Zeche Vereinigte Constantin der Große – Schachtanlage IV/V (Herne-Constantin)
Die Zeche Vereinigte Constantin der Große war ein bedeutendes Steinkohlenbergwerk im nördlichen Ruhrgebiet mit Betriebsteilen in Bochum und Herne. Ab 1953 firmierte das Unternehmen als „Zeche Constantin der Große“, später nur noch „Zeche Constantin“.
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Für die Stadt Herne hatte insbesondere die Schachtanlage IV/V im nach ihr benannten Stadtteil Constantin herausragende Bedeutung. Sie markierte den Übergang von der Bochumer Gründungsphase zur großflächigen Expansion des Bergwerks in das nördliche Grubenfeld und prägte über Jahrzehnte die wirtschaftliche und räumliche Entwicklung Hernes.
Die Gewerkschaft Vereinigte Constantin der Große gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Rheinisch-Westfälisches Kohlen-Syndikat und zählte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Zechen im Regierungsbezirk Arnsberg. Die Gesamtbetriebsdauer betrug über 100 Jahre (1849–1967).
Vorgeschichte und Expansion nach Herne
Die bergrechtliche Gewerkschaft wurde am 15. August 1849 in Bochum gegründet. Die ersten Schächte (1 und 2) entstanden in Bochum-Riemke östlich bzw. westlich der Herner Straße.
Mit dem kontinuierlichen Anwachsen der Förderung in den 1860er und 1870er Jahren wurde eine Erweiterung des Grubenfeldes notwendig. Neben den Bochumer Anlagen (1/2, 3, 6/7, 8/9) richtete sich der Blick zunehmend nach Norden – in das heutige Herner Stadtgebiet.
Die Schachtanlage IV/V in Herne-Constantin
Abteufen und Inbetriebnahme
1893: Beginn der Teufarbeiten für Schacht 4 in Herne-Sodingen, rund 2,9 km nordöstlich von Schacht 1.
1894: Erreichen des Karbons bei 155 m Teufe; 1. Sohle bei 211 m (-105 m NN).
1895: Ansatz von Schacht 5 unmittelbar neben Schacht 4.
1897: Ausbau der Tagesanlagen und Bau einer Kokerei mit 60 Öfen.
Mit der Inbetriebnahme der Förderung entwickelte sich die Anlage IV/V zu einem eigenständigen, leistungsfähigen Betriebsteil. 1898 erfolgte ein untertägiger Durchschlag zwischen den Betriebsteilen 1/2 (Bochum) und 4/5 (Herne), womit das Gesamtfeld enger vernetzt wurde.
Technische und wirtschaftliche Bedeutung
Um 1900 gehörte die Anlage 4/5 zu den modernsten Teilen des Bergwerks. Sie verfügte über:
- mehrere bauwürdige Flöze mit Mächtigkeiten bis 4,5 m,
- eine leistungsfähige Kokerei,
- Eisenbahnanschluss an das regionale Streckennetz.
Die Förderung der Gesamtzeche überschritt 1905 erstmals die Marke von 1 Million Tonnen jährlich; ein erheblicher Anteil stammte aus den Herner Baufeldern.
Zwischenkriegszeit und Rationalisierung
Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu strukturellen Veränderungen:
1921 Beteiligung der Friedrich Krupp AG an der Gewerkschaft Constantin.
1927 Mehrheitsübernahme durch Krupp.
Ab 1929 Rationalisierungsmaßnahmen und Konzentration der Förderung auf leistungsstarke Zentralanlagen.
Infolge der Weltwirtschaftskrise wurden mehrere Nebenanlagen stillgelegt. Auch die Kokereien im Bereich 4/5 wurden schrittweise außer Betrieb genommen (endgültig 1959).
Neugründung als Bergbau-AG und Konzentration
1954 erfolgte – im Zuge der alliierten Entflechtungsmaßnahmen – die Neugründung als Bergbau-AG Constantin der Große.
Die Förderung wurde zunehmend auf die Großförderanlage 6/7 konzentriert.
1955: Einstellung der Förderung auf 4/5.
Die 8. Sohle wurde Hauptfördersohle des Gesamtbergwerks.
Damit verlor die Herner Anlage IV/V ihre eigenständige Förderfunktion.
Stilllegung
1966 wurde die Förderanlage 6/7 stillgelegt. Die Kohle wurde fortan unter Tage zur Zeche Hannover gefördert.
Am 31. März 1967 wurde die Zeche Constantin der Große endgültig stillgelegt. Das Baufeld wurde den „Bergwerken Bochum“ zugeschlagen.
Förderung und Belegschaft (Auswahl)
Jahr Förderung (t) Belegschaft 1900 771.000 3.384 1913 1.790.000 6.430 1927 (Maximum) 2.812.015 10.671 1955 1.456.747 5.343 1965 1.600.000 3.817
Die Zeche förderte überwiegend hochwertige Fett- und Schmiedekohlen, geeignet auch zur Gaserzeugung.
Constantin heute – Spuren in Herne
Die Schachtanlage 4/5 wurde vollständig abgeräumt. Die ehemalige Bergehalde wurde landschaftsgestaltend verteilt; das Gelände dient heute als Naherholungsgebiet.
Erhalten sind:
zwei Protegohauben an den Schachtstandorten 4 und 5,
Teile der Umfassungsmauer,
die historische Kopfsteinpflaster-Zufahrt,
Abschnitte der ehemaligen Zechenbahntrasse.
Die frühere Verbindungsbahn, die auch die Zeche Mont-Cenis anband, wurde zu einem Fuß- und Radweg umgestaltet. Sie verbindet heute kreuzungsfrei den Revierpark Gysenberg mit dem Constantin-Park genannten Teil der ehemaligen Constantin.
Im Stadtbild Bochums erinnert zudem die Stadtbahnstation „Zeche Constantin“ (U35) mit historischen Ansichten an das Bergwerk.
Koordinaten der Herner Schächte
- Constantin 4/5: 51° 31′ 22″ N, 7° 14′ 32″ O
- Constantin 11: 51° 31′ 46″ N, 7° 15′ 2″ O
Bedeutung für Herne
Die Schachtanlage IV/V war ein zentraler Motor der Industrialisierung Hernes. Sie beeinflusste:
- Bevölkerungswachstum und Siedlungsentwicklung,
- Verkehrserschließung (Bahnanschlüsse, Werksbahnen),
- soziale Infrastruktur (Werkssiedlungen, Wohlfahrtseinrichtungen),
- kommunale Identität im nördlichen Stadtgebiet.
Mit ihrer Stilllegung 1967 endete ein prägender Abschnitt Herner Industriegeschichte. Die heute sichtbaren Relikte – Protegohauben, Bahntrassen, Geländemodellierungen – sind wichtige Zeugnisse des montanindustriellen Erbes der Stadt.
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