Else-Drenseck-Seniorenzentrum

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Das Else-Drenseck-Seniorenzentrum war ein Altenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Herne-Börnig. Die Anlage entstand 1970/71 an der Castroper Straße beziehungsweise an der Ecke Kirchstraße und Am Katzenbuckel und wurde 1971 eröffnet. Sie gehörte zu den seinerzeit modernen Einrichtungen der Altenhilfe in Herne. Träger war der AWO-Bezirksverband Westliches Westfalen.

Else-Drenseck-Seniorenzentrum
Das Else-Drenseck-Seniorenzentrum kurz
nach der Eröffnung im Jahr 1971.
HerneHerne-Börnig
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Erbaut1971
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StadtbezirkOrtsteil


Das Zentrum ging wesentlich auf die Initiative der Herner AWO-Funktionärin und Kommunalpolitikerin Else Drenseck zurück. Ihr Anliegen war es, ältere Menschen nicht lediglich in einem Heim unterzubringen, sondern ihnen auch im Alter möglichst weitgehende Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Das 1971 fertiggestellte Haus verband deshalb Altenwohnungen, Altenwohnheim und stationäre Pflege miteinander. Die Anlage wurde nach dem Tod Else Drensecks postum nach ihr benannt.

Nach mehr als fünf Jahrzehnten endete die Geschichte des ursprünglichen Seniorenzentrums Ende 2025. Die Gebäude sollen im Rahmen einer bereits seit 2018 betriebenen städtebaulichen Neuordnung schrittweise durch eine neue Seniorenwohn- und Pflegeanlage sowie eine Kindertagesstätte ersetzt werden.

Lage

Das Altenzentrum befand sich im Stadtteil Börnig im Stadtbezirk Sodingen. Das Grundstück liegt nördlich der Castroper Straße zwischen der Kirchstraße und der Straße Am Katzenbuckel. Das Areal wurde im Süden durch die Castroper Straße, im Westen durch die Kirchstraße sowie im Norden und Osten durch die Straße Am Katzenbuckel und angrenzende Grundstücke begrenzt.

Das Umfeld war und ist überwiegend durch aufgelockerte Wohnbebauung geprägt. Bereits die ursprüngliche Planung zielte darauf, ältere Menschen nicht an einen abgeschlossenen Heimstandort zu verdrängen, sondern eine Altenwohnstätte bewusst in das bestehende Stadtquartier zu integrieren.

Das Plangebiet des späteren vorhabenbezogenen Bebauungsplans Nr. 23 umfasste die Flurstücke 352 teilweise, 389 und 390 der Gemarkung Börnig, Flur 9. Das eigentliche Grundstück der Seniorenwohnanlage auf Flurstück 389 umfasste rund 11.600 m².

Vorgeschichte

Else Drenseck um 1958

Die Entstehung des Altenzentrums ist eng mit der Entwicklung der AWO in Herne und mit dem Wirken Else Drensecks verbunden.

Else Drenseck hatte sich bereits nach dem Zweiten Weltkrieg beim Wiederaufbau der Arbeiterwohlfahrt engagiert. 1951 entstand auf ihre Initiative die erste Altenbegegnungsstätte der Herner AWO. Damit war ein wichtiger Grundstein für eine eigenständige Altenarbeit des Verbandes gelegt.

Drenseck war darüber hinaus von 1946 bis 1974 Mitglied des Rates der Stadt Herne und wurde 1964 als erste Frau in der Geschichte der Stadt zur Bürgermeisterin gewählt. Ihr politisches und sozialpolitisches Engagement konzentrierte sich unter anderem auf die Wohlfahrtspflege und die Verbesserung der Lebensbedingungen älterer Menschen.

Die AWO verfügte seit 1964 mit dem Karl-Hölkeskamp-Haus an der Breddestraße über ein eigenes Zentrum für ihre Verbandsarbeit. Für die Altenhilfe wurde jedoch eine eigenständige, größere Einrichtung benötigt. Drenseck setzte sich deshalb mit besonderem Nachdruck für den Bau einer Altenwohnstätte in Börnig ein.

Planung und Bau

Abschluss des 1. Spatenstiches.

Die Planungen für die Altenwohnstätte gingen von einem für die damalige Zeit ungewöhnlich differenzierten Wohn- und Pflegekonzept aus. Vorgesehen waren 38 Altenwohnungen für Ehepaare, 110 Einzelappartements im Altenwohnheim und 45 Pflegezimmer. Damit sollte die Einrichtung unterschiedliche Formen des Wohnens im Alter miteinander verbinden.

Ein zentraler Gedanke der Planung war die soziale Gleichheit. In einem zeitgenössischen Bericht der WAZ vom 3. Juni 1971 wurde das von Else Drenseck vertretene Leitmotiv wiedergegeben:

„Wenigstens im Alter soll es keine sozialen Unterschiede mehr geben!“

Die geplante Ausstattung war für die damalige Zeit entsprechend anspruchsvoll. Die Wohnungen und Appartements verfügten über helle Räume, eigene Bäder, Einbauschränke und überwiegend kleine Balkone. Die Bewohner sollten möglichst in Einzelzimmern leben. Nach der zeitgenössischen Berichterstattung unterschieden sich die Wohnungen hinsichtlich Ausstattung und Komfort nur unwesentlich voneinander.

Der erste Spatenstich erfolgte am 17. November 1969. Nach 16 Monaten Bauzeit war das Gebäude fertiggestellt. Die Herstellungskosten beliefen sich – ohne Inventar – auf 7.619.000 DM. Der Architekt Günther Kauermann (1928 – 2012) aus Dortmund baute zahlreiche Gebäude für die Arbeiterwohlfahrt.[1]

Eröffnung 1971

Die neue Altenwohnstätte wurde im Juni 1971 ihrer Bestimmung übergeben. An der Eröffnungsfeier nahmen mehr als 200 Menschen teil. Zu den Gästen gehörten der Herner Oberbürgermeister Robert Brauner, Vertreter der politischen Parteien, die Vorsitzenden der Herner AWO-Ortsgruppen, Vertreter der Kirchen und zahlreiche ältere Bürger. Die Feier wurde musikalisch durch das Emscherland-Orchester und den Männergesangverein Concordia begleitet.

Der Vorsitzende des AWO-Bezirks Westliches Westfalen, Ernst Knäpper[2], bezeichnete die Einrichtung als Ausdruck einer modernen Altenhilfe. Das Alter wurde dabei nicht als gesellschaftlicher Rückzug verstanden, sondern als eigenständige Lebensphase.

Auch Oberbürgermeister Robert Brauner betonte bei der Eröffnung, die Altenhilfe müsse sich von überkommenen Vorstellungen lösen. Die Bewohner sollten nicht „abgeschrieben“ werden, sondern weiterhin am Leben ihrer Umgebung und der Gesellschaft teilnehmen.

Die zeitgenössische Berichterstattung bewertete die bauliche und organisatorische Konzeption ausgesprochen positiv. Das Zentrum wurde als Beispiel einer modernen und zukunftsweisenden Altenhilfe verstanden.

Ausstattung und Konzept

Das Zentrum war weit mehr als ein klassisches Altenheim. Neben den Wohn- und Pflegebereichen wurden zahlreiche Dienstleistungen und Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten. Dazu gehörten unter anderem:

  • Gymnastik
  • Fußpflege
  • Friseur
  • Fernsehen
  • Wäschepflege
  • ein stationärer Mittagstisch
  • Gottesdienste
  • eine Großküche
  • Angebote zur Begegnung und Freizeitgestaltung.

Die Großküche war zunächst auf rund 100 Essensportionen täglich ausgelegt. Das Essen wurde an fünf Tagen in der Woche nicht nur für die Bewohner, sondern über AWO, Innere Mission, Caritas und DRK auch im Rahmen des damaligen rollenden Mittagstisches an ältere Menschen ausgeliefert.

Besonders bemerkenswert war der stationäre Mittagstisch. Er richtete sich an ältere Menschen, die noch einen eigenen Haushalt führten, sich aber einsam fühlten. Der tägliche Aufenthalt im Zentrum sollte einen schrittweisen Übergang ermöglichen – vom selbstständigen Wohnen zur Betreuung im Altenzentrum, wenn dies später erforderlich wurde.

Damit nahm das Börniger Altenzentrum bereits Anfang der 1970er Jahre Gedanken vorweg, die später in der Altenhilfe unter Begriffen wie ambulant vor stationär, selbstbestimmtes Wohnen und Quartiersorientierung eine wesentlich größere Bedeutung erhielten.

Selbstständigkeit der Bewohner

Ein besonderes Merkmal des Hauses war der Versuch, die Selbstständigkeit der Bewohner so lange wie möglich zu erhalten.

Nach Angaben der AWO besaßen die Bewohner einen eigenen Schlüssel und konnten das Haus selbstständig verlassen und betreten. Auch die Möglichkeit, eigene Lebensmittel im Kühlschrank aufzubewahren, war ausdrücklich vorgesehen. Solche Freiheiten waren in Alten- und Pflegeheimen der frühen 1970er Jahre keineswegs selbstverständlich.

Die bauliche Konzeption folgte damit einem anderen Verständnis des Alters als viele ältere Heimformen. Der Bewohner sollte nicht primär als Pflegefall betrachtet werden, sondern als Bürger, der weiterhin über sein eigenes Leben bestimmen konnte.

Auch der damalige AWO-Bezirksvorsitzende Ernst Knäpper unterstrich bei der Eröffnung, dass die Bewohner nicht mit familiären Kosenamen wie „Oma“ oder „Opa“ angesprochen werden sollten. Die Empfehlung verdeutlichte das damals bewusst formulierte Ziel eines respektvollen und erwachsenengerechten Umgangs mit älteren Menschen.

Entwicklung zum Else-Drenseck-Seniorenzentrum

Die Einrichtung trug zunächst die Bezeichnung Altenzentrum Am Katzenbuckel beziehungsweise Seniorenhaus Am Katzenbuckel. Erst nach dem Tod von Else Drenseck wurde das Haus in Anerkennung ihrer Verdienste in Else-Drenseck-Seniorenzentrum umbenannt.

Else Drenseck starb am 13. Dezember 1997 in Herne. Die Namensgebung stellte einen direkten Zusammenhang zwischen ihrem jahrzehntelangen sozialpolitischen Engagement und der von ihr maßgeblich geförderten Einrichtung her.

In der Geschichte der Herner AWO nahm das Zentrum damit eine besondere Stellung ein. Es war nicht nur eine Pflegeeinrichtung, sondern auch ein sichtbares Ergebnis der sozialpolitischen Vorstellungen Drensecks.

Leitungen

Die Chronik nennt folgende Leitungen des Hauses:

Zeitraum Leitung
1971–? Ehepaar Pfeilschmidt
?–1989 Reinhard Pohlmann
1989–1999 Rolf Platzhoff
1999–? Beate Diesel
?–2013 Thomas Zerske
2013–2014 Katja Kiesling
2015-2025 Heike Strauss

Das 50-jährige Bestehen

2021 konnte das Zentrum sein 50-jähriges Bestehen feiern. Die AWO Herne beging das Jubiläum mit einem Sommerfest. Zu den Gratulanten gehörte auch Heinz Drenseck, der Sohn der Namensgeberin. Die AWO erinnerte dabei an Else Drensecks entscheidenden Anteil an der Entstehung des Hauses.

Das Jubiläum fiel zugleich in eine Phase, in der die Zukunft des Gebäudebestandes bereits grundsätzlich infrage stand. Die Anforderungen an moderne Pflegeeinrichtungen hatten sich seit der Errichtung Anfang der 1970er Jahre erheblich verändert.

Planungen für einen Ersatzneubau

Die AWO plante deshalb bereits seit mehreren Jahren eine grundlegende Neustrukturierung des Standortes.

2018 leitete die Stadt Herne das Verfahren für den Vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nr. 23 – Else-Drenseck-Seniorenzentrum ein. Ziel war nicht lediglich eine Sanierung der bestehenden Gebäude, sondern eine schrittweise Neuordnung des gesamten Areals.

Vorgesehen waren:

  • neue Seniorenwohnungen,
  • eine neue stationäre Altenpflegeeinrichtung,
  • Gemeinschaftsbereiche,
  • eine Kindertagesstätte,
  • neue Freiflächen und
  • Stellplätze.

Der ursprüngliche Gebäudebestand sollte dabei sukzessive zurückgebaut und durch Neubauten ersetzt werden.

Nach der aktuellen Planung sollen drei größere Baukörper um einen Quartiersplatz gruppiert werden. Entlang der Kirchstraße sind zwei- bis dreigeschossige Gebäude mit Seniorenwohnungen vorgesehen. Östlich davon soll ein dreigeschossiges Gebäude für die stationäre Altenpflege entstehen. Im Bereich zur Castroper Straße ist ein viergeschossiger Baukörper mit Seniorenwohnungen vorgesehen. Zusätzlich ist im südöstlichen Teil des Plangebietes eine zweigeschossige Kindertagesstätte mit vier Gruppen geplant.

Schließung und Ende des alten Hauses

Die AWO kündigte 2024 die Schließung des bisherigen Else-Drenseck-Zentrums an. Ursprünglich war als Zeitpunkt der 31. Dezember 2025 vorgesehen. Die Schließung betraf rund 120 Bewohnerinnen und Bewohner sowie etwa 110 Beschäftigte.

Damit endete nach mehr als fünf Jahrzehnten die Geschichte des ursprünglichen Gebäudes als Alten- und Pflegeeinrichtung.

Die Schließung war nicht allein eine Folge des Alters der Gebäude. Auch die Anforderungen an die Belegung und Ausstattung moderner Pflegeheime hatten sich verändert. Bereits in Planungen für einen Ersatzstandort wurde auf eine zu hohe Bewohnerdichte im Else-Drenseck-Zentrum und den daraus entstehenden Bedarf an zusätzlichen Pflegeplätzen hingewiesen.

Mit der Schließung endete somit nicht die AWO-Tradition der Altenhilfe an diesem Standort. Vielmehr sollte das ursprüngliche Gebäude einem neuen, zeitgemäßen Konzept weichen.

Diskussion über die Nachnutzung

Die bevorstehende Aufgabe des Seniorenzentrums führte auch zu einer Diskussion über eine mögliche alternative Nutzung des vorhandenen Gebäudebestandes.

Die Herner Grünen regten Ende 2024 beziehungsweise Anfang 2025 an, das Areal als möglichen Bildungsstandort zu untersuchen. Angesichts des Mangels an Schul- und Kindertagesstättenplätzen sollten unter anderem eine Schule, eine Kindertagesstätte, ein Lernzentrum, eine Dependance oder eine Kombination verschiedener Nutzungen geprüft werden.

Diese Überlegungen standen allerdings neben der bereits seit 2018 verfolgten Planung der AWO, den Standort als Seniorenwohn- und Pflegeanlage mit Kindertagesstätte neu zu entwickeln.

Bedeutung für die Herner Sozialgeschichte

Das Else-Drenseck-Seniorenzentrum ist ein anschauliches Beispiel für den Wandel der Altenhilfe in Herne innerhalb eines halben Jahrhunderts.

Bei seiner Errichtung 1971 galt die Anlage als ausgesprochen modern. Die Verbindung von Altenwohnungen, Einzelappartements und Pflegezimmern, die weitgehend einheitliche Ausstattung, die eigenen Schlüssel der Bewohner, die Freizeit- und Dienstleistungsangebote sowie der stationäre Mittagstisch spiegelten ein neues Verständnis des Alters wider.

Das Zentrum war zugleich Ausdruck der sozialpolitischen Vorstellungen Else Drensecks. Ihr Ziel, soziale Unterschiede wenigstens im Alter möglichst zurückzudrängen, prägte die Konzeption. Die Einrichtung sollte ältere Menschen nicht aus der Gesellschaft aussondern, sondern ihnen möglichst lange Selbstständigkeit und Teilhabe ermöglichen.

Dass gerade dieses Haus rund 55 Jahre später selbst aufgegeben werden musste, zeigt zugleich den Wandel der Anforderungen. Die Vorstellungen über Pflege, Wohnqualität, Barrierefreiheit, Bewohnerdichte und Betreuung hatten sich ebenso verändert wie die gesetzlichen und fachlichen Rahmenbedingungen.

Die Geschichte des Else-Drenseck-Seniorenzentrums ist daher nicht nur die Geschichte eines einzelnen Altenheims. Sie steht exemplarisch für die Entwicklung der Herner Wohlfahrtspflege von den ersten Altenbegegnungsstätten der Nachkriegszeit über die moderne Altenwohnstätte der 1970er Jahre bis zur heutigen quartiersbezogenen Senioren- und Pflegeplanung.

Quellen und Literatur

  • Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 3. Juni 1971.
  • Herner Rundschau, 28. Juni 1971.
  • Herner Rundschau, 30. Juni 1971.
  • AWO: Else Drenseck – eine eindrucksvolle Lebensgeschichte.
  • Stadt Herne: Vorhabenbezogener Bebauungsplan Nr. 23 – Else-Drenseck-Seniorenzentrum.
  • Stadt Herne: Ersatzneubau Else-Drenseck-Seniorenwohnanlage/Neubau KiTa – Vorhabenbeschreibung.
  • AWO Ruhr-Mitte: AWO aktuell, Ausgabe 2/2021.
  • Cornelia Objartel-Balliet: „Schick sie doch zum Konsum“. Erinnerungen an Else Drenseck. In: Frank Braßel (Hrsg.): Nichts ist so schön wie … Geschichte und Geschichten aus Herne und Wanne-Eickel. Klartext, Essen 1991.
  • Karin Sandmeier / Gabriele Wand-Seyer: Im Schatten der Geschichte. Herner Frauenleben vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Herausgegeben von der Gleichstellungsstelle der Stadt Herne, Herne 1997, S. 83 ff.

Zeitschichten

Am 28. und 30. Juni 1971 schrieb die Herner Rundschau: Der Architekt: "Das Urteil fällen die Bewohner!""

Das Altwerden ist erstrebenswert; es ist die einzige Zukunft des Menschen. Daher: "Das Alter ist eine Lebensphase!"

Diese Reverenz vor unseren Seniorbürgern in den Worten des Vorsitzenden der Arbeiterwohlfahrt, Bezirk Westliches Westfalen, und Präsidenten der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe, Ernst Knäpper (Dortmund), am Samstagmorgen in Herne findet ihre äußere Bestätigung in der neuen Altenwohnstätte der AWO an der Kirch-/Ecke Castroper Straße in Börnig.

Das nach 16-monatiger Bauzeit vollendete Werk wurde Samstag seiner Bestimmung übergeben. Das Emscherland-Orchester und der MGV Concordia umrahmten die Feier. Hernes Stadtprominenz mit Oberbürgermeister Robert Brauner an der Spitze, Parteienvertreter und die elf Vorsitzenden der AWO-Ortsgruppen unserer Stadt, Kirchenvertreter und Seniorbürger in stattlicher Zahl bildeten die über 200 Menschen zählende Festversammlung.

Über die architektonische Lösung und Einrichtung gab es einhelliges Lob. Hier entstand ein Beispiel moderner und auch zukunftsweisender Altenhilfe.

Architekt Günther Kauermann (Dortmund) wehrte die Komplimente des AWO-Stadtverbandsvorsitzenden Willi Grobe zu der "prächtigen und zweckmäßigen baulichen Lösung" ab. Er meinte, die eigentlichen Kritiker würden die künftigen Bewohner der Stätte sein. "Sie sprechen das endgültige Urteil über das Haus", das in der Herstellung (ohne Inventar) 7.619.000 DM kostete.

Oberbürgermeister Robert Brauner unterstrich die Bedeutung der Altenhilfe. "Ohne äußere Demonstrationen", in aller Stille, hätten die alten Menschen auf sich aufmerksam gemacht. Altenhilfe und -fürsorge habe nichts mehr mit herkömmlichen Begriffen zu tun. "Es muß hier umgedacht werden. Und das ist gut so!"
Die Seniorbürger seien nicht abgeschrieben, sondern ihnen komme die volle Teilnahme an der Entwicklung in ihrer Umgebung und Gesellschaft zu.
Die AWO habe hier in Börnig, indem sie das Zentrum inmitten des pulsierenden Lebens hineinbaute, einen unschätzbaren Dienst für die Gemeinschaft geleistet.

Dechant Brüser gratulierte für die katholische Kirche. Für die CDU fand Bürgermeister Wehrenbrecht, daß seine Partei die Pläne der AWO mit "warmem Herzen unterstützt" habe und auch Ergänzungen befürworten werde. SPD-Kreisverbandsvorsitzender Willi Pohlmann (MdL) wies auf die innere Verbundenheit von SPD und AWO hin und erinnerte daran, daß beide Organisationen seit jeher um eine moderne Sozialpolitik bemüht seien. Dazu gehöre, daß der alte Mensch nicht auf ein Gettodasein verbannt werde. "Auch er steht nach wie vor voll im Leben!"

Pastor Stark von der evangelischen Kirchengemeinde Börnig wünschte ein gutes Zusammenwirken und würdigte die Arbeit der AWO, die nicht umsonst ein flammendes Herz als Zeichen aufweise, ein Symbol für stete Hilfsbereitschaft.

AWO-Bezirksvorsitzender Knäpper hob in seiner Festansprache die Bedeutung einer modernen Altenhilfe für die gesamte Gesellschaft hervor. Der Übergang vom Arbeitsleben zum Ruhestand sei eine wichtige Lebenszäsur. Hier werden Hilfen notwendig. Altenhilfe müsse unter anderem phantasievoll und einfühlend sein, wenn sie ihrer Aufgabe gerecht werden solle.

Heute wohnen in der Bundesrepublik 7,6 Millionen alte Menschen, das sind 13 Prozent der Bevölkerung. Im Jahre 2000 ist jeder Fünfte über 65 Jahre alt. Die medizinische Wissenschaft habe allein in diesem Jahrhundert die Lebenserwartung um 20 Jahre angehoben. Hier ist die Gemeinschaft aufgerufen, intensiv mitzuarbeiten, das Leben auch im Alter lebenswert zu machen.

Die besten Einrichtungen, und zweckmäßigsten Wohnungen seien sinnlos, wenn die Seniorbürger sich selbst überlassen bleiben. Es sei wichtig, den alten Menschen genauso ein Betätigungsangebot vorzulegen, wie etwa der Jugend für die Freizeit. Wichtig bleibe, daß der alte Mensch seinen Kontakt zur Umgebung nicht verliert. Ein Begegnungszentrum, wie es hier im Börnig ideal eingerichtet sei, gehöre zu den Voraussetzunqen.

Auch der Umgangston ist wichtig: Knäpper mit Nachdruck: "In den Heimen der AWO ist es verpönt, die Bewohner als "Oma und Opa" zu bezeichnen!" Das sei eine Anrede in der Familie. Den Heimeltern im Börniger Altenzentrum empfahl Knäpper abschließend: "Seien Sie den alten Menschen gute Kinder!" [3]

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Einzelnachweise