Karl Hölkeskamp Haus - Herne
Das Karl-Hölkeskamp-Haus ist ein Gebäude der Arbeiterwohlfahrt (AWO) an der Breddestraße 14 in Herne-Mitte. Es wurde 1964 als neues Verbands- und Begegnungszentrum der Herner AWO eröffnet und nach dem sozialdemokratischen Kommunalpolitiker und Wohlfahrtsdezernenten Karl Hölkeskamp (1882–1954) benannt. Das Haus entwickelte sich zu einem wichtigen Mittelpunkt der örtlichen AWO-Arbeit und beherbergte neben der Geschäftsstelle unter anderem Räume für Jugend- und Seniorenarbeit, Veranstaltungen und Begegnung. Seit 2013 befindet sich dort außerdem das AWO-Familienzentrum Breddestraße.
Vorgeschichte
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs musste die Arbeiterwohlfahrt in Herne ihre Arbeit weitgehend neu aufbauen. Zu den Personen, die im Juli 1945 den Herner Ortsausschuss der AWO neu gründeten, gehörten Karl Hölkeskamp, Else Drenseck und Auguste Sindermann. Die AWO übernahm in den ersten Nachkriegsjahren zahlreiche Aufgaben im sozialen und fürsorgerischen Bereich.
Für ihre Arbeit verfügte die Herner AWO zunächst nicht über ein eigenes dauerhaftes Gebäude. Nach mehreren Umzügen, unter anderem in das ehemalige Amtsgericht an der Bahnhofstraße 7c und später in das ehemalige Finanzamt an der Mont-Cenis-Straße 10, entstand Ende der 1950er Jahre der Wunsch nach einem eigenen Haus. Benötigt wurden insbesondere Räume für die Jugendarbeit, eine größere Begegnungsstätte, Büroräume sowie ein größerer Veranstaltungsraum.
Bau und Eröffnung
Nachdem ein geeignetes, innenstadtnahes Grundstück gefunden worden war, begann 1961 die Errichtung des neuen AWO-Hauses an der Breddestraße 14. Am 27. Oktober 1962 konnte Richtfest gefeiert werden.
Am 9. Mai 1964 wurde das Gebäude als Karl-Hölkeskamp-Haus eröffnet. Die Eröffnung wurde auch in der Herner Presse ausführlich gewürdigt. Das Gebäude galt als wichtiger Ausbau der sozialpolitischen Arbeit der AWO in Herne und zugleich als repräsentativer Neubau des Wohlfahrtsverbandes. Die AWO Westliches Westfalen hatte damit in Herne ihr 105. Gebäude errichtet.
Bei der Eröffnungsfeier waren unter anderem die Witwe Karl Hölkeskamps und dessen zwei Töchter anwesend. Auch Vertreter des AWO-Kreisvorstandes, der Ortsvereine und des Bezirksverbandes nahmen an der Feier teil. Die Bezirksleiterin Minna Sattler bezeichnete den Neubau als einen weiteren bedeutenden Schritt der AWO-Arbeit im Bezirk.
Nutzung in den ersten Jahrzehnten
Das Karl-Hölkeskamp-Haus war von Anfang an als vielseitiges Sozial- und Begegnungszentrum konzipiert. Nach einer zeitgenössischen Beschreibung befanden sich im Untergeschoss Wirtschaftsräume und ein Jugendheim. Im Erdgeschoss lagen die Büros der AWO sowie ein Raum für die Betreuung älterer Menschen. Im Obergeschoss befand sich ein mittelgroßer Veranstaltungssaal.
Damit verband das Haus mehrere Bereiche der AWO-Arbeit unter einem Dach: Verwaltung, Jugendarbeit, Seniorenarbeit, Veranstaltungen und soziale Begegnung. Die räumliche Konzentration entsprach dem damaligen Selbstverständnis der Arbeiterwohlfahrt, soziale Hilfe nicht nur als Einzelfallhilfe, sondern auch als gemeinschaftliche und gesellschaftspolitische Aufgabe zu verstehen.
Die Benennung nach Karl Hölkeskamp stellte zugleich einen Bezug zur Geschichte der Herner Sozialpolitik her. Hölkeskamp war seit 1919 besoldeter Beigeordneter und Wohlfahrtsdezernent der Stadt Herne gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er 1945 zum Zweiten Bürgermeister beziehungsweise Ersten Beigeordneten und Stadtdirektor berufen. Seine Arbeit konzentrierte sich erneut auf das Fürsorge- und Ernährungswesen. Nach seinem Ausscheiden aus dem Verwaltungsdienst blieb er als SPD-Stadtverordneter politisch aktiv.
Erweiterung zur Begegnungsstätte
Das Gebäude wurde im Laufe seiner Geschichte mehrfach an veränderte Anforderungen angepasst. Im Jahr 2007 wurde das Karl-Hölkeskamp-Haus um eine Seniorenbegegnungsstätte erweitert. Damit wurde die Bedeutung des Hauses als Treffpunkt für ältere Menschen weiter ausgebaut.
In den folgenden Jahren fanden hier regelmäßig unterschiedliche Veranstaltungen und Angebote der AWO statt. Dazu gehörten unter anderem Seniorenfrühstücke, Begegnungsangebote, Vorträge, Kurse, Feste und Veranstaltungen für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Auch die interkulturelle Arbeit entwickelte sich zu einem wichtigen Bestandteil der Nutzung.
Umbau zur Kindertageseinrichtung
Eine grundlegende Veränderung erfolgte 2013. Das bis dahin vor allem als Büro- und Verbandsgebäude genutzte Karl-Hölkeskamp-Haus wurde im Frühjahr 2013 umgebaut und erweitert. Im September 2013 nahm im Gebäude die erste AWO-Kindertageseinrichtung in Herne ihren Betrieb auf.
Die neue Einrichtung wurde zunächst mit einer Gruppe eröffnet; bereits im Oktober 2013 kam eine zweite Gruppe hinzu. Im Januar 2015 wurde ein weiterer Anbau fertiggestellt, in dem eine dritte Gruppe mit zehn Kindern unter drei Jahren untergebracht wurde.
Seit Juli 2017 ist die Einrichtung als Familienzentrum NRW zertifiziert. Das Familienzentrum verbindet die Betreuung von Kindern mit zusätzlichen Beratungs-, Bildungs- und Unterstützungsangeboten für Familien. Dazu gehören unter anderem Erziehungs- und Migrationsberatung, Angebote zur Familienbildung sowie Kooperationen mit dem Kommunalen Integrationszentrum, der Stadtbücherei und weiteren Einrichtungen.
Die Kindertageseinrichtung betreut heute 72 Kinder in vier Gruppen im Alter von vier Monaten bis sechs Jahren. Neben der Betreuung gehören unter anderem integrative und multikulturelle pädagogische Arbeit, Bewegungsangebote, naturwissenschaftliche Förderung und verschiedene Angebote für Eltern zum Profil der Einrichtung.
AWO-Geschäftsstelle und soziale Arbeit
Das Karl-Hölkeskamp-Haus blieb auch nach dem Umbau ein zentraler Standort der Herner AWO. Die Geschäftsstelle der Herner AWO beziehungsweise des AWO-Unterbezirks Ruhr-Mitte befindet sich an der Breddestraße 14. Auch verschiedene Beratungs- und Integrationsangebote wurden beziehungsweise werden von hier aus durchgeführt.
Zu den Nutzungen gehören unter anderem Angebote der Migrationsarbeit, der Jugendmigrationsdienst sowie unterschiedliche ehrenamtliche und sozialräumliche Aktivitäten. Die AWO nutzt die Räumlichkeiten außerdem für Versammlungen, Schulungen, Informationsveranstaltungen und Begegnungsangebote.
Ein Beispiel für die langfristige Bedeutung des Hauses für die Integrationsarbeit ist die interkulturelle Nähgruppe der AWO. Sie trifft sich seit vielen Jahren in den Räumen an der Breddestraße und verbindet gemeinsames kreatives Arbeiten mit Begegnung von Frauen mit und ohne Migrationsgeschichte.
Auch Seniorenangebote haben weiterhin ihren Platz im Haus. Nach der Pandemie wurde beispielsweise ein regelmäßiger offener AWO-Treff für ältere Menschen eingerichtet, der dem Austausch, gemeinsamen Spielen und der Begegnung dient.
60 Jahre Karl-Hölkeskamp-Haus
Im Jahr 2024 jährte sich die Eröffnung des Karl-Hölkeskamp-Hauses zum 60. Mal. Die AWO Herne nahm das Jubiläum zum Anlass, die Geschichte des Gebäudes und seine Bedeutung für die Verbandsarbeit stärker in den Mittelpunkt zu stellen.
Am 29. Juni 2024 fand ein Familienfest rund um das Haus an der Breddestraße statt. Dabei wurden unter anderem Angebote für Kinder in Zusammenarbeit mit dem dortigen AWO-Familienzentrum sowie weitere Aktivitäten des Kreisverbandes angeboten.
Das Jubiläum machte zugleich deutlich, dass sich die Funktion des Hauses seit seiner Eröffnung verändert hat: Aus dem ursprünglich vor allem für Verwaltung, Jugend- und Seniorenarbeit sowie Veranstaltungen errichteten AWO-Haus entwickelte sich ein sozialer Mehrgenerationenstandort, an dem heute unter anderem Kinderbetreuung, Familienarbeit, Beratung, Seniorenarbeit und ehrenamtliches Engagement zusammenkommen.
Bedeutung für die AWO-Geschichte in Herne
Das Karl-Hölkeskamp-Haus gehört zu den wichtigsten historischen Standorten der Arbeiterwohlfahrt in Herne. Seine Entstehung fällt in eine Phase, in der sich die AWO nach dem Wiederaufbau der Nachkriegszeit organisatorisch und räumlich konsolidierte.
Die Entscheidung für einen eigenen Neubau Anfang der 1960er Jahre zeigt zugleich den gewachsenen Stellenwert der AWO innerhalb der Herner Soziallandschaft. Das Haus sollte nicht lediglich Verwaltungsgebäude sein, sondern verschiedene Formen sozialer Arbeit unter einem Dach ermöglichen.
Über sechs Jahrzehnte wurde das Gebäude entsprechend den jeweiligen gesellschaftlichen Anforderungen verändert. Während zunächst die klassische Verbandsarbeit, Jugendhilfe, Seniorenbetreuung und Begegnung im Vordergrund standen, kamen später unter anderem Integrationsarbeit, Kindertagesbetreuung und Familienbildung hinzu.
Die Geschichte des Karl-Hölkeskamp-Hauses steht damit exemplarisch für die Entwicklung der Herner AWO von der Nachkriegsorganisation zu einem modernen Wohlfahrtsverband mit einem breiten Spektrum sozialer Dienstleistungen und ehrenamtlicher Aktivitäten.
Karl Hölkeskamp als Namensgeber
Karl Hölkeskamp wurde am 17. Oktober 1882 in Lütgendortmund geboren und starb am 11. Mai 1954 in Bad Tölz. Der gelernte Bergmann trat 1900 der SPD bei und kam 1913 nach Herne. Während der Novemberrevolution gehörte er zu den führenden Vertretern der Arbeiterbewegung in Herne und wurde Vorsitzender des Herner Arbeiter- und Soldatenrates.
Von 1919 bis 1931 war Hölkeskamp besoldeter Beigeordneter und Wohlfahrtsdezernent der Stadt Herne. Zu seinen Arbeitsfeldern gehörten insbesondere die Unterstützung der notleidenden Bevölkerung und die kommunale Fürsorge.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde Hölkeskamp 1933 verhaftet und zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er in die Kommunalverwaltung zurück und wurde 1945 Zweiter Bürgermeister beziehungsweise Erster Beigeordneter und Stadtdirektor. 1948 schied er altersbedingt aus dem Verwaltungsdienst aus. Von 1951 bis zu seinem Tod gehörte er erneut als gewählter SPD-Stadtverordneter dem Rat der Stadt Herne an.
Die Stadt Herne benannte am 11. Mai 1964, dem zehnten Todestag Hölkeskamps, den damaligen zusammenhängenden Straßenzug im Südosten der Stadt nach ihm als Hölkeskampring. Am selben Tag wurde auch das AWO-Haus an der Breddestraße nach ihm benannt.
Quellen und Literatur
- Arbeiterwohlfahrt Ruhr-Mitte: Else Drenseck – eine eindrucksvolle Lebensgeschichte.
- Arbeiterwohlfahrt Ruhr-Mitte: Geschichte – Familienzentrum Breddestraße.
- Arbeiterwohlfahrt Ruhr-Mitte: AWO aktuell, verschiedene Jahrgänge.
- Historischer Verein Herne/Wanne-Eickel e. V.: Arbeiterwohlfahrt Herne.
- Historischer Verein Herne/Wanne-Eickel e. V.: Karl Hölkeskamp (1882-1954) Politiker.
- Stadt Herne: Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Herne 1997.
- Stadt Herne: Informationen zur Arbeiterwohlfahrt und zu den Tageseinrichtungen für Kinder.
Verwandte Artikel
- 1964 (← Links)
- 27. Oktober (← Links)
- Arbeiterwohlfahrt Herne (← Links)
- Else-Drenseck-Seniorenzentrum (← Links)
- Arbeiterwohlfahrt Alt-Herne (← Links)
Quellen
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