Josef Ledwohn (1907-2003) Politiker (KPD)
Josef „Jupp“ Ledwohn (* 24. Oktober 1907 in Rünthe, Kreis Unna; † 4. Oktober 2003 in Berlin) war Elektromonteur, KPD-Funktionär und von 1946 bis 1954 Abgeordneter des Landtags von Nordrhein-Westfalen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte er zu den führenden Funktionären der KPD im Ruhrgebiet und in Nordrhein-Westfalen. Einen wichtigen Teil seiner politischen Tätigkeit übte er von Herne aus.[1]
Herkunft und politische Anfänge
Josef Ledwohn wurde am 24. Oktober 1907 in Rünthe im Kreis Unna als Sohn eines Bergmanns geboren. Er wuchs in Ahlen auf und absolvierte von 1922 bis 1925 eine Ausbildung zum Schlosser und Elektromonteur. Zunächst engagierte er sich in der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) und war zeitweise Mitglied der SPD. 1927 schloss er sich dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) an, 1929 trat er der KPD bei.[2]

In den folgenden Jahren übernahm Ledwohn verschiedene Funktionen innerhalb der KPD und des KJVD. 1932 war er politischer Leiter des KPD-Unterbezirks Ahlen und anschließend für den KJVD im Ruhrgebiet tätig. Wegen seiner politischen Aktivitäten wurde er mehrfach verhaftet und 1933 wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu einer Zuchthausstrafe verurteilt. Er war unter anderem im KZ Aschendorfer Moor und im Zuchthaus Werl inhaftiert. Im Mai 1936 wurde er entlassen.[4]
Während der folgenden Jahre arbeitete Ledwohn als Elektromonteur und war weiterhin in der kommunistischen Widerstandsarbeit tätig. 1943 bis 1945 gehörte er illegalen KPD-Gruppen im Ruhrgebiet und in Oberschlesien an.[5]
Ledwohn in Herne nach 1945
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beteiligte sich Ledwohn am Wiederaufbau der KPD im Ruhrgebiet. Die biografischen Angaben der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur nennen ihn bereits 1945 als KPD-Funktionär in Herne.[6]
Herne entwickelte sich in dieser Zeit zu einem wichtigen organisatorischen Mittelpunkt der KPD im Ruhrgebiet. Von hier aus wurden Kontakte und Verbindungen innerhalb der kommunistischen Organisation des Ruhrgebiets unterhalten. Ledwohn gehörte in den Jahren nach 1945 zur politischen Führung dieser Organisation.
Eine zeitgeschichtliche Untersuchung zur Tätigkeit der KPD im Ruhrgebiet nennt ausdrücklich die Bezirksleitung in Herne. Dort wird Ledwohn als stellvertretender KPD-Landesvorsitzender bezeichnet. Von Herne aus bestanden auch Verbindungen zu Parteikurieren zwischen Düsseldorf, Herne und Berlin.[7]
Bezirksleiter der KPD im Ruhrgebiet
1946 und 1947 stieg Ledwohn innerhalb der KPD-Bezirksleitung Ruhrgebiet auf. Er war zunächst dritter Sekretär, anschließend erster Sekretär und schließlich Vorsitzender der KPD-Bezirksleitung Ruhrgebiet.[8]
In dieser Funktion war er nicht nur für Herne, sondern für die kommunistische Parteiorganisation im gesamten Ruhrgebiet zuständig. Die Region war für die KPD wegen ihrer hohen Konzentration von Bergbau, Industrie und Arbeiterschaft von besonderer Bedeutung.
Ledwohn gehörte außerdem dem Provinzialrat Westfalen an. Bei den Beratungen über die politische Neuordnung Westfalens und die spätere Bildung Nordrhein-Westfalens vertrat er gemeinsam mit weiteren kommunistischen Abgeordneten die Position der KPD.[9]
Landtagsabgeordneter für die KPD
Mit der Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen wurde Ledwohn Mitglied des neugebildeten Landtags. In der ersten Ernennungsperiode vom 2. Oktober bis 19. Dezember 1946 führte er die KPD-Fraktion im Landtag.[10]
Auch nach der ersten Landtagswahl 1947 blieb Ledwohn Abgeordneter. Im Abgeordnetenverzeichnis des Landtags wird als Wohnort Herne, Freiligrathstraße 10 angegeben. Als Beruf ist Elektromonteur, als politische Funktion Parteibezirksvorsitzender vermerkt.[11]
Damit war Ledwohn nicht lediglich ein auswärtiger Politiker mit einem politischen Bezug zu Herne. Er lebte in der Stadt und war von dort aus in der Landes- und Ruhrgebietspolitik der KPD tätig.
Vorsitzender der KPD in Nordrhein-Westfalen
Ende der 1940er Jahre übernahm Ledwohn eine führende Stellung in der KPD Nordrhein-Westfalen. 1949 wurde er Mitglied des Parteivorstands der KPD. Von 1949 bis 1956 wird er als erster Vorsitzender der KPD-Landesleitung Nordrhein-Westfalen geführt.[12]
Die politische Tätigkeit Ledwohns ging damit weit über die kommunale Ebene Herne hinaus. Sein Wohn- und Arbeitsmittelpunkt blieb jedoch zunächst Herne. Aus der Stadt heraus war er mit der KPD-Führung des Ruhrgebiets und der Landesorganisation Nordrhein-Westfalen verbunden.
Verhaftung 1954
Am 6. August 1954 wurde Ledwohn in Essen verhaftet. Ihm wurde Vorbereitung zum Hochverrat vorgeworfen. Zu diesem Zeitpunkt war er erster Sekretär der KPD-Landesleitung Nordrhein-Westfalen und Landtagsabgeordneter.[13]
Die Verhaftung hatte auch unmittelbare Auswirkungen auf seine Familie in Herne. Zeitgenössische Berichte des Neuen Deutschland aus den Jahren 1956 und 1957 nennen die Wohnung der Familie Ledwohn in Herne. Im September 1956 wurde dort eine mehrstündige Hausdurchsuchung durchgeführt. Dabei wurden nach dem Bericht unter anderem Bücher beschlagnahmt.[14]
Im März 1957 berichtete die Zeitung erneut aus Herne über die Familie Ledwohn. Ein Gerichtsvollzieher des Amtsgerichts Herne pfändete im Auftrag des Bundesgerichtshofs Möbel und Einrichtungsgegenstände aus der Wohnung der Familie.[15][16]
Seine Ehefrau Elfriede Ledwohn musste ebenfalls einige Gerichtsverfahren hinter sich bringen.[17][18]
Diese zeitgenössischen Berichte belegen zugleich, dass die Familie Ledwohn auch nach seiner Verhaftung weiterhin in Herne lebte.
Urteil und weitere Entwicklung
Am 13. Juli 1956 wurde Ledwohn vom Bundesgerichtshof wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Er verbüßte seine Haft im Gefängnis Hagen und wurde am 4. Dezember 1957 entlassen.[19][20]
Nach seiner Haftentlassung blieb Ledwohn politisch aktiv. 1956 bis 1968 gehörte er dem Zentralkomitee und dem Politbüro der KPD in Ost-Berlin an. Nach der Gründung der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) 1968 trat er dieser bei und gehörte deren Landesorganisation Nordrhein-Westfalen sowie später dem Parteivorstand an.[21]
Im Januar 1975 übersiedelte Ledwohn in die DDR. Dort arbeitete er am Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED. Nach 1990 trat er der PDS bei.
Josef Ledwohn starb am 4. Oktober 2003 in Berlin.[22]
Herner Jahre
Die Jahre nach 1945 waren der wichtigste Zeitraum für die Verbindung Josef Ledwohns mit Herne. Die Stadt war zunächst sein politischer Standort innerhalb der KPD des Ruhrgebiets und später sein Wohnort während seiner Tätigkeit als führender Landespolitiker.
Sein Name steht damit zugleich für die politische Bedeutung Hernes innerhalb der kommunistischen Arbeiterbewegung des Ruhrgebiets in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Ledwohn gehörte zu den KPD-Funktionären, die von Herne aus die politische Organisation über die Stadtgrenzen hinaus mitprägten.
Medien
Literatur und Quellen
- Landtag Nordrhein-Westfalen: Abgeordnetendetail Josef Ledwohn, Beruf: Elektromonteur, geboren 24.10.1907 in Rünthe, verstorben 4.10.2003.
- Landtag Nordrhein-Westfalen: Abgeordnetenverzeichnis, 1. Wahlperiode, Eintrag Josef Ledwohn, Herne, Freiligrathstraße 10.
- Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Ledwohn, Josef (Jupp), Biographische Datenbank.
- Bernd-Rainer Barth: „Ledwohn, Josef (Jupp)“, in: Wer war wer in der DDR? Ein Lexikon ostdeutscher Biographien, 5. Auflage, Ch. Links Verlag, Berlin 2010.
- Wolfgang Hölscher: Nordrhein-Westfalen. Deutsche Quellen zur Entstehungsgeschichte des Landes 1945–1946.
- Wilhelm Mensing: Zwischen Ost und West, Zeitschrift für das Forschungszentrum für deutsche und europäische Studien.Download
- Neues Deutschland, 2. September 1956, „Polizei durchwühlte Wohnung Jupp Ledwohns“.
- Neues Deutschland, 19. März 1957, „Frau Ledwohn lernt Bonner Unmenschlichkeit kennen“.
Verwandte Artikel
Quellen
- ↑ Landtag Nordrhein-Westfalen: Abgeordnetendetail Josef Ledwohn.
- ↑ Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Ledwohn, Josef (Jupp), Biographische Datenbank.
- ↑ Foto: NordNordWest, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de
- ↑ Landtag Nordrhein-Westfalen: Abgeordnetendetail Josef Ledwohn.
- ↑ Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Ledwohn, Josef (Jupp).
- ↑ Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Ledwohn, Josef (Jupp).
- ↑ Wilhelm Mensing: Zwischen Ost und West, Zeitschrift für das Forschungszentrum für deutsche und europäische Studien, Universität Trier.
- ↑ Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Ledwohn, Josef (Jupp).
- ↑ Wolfgang Hölscher: Nordrhein-Westfalen. Deutsche Quellen zur Entstehungsgeschichte des Landes 1945–1946.
- ↑ Landtag Nordrhein-Westfalen: 1. Ernennungsperiode, 2.10.1946–19.12.1946.
- ↑ Landtag Nordrhein-Westfalen: Abgeordnetenverzeichnis, 1. Wahlperiode, Eintrag Josef Ledwohn.
- ↑ Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Ledwohn, Josef (Jupp).
- ↑ Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Ledwohn, Josef (Jupp).
- ↑ Neues Deutschland, 2. September 1956, „Polizei durchwühlte Wohnung Jupp Ledwohns“.
- ↑ https://www.nd-archiv.de/artikel/672048.schikanen-gegen-joseph-ledwohn.html?sstr=Ledwohn
- ↑ Neues Deutschland, 19. März 1957, „Frau Ledwohn lernt Bonner Unmenschlichkeit kennen“.
- ↑ https://www.nd-archiv.de/artikel/675654.betreibt-bonn-sippenhaft.html?sstr=Ledwohn
- ↑ https://www.nd-archiv.de/artikel/275684.bonner-justiz-beantragt-gefaengnis-gegen-elfriede-ledwohn-10-monate.html?sstr=Ledwohn
- ↑ Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Ledwohn, Josef (Jupp).
- ↑ https://www.jungewelt.de/artikel/527987.70-jahre-kpd-verbot-auftragsurteil.html
- ↑ Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Ledwohn, Josef (Jupp).
- ↑ Landtag Nordrhein-Westfalen: Abgeordnetendetail Josef Ledwohn.

