Schulten Hof (Eickel)

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Der Schultenhof war ein bedeutender historischer Oberhof in der Gemarkung Eickel (heute Stadtteil von Herne). Über mehrere Jahrhunderte hinweg nahm er eine zentrale Rolle in der lokalen Verwaltung und Grundherrschaft ein. Der Hof lag in der Flur I „Eickel“ zwischen der späteren Brauerei Hülsmann und dem Gasthof Meistertrunk. Heute erinnert lediglich die Straße Schultenhof an den einst bedeutenden Hof.

Hof Schulte-Eickel †
Bildinfo: Der Schultenhof lag rechts direkt unter dem Wort "Haus"
Stadtbezirk: Eickel
Die Karte wird geladen …
Letzte Änderung: 07.03.2026
Geändert von: Andreas Janik

Lage und Umfang

Der Schultenhof befand sich nördwestlich vom historischen Ortskern von Alt-Eickel. Bei der Anlage des Grundbuches im Jahr 1820 umfasste der Besitz noch etwa 100 Morgen Land.
Das Gelände des Hofes liegt heute in einem dicht bebauten Stadtgebiet; Teile des ehemaligen Hofareals wurden später durch gewerbliche Anlagen und Wohnbebauung überprägt.

Bedeutung des Schultenamtes

Der Hof war Sitz des Schulten von Eickel, der innerhalb der mittelalterlichen Hofverfassung eine wichtige Verwaltungs- und Gerichtsrolle innehatte. Der Titel „Schulte“ bezeichnete ein verliehenes Amt.

Zu den Aufgaben des Schulten gehörten:

  • Leitung der Hofgemeinschaft des Oberhofes Eickel
  • Einzug von Abgaben der dem Haupthof verpflichteten Höfe
  • Ausübung von gerichtlichen Funktionen im Namen des Hofherrn
  • Vertretung der Interessen des Grundherrn gegenüber Bauern und Köttern
    • Leitete der Grundherr selbst eine Verhandlung, nahm der Schulte eine beratende Funktion ein.

Besitzverhältnisse

Zwischen 950 und 1569 befand sich der Schultenhof im Besitz der Abtei St. Pantaleon in Köln. Der Hof galt als Freihof und war damit von bestimmten Abgaben und Verpflichtungen befreit.
Im Laufe der Zeit veränderten sich die Eigentumsverhältnisse mehrfach. Nachdem im 16. Jahrhundert die Herren von Eickel ausgestorben waren und sich die Hofverbände lockerten, gelangten Höfe und Ländereien zunehmend in den Besitz örtlicher Kirchengemeinden.

In der Türkensteuerliste von 1542 wird in Eickel "Die Schulte" erwähnt. Im Türkensteuerregister von 1598 wird der "Schulte tho Eickel" genannt.

Niedergang der Schultenfunktion

Mit der Einrichtung des Jurisdiktionsgerichtes Eickel im Jahr 1690 verlor der Schultenhof seine zentrale Verwaltungs- und Gerichtsfunktion. Die Aufgaben des Schulten gingen auf das Gericht über, womit der Hof seine frühere Rolle als Verwaltungszentrum einbüßte.
Trotz des Verlusts von Macht und rechtlicher Stellung erwiesen Bauern, Kötter und Tagelöhner dem Schulten noch lange Zeit traditionelle Ehren. Erst die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen während der französischen Besatzungszeit und infolge der Reformen zu Beginn des 19. Jahrhunderts beendeten diese alten Strukturen endgültig.

Besitzer im 19. Jahrhundert

Nach den Reformen des frühen 19. Jahrhunderts erwarb der Landwirt Middeldorf den Hof. Seine Witwe heiratete anschließend den Bauern Schulte, der jedoch bald verstarb. In dritter Ehe heiratete sie den Landwirt Gruthof.

Dessen ältester Sohn Georg Diedrich Heinrich Gruthof gilt als letzter Schulte von Eickel. Er kam am 19. November 1857 mit 50 Jahren ums Leben, als er bei der Arbeit von einem Pferd erschlagen wurde. Im Kirchenbuch steht geschriben (Reg.Nr. 41): "Durch den Hufschlag eines Pferdes verwundet, wodurch augenblicklicher Tot herbeigeführt wurde." Der letzte Schulte wurde am 22. November 1857 beigesetzt. er hinterließ eine Ehefrau Anna Elisabeth Hemer und zwei kleine Kinder.

1873 ging der Hof durch Heirat an den Schwiegersohn Hugo Thiemann über. Nach dem Ersten Weltkrieg erwarb schließlich das Amt Eickel bzw. die Stadt Wanne-Eickel den Besitz.

Gebäude

Das Wohnhaus des Hofes wurde im Frühjahr 1805 durch einen Brand zerstört. Anschließend errichtete man an derselben Stelle ein neues Fachwerkhaus, das 1821 fertiggestellt wurde.

Über dem Deelentor befand sich folgende Inschrift:

Drum Wer Nur Hier Das Seine Tut, Mag Bauer oder König Heißen:
Er Hat Doch Gutes Nachzuweisen.
Und Lebt In Seinem Stande Gut. Den 23. Juni 1821. M. H. B. P. M.

Eine weitere Inschrift erinnerte an den Brand und bat um göttlichen Schutz für das neu errichtete Gebäude.

"Nun Ist Hier Alles Neu Gebaut,
Gott Du Wollest Es Bewahren,
Vor Unglück Und Gefahren.
Durch Deine Milde Unterhand.
D. H. E. - C. C. Sch. Eheleute.
"

Das Fachwerkhaus galt lange Zeit als eines der ältesten Wahrzeichen Alt-Eickels.

Zerstörung und heutige Erinnerung

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude durch Bomben schwer beschädigt. Ein Sturm zerstörte 1947 die letzten noch vorhandenen Reste des Hauses.

Heute ist vom Schultenhof selbst nichts mehr erhalten. Lediglich die Straße Schultenhof, die einst auf das Hofgelände zuführte, erinnert an den ehemaligen Oberhof und seine jahrhundertelange Bedeutung für die Geschichte Eickels.

Verwandte Artikel

Quelle