Schleuse Wanne-Eickel

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Schleuse Wanne-Eickel ist eine Schleusenanlage am Rhein-Herne-Kanal im Herner Stadtteil Wanne. Sie befindet sich bei Kanalkilometer 31,20 und überwindet eine Fallhöhe von rund 8,40 Metern. Die Anlage gehört zu den fünf heutigen Schleusenstufen des Rhein-Herne-Kanals und liegt zwischen der Schleuse Gelsenkirchen und der Schleuse Herne-Ost. Die Schleuse ist Bestandteil der Route der Industriekultur.

Überblick
Bild: Gerd Biedermann † 2015
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Straßenansicht
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Lage und Funktion

Die Schleuse Wanne-Eickel bildet eine Kanalstufe zwischen der westlich gelegenen Haltung Gelsenkirchen und der östlich anschließenden Haltung Herne-Ost. Vom Rhein aus gesehen handelt es sich um die vierte Schleusenstufe des Rhein-Herne-Kanals.

Der Rhein-Herne-Kanal wurde zwischen 1906 und 1914 als Verbindung zwischen dem Rhein und dem westdeutschen Kanalnetz gebaut. Auf Herner Stadtgebiet verläuft er weitgehend im Bereich des früheren Emscherverlaufs. Der Kanal überwindet auf seiner gesamten Länge einen Höhenunterschied von rund 36 Metern.[1]

Die Schleuse Wanne-Eickel dient dazu, den Höhenunterschied von heute 8,40 Metern zwischen den beiden Kanalhaltungen zu überwinden. Zur Schleusenanlage gehören neben den Schleusenkammern auch die Vorhäfen und Einrichtungen zur Wasserbewirtschaftung.

Bau und ursprüngliche Schleusenanlage

Mit dem Bau des Rhein-Herne-Kanals entstanden zwischen 1906 und 1914 auch in Wanne-Eickel zwei parallel angeordnete Schleusenkammern. Die ursprünglichen Kammern waren rund 163 bis 165 Meter lang und zehn Meter breit.[2]

Die Abmessungen waren auf die damalige Binnenschifffahrt abgestimmt. In einer Schleusenkammer konnten jeweils zwei der seinerzeit eingesetzten Schleppkähne des Rhein-Herne-Kanal-Typs aufgenommen werden. Diese Schiffe waren etwa 80 Meter lang, 9,5 Meter breit und hatten einen Tiefgang von etwa 2,5 Metern.[3]

Während der Bauzeit und in den ersten Jahrzehnten des Kanalbetriebs wurden die Schleusenkammern mit der damaligen Schleppschifffahrt genutzt. Die Kähne wurden zwischen den Schleusen von Schleppdampfern bewegt. Für das Ein- und Ausschleusen kamen auch elektrisch betriebene Treidellokomotiven zum Einsatz.[4]

Auswirkungen des Bergbaus

Die technische Entwicklung des Rhein-Herne-Kanals wurde wesentlich durch den Steinkohlenbergbau im Ruhrgebiet beeinflusst. Unter den Kanalbereichen wurde Kohle abgebaut, wodurch es zu Bergsenkungen kam. Dies veränderte im Laufe der Jahrzehnte die Höhenlage einzelner Kanalabschnitte und damit auch die Fallhöhen der Schleusen.

Die ursprünglich für Wanne-Eickel vorgesehene Fallhöhe von etwa fünf Metern nahm infolge der bergbaulichen Einwirkungen deutlich zu. Historische Untersuchungen weisen für die Schleuse Wanne-Eickel 7,20 Meter im Jahr 1974 und etwa acht Meter im Jahr 1985 aus.[5]

Die Anpassung des Kanals an die veränderten Höhenverhältnisse und an die größer werdenden Schiffe wurde dadurch zu einer dauerhaften technischen Aufgabe.

Ausbau des Rhein-Herne-Kanals

Mit dem Wandel der Binnenschifffahrt erwiesen sich die ursprünglichen zehn Meter breiten Schleusen zunehmend als Engpass. Größere Motorgüterschiffe und Schubverbände konnten die alten Schleusen nicht mehr oder nur eingeschränkt nutzen.

Ab Ende der 1970er Jahre begann deshalb ein umfangreicher Ausbau des Rhein-Herne-Kanals. Die vorhandenen Schleusenanlagen wurden schrittweise durch größere Schleusenkammern ersetzt. Als Zielgröße wurden Schleusen mit einer nutzbaren Länge von rund 190 Metern und einer Breite von etwa zwölf Metern vorgesehen.[6]

In Wanne-Eickel wurde zunächst nur die südliche Schleusenkammer vollständig erneuert. Die Nordschleuse blieb aufgrund ihres damals noch vergleichsweise guten baulichen Zustands zunächst erhalten.

Südschleuse

Die neue Südschleuse wurde 1994 fertiggestellt und an die Anforderungen der modernen Binnenschifffahrt angepasst. Sie besitzt eine nutzbare Länge von 190 Metern und eine Breite von zwölf Metern.[7]

Die größere Kammer ermöglicht die Passage moderner Binnenschiffe und Schubverbände. Die Schleuse ist für die Wasserstraßenklasse Vb ausgelegt.

Die Südschleuse verfügt über ein Zug-Drehsegmenttor am Oberhaupt und ein Stemmtor am Unterhaupt. Die technische Ausstattung umfasst außerdem die Anlagen zur Befüllung und Entleerung der Schleusenkammer sowie Einrichtungen zur Steuerung des Schleusenvorgangs.

Nordschleuse

Die nördliche Schleusenkammer blieb nach dem Neubau der Südschleuse zunächst in ihrer historischen Größe erhalten. Sie war 163 beziehungsweise 165 Meter lang und zehn Meter breit und konnte daher nicht von den größeren Schiffen der modernen Binnenschifffahrt genutzt werden.

Aufgrund von Sanierungsarbeiten, unter anderem in den Jahren 1965 und 1983, konnte die Nordschleuse noch längere Zeit als Reservekammer betrieben werden. Sie diente insbesondere dann als Ausweichmöglichkeit, wenn die Südschleuse wegen Wartungs- oder Bauarbeiten nicht zur Verfügung stand.

Aufgrund schwerwiegender baulicher Schäden musste die Nordschleuse 2003 endgültig für den Schiffsverkehr gesperrt werden.[8]

Seitdem steht für den regulären Schiffsverkehr an der Kanalstufe Wanne-Eickel nur noch die Südschleuse zur Verfügung. Damit stellt die Anlage einen betrieblichen Engpass im Rhein-Herne-Kanal dar.

Ersatzneubau der Nordschleuse

Der Ersatz der alten Nordschleuse ist seit mehreren Jahren Bestandteil der Ausbauplanung für den Rhein-Herne-Kanal. Vorgesehen ist eine neue Schleusenkammer, die sich hinsichtlich ihrer Abmessungen und ihrer Leistungsfähigkeit an der Südschleuse orientiert.

Das Vorhaben umfasst neben dem Ersatz der Nordschleuse auch die Anpassung der Vorhäfen. Im Umweltprüfungsportal des Bundes wird das Projekt als „Ausbau des Rhein-Herne-Kanals von km 30,889 bis km 32,276 (Ersatz der Nordschleuse Wanne-Eickel einschließlich Anpassung der Vorhäfen)“ geführt. Das Verfahren befindet sich weiterhin im Status „laufend“.[9]

Nach einer im nordrhein-westfälischen Landtag veröffentlichten Planung soll die Nordschleuse im Zeitraum von 2027 bis 2032 ersetzt werden. Der Abschluss des Planfeststellungsverfahrens stand dabei noch aus.[10]

Auch die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes bereitet die Durchführung des Projekts vor. Das Wasserstraßen-Neubauamt Datteln schrieb 2026 unter anderem eine Stelle für die verantwortliche Vertragsabwicklung beim Ersatzneubau der Nordschleuse Wanne-Eickel aus.[11]

Bedeutung für die Binnenschifffahrt

Die Schleuse Wanne-Eickel ist für die Leistungsfähigkeit des Rhein-Herne-Kanals von besonderer Bedeutung. Der Kanal verbindet den Rhein mit dem Dortmund-Ems-Kanal und damit mit dem westdeutschen und norddeutschen Wasserstraßennetz.

Durch die zunehmende Größe der Binnenschiffe haben die Abmessungen der Schleusen eine zentrale Bedeutung für die Leistungsfähigkeit der Wasserstraße. Während die ursprünglichen Kammern für zwei rund 80 Meter lange Schleppkähne ausgelegt waren, ermöglicht die neue Südschleuse die Passage wesentlich größerer Schiffe und Schubverbände.[12]

Die seit 2003 nicht mehr nutzbare Nordschleuse bedeutet zugleich, dass Wartungen oder Störungen an der Südschleuse unmittelbare Auswirkungen auf den Schiffsverkehr haben können. Der Ersatzneubau soll deshalb nicht nur die historische Kammer ersetzen, sondern die Leistungsfähigkeit und Betriebssicherheit der Kanalstufe langfristig sichern.

Schleusenbetrieb und Wasserwirtschaft

Mit jeder Schleusung wird Wasser zwischen den beiden Kanalhaltungen bewegt. Wegen der zahlreichen Schleusenstufen und des hohen Verkehrsaufkommens kommt der Wasserbewirtschaftung des Rhein-Herne-Kanals eine erhebliche Bedeutung zu.

Zur Schleusengruppe Wanne-Eickel gehört deshalb auch ein Rückpumpwerk. Es ermöglicht, Schleusenbetriebswasser wieder in die höher gelegene Haltung zurückzuführen und damit den Wasserverbrauch des Kanals zu begrenzen.

Verkehrsgeschichte

Die Schleuse ist eng mit der Industriegeschichte Wanne-Eickels verbunden. Der Rhein-Herne-Kanal schuf gemeinsam mit den Häfen eine wichtige Verbindung für die Montanindustrie des Ruhrgebiets. Über die Wasserstraße wurden unter anderem Kohle, Erz, Baustoffe und weitere Massengüter transportiert.

In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich die Hafen- und Umschlaganlagen der Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH sowie die ehemaligen Industrie- und Bergbaustandorte des Wanner Raumes. Die Schleuse war damit Bestandteil eines eng miteinander verbundenen Systems aus Zechen, Hafenanlagen, Eisenbahn und Wasserstraße.

Denkmal- und industriegeschichtliche Bedeutung

Die Schleusengruppe dokumentiert die Entwicklung der Verkehrstechnik und des Wasserbaus im Ruhrgebiet über mehr als ein Jahrhundert. An der Anlage lassen sich sowohl die Dimensionen des ursprünglichen Rhein-Herne-Kanals als auch dessen Anpassung an die moderne Binnenschifffahrt nachvollziehen.

Besonders anschaulich ist der Gegensatz zwischen der erhaltenen historischen Nordschleuse und der wesentlich größeren Südschleuse von 1994. Die beiden Kammern stehen damit zugleich für zwei unterschiedliche Generationen der Binnenschifffahrt.

Die Schleuse Wanne-Eickel ist Bestandteil der Themenrouten „Kanäle und Schifffahrt“ sowie „Erzbahn-Emscherbruch“ der Route der Industriekultur.[13]

Technische Daten

Merkmal Angabe
Gewässer Rhein-Herne-Kanal
Lage Herne-Wanne
Kanalkilometer ca. 31,20
Bau der ursprünglichen Schleusen 1906–1914
Anzahl der Kammern 2
ursprüngliche Nutzlänge ca. 163–165 m
ursprüngliche Breite 10 m
neue Südschleuse 1994
Nutzlänge Südschleuse 190 m
Nutzbreite Südschleuse 12 m
Fallhöhe ca. 8,40 m
Nordschleuse außer Betrieb seit 2003
Betreiber Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
zuständiges Amt Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Westdeutsche Kanäle

Siehe auch


Weblinks

Lesen Sie auch

Quellen