Hohenzollern-Brunnen 1909-1940 (Eickel)
Am 13. November 1909 wurde der „Hohenzollern-Brunnen“, auch „Jubiläumsbrunnen“ genannt, im Rahmen einer beeindruckenden Jubelfeier eingeweiht. Entwurf und Ausführung stammten von dem Aachener Bildhauer Lorenz Schwind[1].
Hohenzollern-Brunnen
Die Jungfrau hat einen Namen: "Eicla"!
Die gesamte Bürgerschaft Eickels wollte einen Marktbrunnen und veranstaltete nicht nur Bazare und sonstige Spenden auffüllende Gelegenheiten, nein, sogar einen Wettbewerb für die Gestaltung wurde Deutschlandweit veranstaltet.
"Seitens des Preisrichterkollegiums fand die Begutachtung der eingelaufenen Modelle und Stizzen zur Errichtung eines Brunnens auf dem alten Markte statt. Das Ergebnis ist wie folgt: 1. Preis, 500 Mk., Bildhauer Lorenz Schwind in Aachen, 2. Preis, 300 Mk., Bildhauer Felix Kupsch=Berlin=Halensee, 3. Preis, 200 Mk., Bildhauer Emil Ebermann=München. Der Bazarvorstand kaufte ferner an die Modelle der Bildhauer W. Räder=Berlin und Karl Reschke=Berlin z. Z. Lehrer an der Fachschule in Solingen. Sämtliche Modelle und Skizzen sind nun vom 15. bis 21. Juni für jedermann im Garthmannschen Saale ausgestellt, Der Eintrittspreis beträgt pro Person 20 Pfg."[2]
"Eickel, 24. Nov. [1909] In unserer Zeit streiten so viele hervorragende Männer für den Gedanken, durch zielbewußte Erziehung zur Kunst das Volk geistig zu heben, und jeder Selbstdenkende wird ohne Zögern der Idee zustimmen, daß man durch das Volksbild klarer Kunstschönheit den Menschen veredeln und heben kann. Von diesen Gesichtspunkten geleitet, wurde die Errichtung eines Marktbrunnens in Eickel angeregt und ein öffentliches Preisausschreiben unter den deutschen Künstlern und Architekten erlassen, um etwas Ganzes und Echtes zu schaffen. Bei dieser Konkurrenz wurde bekanntlich dem Bildhauer Lorenz Schwind aus München der 1. Preis und die Ausführung zugesprochen. Nun steht seit etlichen Tagen bereits der Brunnen als Zierde unseres Ortes vor uns, und wir haben nach den ver tauschten Festtagen Zeit und Gelegenheit, mit Ernst und Ruhe eine Betrachtung über denselben anzustellen. Man muß zugestehen, daß es der Künstler verstanden hat, einen Brunnen zu schaffen, der sich dem Marktplatze mit seiner zum Teil noch alten Bebauung vorzüglich anpaßt und trotzdem moderne Formen zeigt. Die Durchführung der Architektur des Brunnens ist eigenartig und in ihrer Wirkung anziehend und belebend. Vor allem tritt eine konstruktive und kräftige Gliederung des an sich stolz aufstrebenden Aufbaues hervor, der in der den Abschluß des Ganzen bildenden Bronzefigur einen wohlgelungenen Ausklang findet. Trefflich gelöst ist die Verbindung des Steinmaterials mit der Bronze.
Da fällt zunächst die Plinte der Figur ins Auge, die bis auf den zweiten Stein des Brunnenstockes heruntergeführt ist und nur die vier Wasserspeierfratzen freiläßt. Die ebenfalls bronzenen Ansatzbeschläge der weiter unten sich befindlichen Laufröhren, die unter sich durch ein Spruchband verbunden sind, bilden eine wohlgelungene Fortsetzung der Figurplinte.
Als weiterer Bronzeschmuck sind am Brunnenbecken zwei Relieftafeln angebracht, jede für sich ein Kunstwerk, wohl die bestgelungensten Stücke des ganzen Brunnens. Die Verbindung der Steinquader ist hier durch die Bronze ebenfalls kräftig hervorgehoben. Besonders schön ist die Gestaltung der Ueberlaufrohre des Brunnenbeckens hierbei gelöst, streng sich den Formen des Brunnenbeckenrandes anpassend. Hervorzuheben sind bei den Platten die Atlantinnen, deren Kopfschmuck in eigenartiger Weise mit der Aufteilung der Architektux dieses Bronzereliefs in harmonischen Zusammenhang gebracht ist.
Der hohe Brunnentrog zeigt dem Beschauer in Augenhöhe sechs Füllungen mit herrlichen Steinreliefs, in welchen durch Putten Landwirtschaft, Viehzucht, Industrie und Bergbau dargestellt werden, und weiter das preußische und Eickeler Wappen, mit Putten als Schildhalter. Die gesamte Ornamentik ist streng der gewählten Architektur anpassend stilisiert, ohne die Wahrheit im Ausdruck irgendwie zu verlieren.
Auch bei der Anordnung der Wasserläufe ist es dem Künstler gelungen, den harmonischen Zusammenhang in jeder Weise durch die sein gegebene Richtung und Bemessung der Wasserstrahlen noch zu erhöhen.
Den Hauptschmuck des Ganzen bildet die Eicla, eine jungfräuliche Figur, die Kaiserkrone hoch über ihrem Haupte empor haltend, von hoheitsvoller Gestalt, aus der des Künstlers reine Freude an der Schönheit spricht. Obwohl von vollendeter Reife und herrlicher Pracht der Glieder ist diese Gestalt so vornehm und edel, daß sie das Uebermaß des Ueppigen vermeidet. Die Gewandlegung an der Figur muß auch als durchaus gelungen bezeichnet werden. Durch die seitliche Aufraffung schließt sich der Schurz eng an die Körperglieder an, den Akt der Figur schön erkennen lassend. Ebenso ist durch die Raffung unten am Abschlusse des Gewandes eine Rundung herbeigeführt, die angenehm in der Silhonette des Brunnens zur Wirkung kommt. Infolge der gut getroffenen Wahl des Materials, Bronze und fränkischer Muschelkalk, ist eine angenehme Farbenwirkung am ganzen Bauwerk erzielt, die im Laufe der Zeit noch immer prächtiger wird, wenn sich erst Patina an der Bronze gebildet und das poröse Gestein sich mit der ihm eigenen Bemoosung überzogen hat. Das Werk kann als ein in jeder Weise sehr gut getroffenes angesehen werden und bildet eine Zierde für unsern Industriebezirk."[3]
Die Brunnenfigur des Eickeler Marktbrunnens ereilte am 18. April 1940 das Schicksal - wie das vieler anderer Metalldenkmäler – der „NS-Metallspendeaktion“.
Erhalten blieb der Sockel mit seiner gemeißelten Inschrift:
- "So klar wie dieser Brunnen,
- so fest wie Felsenstein,
- Hellstrahlend wie die Sonnen
- Soll märksche Treue sein!"
"Die Stadt Wanne-Eickel spielte mit dem Gedanken, den Brunnen an anderer Stelle wieder aufzubauen", so die Wanne-Eickeler Zeitung (WEZ) vom 12. Juli 1960. Weiter heißt es: "Vorerst wurde der Plan fallengelassen." Die Stadt wollte sich aber die Option offenhalten, den Brunnen später wieder aufzubauen. Aus diesem Grunde wurde der Sockel vorsichtig und sorgfältig abgebaut. Die Steine wurden nummeriert und zum Lagerplatz am Waldfriedhof gebracht. In der entsprechenden Verfügung des Wanne-Eickeler Grünflächenamtes mit Datum vom 26. Juli 1960 wurde vermerkt: "Die Arbeit ist auftragsgemäß ausgeführt."
Danach verliert sich die Spur. Der Fachbereich Stadtgrün und Sport teilte am 29. April 2015 auf Anfrage des Stadtarchivs Herne mit, dass der abgebaute Brunnen nicht mehr auf dem Waldfriedhof gelagert ist. Was letztendlich mit dem Sockel passierte, wird sich wahrscheinlich nicht mehr klären lassen. Wurden die Steine, nachdem die Idee eines Wiederaufbaus im Laufe der Jahre verblasst ist, entsorgt? Haben die Steine eine andere Verwendung gefunden? Raum für Spekulationen bleibt. Gesichert dürfte aber sein, dass der Brunnen 1960 nicht einfach der Spitzhacke zum Opfer gefallen ist.
Bei dem Abbau des Brunnens wurde eine Bleikassette gefunden. "'Jungfrau' hütete nur Silberlinge, Trockener Brunnen barg feuchte Papiere", wusste die WEZ vom 12. Juli 1960 zu berichten.
In einem Vermerk des Wanne-Eickeler Grünflächenamtes vom 14. Juli 1960 wurde folgender Kassetteninhalt aufgelistet: Ein Buch Eickel-Wanne einst und jetzt (Anmerkung des Verfassers: Geschrieben vom Heimatforscher Gustav Hegler), Übersicht über die Vermögensverhältnisse der Gemeinden Wanne, Eickel und Holsterhausen, zwei Postkarten vom Wohltätigkeitsbazar Eickel v. Oktober 1907, Sonderdruck Vereinigung der Gemeinden Holsterhausen und Eickel zu einer Gemeinde Eickel, ein Rechnungsblatt der Metzgerei Heitkamp, ein Abgabenvordruck, ein Bericht des Realgymnasiums der Ämter Wanne und Eickel über das Schuljahr 1908/1909 von Dr. Bredlmann, eine Übersicht über die Volksschullasten im Amte Eickel für das Rechnungsjahr 1909, eine Postkarte Gruß aus dem Volksgarten Eickel (beschädigt), verschiedene Zeitungen, die stark aufgeweicht und miteinander verklebt waren: Eickeler Anzeiger, Fisimatenten, Rhein. West. Tageblatt. Bochumer Anzeiger, Allgemeine Zeitung, ein Briefumschlag mit zwei Visitenkarten Maria Berkermann und Berkermann, Amtmann und sechs Geldmünzen.
Der Verbleib der Kassette nebst Inhalt ist ungeklärt.
Videoprojekt vor Ort
| Sprecher | Horst Schröder | |
| Kamera | Canon EOS 6D | Marcus Schubert |
| Objektiv | Canon EF 24-105mm f/4L IS USM | |
| Ton | eingebaut | |
| Mikrofon | Lavalier-Mikrofon | |
| Auflösung | 1280x720 | |
| Software | Movie Studio | |
| Fotos | Canon EOS 600D | Gerd Biedermann |
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Videodreh am 15.01.2017. Der Hohenzollern-Brunnen. Gruppenbild (v. l.) Horst „Graf Hotte“ Schröder, Marcus Schubert, Thorsten Schmidt
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Das Team beim Videodreh am 15.01.2017: "Der Hohenzollern-Brunnen"
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Das Team beim Videodreh der letzten Szene am 15.01.2017: "Der Hohenzollern-Brunnen"
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Szenenbesprechung bei den Dreharbeiten
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Graf Hotte in der Drehpause
Weitere Artikel
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Quellen
Stadtarchiv Herne:
- Bestand Wanne-Eickel, StA 67, Grünflächenamt
- Zeitungssammlung: Wanne-Eickeler Zeitung, Juli 1960
- Dokumentationsbibliothek: Sammlung Denkmäler
- Archivbibliothek: "...bey den spätesten Nachkommen in beständig gutem Andenken zu erhalten..."-Denkmäler in Herne und Wanne-Eickel, Manfred Hildebrandt, Der Emscherbrücher Band 14 (2008/09), Seiten 57 bis 77, herausgegeben von der Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e. V., Herne 2008
Fotosammlung

