Friedrich von Forell (1811-1872) Amtmann und Rittergutbesitzer
Friedrich Adolf August Wilhelm Gottfried von Forell (* 21. Juli 1811 in Düsseldorf; † 6. März 1872 auf Haus Strünkede, Herne) war ein preußischer Offizier und Verwaltungsbeamter. Er war zuletzt Landrat des Kreises Bochum und gehörte zu den regional bedeutenden Amtsträgern der Frühindustrialisierung im westfälischen Ruhrgebiet.
Herkunft und Familie
Friedrich von Forell entstammte dem westfälischen Adelsgeschlecht von Forell, das seit dem 18. Jahrhundert im Raum zwischen Niederrhein und Westfalen nachweisbar ist und durch Heiratsverbindungen mit dem Haus Strünkede verbunden war.
Seine Eltern waren:
Johann Christian August Friedrich von Forell (1777–1846), preußischer Offizier und Verwaltungsbeamter Adolfine Caroline Bernhardine Friederike Freiin von Paland-Strünkede (1780–1853), aus dem Besitzergeschlecht des Hauses Strünkede
Damit verband sich früh der familiäre Besitz- und Herrschaftsschwerpunkt im Raum Herne.
Ausbildung
Von Forell besuchte bis 1829 die Rektoratschule in Bochum, eine für den westfälischen Landadel typische Vorbildungseinrichtung für militärische und administrative Karrieren.
Seine schulische Ausbildung stand im Kontext der preußischen Bildungsreformen der frühen Restaurationszeit, die eine Verbindung von klassischer Bildung und Staatsdienst anstrebten.
Militärische Laufbahn (1829–1848)
Am 3. April 1829 trat von Forell in das 3. Westfälische Infanterie-Regiment Nr. 16 ein.
Beförderungen und Dienststationen
- 1829: Eintritt als Unteroffiziersanwärter im 3. Westfälischen Infanterie-Regiment Nr. 16
- 1830: Portepee-Fähnrich
- 1832: Sekondeleutnant
- 1833: endgültige Einrangierung in den Truppenetat
- 1838: zeitweise Abkommandierung zur 8. Artillerie-Brigade
- 1848: Premierleutnant
Die Militärkarriere verlief typisch für den westfälischen Landadel: langfristige Regimentsbindung, administrative Aufgaben und begrenzte aktive Kriegsteilnahme.
Einsatz 1848
Während der Revolution von 1848/49 wurde von Forell im Inneren eingesetzt. Ein dokumentiertes Kommando führte ihn im April 1848 mit 50 Mann nach Neuss zur Sicherung eines bedrohten Landwehrdepots.
Die Mission blieb ohne Gefecht, zeigt jedoch die Rolle des Militärs in der inneren Stabilisierung der Rheinprovinz und Westfalens während der Revolution.
Übergang in den Staatsdienst (ab 1849)
Nach seinem Abschied aus dem Militär am 9. November 1848 wurde von Forell in die zivile Verwaltung übernommen.
Frühere Verwaltungsfunktionen
- März 1849: Ehrenamtmann des Amtes Herne
- 1854: Wahl zum Kreisdeputierten des Kreises Bochum
- 1853: Beteiligung an der „Bergbau-Gesellschaft Vereinigte Westphalia“ (Dortmund)
Diese Kombination aus Verwaltung und Bergbauengagement ist typisch für die entstehende Verflechtung von Adel, Staat und Industrie im Ruhrgebiet.
Amtmann und Landrat
Ernennung und Amtsentwicklung
- Januar 1857: Ernennung zum Amtmann im Ehrenamt
- Januar 1868: vorläufige Amtsführung im Kreis Bochum
- Februar 1868: kommissarischer Landrat
- Februar 1869: endgültige Ernennung zum Landrat des Kreises Bochum
Die Ernennung erfolgte im Rahmen der preußischen Verwaltungsreformen nach 1845, die eine stärkere staatliche Durchdringung der Kreise vorsahen.
Verwaltungstätigkeit
Als Landrat war von Forell zuständig für:
- Kreisverwaltung und Polizeiaufsicht
- Infrastruktur- und Wegepolitik
- Militärersatzwesen (Kreis-Ersatzkommission)
- Aufsicht über Kommunalfinanzen
- Koordination zwischen Industrie und Verwaltung
Besondere Bedeutung hatte seine Rolle im Kontext der frühen Industrialisierung des Ruhrgebiets, insbesondere im Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft, Bergbau und wachsender Urbanisierung.
Haus Strünkede und regionale Bedeutung
Sein Wohnsitz war das historische Haus Strünkede in Herne, ein zentraler Adelssitz der Region. Dort verband sich landesherrliche Tradition mit moderner Verwaltungstätigkeit.
Haus Strünkede fungierte im 19. Jahrhundert zunehmend als:
- Verwaltungs- und Repräsentationssitz
- wirtschaftlicher Mittelpunkt (Gutsbetrieb)
- sozialer Knotenpunkt regionaler Eliten
Tod

Am 6. März 1872 erlitt von Forell während des Kreis-Ersatzgeschäfts in Bochum einen plötzlichen Schlaganfall. Er verstarb noch in der Nacht auf Haus Strünkede.
Zeitgenössische Berichte heben hervor, dass er „noch im rüstigen Mannesalter“ starb und während einer dienstlichen Tätigkeit zusammenbrach.
"Bochum, 7. März. [1872] Die Ess. Ztg. schreibt: "Der Landrath v. Forell erkrankte gestern Morgen plötzlich, während er dem Kreis-Ersatzgeschäft des hieseigen Kreises als Civil=Vorsitzender beiwohnte. Er kehrte nach seinem Gute, Haus Strünkede bei Herne, zurück, woselbst er heute Morgen um 3 Uhr, noch im rüstigen Mannesalter stehend, in Folge eines Gehirnschlages starb."[1]
Die Beisetzung erfolgte am 10. März 1872 auf der Familiengrabstelle im Strünckedesche Schlosspark. [2]
Ehe und Nachkommen
Friedrich Adolf August Wilhelm Gottfried von Forell * 21.07.1811, Düsseldorf, + 06.03.1872, Strünkede, Haus,
oo 2. Juli 1844 - Düsseldorf
Bertha Johanna Friederike Batz * 05.01.1826, Düsseldorf, + 14.01.1899, Baukau Villa Forell)
- Major Friedrich (Fritz) Karl August Julius von Forell * 11.05.1845, Düsseldorf, + 18.08.1892, Düsseldorf
- Karl August Konstantin von Forell * 28.05.1847, Düsseldorf, + 19.07.1883, Strünkede; oo Elise Kaiser * 17.05.1854, Baukau, + 01.09.1936, Herne
- Friedrich Wilhelm August Otto von Forell - Strünkede * 19.06.1880, Baukau, + 19.08.1885, Strünkede
- Bertha von Forell * 17.01.1883, Strünkede, Haus, + 05.02.1884, Baukau
- August Karl Johann Friedrich von Forell * 11.06.1848, Düsseldorf, + 04.01.1866, Strünkede, Haus,
Die Familie blieb bis in das späte 19. Jahrhundert eng mit dem Besitz Strünkede verbunden.
Wirtschaftliche Tätigkeit
Neben seiner Verwaltungstätigkeit war von Forell Anteilseigner der „Vereinigten Westphalia“, einer frühen bergbaulichen Gesellschaft im Raum Dortmund.
Dies zeigt die typische Verflechtung:
- Adelige Investoren
- frühe Industriekapitalbildung
- staatliche Verwaltungsinteressen
- Bewertung und historische Einordnung
Friedrich von Forell gehört zur Übergangsgeneration des westfälischen Landadels im 19. Jahrhundert:
Charakteristika seiner Laufbahn waren:
- klassische preußische Offizierskarriere
- Übergang in den Verwaltungsdienst nach 1848
- Beteiligung an industriellen Frühstrukturen
- regionale Machtstellung über Kreisverwaltung
- Bedeutung für Herne und das Ruhrgebiet
Seine Tätigkeit als Amtmann und Landrat fiel in eine Phase:
- rascher Bevölkerungszunahme
- beginnender Montanindustrie
- Transformation agrarischer Strukturen
Damit repräsentiert er eine administrative Schlüsselfigur der frühen Ruhrgebietsmodernisierung.
Detailierte Ereignisse
- Er besuchte bis 1829 in Bochum die Rektoratschule Schule. [3]
- Er diente seit dem 03. April 1829 im 3. Westfälischen Infanterie-Regiment Nr. 16. [4]
- Er diente seit dem 20. April 1830 als Portepee-Fähnrich. [5]
- Er erhielt seine Beförderung zum Second Leutnant am 22. Dezember 1832.
- Er wurde am 10. Juli 1833 als in den Etat der Truppe (sec.L.) einrangiert . [6][7]
- Es wurde im am 12. Oktober 1838 gestattet auf 1 Jahr bei der 8. Art Brig. Dienst zu leisten . [8]
- Er erhielt seine Premier-Leutnant Patent am 11. Januar 1848 . [9]
- "Von Seiten des 1. Bataillion gingen im Laufe des Monats April wiederholt kleiner Kommandos nach bedrohten Punkten ab, so am 12. April ein solches von 50 Mann unter Lieutenant v. Forrell nach Neuß, wo das Landwehrzeughaus gefährdet erschien. Aber die Aufständischen wagten hier keinen Angriff, so daß das erwähnte Kommando am 12. Mai nach Goch abrücken konnte".[10]
- Er verließ zum 09. November 1848 das Militär mit Pension u. Ausf. Auf Anstellung im Civildienst den Abscheid bewilligt. Entlassen. [11]
- Ehrenamtmann des Amtes Herne, März 1849, Herne.
- Anteilseigner der Bergbau=Gesellschaft Vereinigte Westphalia, 31.08.1853, Dortmund. [12]
- 1854 Wahl zum Kreisdeputierten des Landkreis Bochum
- 10. Januar 1857. Auf allerhöchsten Erlass wird er zum Amtmann im Ehrenamt offiziell ernannt.
- Seit dem 05. Januar 1868 in Bochum vorläufig in Amt und Würde. [13]
- Seit dem 25. Februar 1868 komm. Landrat.
- Und seit dem 27. Februar 1869 als Landrat tätig. [14]
Archivalien
- Landesarchiv Nordrhein-Westfalen
- Kreisakten Bochum
- Regierungsbezirk Arnsberg
- Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz
- Offizierspersonalakten
- Ernennungsurkunden
- Zeitgenössische Presse
- Kölnische Zeitung (1872, Nachruf und Todesmeldung)
- Essener Zeitung (Bericht über plötzlichen Tod im Dienst)
- Digitalisierte Bestände über Zeitpunkt.NRW
Literatur
- Dietrich Wegmann: Die leitenden staatlichen Verwaltungsbeamten der Provinz Westfalen 1815–1918
- Albert Ludorff: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen
- Regionale Studien zur Geschichte von Haus Strünkede
Verwandte Artikel
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- Meine Jugend auf Schloss Strünkede (HA 1934) (← Links)
- Landkreis Bochum (← Links)
- Karlsplatz (← Links)
- Grabdenkmal der Familie von Forell (← Links)
- Amt Baukau (← Links)
- Katholische Hausväter Herne (1871) (← Links)
- 1852 (← Links)
- Empfang des Prinzen und der Prinzessin von Preußen in Herne, 5. Februar 1858. (← Links)
- Hof Sengenhoff (← Links)
- 1879 (← Links)
- Friedhof Strünkede (← Links)
- Die Oelmühle Funkenberg II (← Links)
- Ein Nachtrag zur Herner Postgeschichte (← Links)
- 27. Februar (← Links)
- 10. März (← Links)
- Aus der Geschichte der Bahnhofstraße XI (← Links)
- Kronprinz Friedrich am Herner Bahnhof 5. Februar 1858 (← Links)
- Verpachtung Papiermühle Strünkede 1821 (← Links)
- Bitte um Unterstützung zum Bau einer katholischen Schule - Artikel 8. Februar 1863 (← Links)
- Der Hilligenwall (← Links)
- Katholische Schulgeschichte (← Links)
- Bevölkerung 1859 im Amt Herne (← Links)
- Reiners: Der ursprüngliche Strünkeder Portalbau (← Links)
- Aus der Geschichte des Strünkeder Archivs (Reiners 1937) (← Links)
- Maire, Bürgermeister und Amtmänner bis 1897 (← Links)
- Der Bau der Köln-Mindener Eisenbahn (Artikel von 1925) (← Links)
- Das alte Dorf Herne (Herner Anzeiger 1934) IV (← Links)
- Fritz von Forell (← Links)
Quellen
- ↑ Vgl.: Kölnische Zeitung mit Wirtschafts- und Handelsblatt (10. März 1872), H 70 Köln. Online auf Zeitpunkt.nrw
- ↑ Kirchenbuch der evangelischen Gemeinde Herne, Sterberegister 1872 S. 5 Nr. 41.
- ↑ Dietrich Wegmann, Die leitenden staatl. Verwaltungsbeamten der Provinz Westfalen 1815-1918,(Aschendorff, 1969) Nr. 070, S. 269.
- ↑ Geschichte des 3. Westfälischen Infanterie-Regiment, Ausgabe 16,(Mittler, 1880) S. 402.
- ↑ Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin, IV. HA, Rep. 1, Nr. 75: Offiziernomenklatur Buchstabe: Fab - Fyw S. 191. Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%A4hnrich
- ↑ Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin, IV. HA, Rep. 1, Nr. 75: Offiziernomenklatur Buchstabe: Fab - Fyw S. 191.
- ↑ http://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/hd/content/pageview/3948868 Geschichte des Infanterieregiments Nr. 16 Digitalisat
- ↑ Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin, IV. HA, Rep. 1, Nr. 75: Offiziernomenklatur Buchstabe: Fab - Fyw S. 191.
- ↑ Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin, IV. HA, Rep. 1, Nr. 75: Offiziernomenklatur Buchstabe: Fab - Fyw S. 191.
- ↑ http://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/hd/content/pageview/3948635
- ↑ Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin, IV. HA, Rep. 1, Nr. 75: Offiziernomenklatur Buchstabe: Fab - Fyw S. 191.
- ↑ Bezirksregierung Arnsberg, Amtsblatt für den Regierungsbezirk Arnsberg: Mit öffentlichem Anzeiger, Nr. 37 (1853) S. 323ff.
- ↑ Dietrich Wegmann, Die leitenden staatl. Verwaltungsbeamten der Provinz Westfalen 1815-1918,(Aschendorff, 1969) Nr. 070, S. 269.
- ↑ Dietrich Wegmann, Die leitenden staatl. Verwaltungsbeamten der Provinz Westfalen 1815-1918,(Aschendorff, 1969) Nr. 070, S. 269.

