Hof Kuenkamp - Altenhöfen

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
ehemaliger Hof Kuenkamp
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Der Hof Kuenkamp war ein historischer Kotten in Altenhöfen im heutigen Herner Stadtgebiet. Er lag an der alten Verbindungsstraße zwischen Herne und Riemke, der heutigen Altenhöfener Straße, in der Nähe eines Baches. Die Geschichte des Anwesens lässt sich bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurückverfolgen. Bekannt wurde die Familie Kuenkamp insbesondere durch Heinrich Kuenkamp (1813–1881), der neben seiner landwirtschaftlichen Tätigkeit als Uhrmacher arbeitete. Das Anwesen wurde 1918 von der Stadt Herne erworben.

Lage und Entstehung

Der Kotten Kuenkamp lag im historischen Siedlungsbereich Altenhöfen an der von Herne über Altenhöfen nach Riemke führenden Straße. Diese wurde früher auch als Höfestraße oder Verbindungsweg von Herne nach Riemke bezeichnet. Der südliche Abschnitt des westlichen Straßenknies trägt heute den Namen Flottmannstraße.

Das Anwesen befand sich in unmittelbarer Nähe eines Baches. Nach der historischen Überlieferung ist es erstmals 1654 urkundlich nachweisbar. Die Bezeichnung als Kotten verweist auf die vergleichsweise geringe Größe und die besonderen Besitzverhältnisse des Anwesens.

Der Familienname erscheint in älteren Quellen als Kuttenkamp. Die historische Darstellung erklärt die spätere Namensform Kuenkamp durch die Ausstoßung der Konsonantenverbindung „tt“. Das „e“ ist demnach nicht als Dehnungszeichen zu verstehen. Der Namensbestandteil „Kamp“ bezeichnet ein eingefriedetes oder abgegrenztes Landstück. Die genaue sprachgeschichtliche Herleitung des Namens ist bislang nicht abschließend belegt.

Grundherrschaft und Besitzverhältnisse

Der Kotten im 17. Jahrhundert

Der Kotten Kuenkamp gehörte ursprünglich zum grundherrlichen Besitz des Hofes Overkamp. Die Feuerstättenliste des Amtes Bochum von 1664 nennt Jorgen to Overkamp als Grundherrn. Der Kötter Kuttenkamp verfügte zu diesem Zeitpunkt bereits über zwei Feuerstätten. Eine davon wurde von Heinrich von Nevel bewohnt.

Heinrich von Nevel war Beauftragter des Drosten zu Bochum, der zugleich Herr des Gerichts Strünkede war. Zwischen Gottfried von Strünkede und dem Auftreten Nevels in dessen Gerichtsbezirk bestanden nach der historischen Darstellung Auseinandersetzungen. Der Vorgang verweist auf die konkurrierenden Herrschafts- und Gerichtsrechte im damaligen Herner Raum.

Die Familie Kuenkamp im 18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert befand sich der Kotten weiterhin in enger rechtlicher und wirtschaftlicher Abhängigkeit vom Hof Overkamp. Die Kuenkamps verfügten nicht von Anfang an über das vollständige Eigentum an ihrem Anwesen, sondern mussten einen Teil des Grundbesitzes pachten.

Nach den Grundakten errichtete Johann Henrich Kuenkamp gemeinsam mit seiner Ehefrau Anna Elisabeth Bax das noch heute überlieferte Wohnhaus. Die historische Darstellung nennt für Johann Henrich an dieser Stelle das Geburtsjahr 1782; diese Angabe steht allerdings im Widerspruch zu den ebenfalls genannten Lebensdaten seiner Eltern und bedarf einer Überprüfung anhand der Kirchenbücher.

Die Inschrift auf dem Deelenbalken des Hauses lautet:

„Johan Henrich Kuenkamp Anna Elisabeth Backes zu Wattenscheiht Eheleute haben dieses Hausz gebaut. Der Her segene iren Aus und Eingang. Anno 1780 den 9. Mai MRWHK.“

Die Inschrift datiert den Bau auf den 9. Mai 1780. Sie nennt Johann Henrich Kuenkamp und seine Ehefrau Anna Elisabeth Backes, deren Familienname in der Überlieferung auch als Bax erscheint. Der abschließende Buchstabenbestand ist bislang nicht eindeutig aufgelöst.

Pachtvertrag von 1810

Ein Pachtbrief vom 28. Juli 1810 dokumentiert die damaligen Besitzverhältnisse. Die Eheleute Röttger Overkamp und Anna Margaretha Heuthaus verliehen Johann Heinrich Kuenkamp und Maria Catharina Berkhoff den halben Anteil am zu ihrem Hof gehörenden Kuenkampschen Kotten auf Lebenszeit.

Neben einem bereits entrichteten Gewinngeld von 30 Reichstalern waren jährlich folgende Abgaben zu leisten:

  • ein Scheffel Roggen,
  • zwei Scheffel Gerste,
  • ein halber Scheffel Hafer,
  • zweieinhalb Pfund Flachs,
  • zwei Hühner,
  • eine Gans.

Die Abgaben waren zu Martini, dem 11. November, fällig. Zusätzlich mussten die Pächter nach vorheriger Aufforderung alle 14 Tage einen Dienst auf dem Overkampschen Besitz verrichten.

Der Vertrag verdeutlicht, dass die wirtschaftliche Nutzung des Kottens mit Naturalabgaben und persönlichen Dienstleistungen verbunden war. Die Unterschriften des privaten Pachtbriefes wurden durch Schöffen und den Schullehrer bestätigt.

Ablösung der grundherrlichen Rechte 1824

Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau Maria Catharina Berkhoff im Jahr 1818 heiratete Johann Heinrich Kuenkamp 1820 Anna Maria Ahmann aus Hordel. Im Zusammenhang mit dieser Heirat wurde ein Auseinandersetzungs- und Einkindschaftsvertrag zugunsten seines Sohnes aus erster Ehe, Johann Heinrich Kuenkamp junior, abgeschlossen.

Der Vertrag regelte sowohl die künftige Übernahme des Kottens als auch die vermögensrechtliche Stellung des Sohnes gegenüber möglichen Kindern aus der zweiten Ehe. Ihm wurde ein Voraus von 140 Reichstalern zugesichert, das bis zur Auszahlung mit fünf Prozent zu verzinsen war. Außerdem sollte er vom 16. Lebensjahr an für seine Arbeit auf dem Hof einen angemessenen Lohn erhalten.

Im Jahr 1824 wurden die grundherrlichen Rechte Overkamps endgültig abgelöst. Bereits 1822 hatte Johann Diedrich Overkamp anerkannt, dass die auf dem Kotten errichteten Gebäude dem Kuenkamp zustanden. Umstritten blieb jedoch, ob Kuenkamp auch ein Erbgewinnrecht an der von Overkamp beanspruchten Hälfte des Anwesens besaß.

Der Streit wurde durch einen Ablösevertrag beigelegt. Johann Diedrich Overkamp verkaufte sämtliche ihm als Eigentümer zustehenden Rechte an der betreffenden Hälfte des Kottens für 375 Reichstaler an Johann Heinrich Kuenkamp. Der Betrag blieb zunächst auf dem Kotten stehen und wurde mit vier Prozent verzinst. Die Zahlung sollte die künftigen jährlichen Pachtabgaben und das Gewinngeld ablösen.

Damit endete die grundherrliche Bindung des Kottens an Overkamp. Die wirtschaftliche und rechtliche Stellung der Familie Kuenkamp wurde wesentlich gestärkt.

Die Besitzer im 19. Jahrhundert

Johann Heinrich Kuenkamp junior

Johann Heinrich Kuenkamp junior übernahm den Kotten bereits 1832. Er heiratete Anna Maria Catharina Schulte. Aus der Ehe ging die Tochter Maria Lisette hervor, die 1847 bei der Geburt ihres ersten Kindes starb.

Im Jahr 1856 heiratete Kuenkamp in zweiter Ehe Gertrud Schulte aus Wanne. Da auch die Tochter aus erster Ehe früh verstarb, blieb die Familie ohne leibliche Nachkommen, die den Hof hätten übernehmen können.

Die bauliche Entwicklung des Anwesens lässt sich für das 19. Jahrhundert anhand mehrerer Inschriften nachvollziehen.

Die Balkeninschriften von 1844

Ein ursprünglich als Backhaus genutztes Nebengebäude wurde 1844 zu einem Einliegerhaus erweitert. Zwei hölzerne Deelenbalken aus diesem Gebäude sind erhalten geblieben und befinden sich im Herner Heimatmuseum.

Der eine Balken trägt die Inschrift:

„Henrich Kuenkamp junior Anna Maria Ahman senior 1844 de 21 Sep.“

Der zweite Balken enthält den Spruch:

„Sei weise und vorsichtig, klug und behende und bedenke das Ende. 21. Sep. 1844“

Neben dem Spruch befinden sich Schnitzereien eines Blumentopfes mit Blumen und einer viereckigen Uhr. Die Uhr wird mit der späteren Tätigkeit Heinrich Kuenkamps als Uhrmacher in Verbindung gebracht.

Das Einliegerhaus wurde 1931 wegen Baufälligkeit abgerissen. Die Balkeninschriften bilden heute wichtige Zeugnisse der Bau- und Familiengeschichte des Anwesens.

Heinrich Kuenkamp als Uhrmacher

Heinrich Kuenkamp (1813–1881) verband seine landwirtschaftliche Tätigkeit mit einer ausgeprägten Beschäftigung mit der Uhrmacherei. Nach der historischen Überlieferung reparierte er Uhren für die Bewohner der umliegenden Ortschaften.

Sein bedeutendstes Werk war eine Schrankuhr mit Orgelmusik. Diese befand sich später im Besitz des Lehrers Masthoff. Im Jahr 1931 stellte der Uhrmacher Schlenkhoff aus der Bahnhofstraße die Uhr nach einer Reparatur wieder her und präsentierte sie anschließend in seinem Schaufenster.

Die Verbindung von landwirtschaftlichem Alltag, handwerklicher Tätigkeit und technischer Liebhaberei macht Heinrich Kuenkamp zu einer bemerkenswerten Persönlichkeit der Herner Ortsgeschichte. Die Uhr und die geschnitzte Darstellung auf dem historischen Balken erinnern an diese Tätigkeit.

Übergang an die Familie Masthoff

Dreschen am Hof Kuenkamp um 1935. Im Hintergrund Häuser der Jahnstraße. Originallichtbild Sammlung Dr. H. Günther

Da die Familie Kuenkamp ohne leibliche Erben blieb, wurde 1878 ein Übertragungsvertrag mit den Eheleuten Wilhelm Masthoff, genannt Fleige, und Lisette, geborene Schulte, genannt Gosewinkel, geschlossen. Lisette soll zuvor als Pflegetochter auf dem Hof gelebt haben.

Die Eheleute Kuenkamp übertrugen ihr gesamtes Vermögen auf die Eheleute Masthoff, behielten sich jedoch bis zum Tod des Längstlebenden den Nießbrauch und die unbeschränkte Verwaltung vor. Die neuen Besitzer verpflichteten sich, mit ihren Kindern bei den Eheleuten Kuenkamp zu wohnen und die Haus- und Landwirtschaft zu besorgen. Dafür erhielten sie freien Unterhalt.

Für die Zeit nach dem Ende des Nießbrauchs wurden die Versorgungsansprüche der alten Eheleute genau festgelegt. Dazu gehörten Wohnung, Heizung, Kleidung, Verpflegung, Pflege im Krankheitsfall, Zugang zu allen Räumen und ein jährliches Taschengeld von 300 Mark.

Heinrich Kuenkamp starb 1881 im Alter von 67 Jahren. Seine zweite Ehefrau Gertrud folgte ihm 1887.

Die Gebäude des Hofes

Gemälde nach einem Originallichtbild (Privatbesitz). Aufgenommen aus dem Haus Flottmannstraße 72. Über dem Bauernhof sieht man die Bergstraße und auf den Höhen der Herner Mark die Zeche Constantin.

Wohnhaus

Das Wohnhaus stammt nach der erhaltenen Deelenbalkeninschrift vom 9. Mai 1780. Es ist das älteste nachweislich datierte Gebäude des Anwesens und dokumentiert die Baugeschichte des Kottens im späten 18. Jahrhundert.

Backhäuser und Einliegerhaus

Neben dem Wohnhaus stand ursprünglich ein kleines Backhaus in Richtung der heutigen Straße Im Winkel. Dieses wurde 1844 zu einem Einliegerhaus erweitert und 1931 wegen Baufälligkeit abgebrochen.

Später entstand im Garten ein weiteres kleines Backhaus mit Back- und Trockenofen.

Scheune und Stall

Die heute noch vorhandene Scheune sowie der Stallanbau am Wohnhaus entstanden nach der historischen Darstellung im späteren 19. Jahrhundert. Die Scheune trägt über ihrem Eingang die Inschrift:

„Der Herr segne uns und behüte uns. Wilhelm Masthoff gen. Kuenkamp und Lisette Schulte“

Da die Eheleute Masthoff den Hof 1878 übernahmen, wird die Inschrift als Hinweis auf die Entstehungszeit der Scheune herangezogen. Ein genaues Baujahr lässt sich allein daraus jedoch nicht ableiten.

Ein historischer Lageplan von 1823 ermöglicht den Vergleich des damaligen Gebäudebestandes mit den später errichteten Bauten. In der überlieferten Darstellung sind die nach 1823 hinzugekommenen Gebäude von den bereits im Plan verzeichneten Bauten unterschieden.

Der Hof im Besitz der Stadt Herne

Nach dem Tod der Eheleute Kuenkamp führte die Familie Masthoff die Geschichte des Anwesens fort. Ihr Sohn Karl übernahm den Kotten 1908.

Im Jahr 1918 erwarb die Stadt Herne den Besitz. Damit endete die jahrhundertelange Geschichte des Kottens als eigenständiges Familienanwesen. Das Wohnhaus blieb erhalten und wurde weiterhin bewohnt. In der historischen Darstellung wird ein Pächter namens Schmidt genannt, der das Anwesen pflegte und in einen guten baulichen Zustand versetzte.

Der Hof Kuenkamp ist damit ein Zeugnis der älteren bäuerlichen Siedlungsstruktur von Altenhöfen. Seine Geschichte dokumentiert die Entwicklung von einem grundherrlich abhängigen Kotten zu einem selbstständigen Besitz und schließlich zu einem Anwesen im Eigentum der Stadt Herne.

Literatur und Quellen

  • Der Hof Kuenkamp. Historische Darstellung im Stadtwiki des Historischen Vereins Herne / Wanne-Eickel e. V., https://wiki.hv-her-wan.de/Hof_Kuenkamp_-_Altenh%C3%B6fen
  • Feuerstättenliste des Amtes Bochum von 1664.
  • Pachtbrief vom 28. Juli 1810 zwischen den Eheleuten Overkamp und den Eheleuten Kuenkamp.
  • Ablösevertrag von 1824 über die grundherrlichen Rechte am Kuenkampschen Kotten.
  • Übertragungsvertrag von 1878 zwischen den Eheleuten Kuenkamp und den Eheleuten Masthoff.
  • Historischer Lageplan von 1823.
  • Historische Deelenbalkeninschriften von 1780 und 1844.


Heimatliche Romantik vergeht

Aus der Geschichte eines alten Herner Bauernhofes - Kuenkamps Hof wird durch neue Siedlung erschlossen Herne, 4, August 1935

Im Stadtgebiet Hernes gibt es nur noch wenige Bauernhöfe und unter diesen wenigen sind es nur einige, die sich auch in einer entsprechenden Umgebung befinden. Zu diesen letzteren gehört der alte Hof, der längst ausgestorbenen Familie Kuenkamp, deren Hof noch heute östlich der Flottmannstraße steht. Die Pflegetochter des Bauern Kuenkamp hat gegen ende des vergangenen Jahrhunderts den Bauern Masthoff, genannt Fleige, geheiratet und seit jener Zeit heußt der Hof Masthoff, genannt Kuenkamp. Nun weiß jeder Einwohner weit und breit, der Masthoff wohnt auf dem alten Hof Kuenkamp, der infolge seiners Alters besser bekannt war.

Nur noch kurze Zeit liegt dieser Hof in seiner Abgeschiedenheit nahe der Flottmannstraße und der neuen Straße im Winkel, denn bald wird diese straße weiter zur Altenhöfener Straße[Anm. 1] durchgebaut und führt das scharf an Kuenkamps Hof vorbei. Leider nicht nur an einer Seite, sondern an zwei, weil die neue Straße gerade an diesem Hof einen Knick macht, da sonst die Altenhöfener Straße nicht erreicht werden kann. Wenn die neue Straße fertig ist, dann ist es mit der idylischen und abgeschlossenen Lage des Kuehnkampschen Hofes vorbei und er ist sozusagen "dem Weltgetümmel angeschlossen". Aber gegen den Fortschritt der Zeit ist und darf kein Kraut gewachsen sein, obwohl er garnicht mal so notwendig erscheint, die Straße Im Winkel an dieser Stelle der Altenhöfener Straße anzugliedern.

Allmählich kam die Inschrift zum Vorschein

Das jetzige Wohnhaus des genannten Hofes ist im Jahre 1780 erbaut worden, worüber und die Inschrift des Deelenbalkens unterrichtet. Bis vor einigen Jahren war es nicht möglich, die Inschrift darauf zu lesen, aber das passte dem wackeren Pächter Schmidt, der den Hof von der Stadt gepachtet hat, nicht und so nahm er eines Tages eine Lötlampe und brannte die vielen Schichten Farbe ab und siehe da, allmählich kam die Inschrift zum Vorschein. Der Pächter Schmidt schrieb mit Farbe die einzelnen undeutlich geweordenen Buchstaben nach und so ist es heute ein leichtes, die Inschrift zu lesen. Diese lautet:

Johan Henrich Kuenkamp Anna Maria Elisabeth Ackes zu Wattenscheiht Eheleute haben dieses Haus gebaut.
Der Herr segne ihren Aus= und Eingang.
Anno 1780 M.R.W.P. den 9. Mai.

Aber viel älter ist der Hof

Das sind die ersten Kuenkamps, die uns bekannt sind, aber viel älter ist der Hof, wie wir genau wissen. An stelle des jetzigen Wohnhauses von 1780 befand sich ein anderes, wie durch indirekten Schluss zu ermitteln ist. Auf der Deele liegt nämlich vor dem Eingang zum Kuhstall eine alte Grabplatte, auf der nur undeutlich, aber mit Sicherheit zu lesen ist, dass er den Tod eines Menshen vom Hofe Kuenkamp anzeigt, der im Jahre 1702 gestorben ist.[Anm. 2] Daraus ist zu ersehen, daß bis zum Neubau des jetzigen Hauses ein anderes vorhanden war, was wir auch so annehmen können, denn gegen ende des 18.Jahrhunderts sind sehr viuele Herner Höfe mit einem neuen Hausbau versehen worden. Erfreulicherweise will der Pächter Schmidt diesen Grabstein herausnehmen und ihn in der Deele aufstellen, damit er als ältester Zeuge für immer erhalten bleibt.

Ein eigenartiges Schwalbennest

Das Kuenkampsche Wohnhaus mit den Ställen für das Vieh ist ein rechtes niedersächsisches Bauernhaus. Es ist verhältnismäßig niedrig und langgestreckt, während es ziemlich breit ist und so den Giebel etwas Wuhtiges und Schweres verleiht. Die Deele ist mit Platten aus Ruhrsandstein bedeckt. An den schweren eichenen Deckenbalken haben Schwalben ihre Nester angeklebt und darin schon manche Generationen großgezogen.

Aber auch in den modernen Anbau aus Ziegelsteinen, worin sich die schweineställe befinden, nisten Schwalben. Unter diesen befindet sich eins, das nicht von diesen Tieren erbaut worden ist und das hat wie folgt seinen Hergang: Hier war eins der Schwalbennester abgefallen und auf dem Boden zerbrochen. Dies tat dem Pächter leid und so nahm er etwas Zement und baute selbst ein Schwalbennest, welches ausgezeichnet gelang und niemals mehr herabfallen wird. Zuerst haben die Schwalben ganz verdutzt das neue nest umflattert und dabei gelärmt, als schimpften sie. Aber nachher nahmen sie davon Besitz und haben, weil es ihnen doch nicht so recht passte, noch ein Stückchen angebaut. So dient denn dieses künstliches Nest seit Jahren als Kinderstube und die Jungen fühlen sich recht wohl darin.

Früher bestand der Hof aus mehreren Nebengebäuden, wovon heute nur noch ein Scheune steht, die aber demnächst dem Straßenneubau weichen muss. Auf dem Eingangsbalken der Scheune steht geschrieben:

Der Herr segne und behüte uns, 1880
Wilhelm Masthoff, genannt Kuenkamp und Lisette Schulte.

Zwei bedeutungsvolle Inschriftenbalken

Am Ostgiebel stand bis vor etwa 10 Jahren [ca. 1925] ein besonderer kleinerer Bau, der manches zu erzählen wusste. Schon der Balken mit seiner Inschrift über dem Eingang verriet, was sich darin befand. Auf diesem etwa ein Meter langen Balken stand folgendes eingeritz:

Sei weise und vorsichtig
Klug und behebe
Und bedenke das Ende.
21. Sept. 1844

Links von dieser Inschrift befand sich ein Blumentopf mit Blumen und rechts davon war eine kleine viereckige Uhr eingeritzt. In dem Raum befand sich nämlich die Uhrmacherwerkstatt jenes Sohnes, der im Jahre 1881 als letzter Sproß der Familie gestorben ist. [Anm. 3] Darin mag er auch die wundervolle Standuhr mit Orgelmusik erbaut haben, woran er etwa 10 Jahre gearbeitet hat und die im Jahre 1931 im Fenster von O. W. Schlenkhoff, Bahnhofstraße, ausgestellt war. Damals berichtete die Herner Zeitung ausführlich darüber (H.Z. vom 26. Januar 1931). Weit und breit besass man in den Bauernhäusern Kuenkampsche Uhren. Es ist eigentlich bedauerlich, dass wir so wenig von diesem Herner Uhrmacher kennen, der zudem noch nicht einmal dieses Handwerk gelernt hatte!

Ein weiterer Hausbalken mit Inschrift belehrt uns über den Namen der Frau des jüngeren Kuenkamps. Darauf ist eingerítzt:

Heinrich Kuenkamp junior
Anna Maria Ahmann senior
den 21. Sep. 1844.

Diese beiden Inschriften hat unser Städtisches Museum rechtszeitig sichergestellt, sie sind im Museum zu sehen.


Es ist auffallend, wie sich die Zahl der Spitze verringert, dabei war das die Hundeart, die früher sehr zahlreich unsere Bauerngehöfte bewachte. Die Spitze sind außerordentlich kluge Tiere und von größter Anhänglichkeit. Sie sind wohl deswegen aus der "Mode" gekommen, weil man sich als Haushunde meistens die kleineren Rassen wählt und gewiss auch deswegen, weil sich die Schäferhunde und Dobermänner den Platz erobert haben. Es ist nicht einzusehen, dass es etwa an der nachgelassenen Fortpflanzungsfähigkeit der Spitze liegen soll, dass sie immer seltener werden. Unser Bild zeigt einen schneeweißen Spitz vor seiner "Villa" auf einem ruhrländischen Bauernhof. [Anm.: Hof Kuenkamp in Altenhöfen. Vgl. Bild oben!] Originell ist die Warnung "Pas ob, dä Rüe bit!!!". [1]

Siehe auch

Anmerkungen

  1. ↑ Anmerkung der Redaktion: Dieser Teil der alten Altenhöfener Straße heißt heute Jahnstraße. Zu einem Durchbruch ist es nie gekommen.
  2. ↑ Laut evgl. Kirchenbuch verstarb am 26. August 1702 Henrich Kuenkamp welcher am 27. August 1702 beigesetzt wurde.
  3. ↑ Johann Heinrich Kuenkamp (geboren 5. November 1813, gestorben 23. Februar 1881) verheiratet seit dem 29. Mai 1856 mit Cathrina Gertrud Schmidt blieb er Kinderlos.

Quellen

  1. ↑ Karl Brandt Westfälische Landeszeitung Rote Erde 20. Juni 1935