KPD Herne (1919-1956)

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
Kommunistische Partei Deutschlands - Herne
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AbkürzungKPD
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Gründung1919
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Auflösung1956
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SitzHerne

Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) war seit der Weimarer Republik eine bedeutende politische Kraft in Herne. Besonders in der Arbeiterschaft und unter den Bergleuten fand sie zahlreiche Anhänger. Bei den Kommunalwahlen 1924 wurde die KPD stärkste Fraktion der Herner Stadtverordnetenversammlung. Auch bei den Wahlen 1929 und 1933 verfügte sie über eine starke parlamentarische Vertretung.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde die KPD verboten. Ihre Funktionäre und Mitglieder wurden verfolgt, verhaftet und teilweise in Konzentrationslager verschleppt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Partei wieder zugelassen. Bei der ersten Kommunalwahl 1946 erreichte sie in Herne 17,3 Prozent der Stimmen. Eine besondere Bedeutung erhielt die Stadt 1948 durch die Konferenz der KPD der westlichen Besatzungszonen.

Gründung und frühe Jahre

Die KPD entstand auf dem Gründungsparteitag vom 29. Dezember 1918 bis zum 1. Januar 1919 in Berlin aus dem Spartakusbund und weiteren linksrevolutionären Gruppen. Aus Herne nahm der Bergarbeiter Jakob Konieczny als Delegierter an dem Parteitag teil. Konieczny gehörte zuvor der SPD an und war Mitbegründer des Spartakusbundes in Herne.

Nach seiner Rückkehr aus Berlin rief Konieczny gemeinsam mit weiteren Genossen zu einer öffentlichen Versammlung der Spartakusgruppe in Herne auf. Eine weitere Versammlung folgte kurze Zeit später. Damit entstand in Herne eine der frühen örtlichen Organisationen der neu gegründeten KPD.

Die politische Entwicklung der KPD war in den ersten Jahren von den Auseinandersetzungen innerhalb der Arbeiterbewegung geprägt. In Herne bestanden dabei enge Verbindungen zur Bergarbeiterschaft und zu den Betrieben des Ruhrbergbaus.

Entstehung der KPD in Herne

Die KPD entstand Ende 1918 aus dem Spartakusbund und weiteren linksradikalen Gruppen. Auch in Herne bildete sich eine örtliche kommunistische Organisation.

Zu den frühen kommunistischen Funktionären in Herne gehörte der Bergarbeiter Jakob Konieczny. Er war an der Bildung des Spartakusbundes in Herne beteiligt und nahm als Delegierter am Gründungsparteitag der KPD vom 29. Dezember 1918 bis zum 1. Januar 1919 in Berlin teil.

Die Entwicklung der KPD in Herne stand in engem Zusammenhang mit der politischen und sozialen Situation im Ruhrgebiet. Die Bergarbeiter bildeten einen wichtigen Teil ihrer örtlichen Anhängerschaft.

Die KPD in der Weimarer Republik

Bei der Stadtverordnetenwahl am 4. Mai 1924 erhielt die KPD zwölf Sitze und wurde damit stärkste Fraktion in der Herner Stadtverordnetenversammlung.

Partei Sitze
KPD 12
Kommunaler Ordnungsblock 10
Zentrum 9
SPD 5
Wirtschaftlicher Arbeiterverein 3
Union der Hand- und Kopfarbeiter 1
Polen 1
Demokraten 1
Christlich-soziale Partei 1
Unabhängige Sozialdemokratische Partei 1

[1]

Bei der Reichstagswahl vom Mai 1924 wurde außerdem die Hernerin (oder Bochum-Weitmar?) Maria Backenecker für die KPD in den Reichstag gewählt. Sie gehörte dem Parlament nur vorübergehend an; im Dezember 1924 rückte für den Wahlkreis erneut eine SPD-Abgeordnete nach.[2]

Kommunalwahl 1929

Nach der Eingemeindung des Amtes Sodingen wurde die Stadtverordnetenversammlung 1929 neu gewählt. Bei der Wahl am 17. November 1929 erhielt die KPD elf Sitze und gehörte damit gemeinsam mit dem Zentrum zu den stärksten Fraktionen.

Partei Sitze
KPD 11
Zentrum 11
SPD 9

Weitere Sitze entfielen auf verschiedene kleinere Parteien und Wählervereinigungen.[3]

Zu den kommunistischen Stadtverordneten gehörte Viktor Reuter. Der 1899 in Barmen geborene Bergmann war 1923 der KPD beigetreten. 1928 wurde er Stadtverordneter der KPD in Herne. Am 9. Dezember 1929 wurde Reuter neben Jean Vogel zum unbesoldeten Beigeordneten der Stadt Herne gewählt.[4]

Kommunalwahl 1933

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden die Gemeindeparlamente aufgelöst. Für den 12. März 1933 wurden Neuwahlen angeordnet.

In Herne erhielt die KPD trotz der bereits einsetzenden Verfolgung noch zehn Sitze. Die NSDAP kam auf 17 Sitze, das Zentrum auf zehn und die SPD auf sechs Sitze.[5]

Die kommunistische Fraktion konnte jedoch nicht dauerhaft tätig werden. Nach der Machtübernahme wurden die kommunistischen Stadtverordneten ihrer Ämter enthoben. Die Stadt Herne weist darauf hin, dass führende Politiker der SPD und KPD ohne Gerichtsbeschluss in sogenannte Schutzhaft genommen wurden.[6]

Verfolgung und Widerstand 1933–1945

Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde die KPD verboten. Ihre Organisationen wurden aufgelöst, ihr Vermögen beschlagnahmt und ihre Mitglieder verfolgt.

In Herne setzte ein Teil der Kommunisten die politische Tätigkeit illegal fort.

Ein bedeutendes Beispiel ist Viktor Reuter. Er wurde in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933, unmittelbar nach dem Reichstagsbrand, verhaftet. Nach seiner Entlassung setzte er seine politische Tätigkeit fort und wurde im Oktober 1933 erneut wegen illegaler Parteiarbeit verhaftet. Später wurde er in das Konzentrationslager Bergen-Belsen verschleppt. Dort starb er 1945 kurz vor der Befreiung des Lagers.[7]

Auch August Schuster gehörte zu den kommunistischen Widerstandskämpfern in Herne. Der am 1. April 1887 in Herne geborene Bergmann war seit 1924 Mitglied der KPD und wurde im selben Jahr in das Herner Stadtparlament gewählt. 1933 übernahm er eine führende Funktion im illegalen KPD-Unterbezirk Herne.

Schuster beteiligte sich an geheimen Zusammenkünften sowie an der Herstellung und Verbreitung illegaler Schriften. 1935 wurde er wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Er starb am 22. Dezember 1944 im Zuchthaus Butzbach.[8]

Auch seine Ehefrau Wilhelmine „Mimmi“ Schuster war in der KPD aktiv. Sie trat 1925 der Partei bei und rückte 1932 in die Herner Stadtverordnetenversammlung nach. Nach 1933 unterstützte sie die illegale Arbeit der KPD. 1935 wurde sie zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. 1944 wurde sie erneut verhaftet und in das Konzentrationslager Ravensbrück verschleppt, wo sie am 13. Februar 1945 starb.[9]

Wiederaufbau nach 1945

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die KPD in den westlichen Besatzungszonen wieder zugelassen. Auch in Herne begann der Wiederaufbau der Partei.

Die KPD konnte zunächst an ihre frühere Verankerung in der Arbeiterschaft anknüpfen. Bei der ersten Kommunalwahl nach dem Zweiten Weltkrieg am 13. Oktober 1946 erhielt sie in Herne 17,3 Prozent der Stimmen und wurde damit drittstärkste politische Kraft hinter CDU und SPD.

Bei der Kommunalwahl 1948 sank der Stimmenanteil auf 13,0 Prozent. 1952 erhielt die KPD noch 7,6 Prozent.

Jahr KPD
1946 17,3 %
1948 13,0 %
1952 7,6 %

[10]

Die Herner Konferenz 1948

Eine besondere Bedeutung erhielt Herne in der Geschichte der KPD der westlichen Besatzungszonen.

Am 22. April 1948 kamen in Herne 289 Delegierte der KPD aus den elf Ländern der westlichen Besatzungszonen zusammen. Auf der Konferenz wurde erstmals ein eigener Parteivorstand für die westlichen Besatzungszonen gewählt. Zum Vorsitzenden wurde Max Reimann gewählt.[11]

Die Konferenz war eine Folge der zunehmenden politischen und organisatorischen Trennung zwischen den westlichen Besatzungszonen und der sowjetischen Besatzungszone. Die KPD der westlichen Besatzungszonen erhielt damit eine eigenständige organisatorische Leitung.

Auf der Konferenz wurde außerdem die Umbenennung der Partei in Sozialistische Volkspartei Deutschlands beschlossen. Die westlichen Besatzungsmächte untersagten jedoch die Umbenennung.[12]

Politische Entwicklung nach 1948

Der Stimmenanteil der KPD bei den Kommunalwahlen in Herne ging nach 1948 weiter zurück. Bei der Kommunalwahl 1952 erreichte sie noch 7,6 Prozent.

Die politische Auseinandersetzung zwischen KPD und den anderen Parteien verschärfte sich im Zuge des Kalten Krieges. In Herne zeigte sich dies unter anderem bei den politischen Auseinandersetzungen um Streiks, die wirtschaftliche Neuordnung und die politische Ausrichtung der Gewerkschaften.

Verbot der KPD

Am 17. August 1956 erklärte das Bundesverfassungsgericht die KPD für verfassungswidrig und löste die Partei auf. Damit endete auch die legale Tätigkeit der KPD in Herne.

Bei der Kommunalwahl 1956 trat die KPD in Herne nicht mehr an. Die Partei erreichte bei den Kommunalwahlen zuvor:

Wahljahr Stimmenanteil
1946 17,3 %
1948 13,0 %
1952 7,6 %

[13]

Bedeutung für die Stadtgeschichte

Die KPD war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine wichtige politische Kraft in Herne. Ihre stärkste kommunalpolitische Stellung erreichte sie während der Weimarer Republik. 1924 stellte sie mit zwölf Stadtverordneten die stärkste Fraktion. Auch 1929 und 1933 war sie mit einer großen Fraktion im Stadtparlament vertreten.

Die nationalsozialistische Herrschaft bedeutete einen tiefen Einschnitt. Zahlreiche Mitglieder und Funktionäre wurden verfolgt. Einige setzten ihre politische Tätigkeit im Untergrund fort und wurden verhaftet, zu Haftstrafen verurteilt oder in Konzentrationslager verschleppt.

Nach 1945 konnte die KPD zunächst wieder einen erheblichen Stimmenanteil erreichen. Die Konferenz vom 22. April 1948 machte Herne darüber hinaus zu einem wichtigen Ort der Geschichte der KPD in den westlichen Besatzungszonen.

Mit dem Verbot der KPD 1956 endete ihre Geschichte als legale politische Partei in der Bundesrepublik Deutschland.

Bekannte Herner Kommunisten

  • Jakob Konieczny – Bergarbeiter, Mitbegründer der KPD in Herne und Delegierter des Gründungsparteitages 1918/19
  • Viktor Reuter – Bergmann, Stadtverordneter und Beigeordneter der Stadt Herne; Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung
  • August Schuster – Bergmann, KPD-Stadtverordneter und Widerstandskämpfer
  • Josef Ledwohn – KPD-Funktionär und später Vorsitzender der KPD-Landesleitung Nordrhein-Westfalen
  • August Stötzel – KPD-Funktionär und ehemaliger Häftling des Konzentrationslagers Buchenwald
  • Wilhelm Heimüller – KPD-Mitglied und 1946 Oberbürgermeister von Wanne-Eickel

Literatur und Quellen

  • Norbert Kozicki: „Der Kaiser ist weg!“, Die Novemberrevolution in den Ämtern Wanne, Eickel, Sodingen und der Stadt Herne.
  • Bundesverfassungsgericht: Urteil des Ersten Senats vom 17. August 1956 – 1 BvB 2/51.
  • Stadt Herne: Stadtgeschichte – Die Zeit von 1930 bis 1945.
  • Stadt Herne: Ansprache zur Verlegung der Stolpersteine für Wilhelmine und August Schuster, 2026.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Herne, Dokumentation zur Viktor-Reuter-Straße.
  • Landtag Nordrhein-Westfalen: Elections October 1946.
  • Deutsche Nationalbibliothek: Max Reimann, Aus Reden und Aufsätzen 1946–1963.
  • Historischer Verein Herne/Wanne-Eickel: Sozialdemokraten in Herne – von den Anfängen bis zum Verbot 1933.
  • Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Biographische Datenbank, Josef (Jupp) Ledwohn.
  • Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Biographische Datenbank, August Stötzel.
  • Historischer Verein Herne/Wanne-Eickel: Sozialdemokraten in Herne – von den Anfängen bis zum Verbot 1933.

Verwandte Artikel

Einzelnachweise

  1. ↑ Historischer Verein Herne/Wanne-Eickel: Sozialdemokraten in Herne – von den Anfängen bis zum Verbot 1933, Darstellung der Stadtverordnetenwahl vom 4. Mai 1924.
  2. ↑ Liste der Abgeordneten für Herne, Angaben zur Reichstagswahl Mai 1924 und zum Wahlkreis Westfalen-Süd.
  3. ↑ Historischer Verein Herne/Wanne-Eickel: Sozialdemokraten in Herne – von den Anfängen bis zum Verbot 1933, Darstellung der Stadtverordnetenwahl vom 17. November 1929.
  4. ↑ Stadt Herne: Die Zeit von 1930 bis 1945; Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Herne, Dokumentation zur Viktor-Reuter-Straße.
  5. ↑ Historischer Verein Herne/Wanne-Eickel: Sozialdemokraten in Herne – von den Anfängen bis zum Verbot 1933, Darstellung der Stadtverordnetenwahl vom 12. März 1933.
  6. ↑ Stadt Herne: Die Zeit von 1930 bis 1945, Stadtgeschichte.
  7. ↑ Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Herne, Dokumentation zur Viktor-Reuter-Straße; Stadt Herne: Die Zeit von 1930 bis 1945.
  8. ↑ Stadt Herne: Ansprache zur Verlegung der Stolpersteine für Wilhelmine und August Schuster, 2026; Angaben zum Stolperstein Altenhöfener Straße 47.
  9. ↑ Stadt Herne: Ansprache zur Verlegung der Stolpersteine für Wilhelmine und August Schuster, 2026.
  10. ↑ Landtag Nordrhein-Westfalen: Elections October 1946, Wahlergebnisse der Stadt Herne; Ergebnisse der Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen bis 1969/73, Wahlergebnisse Herne.
  11. ↑ Max Reimann: Aus Reden und Aufsätzen 1946–1963, Inhaltsverzeichnis und Abschnitt zur Herner Konferenz, Deutsche Nationalbibliothek.
  12. ↑ Unsere Zeit: Eine „Partei der Einheit“ auch im Westen, Darstellung der Herner Konferenz vom 22. April 1948.
  13. ↑ Bundesverfassungsgericht: Urteil des Ersten Senats vom 17. August 1956 – 1 BvB 2/51; Ergebnisse der Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen bis 1969/73, Wahlergebnisse Herne.