Hof Middeldorf (Eickel): Unterschied zwischen den Versionen

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<big>Der Hof Middeldorf war einer der bedeutenden landwirtschaftlichen Höfe in der ehemaligen Bauerschaft Eickel. Er lag in der Gemarkung Eickel, Flur I („Eickel“) in der Gewannbezeichnung Lohof auf dem Gebiet des heutigen Volksgartens Eickel. Der Hof gehörte über mehrere Jahrhunderte zu den größeren und einflussreicheren Höfen der Umgebung und ist seit dem späten Mittelalter urkundlich nachweisbar.</big>
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Der Hof befand sich ursprünglich im Bereich des Lohofs, einer alten Flurbezeichnung der Gemarkung Eickel. Dieses Gelände entspricht heute weitgehend dem Gebiet des Volksgartens Eickel.


Der Name Lohof setzt sich aus zwei mittelhochdeutschen Begriffen zusammen:
Der ehemalige Bauernhof Middeldorf lag am südlichen Rand des [[Lohofstraße|Lohof]], an der jetzigen Kreuzung [[Hordeler Straße]] / [[Sassenburg]].
*„Loh“ bezeichnet Gehölz, lichten Wald oder Hain.
*„Hof“ steht für einen landwirtschaftlichen Hof.


Bereits 1590 wird ein Grundstücksverkauf im [[Lohof (Eickel)|Lohof]] urkundlich erwähnt. Eine andere Deutung des Namens geht auf den Eickeler Pfarrer Johannes Daniels zurück, der den Lohof als Ort einer heidnischen Opferstätte deutete, auf der eine „heilige Lohe“ (Opferfeuer) unterhalten worden sei.
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== Geschichte des Hofes ==
1662 war Henrich Middeldorf Markgenosse des [[Eickeler Bruch]]. [[Urkunde 1677 November 18|1677]] wurde Johann Middeldorf erwähnt. Am [[Urkunde 1716 März 11|11. März 1716]] wird erwähnt, das der Hof dem Sattelhof Abdinghof bei Waltrop dingpflichtig war.
Der Hof Middeldorf gehörte zu den größten Höfen in der Bauerschaft Eickel und besaß den Status eines Freihofs. Damit war er von Hand- und Spanndiensten sowie bestimmten Abgaben befreit. Am [[Urkunde 1716 März 11|11. März 1716]] wird allerdings erwähnt, das der Hof dem Sattelhof Abdinghof bei Waltrop dingpflichtig war.


Eine der frühesten Erwähnungen findet sich im [[Schatzbuch der Grafschaft Mark 1486|Schatzbuch der Grafschaft Mark]] von 1486, in dem unter der „Eickelburschop“ 24 Bauern namentlich aufgeführt sind, darunter Herman Middeldorp.
Im [[Hypothekenbücher|Hypothekenbuch]] des Gerichts Eickel steht unter der [https://www.landesarchiv-nrw.de/data01/Abt%20Westfalen/Grafschaft%20Mark%20Gerichte%20III/00027%2001/5P3%2000027%2001%20018.jpg Nr. 10]:

Weitere Nennungen finden sich in späteren Verzeichnissen:
*1540: Im Pfarrarchiv Eickel wird ein Hofbesitzer namens Middeldorf aufgeführt.
*1684: Ein Grundbesitzer Middeldorf erscheint in einem Besitzverzeichnis.
*1770: Ein Mitglied der Familie macht Eigentumsrechte an einem trocken liegenden Lohdeich geltend.

Auch in der Landwirtschaftsorganisation der Gemeinde spielte der Hof eine Rolle. In einem Verzeichnis von 1773 werden 31 Bauern genannt, die als Markgenossen im „Eickeler Bruch“ Vieh zur Weide treiben durften. Der sogenannte Auftrieb umfasste 35 Kühe und 22 Rinder. Seit 1743 musste dafür eine jährliche Abgabe an den „Aufheber“ entrichtet werden:
*1 Reichstaler für ein Pferd
*30 Stüber für eine Kuh
*15 Stüber für ein Rind

Auch der Hof Middeldorf nahm an dieser Nutzung der gemeinschaftlichen Weideflächen teil.

== Die Familie Middeldorf ==
Mitglieder der Familie Middeldorf übernahmen über lange Zeit hinweg wichtige Funktionen in der evangelischen Kirchengemeinde Eickel. Zu den bekannten Amtsträgern zählen:
*1620: Jost Middeldorf
*1635: Wilhelm Middeldorf, Provisor
*1638: Johann Middeldorf, Provisor
*1662: Henrich Middeldorf Markgenosse des [[Eickeler Bruch]].
*1677: Heinrich Middeldorf, Organist
*[[Urkunde 1677 November 18|1677]] wurde Johann Middeldorf erwähnt.
*1725: Johann Middeldorf, Kirchmeister
*Im [[Hypothekenbücher|Hypothekenbuch]] des Gerichts Eickel steht unter der [https://www.landesarchiv-nrw.de/data01/Abt%20Westfalen/Grafschaft%20Mark%20Gerichte%20III/00027%2001/5P3%2000027%2001%20018.jpg Nr. 10]:
;Middeldorff im [[Lohofstraße|Lohoff]] | gibt an das an Wiesen und sädigem Landes dazu gehörig 20 Malter 2 Scheffelse 85 Ruthen 6 Fuß. es hatte aber Dr. Kumpshoff über 5 malter ... |
;Middeldorff im [[Lohofstraße|Lohoff]] | gibt an das an Wiesen und sädigem Landes dazu gehörig 20 Malter 2 Scheffelse 85 Ruthen 6 Fuß. es hatte aber Dr. Kumpshoff über 5 malter ... |
;Besitzer: Johann Heinrich Middeldorf | von seinen Eltern ererbt |
;Besitzer: Johann Heinrich Middeldorf | von seinen Eltern ererbt |
*1820: Friedrich Middeldorf, Kirchmeister
*Landwirt Friedrich Middeldorf (1829-1898) war vom 28. November 1881 bis zum 31. Oktober 1891 Mitglied der [[Amtsversammlung Bickern/Wanne|Amtsversammlung Eickel]].
*.Am 19. März 1858 wurde Wilhelm Middeldorf geboren, der später im Zusammenhang mit der Emscherregulierung erwähnt wird.

1899 erwarb das Amt Eickel einen großen Teil (rd. 4 Hektor) der Besitzungen des Hofes im Lohof für die Anlage des [[Volksgarten Eickel]]. Noch im selben Jahr begannen die Erdarbeiten für den Volksgarten Eickel, und die verbliebenen Gebäude des alten Hofes wurden bald darauf abgebrochen.

1904 verkaufte Landwirt Middeldorf nach jahrelangem Rechtsstreit seine über 60 Morgen große Besitzung an die [[Zeche Königsgrube|Zeche "Königsgrube]]"; der Kaufpreis betrug pro Morgen 6300 Mk (199850 Mk). Es wurde berichtet, das Bergschäden das Haus unbewohnbar machten. Etwa 18 Morgen erwarb die Gemeinde zur Vergrößerung des Volksgartens bzw. zu Bauplätzen, den Morgen zu 5400 Mk. (100000 Mk)"<ref>https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/23590879</ref><ref>https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17218782</ref>

== Neubau im Eickeler Feld ==
Nach 1904 errichtete die Familie einen neuen, massiven Hof im Eickeler Feld an der Kreuzung [[Hordeler Straße]] / Blücherstraße (seit 1974 [[Edmund-Weber-Straße]]).


Dieser Hof, im Volksmund „Bergmannshof“ genannt, war von einer starken Mauer umgeben. Das Wohnhaus ähnelte einer Villa, während im Stall 27 Kühe gehalten wurden.
Landwirt Friedrich Middeldorf (1829-1898) war vom 28. November 1881 bis zum 31. Oktober 1891 Mitglied der [[Amtsversammlung Bickern/Wanne|Amtsversammlung Eickel]].


Der Erste Weltkrieg brachte jedoch einen Einschnitt: Der Sohn Fritz Middeldorf fiel im Krieg. Daraufhin verkaufte Friedrich Middeldorf den Besitz an die Zeche Hannover und zog nach Hessen. Die ehemaligen Stallgebäude wurden anschließend zu Wohnraum umgebaut; laut zeitgenössischen Berichten fanden dort 18 Familien Unterkunft.
1899 erwarb das Amt Eickel einen großen Teil (rd. 4 Hektor) der Besitzungen des Hofes im Lohof für die Anlage des [[Volksgarten Eickel]]. 1904 verkaufte Landwirt Middeldorf nach jahrelangem Rechtsstreit seine über 60 Morgen große Besitzung an die [[Zeche Königsgrube|Zeche "Königsgrube]]"; der Kaufpreis betrug pro Morgen 6300 Mk (199850 Mk). Es wurde berichtet, das Bergschäden das Haus unbewohnbar machten. Etwa 18 Morgen erwarb die Gemeinde zur Vergrößerung des Volksgartens bzw. zu Bauplätzen, den Morgen zu 5400 Mk. (100000 Mk)"<ref>[https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/23590879]</ref><ref>[https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17218782]</ref> 1905 verzog er aus Eickel fort.
Die Gebäude bestanden bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts und wurden 1983 abgebrochen. Das Grundstück wurde anschließend als Bauland genutzt.


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Aktuelle Version vom 6. März 2026, 14:51 Uhr

Der Hof Middeldorf war einer der bedeutenden landwirtschaftlichen Höfe in der ehemaligen Bauerschaft Eickel. Er lag in der Gemarkung Eickel, Flur I („Eickel“) in der Gewannbezeichnung Lohof auf dem Gebiet des heutigen Volksgartens Eickel. Der Hof gehörte über mehrere Jahrhunderte zu den größeren und einflussreicheren Höfen der Umgebung und ist seit dem späten Mittelalter urkundlich nachweisbar.

Hof Middeldorf (1904) †
Stadtbezirk: Sodingen
Ortsteil: Börnig
Kartengitter: K3
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Letzte Änderung: 06.03.2026
Geändert von: Andreas Janik

Der Hof befand sich ursprünglich im Bereich des Lohofs, einer alten Flurbezeichnung der Gemarkung Eickel. Dieses Gelände entspricht heute weitgehend dem Gebiet des Volksgartens Eickel.

Der Name Lohof setzt sich aus zwei mittelhochdeutschen Begriffen zusammen:

  • „Loh“ bezeichnet Gehölz, lichten Wald oder Hain.
  • „Hof“ steht für einen landwirtschaftlichen Hof.

Bereits 1590 wird ein Grundstücksverkauf im Lohof urkundlich erwähnt. Eine andere Deutung des Namens geht auf den Eickeler Pfarrer Johannes Daniels zurück, der den Lohof als Ort einer heidnischen Opferstätte deutete, auf der eine „heilige Lohe“ (Opferfeuer) unterhalten worden sei.

Geschichte des Hofes

Der Hof Middeldorf gehörte zu den größten Höfen in der Bauerschaft Eickel und besaß den Status eines Freihofs. Damit war er von Hand- und Spanndiensten sowie bestimmten Abgaben befreit. Am 11. März 1716 wird allerdings erwähnt, das der Hof dem Sattelhof Abdinghof bei Waltrop dingpflichtig war.

Eine der frühesten Erwähnungen findet sich im Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486, in dem unter der „Eickelburschop“ 24 Bauern namentlich aufgeführt sind, darunter Herman Middeldorp.

Weitere Nennungen finden sich in späteren Verzeichnissen:

  • 1540: Im Pfarrarchiv Eickel wird ein Hofbesitzer namens Middeldorf aufgeführt.
  • 1684: Ein Grundbesitzer Middeldorf erscheint in einem Besitzverzeichnis.
  • 1770: Ein Mitglied der Familie macht Eigentumsrechte an einem trocken liegenden Lohdeich geltend.

Auch in der Landwirtschaftsorganisation der Gemeinde spielte der Hof eine Rolle. In einem Verzeichnis von 1773 werden 31 Bauern genannt, die als Markgenossen im „Eickeler Bruch“ Vieh zur Weide treiben durften. Der sogenannte Auftrieb umfasste 35 Kühe und 22 Rinder. Seit 1743 musste dafür eine jährliche Abgabe an den „Aufheber“ entrichtet werden:

  • 1 Reichstaler für ein Pferd
  • 30 Stüber für eine Kuh
  • 15 Stüber für ein Rind

Auch der Hof Middeldorf nahm an dieser Nutzung der gemeinschaftlichen Weideflächen teil.

Die Familie Middeldorf

Mitglieder der Familie Middeldorf übernahmen über lange Zeit hinweg wichtige Funktionen in der evangelischen Kirchengemeinde Eickel. Zu den bekannten Amtsträgern zählen:

  • 1620: Jost Middeldorf
  • 1635: Wilhelm Middeldorf, Provisor
  • 1638: Johann Middeldorf, Provisor
  • 1662: Henrich Middeldorf Markgenosse des Eickeler Bruch.
  • 1677: Heinrich Middeldorf, Organist
  • 1677 wurde Johann Middeldorf erwähnt.
  • 1725: Johann Middeldorf, Kirchmeister
  • Im Hypothekenbuch des Gerichts Eickel steht unter der Nr. 10:
Middeldorff im Lohoff | gibt an das an Wiesen und sädigem Landes dazu gehörig 20 Malter 2 Scheffelse 85 Ruthen 6 Fuß. es hatte aber Dr. Kumpshoff über 5 malter ... |
Besitzer
Johann Heinrich Middeldorf | von seinen Eltern ererbt |
  • 1820: Friedrich Middeldorf, Kirchmeister
  • Landwirt Friedrich Middeldorf (1829-1898) war vom 28. November 1881 bis zum 31. Oktober 1891 Mitglied der Amtsversammlung Eickel.
  • .Am 19. März 1858 wurde Wilhelm Middeldorf geboren, der später im Zusammenhang mit der Emscherregulierung erwähnt wird.

1899 erwarb das Amt Eickel einen großen Teil (rd. 4 Hektor) der Besitzungen des Hofes im Lohof für die Anlage des Volksgarten Eickel. Noch im selben Jahr begannen die Erdarbeiten für den Volksgarten Eickel, und die verbliebenen Gebäude des alten Hofes wurden bald darauf abgebrochen.

1904 verkaufte Landwirt Middeldorf nach jahrelangem Rechtsstreit seine über 60 Morgen große Besitzung an die Zeche "Königsgrube"; der Kaufpreis betrug pro Morgen 6300 Mk (199850 Mk). Es wurde berichtet, das Bergschäden das Haus unbewohnbar machten. Etwa 18 Morgen erwarb die Gemeinde zur Vergrößerung des Volksgartens bzw. zu Bauplätzen, den Morgen zu 5400 Mk. (100000 Mk)"[1][2]

Neubau im Eickeler Feld

Nach 1904 errichtete die Familie einen neuen, massiven Hof im Eickeler Feld an der Kreuzung Hordeler Straße / Blücherstraße (seit 1974 Edmund-Weber-Straße).

Dieser Hof, im Volksmund „Bergmannshof“ genannt, war von einer starken Mauer umgeben. Das Wohnhaus ähnelte einer Villa, während im Stall 27 Kühe gehalten wurden.

Der Erste Weltkrieg brachte jedoch einen Einschnitt: Der Sohn Fritz Middeldorf fiel im Krieg. Daraufhin verkaufte Friedrich Middeldorf den Besitz an die Zeche Hannover und zog nach Hessen. Die ehemaligen Stallgebäude wurden anschließend zu Wohnraum umgebaut; laut zeitgenössischen Berichten fanden dort 18 Familien Unterkunft. Die Gebäude bestanden bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts und wurden 1983 abgebrochen. Das Grundstück wurde anschließend als Bauland genutzt.

Archivalien

  • Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland - AA 0546 / Werden, Akten AA 0546, Nr. 8 - b 120
    • Middendorfs Gut zu Eickel, Amt Bochum (ursprünglich Behandigungsgut des Sattelhofes Abdinghof zu Waltrop)
    • Laufzeit 1520-1799
      • Enthält: Absplisse: Hermann Butte zu Hamm, 1520;
      • Dr. Georg Willebrand Kumpsthoff, Richter zu Bochum, 1673;
      • Georg Heinrich Kumpsthoff, 1689-1729;
      • Bertram Willebrand Kumpsthoff, 1736;
      • Lambert Heinrich Willebrand Kumpsthoff, 1752-75;
      • Lambert Heinrich Kumpsthoff, 1785-99

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Quelle