Gustav Sobottka (1886-1953) Politiker SPD/KPD/SED
Gustav Sobottka (* 12. Juli 1886 in Turowen, Ostpreußen; † 6. März 1953 in Berlin) war ein deutscher kommunistischer Politiker und Funktionär der Arbeiterbewegung. Er entstammte dem Ruhrgebiet und war insbesondere in Röhlinghausen (heute Herne) politisch aktiv. Seine politische Bedeutung liegt vor allem in der Zeit der Weimarer Republik sowie im Widerstand und Exil während der NS-Diktatur.
| ||||||||||||||||||
Herkunft und frühe Jahre
Gustav Sobottka wurde als Sohn eines Landarbeiterehepaares Adam (1846-1926) und Auguste Sobottka (geb. Darda) geboren. 1895 zog die Familie nach Röhlinghausen im Ruhrgebiet (Füsilierstrasse (heutige Martinistraße)). 1901 wurde Gustav konfirmiert und begann im gleichen Jahr die Arbeit im Bergbau und blieb zeitlebens eng mit der Bergarbeiterschaft verbunden. 1909 heiratete er die Dienstmagd Henriette (Jettchen) Schantowski. Das Paar bekam eine Tochter und zwei Söhne.
Die Familie gehörte einer pietistischen Glaubensrichtung („Mucker“) an, was Sobottkas frühe Sozialisation prägte.
Eintritt in die Arbeiterbewegung
Sobottka trat 1909 dem Bergarbeiterverband und 1910 der SPD bei. Bereits 1913 war er in Eickel in leitender Parteifunktion tätig.
Die politische Arbeit erfolgte unter schwierigen Bedingungen: Sozialdemokratische Betätigung konnte im Bergbau zu Kündigung und Wohnungsverlust führen.
Während des Ersten Weltkriegs leistete Sobottka von 1914 bis 1918 Militärdienst.
Radikalisierung und Parteientwicklung (1917–1920)
Im Zuge der politischen Konflikte während des Krieges gehörte Sobottka 1917 zu den lokalen Mitbegründern der USPD in Eickel.
Nach der Spaltung der Arbeiterbewegung schloss er sich Ende 1920 der KPD an und entwickelte sich zu einem führenden Funktionär im Ruhrgebiet.
Tätigkeit in der Weimarer Republik
Von 1921 bis 1932 war Sobottka Abgeordneter der KPD im Preußischen Landtag. Gleichzeitig leitete er die Industriegruppe Bergbau im Zentralkomitee der Partei.
Er spielte eine wichtige Rolle in der kommunistischen Gewerkschaftsbewegung:
- Mitbegründer der „Union der Hand- und Kopfarbeiter“
- Führende Rolle in der Revolutionären Gewerkschaftsopposition (RGO) ab 1929
- Generalsekretär der internationalen Bergarbeiterorganisation ab 1930
Sobottka gehörte damit zu den zentralen Vertretern der kommunistischen Bergarbeiterbewegung im Ruhrgebiet.
Zeit des Nationalsozialismus und Exil
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 arbeitete Sobottka zunächst illegal weiter. Aufgrund drohender Verhaftung ging er ins Exil – zunächst ins Saargebiet, dann nach Paris.
1935 wurde er nach Moskau beordert, wo er für internationale kommunistische Organisationen tätig war.
Verfolgung der Familie
Die Zeit im Exil war von schweren persönlichen Schicksalsschlägen geprägt:
- Ein Sohn wurde im NS-Staat inhaftiert und starb 1945 an den Folgen der Haft.
- Ein weiterer Sohn wurde 1938 im Zuge der stalinistischen „Säuberungen“ in der Sowjetunion verhaftet und starb 1940 im Gefängnis.
Auch Sobottka selbst geriet zeitweise unter politischen Druck innerhalb der Sowjetunion.
Politische Verfolgung durch das NS-Regime
Sobottka wurde 1937 ausgebürgert. 1943 verurteilte ihn das Reichskriegsgericht in Abwesenheit zum Tode wegen Hochverrats.
Bedeutung bis 1945
Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war Gustav Sobottka:
- ein zentraler Funktionär der kommunistischen Arbeiterbewegung im Ruhrgebiet,
- ein führender Vertreter der Bergarbeiterorganisationen,
- ein politischer Emigrant und Gegner des NS-Regimes.
Seine Biographie steht exemplarisch für die Radikalisierung von Teilen der Arbeiterbewegung im Ruhrgebiet sowie für die Verfolgung kommunistischer Funktionäre im „Dritten Reich“ und im Exil.
Bedeutung nach 1945
Nach 1945 war Gustav Sobottka einer der politischen Führungskräfte neben Ulbricht, Pieck und Ackermann in der DDR. 1945 kehrte Gustav Sobottka, der im Zusammenhang mit der Verhaftung seines Sohnes zeitweilig seine Gewerkschaftsarbeit hatte aufgeben müssen, aus der Sowjetunion in die Sowjetische Besatzungszone als Leiter einer KPD-Gruppe für Mecklenburg, der Untergruppe Sobottka der Gruppe Ulbricht zurück.
Von 1947 bis 1948 war er Präsident der Deutschen Zentralverwaltung für Brennstoffindustrie, von 1949 bis 1951 war er im Ministerium für Schwerindustrie der DDR Leiter der Hauptverwaltung Kohle.
Gustav Sobottka starb nach seiner Ehrenpensionierung als „Verdienter Bergmann der DDR“ am 6. März 1953 in Berlin, angeblich soll er vor Freude über Stalins Tod einen Herzschlag erlitten haben. Seine Urne wurde in der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin-Lichtenberg beigesetzt.
Weiterführende Informationen
- Kozicki, Norbert: Vom Geheimnis eines Revolutionärs. Über Gustav Sobottka in 3 Teilen. Der Bote 2019-05, S. 32 f., Der Bote 2019-06, S. 26 f. und Der Bote 2019-07, S. 25 f.
- https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Sobottka
Verwandte Artikel
- Gustav Sobottka (Weiterleitungsseite) (← Links)

