Hafenbahn Unser Fritz
Die Hafenbahn Unser Fritz war eine innerbetriebliche Zechenbahn der Zeche Unser Fritz im heutigen Herne. Sie verband den 1913 fertiggestellten Hafen der Zeche am Rhein-Herne-Kanal mit den Anlagen der Schachtanlage 1/4 und insbesondere mit deren Kohlenverladung. Die Bahn diente dem Transport der auf der Zeche gewonnenen und aufbereiteten Steinkohle vom Grubenbetrieb zum Hafen, wo sie auf Binnenschiffe verladen werden konnte.
Die Hafenbahn war damit Bestandteil des für die Ruhrzechen typischen Systems aus Förderung, Aufbereitung, Werksbahn und Wassertransport. Während die Schachtanlage 2/3 auf der anderen Seite des Rhein-Herne-Kanals über eine Kettenbahn mit den dortigen Anlagen verbunden war, besaß die Schachtanlage 1/4 eine Schienenverbindung zum Hafen.[1]

Entstehung
Die Hafenbahn entstand im Zusammenhang mit dem Bau des Rhein-Herne-Kanals und der Errichtung des eigenen Zechenhafens von Unser Fritz. Der Kanal wurde im Bereich der Zeche in das ehemalige Emscherbett gelegt. Die Emscher wurde dafür nach Norden verlegt. Dadurch veränderte sich die räumliche Situation der Zeche grundlegend: Die Schachtanlagen 1/4 und 2/3 lagen nun beiderseits des neuen Kanals.[2]
1913 war der eigene Hafen von Unser Fritz fertiggestellt. Neben einem Wende- und Liegeplatz für mehrere Kähne erhielt die Anlage eine Schienenverbindung zwischen dem Hafen und der Kohlenverladung auf Schacht 1/4.
Damit entstand eine direkte Transportverbindung:
| Abschnitt | Funktion |
|---|---|
| Schachtanlage 1/4 | Förderung und Aufbereitung der Steinkohle |
| Kohlenverladung | Zusammenstellung und Bereitstellung der Kohle |
| Hafenbahn | Innerbetrieblicher Transport zum Hafen |
| Zechenhafen | Umschlag der Kohle auf Kanalschiffe |
| Rhein-Herne-Kanal | Weitertransport zu den Absatzgebieten |
Technische Funktion
Die Hafenbahn war keine öffentliche Eisenbahnstrecke, sondern eine Werksbahn innerhalb des Zechenbetriebes. Ihre Aufgabe bestand vor allem darin, die unterschiedlichen Betriebsbereiche der Zeche miteinander zu verbinden und den Kohlenumschlag auf die Wasserstraße zu ermöglichen.
Die Kohle konnte auf der Schachtanlage beziehungsweise an der dortigen Verladung in Eisenbahnwagen übernommen und über die Werksgleise zum Hafen transportiert werden. Dort erfolgte die Übergabe an die Binnenschifffahrt.
Der kurze Transportweg zwischen Zeche und Hafen war für den Betrieb von erheblicher Bedeutung. Die Zeche konnte dadurch neben dem Eisenbahntransport auch den kostengünstigen Massenguttransport auf dem Wasserweg nutzen.
Die Anlage entsprach damit dem grundlegenden Prinzip der industriellen Transportlogistik des Ruhrbergbaus: Die Zeche sollte möglichst unmittelbar an die überregionalen Verkehrswege angeschlossen werden.
Verhältnis zur Schachtanlage 2/3
Eine Besonderheit der Zechenanlage Unser Fritz war ihre durch den Rhein-Herne-Kanal verursachte räumliche Trennung.
Die Schachtanlagen 2/3 lagen nördlich beziehungsweise jenseits des Kanalverlaufs. Von dort wurde die Kohle nicht über dieselbe Hafenbahn zur Verladung gebracht. Nach Angaben der Künstlerzeche wurde die Kohle von Schacht 2 und 3 weiterhin über eine Kettenbahn auf die andere Kanalseite transportiert.
Damit bestanden innerhalb der Zeche zwei unterschiedliche innerbetriebliche Transportwege:
- Schachtanlage 1/4 → Kohlenverladung → Hafenbahn → Zechenhafen
- Schachtanlage 2/3 → Kettenbahn → andere Kanalseite
Die Hafenbahn war somit insbesondere Bestandteil des Verkehrssystems der Schachtanlage 1/4.
Einbindung in das Eisenbahnnetz
Die Hafenbahn darf nicht mit der öffentlichen Eisenbahnstrecke zwischen Wanne-Eickel und dem Bahnhof Unser Fritz verwechselt werden.
Die Zeche Unser Fritz war bereits im 19. Jahrhundert über Zechenbahnen an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Die spätere Strecke Wanne-Eickel–Wanne Unser Fritz entwickelte sich aus einem Anschluss der Zeche Unser Fritz und der Zeche Pluto. Bereits 1884 konnte auf der Verbindungsstrecke durchgehender Güterverkehr aufgenommen werden.[3]
Die Hafenbahn stellte dagegen eine innerbetriebliche Verbindung innerhalb des Zechengeländes dar. Sie war Teil der örtlichen Infrastruktur und nicht mit der öffentlichen Strecke zum Bahnhof Wanne-Unser Fritz gleichzusetzen.
Kohlenumschlag
Der Bau des Hafens und der Hafenbahn eröffnete der Zeche einen zusätzlichen Absatzweg. Neben der Eisenbahn konnte die geförderte Kohle über den Rhein-Herne-Kanal mit Schiffen abtransportiert werden.
Dies war insbesondere für Massengüter wie Kohle von Bedeutung. Ein Kanalschiff konnte eine große Menge Kohle aufnehmen und ohne Umladung auf längeren Strecken transportieren.
Die Hafenbahn übernahm dabei den entscheidenden innerbetrieblichen Schritt zwischen Kohlenverladung und Schiff. Ihre Bedeutung lag daher weniger in der Streckenlänge als in ihrer Funktion als Bindeglied zwischen den beiden Verkehrssystemen Eisenbahn und Wasserstraße.
Betrieb nach der Stilllegung der Zeche
Die eigenständige Förderung der Zeche Unser Fritz endete Ende der 1920er Jahre. Die Schachtanlage 2/3 wurde bereits Ende 1925 stillgelegt; Ende 1928 wurde die Förderung der Zeche insgesamt eingestellt. Das Grubenfeld kam anschließend zur Zeche Consolidation.[4]
Die Anlagen von Unser Fritz verloren damit ihre ursprüngliche Funktion als selbstständiger Förderstandort. Die Schachtanlagen wurden jedoch teilweise weiter genutzt. Ab 1936 diente Unser Fritz unter anderem der Seilfahrt und Materialförderung für Consolidation.
Ob und in welchem Umfang die Hafenbahn nach dem Ende der eigenständigen Kohlenförderung weiterbetrieben wurde, lässt sich aus den bislang verfügbaren Quellen nicht eindeutig bestimmen. Ihre ursprüngliche Hauptfunktion – der Transport der auf Unser Fritz geförderten Kohle zum eigenen Hafen – entfiel jedoch mit der Stilllegung der Förderung.
Ende der Hafenbahn
Mit dem Niedergang des Steinkohlenbergbaus verlor auch die innerbetriebliche Hafenbahn ihre Bedeutung. Die Gleisanlagen wurden im Zuge der Aufgabe der Zechen- und Hafeninfrastruktur schrittweise entfernt beziehungsweise überformt.
Von der ursprünglichen Gleisverbindung ist heute keine eigenständige Hafenbahntrasse mehr als betriebsfähige Eisenbahnanlage erhalten. Ihre ehemalige Lage lässt sich jedoch aus der historischen Anordnung der Schachtanlage 1/4, der Kohlenverladung und des Hafenbeckens erschließen.
Das ehemalige Hafenbecken selbst blieb als Geländestruktur erhalten. Es wurde in den 1990er Jahren durch einen Damm vom Rhein-Herne-Kanal getrennt und ist heute ein verkleinertes Gewässer beziehungsweise Biotop.[5]
Bedeutung für die Industriegeschichte
Die Hafenbahn Unser Fritz steht beispielhaft für die technische Organisation einer Ruhrzeche im frühen 20. Jahrhundert. Die industrielle Leistungsfähigkeit beruhte nicht allein auf den untertägigen Förderanlagen. Ebenso wichtig war die schnelle und möglichst kostengünstige Verbindung zwischen Schacht, Kohlenwäsche, Verladung, Eisenbahn und Wasserstraße.
Mit dem Bau des Rhein-Herne-Kanals erhielt Unser Fritz 1913 eine unmittelbare Verbindung zur Binnenschifffahrt. Die Hafenbahn bildete dabei das letzte Glied des innerbetrieblichen Kohletransports.
Heute ist die Bahn selbst weitgehend aus dem Ortsbild verschwunden. Ihre historische Bedeutung lässt sich jedoch im Zusammenhang mit dem ehemaligen Zechenhafen, dem Rhein-Herne-Kanal und den erhaltenen Teilen der Schachtanlage Unser Fritz nachvollziehen.
Abgrenzung
Hafenbahn Unser Fritz bezeichnet die innerbetriebliche Schienenverbindung zwischen der Zechenanlage und dem Hafen am Rhein-Herne-Kanal.
Nicht zu verwechseln ist sie mit:
- der öffentlichen Eisenbahnstrecke Wanne-Eickel–Wanne Unser Fritz,
- dem Bahnhof beziehungsweise Haltepunkt Wanne-Unser Fritz,
- den übrigen Zechenbahnen der Zeche Unser Fritz,
- der Kettenbahn zwischen den Schachtanlagen 2/3 und der anderen Kanalseite.
Siehe auch
Literatur
- Förderverein Unser Fritz e. V.: Von der Kohle zur Kunst – Die Chronik der Zeche Unser Fritz 2/3 in Herne. Herne 2002.
- Manfred Hildebrandt: Herne – Eine historische Zeitreise. Herne 1998.
- Ralf Piorr (Hrsg.): Vor Ort. Geschichte und Bedeutung des Bergbaus in Herne und Wanne-Eickel. Herne 2010.
Weblinks
- Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 – Chronik
- Stadt Herne – Zeche Unser Fritz
- Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur – Zeche Unser Fritz
Lesen Sie auch
Quellen
- ↑ https://kuenstlerzeche.de/chronik/
- ↑ https://www.herne.de/Stadt-und-Leben/Stadtgeschichte/Bergbau/Zeche-Unser-Fritz/
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Wanne-Eickel%E2%80%93Wanne_Unser_Fritz
- ↑ https://www.industriedenkmal-stiftung.de/denkmale/zeche-unser-fritz
- ↑ https://www.ruhrgebiet-industriekultur.de/zeche-unser-fritz-herne/
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