August Stötzel (1898-1963) Politiker (KPD)

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
August Stötzel
August Stötzel
Stötzel mit seinen ältesten Kindern um 1930.
⭐
Geboren9. September 1898
in Eickel
✝️
Gestorben17. August 1963
in Berlin

August Stötzel und Herne

August Stötzel (* 9. September 1898 in Eickel[1]; † 17. August 1963 in Berlin) war Bergmann, KPD-Funktionär und kommunistischer Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Er war in den 1920er Jahren als Bergmann in Herne tätig und gehörte zu den frühen Mitgliedern der KPD im Ruhrgebiet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er 1945/46 Sekretär des KPD-Bezirksverbandes Herne.[2]

Herkunft und Bergmannszeit

August Stötzel wurde am 9. September 1898 als ältestes Kind von Zwillingen - seine Schwester Anna wurde ¼ Stunde nach ihm geboren - in Eickel geboren. Sein Vater Wilhelm Eberhard Stölzel (* 1863 in Crange † 1921 in Eickel) war Bergmann, seine Mutter hieß Louise Kalt (* 1860 Harpen) . Sie wohnten damals im Haus Roonstraße 2, der heutigen Straße Hugenpoth in Eickel und hatten am 14. Mai 1888 in Wanne geheiratet. Beide Kinder wurden am 18. September 1898 in der St. Marien Kirche in Eickel getauft.[3] Seine Schwester starb bereits am 20. März 1899. Am 23. Aprl 1911 erhielt er die erste Hl. Kommunion in seiner Taufkirche. Nach dem Besuch der Volksschule erlernte auch August Stötzel den Beruf des Bergmanns. 1921 wohnten die Eltern im Haus Hofsteder Straße 5.

Von 1915 bis 1929 arbeitete er mit Unterbrechungen im Bergbau. Für die Jahre 1924 bis 1929 wird Herne ausdrücklich als sein Arbeits- beziehungsweise Aufenthaltsort genannt.[4]

Während des Ersten Weltkriegs leistete Stötzel 1917 und 1918 Militärdienst. Die Erfahrungen des Krieges beeinflussten seine weitere politische Entwicklung. 1919 gehörte er zu den Mitbegründern beziehungsweise frühen Mitgliedern der KPD im Ruhrgebiet.[5]

Heirat

1920 heiratete er in Bochum[6] Paula Sophie Maria Schuchardt gen. Elsbeth (1905-2000). Vier Kinder wurden ihnen geboren.

  1. Winfried Stötzel * 29. Januar 1922 in Bochum † 1988 Schwerin.
  2. Wolfgang Stötzel * 7. März 1924 in Bochum. † nach 2021. [7]
  3. N.
  4. N.

Politische Tätigkeit im Ruhrgebiet

Stötzel war also zunächst weiterhin als Bergmann tätig. Von 1927 bis 1930 arbeitete er im Betriebsrat der Schachtanlage Shamrock I/II mit.[8][9] Hier war er auch als "Chefredakteur" der Internen Betriebszeitung Rote Seilscheibe tätig.[10] 1929 wechselte er in eine hauptamtliche Funktion bei der KPD-Bezirksleitung Hessen.[11]

Damit endete seine unmittelbare Tätigkeit als Bergmann in Herne. Seine politische Entwicklung führte ihn anschließend über verschiedene Funktionen zu einem der führenden Funktionäre der KPD im Ruhrgebiet.

1930 und 1931 besuchte Stötzel die Internationale Lenin-Schule in Moskau. Nach seiner Rückkehr wurde er Leiter der KPD-Bezirksleitung Hessen und anschließend Sekretär des KPD-Unterbezirks Duisburg.[12]

Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten 1933 arbeitete Stötzel illegal für die KPD. Er übernahm die politische Leitung der KPD im Ruhrgebiet.

Am 20. Januar 1934 wurde er in Dortmund verhaftet. Es folgten Haftzeiten unter anderem in Dortmund, Berlin-Moabit, Hamm, Werl und Bochum. 1935 wurde Stötzel wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt.[13]

Nach Verbüßung der Zuchthausstrafe wurde er 1937 in das Konzentrationslager Buchenwald eingewiesen. Dort arbeitete er zunächst als Dachdecker und später als Kammerhelfer. Von 1942 bis 1945 war er im Arbeitskommando des Gustloff-Werks in Weimar als Lagerältester, Kapo und Vorarbeiter eingesetzt. Gleichzeitig gehörte er der illegalen KPD-Leitung im Lager an.[14]

Die Gedenkstätte Buchenwald nennt August Stötzel als Lagerältesten des Außenlagers beziehungsweise Arbeitskommandos Gustloff-Werk Weimar. Das Kommando war Teil des KZ Buchenwald und bestand aus mehreren tausend Häftlingen.[15]

Rückkehr nach Herne

Nach der Befreiung kehrte Stötzel 1945 in das Ruhrgebiet zurück. Seine politische Tätigkeit knüpfte unmittelbar an seine frühere Arbeit für die KPD an.

Für die Jahre 1945 und 1946 wird Stötzel als Sekretär des KPD-Bezirksverbandes Herne genannt.[16]

Damit gehörte er zu den Funktionären, die nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft am Wiederaufbau der KPD-Organisation im Ruhrgebiet beteiligt waren. Herne war in dieser Zeit ein wichtiger organisatorischer Standort der KPD. Stötzel übernahm dort eine leitende Funktion, bevor er anschließend als Sekretär des KPD-Kreises Dortmund tätig wurde.[17]

Sein Aufenthalt in Herne nach 1945 war allerdings nur von kurzer Dauer. Bereits nach 1946 wechselte Stötzel in weitere Funktionen innerhalb der kommunistischen Parteiorganisation.

Weitere Tätigkeit in der DDR

Nach seiner Tätigkeit in Herne und Dortmund wechselte Stötzel in die Sowjetische Besatzungszone und wurde Mitarbeiter des Zentralkomitees der SED.

Von 1950 bis 1963 arbeitete er bei der Zentralen Parteikontrollkommission (ZPKK) der SED. Ab 1953 war er dort als Sektorenleiter tätig und wurde in verschiedene Sonderkommissionen einbezogen.[18]

Zu den Aufgaben gehörten unter anderem Untersuchungen innerhalb der SED und die Überprüfung von Parteimitgliedern. 1956 war Stötzel im Zusammenhang mit parteiinternen Maßnahmen gegen Fritz und Lydia Sperling Gegenstand parteiinterner Kritik.[19]

Stötzel blieb bis zu seinem Tod Mitarbeiter der ZPKK beziehungsweise der Parteikontrollkommission der KPD.

Stölzels Grab auf dem Friedrichsfelder Zentralfriedhof in Berlin. Bild: ViennaUK[20]

Tod

August Stötzel starb am 17. August 1963 in Berlin.[21]

Bezug zu Herne

Die Verbindung August Stötzels zu Herne umfasst zwei unterschiedliche Lebensabschnitte. In den 1920er Jahren war er hier als Bergmann tätig und entwickelte sich zu einem kommunistischen Arbeiterfunktionär. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er als politischer Funktionär in das Ruhrgebiet zurück und übernahm 1945/46 das Amt eines Sekretärs des KPD-Bezirksverbandes Herne.

Damit gehört Stötzel zu den Personen, an denen sich die Entwicklung der kommunistischen Arbeiterbewegung im Herne der Zwischenkriegszeit und der unmittelbaren Nachkriegszeit nachvollziehen lässt.

Quellen

  • Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Stötzel, August, Biographische Datenbank.
  • Bernd-Rainer Barth (Hrsg.): Wer war wer in der DDR? Ein biographisches Lexikon, Eintrag August Stötzel.
  • Gedenkstätte Buchenwald: Außenlager Weimar, Bereich „Die Häftlinge“.
  • Zwangsarbeit im KZ Buchenwald – Widerstand und Sabotage
  • Autorenkollektiv: Buchenwald. Mahnung und Verpflichtung. Dokumente und Berichte, Berlin 1983.

Verwandte Artikel

Quellen

  1. ↑ Geburtsregister Eickel Nr. 723/1898
  2. ↑ Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Stötzel, August, Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“.
  3. ↑ https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/paderborn/DE_EBAP_54508/KB014-01-T/?pg=19
  4. ↑ Bernd-Rainer Barth (Hrsg.): Wer war wer in der DDR? Ein biographisches Lexikon, Eintrag August Stötzel; Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
  5. ↑ Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Stötzel, August.
  6. ↑ Reg. Nr. 239
  7. ↑ Wolf Stötzel war Mitglied der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e.V., deren Anliegen es ist, das Gedenken an diese beiden Gedenkstätten lebendig zu halten.
  8. ↑ https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/21240545
  9. ↑ https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/21241120
  10. ↑ https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/21241776
  11. ↑ Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Stötzel, August.
  12. ↑ Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Stötzel, August.
  13. ↑ Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Stötzel, August.
  14. ↑ Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Stötzel, August.
  15. ↑ Gedenkstätte Buchenwald: Außenlager Weimar – Die Häftlinge.
  16. ↑ Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Stötzel, August.
  17. ↑ Bernd-Rainer Barth (Hrsg.): Wer war wer in der DDR? Ein biographisches Lexikon, Eintrag August Stötzel.
  18. ↑ Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Stötzel, August.
  19. ↑ Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Stötzel, August.
  20. ↑ https://commons.wikimedia.org
  21. ↑ Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: Stötzel, August.