafens der Schachtanlage 3/4. Der Stichkanal bildete hier die Wasseranbindung des Bergwerks. Die Betriebsfläche der Schachtanlage wurde durch den Kanal räumlich gegliedert beziehungsweise geteilt. Nördlich des Kanals befanden sich unter anderem die Kokerei und Anlagen der Teerverwertung. [5]
Der Hafen war somit kein allgemeiner Stadthafen, sondern eine unmittelbar auf die Bedürfnisse des Bergwerks ausgerichtete Werkshafenanlage. Seine wichtigste Funktion bestand im Umschlag der Massengüter des Bergwerks. Die Möglichkeit, Kohle auf dem Wasserweg abzutransportieren, ergänzte den bereits bestehenden Eisenbahnanschluss der Zeche und verbesserte die Absatzmöglichkeiten erheblich.
Der Stichkanal war dabei Teil einer größeren verkehrstechnischen Entwicklung. Der zunächst als Zweigkanal des Dortmund-Ems-Kanals angelegte Wasserweg wurde nach dem Bau des Rhein-Herne-Kanals Bestandteil des neuen west-östlichen Wasserstraßensystems des Ruhrgebiets. Der historische Abschnitt zwischen dem späteren Rhein-Herne-Kanal und dem Hafen der Schachtanlage 1/2 blieb jedoch als Stichkanal bestehen.
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Herne, Zeche Friedrich der Große [6]
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Rhein-Herne-Kanal mit Ausflugsboot und Zeche FdG [6]
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Herne i. W., Hafen und Zeche FdG [6]
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Herne, Hafenpartie mit Zeche FdG [6]
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Herne, Hafen und Zeche FdG [6]
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Herne, Hafen und Zeche FdG in SW [6]
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Herne, Hafen und Zeche FdG [6]
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Gruß aus Herne, Hafen und Zeche FdG [6]
Bedeutung für die Zeche Friedrich der Große
Für die Zeche bedeutete der Hafen eine erhebliche Erweiterung ihrer Transportmöglichkeiten. Kohle und Koks konnten neben der Eisenbahn auch auf dem Wasserweg befördert werden. Gerade für Massengüter bot der Schiffstransport gegenüber dem Landtransport erhebliche Vorteile.
Die Entwicklung des Hafens steht deshalb im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Ausbau der Zeche zu einem leistungsfähigen Verbundbetrieb aus Schachtanlagen, Kokereien, Eisenbahn- und Wasserverkehr. Die Hafenanlage war kein isoliertes Bauwerk, sondern Bestandteil eines komplexen industriellen Verkehrssystems.
Die Bedeutung des Wasserweges nahm allerdings mit der Entwicklung des Rhein-Herne-Kanals und der Konzentration des Zechenbetriebes auf andere Anlagen allmählich ab. Der ältere Stichkanal erwies sich zudem als zunehmend problematisch, da er durch die bergbaubedingten Bodensenkungen erheblich beeinträchtigt wurde.
Stilllegung des Hafens
Die zunehmenden Bergschäden am Stichkanal waren ein wesentlicher Grund für dessen spätere Aufgabe. Bereits in den 1930er Jahren wurde über eine Stilllegung des Kanals verhandelt. Nach Angaben des Stadtarchivs begannen entsprechende Verhandlungen im Juli 1933. Die Stadt Herne setzte sich zunächst gegen die Aufgabe ein, da der Stichkanal eine traditionelle Verbindung zum Dortmund-Ems-Kanal und zum Rhein-Herne-Kanal darstellte und außerdem für die Personenschifffahrt und Ausflugsfahrten Bedeutung besaß. [7]
Letztlich überwogen jedoch die wirtschaftlichen und technischen Gründe für die Aufgabe. Der Stichkanal wurde am 15. Oktober 1937 stillgelegt. Am 12. Januar 1938 wurde das Wasser aus dem Kanal abgelassen. Damit endete gleichzeitig die Funktion des Hafens Friedrich der Große 1/2. [8]
Die Stilllegung bedeutete das Ende des älteren Hafenstandortes. Der Hafen der Schachtanlage 1/2 darf deshalb nicht mit dem späteren Hafen Friedrich der Große 3/4 gleichgesetzt werden, der an der anderen Seite des ehemaligen Stichkanals beziehungsweise am späteren Rhein-Herne-Kanal lag und eine eigenständige Entwicklung nahm.
Aufhebung des Hafenstandortes
Nach der Trockenlegung wurde der alte Stichkanal abschnittsweise verfüllt. Auch die ehemaligen Betriebsflächen der Schachtanlage 1/2 erfuhren im Laufe der folgenden Jahrzehnte tiefgreifende Veränderungen.
Die ehemalige Kanaltrasse verschwand schließlich vollständig aus dem Stadtbild. Beim Bau der Bundesautobahn 42 wurde der Verlauf des ehemaligen Stichkanals in die neue Verkehrsinfrastruktur einbezogen. Auf dem Gelände des einstigen Wasserweges befindet sich heute die Trasse der A 42. [9]
Damit ist vom Hafen selbst heute keine erhaltene Hafenanlage mehr vorhanden. Seine historische Lage lässt sich jedoch anhand der überlieferten Karten, der Beschreibung der Schachtanlage und des früheren Kanalverlaufs rekonstruieren.
Abgrenzung zum Hafen Friedrich der Große 3/4
Für die historische Betrachtung der Herner Hafenanlagen ist eine klare Unterscheidung der beiden Hafenstandorte erforderlich.
Der Hafen Friedrich der Große 1/2 gehörte zur älteren Schachtanlage 1/2 in Horsthausen und wurde 1895 am Stichkanal eingerichtet. Er wurde mit der Stilllegung des Stichkanals 1937/38 aufgegeben.
Der spätere Hafen Friedrich der Große 3/4 entstand dagegen im Bereich der Schachtanlage 3/4. Für diese Anlage wird die Errichtung eines Hafens am Zweigkanal für 1915 angegeben. Dieser Hafen lag weiter östlich und entwickelte sich im Zusammenhang mit dem Rhein-Herne-Kanal zu einem eigenständigen Umschlagplatz. [10]
Die beiden Hafenanlagen sind deshalb weder zeitlich noch räumlich identisch. Die Bezeichnung Hafen Friedrich der Große kann ohne den Zusatz der Schachtanlage zu historischen Missverständnissen führen.
Erinnerung und heutiger Zustand
Heute erinnert vor allem der Verlauf des ehemaligen Stichkanals an die frühere Wasserverkehrsanbindung der Zeche. Die ehemalige Kanaltrasse ist durch die A 42 überformt worden. Die ursprüngliche Verbindung zwischen der Schachtanlage 1/2 und dem Kanalnetz ist dadurch im Gelände kaum noch erkennbar. Der fast Dreieckige Grünbereich zwischen Leibnizstraße und der A42 ist als Wendebecken zu sehen.
Die Geschichte des Hafens ist dennoch ein wichtiger Bestandteil der Herner Industrie- und Verkehrsgeschichte. Sie zeigt die Bedeutung der Wasserstraßen für die Entwicklung des Ruhrbergbaus im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert und verdeutlicht zugleich die Folgen des Bergbaus für die Infrastruktur. Die durch Bergsenkungen verursachten Schäden am Stichkanal trugen letztlich dazu bei, dass eine für den Kohletransport wichtige Wasserstraße aufgegeben werden musste.
Literatur und Quellen
- Stadt Herne: Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Bearbeitet von Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux und Franz Heiserholt. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Band 1, Herne 1997, S. 394–395.
- Zeche Friedrich der Große. Stadtgeschichte/Bergbau.
- Kanalstraße. Informationen zur Geschichte des ehemaligen Stichkanals und des Hafens der Zeche Friedrich der Große 1/2.
Lesen Sie auch
Quellen
- ↑ Stadt Herne: Zeche Friedrich der Große, Stadtgeschichte/Bergbau. Die Stadt Herne nennt 1895 als Jahr der Einweihung des eigenen Hafens der Zeche am Stichkanal.
- ↑ Stadt Herne: Zeche Friedrich der Große, Stadtgeschichte/Bergbau.
- ↑ Stadt Herne: Kanalstraße, in: Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Herne 1997, S. 394–395.
- ↑ Stadt Herne: Zeche Friedrich der Große, Stadtgeschichte/Bergbau.
- ↑ Vgl. Stadt Herne: Kanalstraße, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Herne 1997, S. 394–395.
- ↑ 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 6,5 6,6 6,7 Sammlung Bernd Ellerbrock, Seelze
- ↑ Stadt Herne: Kanalstraße, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Herne 1997, S. 394–395.
- ↑ Stadt Herne: Kanalstraße, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Herne 1997, S. 394–395.
- ↑ Stadt Herne: Kanalstraße, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Herne 1997, S. 394–395.
- ↑ Vgl. die Darstellung zur Zeche Friedrich der Große und zur Entwicklung des Zweigkanals.
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