U-Bahnhof Herne-Mitte
Der U-Bahnhof Herne-Mitte ist eine unterirdische Station der U35 im Zentrum der Stadt Herne. Die Station liegt unter der Bahnhofstraße im Bereich des heutigen Robert-Brauner-Platzes und bildet einen wichtigen Zugang zur Herner Innenstadt. Sie wurde am 2. September 1989 zusammen mit dem ersten Abschnitt der U35 zwischen Schloss Strünkede und Bochum Hauptbahnhof eröffnet.[2]
Die Station liegt zwischen den U-Bahnhöfen Herne Bahnhof im Norden und Archäologie-Museum/Kreuzkirche im Süden. Ihre zentrale Lage macht sie insbesondere für die Bahnhofstraße, den Robert-Brauner-Platz und die angrenzenden Geschäfts- und Dienstleistungsbereiche von Bedeutung.
Entstehung
Der Bau der U35 steht im Zusammenhang mit den seit den 1960er Jahren verfolgten Planungen für eine leistungsfähige Stadtbahnverbindung zwischen Herne und Bochum. Die Bahnhofstraße war zu dieser Zeit eine stark belastete Verkehrsachse. Nach der Fertigstellung des Westrings wurde sie ab 1970 für den Durchgangsverkehr gesperrt und im September 1976 zwischen Bahnhof und Kreuzkirche zur Fußgängerzone umgestaltet.[3]
Der Bau der unterirdischen Stadtbahn ermöglichte es, den öffentlichen Verkehr in diesem Bereich unter die Oberfläche zu verlegen und gleichzeitig die Entwicklung der Bahnhofstraße als innerstädtische Fußgänger- und Geschäftszone fortzuführen.
Die Bauarbeiten für die U35 hinterließen im Stadtbild der Innenstadt deutliche Spuren. Historische Fotografien des Stadtarchivs dokumentieren unter anderem die Ausschachtungsarbeiten an der Bahnhofstraße und zeigen die spätere Station Herne-Mitte vor dem damaligen Karstadt-Gebäude.[4]
Am 2. September 1989 wurde der erste Abschnitt der U35 zwischen Schloss Strünkede und Bochum Hauptbahnhof eröffnet. Die Strecke war vollständig unterirdisch geführt und umfasste insgesamt 13 Stationen.[5]
Lage und städtebaulicher Zusammenhang
Der U-Bahnhof liegt unmittelbar unter der zentralen Bahnhofstraße. Diese entwickelte sich seit dem 19. Jahrhundert zu einer der wichtigsten Geschäfts- und Verkehrsachsen Hernes. Ihre Bedeutung nahm insbesondere nach der Eröffnung der Eisenbahnverbindung und des Bahnhofs Herne im Jahr 1847 zu. Im weiteren Verlauf entstand eine geschlossene mehrgeschossige Geschäfts- und Wohnbebauung.[6]
Mit der Umwandlung der Bahnhofstraße in eine Fußgängerzone und dem Bau der U35 wurde die Entwicklung des heutigen innerstädtischen Boulevards weitergeführt. Die Stadt Herne bezeichnet die Fertigstellung der U-Bahn im Jahr 1989 und die spätere Neugestaltung der Bahnhofstraße als wichtige Bausteine der städtebaulichen Entwicklung der Innenstadt.[7]
Die Station ist damit nicht isoliert als Verkehrsbauwerk zu betrachten. Ihre Entstehung gehört vielmehr zu einem umfassenden Wandel des Herner Stadtzentrums: Der oberirdische Durchgangsverkehr wurde zurückgedrängt, der öffentliche Verkehr wurde unter die Erde verlegt und die Bahnhofstraße konnte als Fußgängerbereich weiterentwickelt werden.
Anlage
Der U-Bahnhof ist als Tunnelbahnhof mit zwei Gleisen und zwei Seitenbahnsteigen ausgeführt. Die beiden Bahnsteige bedienen jeweils eine Fahrtrichtung der U35.[8]
Die Zugänge befinden sich im Bereich des Robert-Brauner-Platzes und der Bahnhofstraße. Die unterirdische Anlage reicht unmittelbar an die Bebauung des Innenstadtbereichs heran.
Eine Besonderheit der Station ergibt sich aus ihrer Lage unter der Bahnhofstraße und ihrer unmittelbaren Nachbarschaft zu dem großen Geschäftshaus der Neuen Höfe, das ursprünglich als Karstadt und später als Hertie genutzt wurde. Zeitgenössische Darstellungen zur Geschichte des Gebäudes weisen darauf hin, dass die unterirdischen Bauwerke der Haltestelle unmittelbar an dessen Untergeschoss angrenzen. Über einen direkten Zugang zwischen der Station und den sogenannten „Katakomben“ des Kaufhauses wurde seinerzeit nachgedacht; diese Verbindung wurde jedoch nicht ausgeführt.[9]
Verkehrliche Bedeutung
Der U-Bahnhof Herne-Mitte wird von der Linie U35 bedient. Die U35 verbindet das Herner Stadtgebiet mit der Bochumer Innenstadt und führt weiter über die Ruhr-Universität bis nach Bochum-Hustadt. In nördlicher Richtung führt die Strecke über den Bahnhof Herne bis Schloss Strünkede.[10]
Aufgrund seiner Lage in der Innenstadt erschließt der Bahnhof insbesondere die Bahnhofstraße mit ihren Geschäften, Dienstleistungsbetrieben und gastronomischen Angeboten. Gleichzeitig besteht über die oberirdischen Haltestellen ein Anschluss an den weiteren innerstädtischen Busverkehr.
Die Station liegt etwa 450 Meter südlich des U-Bahnhofs Herne Bahnhof und rund 700 Meter nördlich des U-Bahnhofs Archäologie-Museum/Kreuzkirche.[11]
Robert-Brauner-Platz
Durch den Abriss der Häuserzeile Bahnhofstraße 55–61 entstand ein volkstümlich als „Verweilplatz“ bezeichneter Bereich mit Sitzgelegenheiten, Springbrunnen und einem erhöhten Verkaufspavillon über dem weitläufigen U-Bahnhof Herne-Mitte.
Bei der Neustrukturierung 1992/93 wurde das Ensemble zugunsten der heute bestehenden Stadtgalerie abgerissen und der Platz neu gestaltet.
Der neue Platz wurde am 25. Mai 1993 nach dem langjährigen Herner Oberbürgermeister und späteren Ehrenbürger Robert Brauner benannt.
Der Platz war lange Zeit vor allem Verkehrs- und Erschließungsfläche. Im Rahmen des Stadtumbaus Herne-Mitte wurde er grundlegend neu gestaltet. Die Stadt Herne verfolgte dabei das Ziel, den zentralen Platz gestalterisch und funktional aufzuwerten und seine Aufenthaltsqualität zu verbessern. Grundlage der Planung war unter anderem eine Bürgerbeteiligung im Jahr 2021, an der sich rund 1.000 Menschen beteiligten.[12]
Die Umgestaltung begann 2025. Neben neuen barrierefreien Wegeflächen entstanden Sitzbereiche, Begrünungen mit Bäumen und Hochbeeten, moderne Beleuchtung, Spielangebote sowie ein bodengleiches Fontänenfeld und Nebelduschen. Der neugestaltete Platz wurde am 11. Juli 2026 wiedereröffnet.[13]
Die Arbeiten waren insbesondere deshalb anspruchsvoll, weil während der Bauzeit die Zugänge zur U-Bahn und die Erreichbarkeit der Geschäfte, Wohnungen und gastronomischen Betriebe aufrechterhalten werden mussten.[14]
Barrierefreiheit und Erneuerung
Die Station verfügt über Aufzüge zur Erschließung der Bahnsteige. Im Jahr 2026 wurde einer der Aufzüge auf dem Robert-Brauner-Platz erneuert. Betroffen war der Aufzug zum Bahnsteig in Richtung Schloss Strünkede. Im Zuge der Maßnahme wurde außerdem eine überdachte Radabstellanlage mit Gründach vorgesehen.[15]
Während der Bauarbeiten war der betreffende Aufzug vorübergehend nicht nutzbar. Die Stadt verwies für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste auf die benachbarten Stationen Archäologie-Museum/Kreuzkirche und Herne Bahnhof.[16]
Gestaltung und Kunst im Umfeld
Die Station Herne-Mitte entstand in einer Zeit, in der der unterirdische Stadtbahnbau vor allem unter funktionalen und städtebaulichen Gesichtspunkten betrachtet wurde. Anders als beispielsweise beim U-Bahnhof Deutsches Bergbau-Museum in Bochum ist für Herne-Mitte bislang kein Künstler eindeutig als Urheber einer eigenständigen künstlerischen Gesamtkonzeption der Station nachgewiesen.
Die künstlerische Gestaltung des unmittelbaren oberirdischen Umfelds ist dagegen stärker mit der Entwicklung der Bahnhofstraße verbunden. Bei der grundlegenden Neugestaltung des Boulevards zwischen 1999 und 2003 wurde das Thema Licht zu einem wichtigen Gestaltungselement. Entlang der Bahnhofstraße wurden mehrere Licht- und Leuchtkunstobjekte aufgestellt, die von Künstlern eigens für diesen Stadtraum entwickelt wurden.[17]
Eine besondere Rolle spielte dabei der Krefelder Künstler Günter Dohr. Er gestaltete unter anderem die Lichtinstallation in der Bahnunterführung zwischen dem Herner Bahnhof und der Bahnhofstraße. Die farbigen Lichtelemente wurden in die Widerlager der Unterführung integriert und sollten den Übergang zwischen Bahnhof und Innenstadt als leuchtendes Eingangstor markieren.[18]
Diese Kunstwerke sind allerdings nicht mit einer künstlerischen Gestaltung des eigentlichen U-Bahnhofs Herne-Mitte gleichzusetzen. Für eine Zuschreibung der Innenraumgestaltung der Station an einen bestimmten Künstler fehlen derzeit belastbare Belege.
Entwicklung des Umfelds
Die Bedeutung des U-Bahnhofs ist eng mit der Entwicklung der Herner Innenstadt verbunden. Die Bahnhofstraße bildet die zentrale Einkaufs- und Fußgängerzone; südlich schließen unter anderem der Bereich um die Kreuzkirche und der heutige Europaplatz an.[19]
In den vergangenen Jahren wurde das Umfeld der Station durch verschiedene Maßnahmen des Stadtumbaus verändert. Neben dem Robert-Brauner-Platz wurden unter anderem der Europaplatz, die Bahnhofstraße und weitere öffentliche Räume neu gestaltet. Die Stadt Herne verfolgt dabei das Ziel, die Innenstadt als Wohn-, Einkaufs-, Dienstleistungs- und Aufenthaltsort weiterzuentwickeln.[20]
Der U-Bahnhof Herne-Mitte bildet dabei einen wichtigen unterirdischen Bestandteil dieses innerstädtischen Gefüges. Seine Lage unter der Bahnhofstraße verbindet die Geschichte des Stadtzentrums mit der Entwicklung des modernen Stadtbahnverkehrs.
Die aktuellen Abfahrtszeiten sowie mögliche Änderungen und Ersatzverkehre sind über die Fahrplanauskunft der BOGESTRA abrufbar.
- Linienfahrpläne der BOGESTRA
- Elektronische Fahrplanauskunft
- Aktuelle Verkehrsmeldungen und Umleitungen
Literatur und Quellen
- Stadt Herne: HERNE – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, Herne 1997.
- Stadt Herne: Gestaltungshandbuch Herne-Mitte.
- Stadt Herne: Gestaltungssatzung Herne-Mitte.
- Stadt Herne: Bauliche Projekte – Stadtumbau Herne-Mitte.
- Stadt Herne: Umgestaltung des Robert-Brauner-Platzes.
- Stadt Herne: Aufzug auf dem Robert-Brauner-Platz wird erneuert, 12. Mai 2026.
- Stadt Herne: Ins rechte Licht gesetzt: Boulevard Bahnhofstraße.
- Stadt Herne/inHerne: U-35 feiert Silberjubiläum.
- VhAG BOGESTRA: Historisches Stichwort September – September 1989: Eröffnung U35 zwischen Herne Schloss Strünkede und Bochum Hbf.
- BOGESTRA: Schienennetzplan.
Lesen Sie auch
Einzelnachweise
- ↑ https://commons.wikimedia.org
- ↑ VhAG BOGESTRA: Historisches Stichwort September – September 1989: Eröffnung U35 zwischen Herne Schloss Strünkede und Bochum Hbf.
- ↑ Stadt Herne: Gestaltungshandbuch Herne-Mitte, Stadtbildanalyse und historische Entwicklung.
- ↑ Stadt Herne/inHerne: U-35 feiert Silberjubiläum, Bildarchiv der Stadt Herne.
- ↑ VhAG BOGESTRA: Historisches Stichwort September – September 1989: Eröffnung U35 zwischen Herne Schloss Strünkede und Bochum Hbf.
- ↑ Stadt Herne: Gestaltungshandbuch Herne-Mitte, Teil A – Stadtbildanalyse.
- ↑ Stadt Herne: Gestaltungshandbuch Herne-Mitte.
- ↑ Vgl. die Übersicht zum U-Bahnhof Herne-Mitte sowie den BOGESTRA-Schienennetzplan.
- ↑ Gerd Körner: Althoff Herne – vorgestern und gestern, 2020. Die dort enthaltenen Angaben zur U35 und zum ehemaligen Karstadt-Gebäude sind als ergänzende Quelle zu verstehen.
- ↑ BOGESTRA: Schienennetzplan, Stand 2025.
- ↑ Vgl. Übersicht der U-Bahnhöfe in Bochum und Herne.
- ↑ Stadt Herne: Umgestaltung des Robert-Brauner-Platzes.
- ↑ Stadt Herne: Straßenfest zur Wiedereröffnung des Robert-Brauner-Platzes, 7. Juli 2026; Stadt Herne/inHerne: Robert-Brauner-Platz wiedereröffnet, 15. Juli 2026.
- ↑ Stadt Herne: Straßenfest zur Wiedereröffnung des Robert-Brauner-Platzes, 7. Juli 2026.
- ↑ Stadt Herne: Aufzug auf dem Robert-Brauner-Platz wird erneuert, 12. Mai 2026.
- ↑ Stadt Herne: Aufzug auf dem Robert-Brauner-Platz wird erneuert, 12. Mai 2026.
- ↑ Stadt Herne: Ins rechte Licht gesetzt: Boulevard Bahnhofstraße.
- ↑ Stadt Herne: Ins rechte Licht gesetzt: Boulevard Bahnhofstraße.
- ↑ Stadt Herne: Gestaltungshandbuch Herne-Mitte.
- ↑ Stadt Herne: Bauliche Projekte – Stadtumbau Herne-Mitte.

