Eickel-Center
Eickel-Center ist ein Wohn-, Geschäfts- und Dienstleistungszentrum im historischen Ortskern des Herner Stadtteils Eickel. Das 1973 fertiggestellte Gebäudeensemble entstand auf dem Grundstück des ehemaligen Eickeler Amtshauses und prägt seitdem das Ortsbild rund um die Kreuzung von Rainerstraße und Auf der Wenge gegenüber dem St.-Jörgen-Platz.
Das Eickel-Center entstand Anfang der 1970er Jahre als modernes Nahversorgungszentrum mit Einzelhandels- und Dienstleistungsflächen, Wohnungen, Büroflächen und einer Tiefgarage. Das Gebäude wurde nach Plänen der Architekten Berthold Müller und Rudolf Möller errichtet. Das etwa 6.000 m² große Grundstück war 1971 von einer Investorengemeinschaft der Familien Schettler und Pfingstmann erworben worden.[1]
Heute bildet das Eickel-Center gemeinsam mit dem Eickeler Markt, der Johanneskirche, dem Sankt-Jörgen-Platz und den angrenzenden Geschäftsstraßen einen wichtigen Bestandteil des Eickeler Ortszentrums. Die Stadt Herne zählt das vier- bis sechsgeschossige Gebäude zu den prägenden Großimmobilien des historischen Ortskerns.[2]
Lage und städtebauliche Bedeutung
Das Eickel-Center liegt im Zentrum des Stadtteils Eickel an der Kreuzung von Rainerstraße und Auf der Wenge. Südöstlich schließt sich der durch die Rainerstraße getrennte Sankt-Jörgen-Platz an. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich die Johanneskirche und der historische Eickeler Markt.
Das Gebäude nimmt innerhalb des historischen Ortskerns eine besondere städtebauliche Stellung ein. Während der Eickeler Markt und die angrenzenden Straßen durch ältere Bebauung geprägt sind, entstand mit dem Eickel-Center in den 1970er Jahren eine großmaßstäbliche, moderne Bebauung.
Die Stadt Herne beschreibt den historischen Ortskern als Gefüge mehrerer Plätze und öffentlicher Räume. Das Eickel-Center hebt sich dabei durch seine Größe deutlich von der kleinteiligeren historischen Bebauung ab. Es steht auf einem rund 6.000 m² großen Grundstück und umfasst in den Obergeschossen Wohnungen, Praxen und Büros sowie im Erdgeschoss Einzelhandels- und Dienstleistungsflächen.[2]
Besondere Bedeutung besitzt der rückwärtige Innenhof. Dieser bildet einen halböffentlichen Platz zwischen dem Eickel-Center und der Johanneskirche und wird insbesondere durch gastronomische Nutzungen geprägt. Die Stadt Herne sieht darin einen wichtigen Aufenthaltsbereich innerhalb des Ortsteilzentrums.[2]
Vorgeschichte: Das Eickeler Amtshaus
Das Grundstück des heutigen Eickel-Centers war zuvor Standort des Eickeler Amtshauses.
Die Amtsverwaltung hatte ihre Diensträume zunächst im Haus des Kaufmanns Otto Hahn an der damaligen Kaiserstraße, der heutigen Hauptstraße, an der Ecke Burgstraße eingerichtet. Mit dem wirtschaftlichen und bevölkerungsmäßigen Wachstum Eickels entstand der Bedarf nach einem eigenen Verwaltungsgebäude.
1892 erwarb die Amtsverwaltung an der heutigen Richard-Wagner-Straße ein rund 1.762 m² großes Grundstück. Der Bau des Amtshauses begann im März 1893. Bereits am 1. November 1893 konnte das Gebäude bezogen werden; die feierliche Einweihung folgte am 2. November. Erster Amtmann war Karl Berkermann.[3]
Im Amtshaus waren unter anderem Standes- und Meldeamt, Steuerbüro, Kommunalkasse und Sparkasse untergebracht. Nachdem das Gebäude bald zu klein geworden war, kaufte die Amtsverwaltung 1899 das benachbarte Haus Richard-Wagner-Straße 7 hinzu. Dort wurden unter anderem das Büro für Armen- und Invaliditätssachen, das Baubüro, das Polizeibüro und das Büro für Militärangelegenheiten eingerichtet.[3]
Damit war das Grundstück über Jahrzehnte ein Mittelpunkt der kommunalen Verwaltung Eickels.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und den kommunalen Veränderungen verlor das historische Amtshaus seine ursprüngliche Funktion. Schließlich wurde die inzwischen leerstehende beziehungsweise nur noch teilweise genutzte Bausubstanz abgebrochen, um Platz für eine zeitgemäße Neubebauung zu schaffen.
Planung und Bau
Anfang der 1970er Jahre wurde das Grundstück grundlegend neu entwickelt. Die Investorengemeinschaft Schettler und Pfingstmann erwarb 1971 das damals im Eigentum der Stadt Wanne-Eickel befindliche, rund 6.000 m² große Grundstück.[1]
Mit dem Entwurf wurde das Hertener Architekturbüro von Berthold Müller und Rudolf Möller beauftragt. Ziel war die Errichtung eines modernen Nahversorgungszentrums, das verschiedene Funktionen miteinander verbinden sollte.
Neben Einzelhandel und Dienstleistungen waren Wohnungen und Büroflächen vorgesehen. Auch städtische Dienststellen sollten in dem Neubau untergebracht werden. Die Planung entsprach damit dem Leitbild der Zeit, innerhalb eines zentralen Gebäudekomplexes unterschiedliche Nutzungen miteinander zu verbinden.
Für die unterirdische Tiefgarage wurden nach Angaben der Eigentümer rund 20.000 Kubikmeter Erde bewegt. Die Garage verfügte ursprünglich über etwa 100 Stellplätze.[1]
Architektur
Das Eickel-Center wurde als großmaßstäbliches, terrassenförmig angelegtes Gebäudeensemble konzipiert. Die Bebauung steigt in Richtung Johanneskirche von vier auf sechs Geschosse an.[1]
Charakteristisch war insbesondere die Fassadengestaltung mit rund 1.500 m² schwarzem Naturschiefer. Damit entsprach das Gebäude dem architektonischen und gestalterischen Zeitgeschmack der frühen 1970er Jahre.
Die Architektur unterscheidet sich deutlich von der kleinteiligen Bebauung des historischen Eickeler Ortskerns. Das Center stellt damit einen sichtbaren baulichen Ausdruck des Übergangs von der traditionellen Ortsstruktur zum modernen Stadtteilzentrum dar.
Die terrassenartige Staffelung der Baukörper sollte dabei eine stärkere Anpassung an die Umgebung ermöglichen und zugleich unterschiedliche Nutzungen innerhalb des Gebäudes aufnehmen.
Nutzung bei der Eröffnung
Das Eickel-Center wurde am 29. März 1973 eröffnet.[3]
Von Beginn an war das Gebäude auf eine Mischung verschiedener Nutzungen ausgerichtet. Zu den ersten gewerblichen Mietern gehörten unter anderem ein Supermarkt, eine Drogerie, ein Juwelier, ein Spielwarengeschäft, ein Modegeschäft, eine chemische Reinigung sowie ein Radio- und Fernsehfachgeschäft. Nach Angaben der Eigentümer waren die Mietverträge für die Gewerbeflächen bereits deutlich vor der Fertigstellung abgeschlossen.[1]
Insgesamt standen etwa 2.500 m² barrierefrei erreichbare Gewerbeflächen zur Verfügung. Hinzu kamen knapp 60 Wohnungen.[1]
Damit entstand ein für die damalige Zeit modernes Stadtteilzentrum, das die Versorgung der Bevölkerung mit Wohnen, Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistungen unmittelbar miteinander verband.
Städtische Verwaltung
Ein Teil des Gebäudes wurde zunächst von der Stadt Wanne-Eickel genutzt. Drei Etagen wurden von der Stadtverwaltung angemietet und unter anderem für das Gartenbauamt, Hochbauamt, die Bauaufsicht und das Bauförderungsamt vorgesehen.[1]
Mit der kommunalen Gebietsreform von 1975 ging die Stadt Wanne-Eickel in der neuen Stadt Herne auf. Die städtischen Nutzungen im Eickel-Center wurden entsprechend von der Stadt Herne übernommen.
Die kommunale Nutzung bestand jedoch nicht dauerhaft. Die früher von der Stadtverwaltung genutzten Räume wurden später zu Wohnraum umgebaut.[1]
Gastronomie und Innenhof
Von Anfang an spielte die Gastronomie eine wichtige Rolle für das Eickel-Center. Im Untergeschoss befand sich Eickels erste Pizzeria. Daneben wurde der Burghof Eickel mit jugoslawischer Küche zu einem bekannten gastronomischen Treffpunkt. Auch das Eiscafé Gianni entwickelte sich zu einem dauerhaften Bestandteil des Centers.[1]
Der rückwärtige Innenhof entwickelte sich dadurch zu einem wichtigen Aufenthaltsbereich. Im Laufe der Zeit wurde er zunehmend als öffentlich zugänglicher Begegnungs- und Gastronomiebereich genutzt.
Bei der Modernisierung wurde diese Funktion weiter ausgebaut. Neben dem Eiscafé Gianni traten zeitweise unter anderem eine Cocktailbar sowie verschiedene Restaurants hinzu. Der Innenhof zwischen Eickel-Center und Johanneskirche entwickelte sich dadurch zu einem eigenständigen Aufenthaltsraum innerhalb des Stadtteils.[1]
Wandel und Modernisierung
Nach rund vier Jahrzehnten entsprach das Gebäude in Teilen nicht mehr den gestalterischen und energetischen Anforderungen der Gegenwart. Gleichzeitig sollte die städtebaulich exponierte Lage des Centers stärker berücksichtigt werden.
2012 begann eine umfangreiche Modernisierung. Neben den gestalterischen Veränderungen spielten dabei insbesondere Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz und die energetische Verbesserung des Gebäudes eine Rolle.[1]
Die modernisierte Anlage wurde 2013 öffentlich präsentiert. Im Juli 2013 fand dazu das Bürgerfest Eickel trifft sich statt, das in den folgenden Jahren wiederholt wurde.[1]
Durch die Modernisierung veränderte sich auch das Erscheinungsbild des Centers. Das ursprüngliche Gebäude der 1970er Jahre wurde baulich und gestalterisch weiterentwickelt, ohne seine grundlegende Funktion als Wohn- und Geschäftszentrum aufzugeben.
Ökologie
Im Zuge der Weiterentwicklung des Centers wurden auch ökologische Aspekte berücksichtigt.
Auf dem Dach des Gebäudes wurden Bienenstöcke eingerichtet. Nach Angaben der Eigentümer werden diese seit mehr als zehn Jahren von der Marler Imkerei Sehnbruch betreut. Die Bienenhaltung wird als Beitrag zur Biodiversität im innerstädtischen Bereich verstanden.[1]
Eigentümer
Das Eickel-Center befindet sich seit seiner Entstehung im Besitz der Familienunternehmen Schettler und Pfingstmann. Die Investorengemeinschaft hatte das Grundstück 1971 von der damaligen Stadt Wanne-Eickel erworben.
Auch zum 50-jährigen Bestehen im Jahr 2023 befand sich das Center weiterhin im Eigentum der beiden Familien.[1]
Die langfristige Eigentümerstruktur gilt als Besonderheit der Immobilie. Während zahlreiche innerstädtische Einkaufs- und Geschäftszentren im Laufe ihrer Geschichte mehrfach den Eigentümer wechselten, blieb das Eickel-Center über Jahrzehnte mit den Familien Schettler und Pfingstmann verbunden.
50-jähriges Bestehen
Im Jahr 2023 beging das Eickel-Center sein 50-jähriges Bestehen.
Die Jubiläumsfeier fand am 15. Juli 2023 im Innenhof des Centers statt. Vorausgegangen war ein Gottesdienst in der benachbarten Johanneskirche. Die Eröffnung der Jubiläumsveranstaltung übernahm Oberbürgermeister Frank Dudda.[4]
Das Programm umfasste Musik, Unterhaltung, gastronomische Angebote und eine Modenschau. Neben professionellen Künstlern traten unter anderem die Band Never Too Old, Chris Alexandros, Harry L. sowie eine Dixie-Band auf. Für Kinder gab es ein Programm mit den Clowns Brothers.[4]
Die Jubiläumsveranstaltung machte zugleich deutlich, dass das Center nicht ausschließlich als Einkaufsstandort verstanden wird. Die Eigentümer, Geschäftsleute und Anwohner stellten insbesondere die Bedeutung des Gebäudes als sozialer Treffpunkt und Bestandteil des Eickeler Stadtteillebens heraus.[4]
Bedeutung für den Stadtteil
Das Eickel-Center ist Bestandteil des zentralen Versorgungsbereichs von Eickel. Zusammen mit dem Eickeler Markt, der Johanneskirche, dem Sankt-Jörgen-Platz und den Geschäftsbereichen entlang der Hauptstraße bildet es das Zentrum des Stadtteils.
Die städtische Quartiersanalyse Eickel-Kern bezeichnet das Center als vier- bis sechsgeschossige Großimmobilie und hebt seine gemischte Nutzung aus Wohnen, Praxen, Büros, Einzelhandel und Dienstleistungen hervor.[2]
Eine besondere Funktion übernimmt der Innenhof. Aufgrund der dort angesiedelten Gastronomie besitzt er einen halböffentlichen Platzcharakter und eine hohe Bedeutung für die Aufenthaltsqualität im Quartier.[2]
Damit unterscheidet sich das Eickel-Center von einem klassischen Einkaufszentrum. Es ist vielmehr Bestandteil einer gewachsenen Stadtteilstruktur und verbindet Wohnen, Arbeiten, Versorgung, Gastronomie und Aufenthalt.
Eickel-Center als Beispiel des Strukturwandels
Die Geschichte des Eickel-Centers steht exemplarisch für die städtebauliche Entwicklung vieler Stadtteilzentren im Ruhrgebiet.
An die Stelle eines historischen Verwaltungsgebäudes aus dem 19. Jahrhundert trat Anfang der 1970er Jahre ein modernes, multifunktionales Zentrum. Während das ehemalige Amtshaus Ausdruck der kommunalen Selbstverwaltung des damaligen Amtes Eickel war, repräsentiert das Eickel-Center die veränderten Anforderungen an Wohnen, Versorgung und Dienstleistungen in der Nachkriegszeit.
Gleichzeitig blieb der Standort ein zentraler Bestandteil des historischen Ortskerns. Die unmittelbare Nachbarschaft zu Johanneskirche und Eickeler Markt macht den Gegensatz zwischen historischer Bebauung und moderner Architektur besonders deutlich.
Die spätere Modernisierung zeigt wiederum den Wandel der Anforderungen an Gebäude dieser Generation. Energieeffizienz, Aufenthaltsqualität, Gastronomie und eine stärkere Öffnung zum öffentlichen Raum gewannen gegenüber der ursprünglichen Konzeption an Bedeutung.
Stadt- und Wirtschaftschronik
2026 wurde im Innenhof des Eickel-Centers eine Stadt- und Wirtschaftschronik Eickel eingerichtet. Das Projekt entstand unter Beteiligung von Stadtbezirk Eickel, Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e.V., Trend Media City Line sowie rund 35 Unternehmen aus Eickel und der Region.
Die Chronik präsentiert historische Informationen über den Stadtteil und verbindet diese mit Darstellungen der heutigen örtlichen Wirtschaft. Das Eickel-Center dient damit erneut als Ort der öffentlichen Geschichts- und Informationsvermittlung.
Literatur und Quellen
- Stadt Herne, Fachbereich Umwelt und Stadtplanung: Quartiersanalyse / -konzeption Eickel-Kern, Herne 2023/24.
- Schettler Holding: EickelCenter feiert 50jähriges Bestehen, 4. Juli 2023.
- Julia Blesgen: Eickel Center feiert Jubiläum – Große Feier zum 50.Geburtstag, halloherne.de, 16. Juli 2023.
Weblinks
- EickelCenter feiert 50jähriges Bestehen – Schettler Holding
- Quartiersanalyse / -konzeption Eickel-Kern – Stadt Herne
Einzelnachweise
- ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 Schettler Holding: EickelCenter feiert 50jähriges Bestehen, 4. Juli 2023.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Stadt Herne, Fachbereich Umwelt und Stadtplanung: Quartiersanalyse / -konzeption Eickel-Kern, 2023/24.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 Vgl. Amtshaus Eickel
- ↑ 4,0 4,1 4,2 Julia Blesgen: Eickel Center feiert Jubiläum, halloherne.de, 16. Juli 2023.
