Goldenes Buch der Stadt Herne 1912

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Das Goldene Buch der Stadt Herne war das traditionelle Ehrenbuch der Stadt Herne. Es dokumentierte Besuche und Ehrungen bedeutender Persönlichkeiten sowie besondere Ereignisse der Stadtgeschichte. Das Buch wurde 1912 zur Einweihung des Herner Rathausneubaus von den damaligen Mitgliedern des Magistrats gestiftet. Nachdem seine Seiten vollständig beschrieben waren, wurde es 2012 durch das Ehrenbuch der Stadt Herne als Nachfolgebuch ergänzt und abgelöst. [1]

Entstehung und Gestaltung

Das Goldene Buch entstand im Jahr 1912. Die betreffende Akte nennt die Firma Gabriel Hermeling als Hersteller. Die Archivalie betrifft sowohl das Goldene Buch als auch eine Wahlurne und umfasst den Zeitraum von 1912 bis 1914. [2][3]

Nach einem historischen Beitrag der Bürgerillustrierten der Stadt Herne war das Buch besonders aufwendig gestaltet: Es besitzt einen Ledereinband, vergoldete Metallbeschläge, einen Edelsteinsatz und Goldschnitt. Damit entsprach es dem repräsentativen Charakter eines kommunalen Ehrenbuches der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Die Stiftung erfolgte durch den Magistrat der Stadt anlässlich der feierlichen Einweihung des Rathausneubaus. [4]

Das Goldene Buch war nicht als gewöhnliches Gästebuch gedacht. Es sollte Persönlichkeiten ehren, die durch ihr Amt, ihre gesellschaftliche Stellung oder ihren besonderen Bezug zu Herne als bedeutende Gäste galten. In der historischen Darstellung werden hohe kirchliche und weltliche Würdenträger als typische Unterzeichner genannt. [5]

Eintragungen bis 1945

Die frühen Einträge zeigen die Bedeutung, die die Stadt Herne dem Buch beimaß. Neben eigenhändigen Unterschriften enthielten sie teils ausführliche Widmungen, Amtsbezeichnungen und Datierungen. Der Aufbau der Einträge änderte sich im Laufe der Zeit: Zunächst wurden die Angaben nach einem festen Muster eingetragen; später wurden die Seiten freier gestaltet. [6]

Die Bürgerillustrierte weist darauf hin, dass für die Zeit des Nationalsozialismus Seiten aus dem Buch fehlen. Daher ist die Überlieferung für diese Epoche nicht vollständig. Über Inhalt und Anlass der fehlenden Seiten lässt sich aus dieser Feststellung allein keine weitergehende Aussage ableiten. [7]

Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Goldene Buch erneut genutzt. Nach einem zeitgenössischen Bericht unterschrieb am 13. Oktober 1946 die auf demokratischer Grundlage neu gewählte Stadtverordnetenversammlung. Dieser Eintrag steht für den politischen und kommunalen Neubeginn in Herne nach der nationalsozialistischen Diktatur und den Kriegsjahren. [8]

Die verbrecherische Herrschaft des Dritten Reiches ist zusammengebrochen. Der verlorene Krieg und unserem Vaterland schwere Wunden geschlagen. Auch die Stadt Herne hat unersetzliche Verluste an Menschen, Gebäuden und Wirtschaftsgütern aller Art erlitten. Die Stadt ist von Flüchtlingen belegt, von denen noch 638 seit Monaten in Massenquartieren untergebracht werden müssen, da Wohnungen nicht zu beschaffen sind. Die Ernährungslage ist auf einen unerhörten Tiefstand abgesunken.
In dieser schwersten Zeit begeht die Stadt Herne den 50. Jahrestag ihrer Erhebung zur Stadt. Unter diesen Umständen verbietet sich alle Feier. Die am 13.10.1946 auf demokratischer Grundlage neu gewählte Stadtverordnetenversammlung, die seitdem in unermüdlicher Arbeit bemüht, die Schäden des Krieges und der Nachkriegszeit zu mildern, will jedoch heute ihren Willen zur weiteren Aufbauarbeit durch Eintragung in das Goldene Buch der Stadt Herne kundtun. Die Stadtverordnetenversammlung will damit das Goldene Buch, nachdem es 13 Jahre lang mißbraucht wurde, seiner wahren Bestimmung wieder zuführen ...“[9]

In den folgenden Jahrzehnten trugen sich zahlreiche Gäste aus Politik, Kirche und öffentlichem Leben ein. Als Beispiele nennt die historische Darstellung:

  • Aloys Weiß, der 1957 als „Stadtältester“ geehrt wurde;
  • den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Franz Meyers, der sich am 3. Februar 1961 eintrug;
  • den SPD-Politiker Erich Ollenhauer;
  • den damaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt. [10]

Diese Beispiele verdeutlichen, dass das Buch nicht nur für Staats- und Regierungsvertreter genutzt wurde, sondern auch als Ausdruck der Verbindung Hernes zu Persönlichkeiten des öffentlichen und politischen Lebens diente.

Kommunale Neugliederung und weitere Einträge

Mit dem Zusammenschluss der zuvor selbständigen Städte Herne und Wanne-Eickel im Jahr 1975 erhielt das Goldene Buch eine neue Bedeutung für die vergrößerte Stadt. Nach der historischen Darstellung konnten sich nun auch Gäste und Repräsentanten aus dem früheren Wanne-Eickel in das Buch eintragen. [11]

Zu den in diesem Zusammenhang genannten Beispielen gehören:

  • Manfred Urbanski, der nach der kommunalen Neugliederung Oberbürgermeister der neuen Stadt Herne wurde;
  • der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und späterer Bundespräsident Johannes Rau;
  • der Paderborner Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt, der sich am 26. November 1979 eintrug. Sein Eintrag wurde nach dem Bericht mit einer Federzeichnung des Paderborner Doms gestaltet. [12]

Das Goldene Buch bildet damit nicht nur eine Sammlung von Autographen, sondern auch eine Quelle zur politischen, kirchlichen und kommunalen Geschichte Hernes.

Ehrenbuch seit 2012

Im Jahr 2012, dem Jahr des 100-jährigen Bestehens des Herner Rathauses, wurde das ursprüngliche Goldene Buch als Teil einer Rathausausstellung gezeigt. Zu diesem Zeitpunkt war es vollständig beschrieben. Die Stadt entschied sich deshalb, die Tradition mit einem neuen Ehrenbuch fortzuführen. [13][14]

Das neue Buch wird als Ehrenbuch der Stadt Herne bezeichnet. Es ist weniger prunkvoll gestaltet als das Goldene Buch von 1912, erfüllt aber denselben Zweck: Es hält besondere Ehrungen, Besuche und Eintragungen fest. Über die Einführung des neuen Buches berichtete die Westdeutsche Allgemeine Zeitung unter der Überschrift „Stadt schlägt neue Seiten auf“. [15]

Auch im Ehrenbuch beziehungsweise in der fortgeführten Tradition werden Personen geehrt, die sich in besonderer Weise um die Stadt oder ihre Gesellschaft verdient gemacht haben. So erhielt der Heimatforscher und stellvertretende Vorsitzende des Historischen Vereins Herne / Wanne-Eickel, Gerd E. Schug, am 6. Dezember 2018 die Ehrenamtsnadel der Stadt Herne und durfte sich bei der Feierstunde im Rathaus in das Goldene Buch eintragen. [16]

Bedeutung

Das Goldene Buch und sein Nachfolger, das Ehrenbuch, stehen für die kommunale Repräsentation und Erinnerungskultur der Stadt Herne. Sie verbinden die Geschichte des 1912 eröffneten Rathauses mit politischen Ereignissen, der kommunalen Neugliederung von 1975 sowie mit der Würdigung von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und des bürgerschaftlichen Engagements.

Die Bücher sind zugleich eine lokalhistorische Quelle. Ihre Einträge dokumentieren, welche Besuche und Ehrungen die Stadt zu verschiedenen Zeiten als besonders bedeutsam ansah.

Quellen

Verwandte Artikel

Quelle

  1. Westdeutsche Allgemeine Zeitung: Stadt schlägt neue Seiten auf. Bericht über das neue Ehrenbuch der Stadt Herne. https://www.waz.de/staedte/herne-wanne-eickel/article7371096/stadt-schlaegt-neue-seiten-auf.html
  2. Deutsche Digitale Bibliothek: Das goldene Buch der Stadt Herne. Archivalie des Stadtarchivs Herne, Best. 306 Historischer Bestand V, A 594; Laufzeit 1912–1914; Hersteller: Hofgoldschmied Gabriel Hermeling, Köln. https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/HBPB7GWZH3YMK4NWZGRCFB7CBK45CBS4
  3. Vgl. auch sein werk, den Ehrenpokal der Stadt Herne (1912)
  4. Hernes Goldenes Buch. Historischer Beitrag in der Bürgerillustrierten der Stadt Herne 1/1981 S. 5-9.
  5. Hernes Goldenes Buch. Historischer Beitrag in der Bürgerillustrierten der Stadt Herne 1/1981 S. 5-9.
  6. Hernes Goldenes Buch. Historischer Beitrag in der Bürgerillustrierten der Stadt Herne 1/1981 S. 5-9.
  7. Hernes Goldenes Buch. Historischer Beitrag in der Bürgerillustrierten der Stadt Herne 1/1981 S. 5-9.
  8. Hernes Goldenes Buch. Historischer Beitrag in der Bürgerillustrierten der Stadt Herne 1/1981 S. 5-9.
  9. Hernes Goldenes Buch. Historischer Beitrag in der Bürgerillustrierten der Stadt Herne 1/1981 S. 5-9.
  10. Hernes Goldenes Buch. Historischer Beitrag in der Bürgerillustrierten der Stadt Herne 1/1981 S. 5-9.
  11. Hernes Goldenes Buch. Historischer Beitrag in der Bürgerillustrierten der Stadt Herne 1/1981 S. 5-9.
  12. Hernes Goldenes Buch. Historischer Beitrag in der Bürgerillustrierten der Stadt Herne 1/1981 S. 5-9.
  13. Westdeutsche Allgemeine Zeitung: Stadt schlägt neue Seiten auf. Bericht über das neue Ehrenbuch der Stadt Herne. https://www.waz.de/staedte/herne-wanne-eickel/article7371096/stadt-schlaegt-neue-seiten-auf.html
  14. Lokalkompass Herne: Kaviar und Lachsbrötchen / Rathaus wird 100, 2012. https://www.lokalkompass.de/herne/c-politik/kaviar-und-lachsbroetchen-rathaus-wird-100_a228864
  15. Westdeutsche Allgemeine Zeitung: Stadt schlägt neue Seiten auf. Bericht über das neue Ehrenbuch der Stadt Herne. https://www.waz.de/staedte/herne-wanne-eickel/article7371096/stadt-schlaegt-neue-seiten-auf.html
  16. Historischer Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.: Der Bote, Nr. 5, April 2019, S. 35: „Ehrung“ für Gerd E. Schug. https://wiki.hv-her-wan.de/w/images/Der_Bote_05-2019_minimal.pdf