Freiwillige Feuerwehr Eickel

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Die Freiwillige Feuerwehr Eickel gehört zu den ältesten Feuerwehrwehren im heutigen Stadtgebiet von Herne. Ihre Ursprünge reichen in das Jahr 1876 zurück, als sich nach einem schweren Brand in der damals noch selbstständigen Gemeinde Eickel eine Gruppe von Einwohnern zum organisierten Brandschutz zusammenschloss. Aus dieser Initiative entwickelte sich die Eickeler Bürgerfeuerwehr, aus der später der heutige Löschzug Eickel der Freiwilligen Feuerwehr Herne hervorging.[1]

Gründung und erste Entwicklung

Im März 1876 wurde in Eickel eine Freiwillige Feuerwehr gegründet. Anlass war ein verheerender Brand, bei dem unter anderem die gesamte Walbecksche Besitzung zerstört wurde. Da die gemeindliche Löschhilfe nur begrenzte Möglichkeiten bot, gründeten 35 Männer die sogenannte Eickeler Bürgerfeuerwehr.

"Eickel, 9. Mai. Gestern hat die neubegründete hiesige Feuerwehr ihre erste Uebung absolvirt. Nachdem Nachmittags 4 Uhr einige Uebungen am Wohnhause des Obersteigers Ommelmann, des Chefs derselben, vergenommen wurden, marschirte sie nach der außerhalb Eickel's liegenden, dem Gutsbesitzer Riemann zugehörigen Dorneburger Mühle, um hier im größeren Maßstabe Löschungs Uebungen zu veranstalten, was wegen des anstoßenden Mühlenteiches auch recht gut von Statten ging. Als sie auch hier fertig und weiter im Friedgras an einem noch niet ganz vollendeten Hause der Pseudo=Brand gelöscht war, zog sie auf einem kleinen Umweg, nämlich über Wanne und Eickelerbruch, wieder nach Eickel. Wir wünschen dem neuorganisicten Institut ein rasches und gedeihliches Aufblühen.(Märk. Spr.)"[2]

Unterstützung erhielt die neue Wehr durch den Seniorchef der Bauunternehmung Walter aus Röhlinghausen sowie durch die Zechenverwaltung Hannibal II. Die bereitgestellten finanziellen Mittel bildeten die Grundlage für die Anschaffung der ersten Löschgeräte im August 1876.

1881 errichteten die Feuerwehrleute unter der Leitung von Heinrich Ommelmann aus Bauholz der Zeche Hannibal II einen Steigerturm im Bereich "Auf der Wenge". Dadurch konnten Übungen systematischer durchgeführt und die Mannschaft in verschiedene Aufgabenbereiche eingeteilt werden. Weitere Spenden aus der Bevölkerung ermöglichten die Beschaffung zusätzlicher Ausrüstung.

1890 entstand nach der Chronik des heutigen Löschzugs ein erstes Gerätehaus mit Steigerturm an der damaligen beziehungsweise heutigen Friedgrasstraße. Eine Veröffentlichung der Stadt Herne nennt dagegen die Rainerstraße als Standort des ersten Steigerturms und den Schultenhof als Aufbewahrungsort der Löschgeräte, wie es ein kleiner Artikel zum 55. und 60. Jubiläum nennt.[3][4] Die genaue zeitliche und örtliche Abfolge dieser frühen Standorte bedarf daher einer ergänzenden Prüfung anhand historischer Unterlagen, nennt ein Artikel zum 50.-jährigen Bestehen 1926 das Friedgrasgelände.[5]

Zusammenarbeit mit den Nachbarwehren

Mit der zunehmenden Industrialisierung des Emscherraums wuchsen auch die Anforderungen an den Brandschutz. Das Einsatzgebiet der Eickeler Feuerwehr erstreckte sich zunehmend über die Grenzen der eigenen Gemeinde hinaus. Die Wehr unterstützte deshalb auch benachbarte Orte und arbeitete mit den Zechenfeuerwehren Hannover-Hannibal und Shamrock III/IV zusammen.

Neben der Brandbekämpfung gehörten auch die Hilfe bei Unglücksfällen und anderen Notständen zu ihren Aufgaben. Die Entwicklung zeigt, dass sich die Feuerwehr bereits früh von einer örtlichen Brandbekämpfungseinrichtung zu einer vielseitig einsetzbaren Hilfsorganisation entwickelte.

Erster Weltkrieg

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 wurde ein Großteil der Feuerwehrmänner zum Kriegsdienst eingezogen. Dadurch entstand eine erhebliche personelle Lücke. Nach der überlieferten Chronik verloren auch Angehörige der Wehr ihr Leben.

Unmittelbar nach Kriegsende begann der Wiederaufbau der Mannschaft. Innerhalb kurzer Zeit gelang es, die Einsatzbereitschaft wiederherzustellen.

Eingliederung in die Stadt Wanne-Eickel

1926 vereinigten sich die Gemeinden Wanne, Röhlinghausen und Eickel zur neuen Stadt Wanne-Eickel. Die Neuordnung der kommunalen Verwaltung wirkte sich auch auf die Organisation der Feuerwehren aus. Die Eickeler Bürgerfeuerwehr arbeitete bis 1935 gemeinsam mit den anderen Wehren im Stadtkreisverband.

Die Eickeler Wehr brachte wichtige Ausrüstung in diesen Verband ein. Dazu gehörten eine Motorspritze mit einer Leistung von 600 Litern sowie ein pferdebespannter Mannschaftswagen und eine pferdebespannte mechanische Drehleiter.

1935 erhielt die Wehr im Zuge einer Neuorganisation den Namen „Löschzug Eickel“. Gleichzeitig veränderte sich die Ausbildung. An die Stelle der bisherigen spezialisierten Abteilungen, darunter Pumpen-, Steiger-, Wasser- und Schlauchmannschaften, trat das Konzept des Einheitsfeuerwehrmanns. Jeder Feuerwehrangehörige sollte künftig unterschiedliche Aufgaben innerhalb der Löschmannschaft übernehmen können.[6]

Zweiter Weltkrieg und Wiederaufbau

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Löschzug durch Einberufungen zur Wehrmacht und zum Sicherheits- und Hilfsdienst erheblich geschwächt. Nach der Chronik waren elf Angehörige gefallen oder vermisst. Die zahlreichen Luftangriffe stellten die verbliebenen Feuerwehrleute vor große Herausforderungen.

Nach Kriegsende musste der Löschzug erneut aufgebaut werden. Durch gezielte Werbung konnten 36 junge Männer für den Dienst gewonnen werden. Sie wurden ausgebildet und an den vorhandenen Geräten geschult.

Auch die während des Krieges ins Sauerland ausgelagerten Löschfahrzeuge wurden gesucht und nach Eickel zurückgebracht. Damit konnten gerettete Fahrzeuge und Geräte wieder für Übungen und Einsätze verwendet werden.

Technische Modernisierung und Jubiläen

1951 feierte die Wehr ihr 75-jähriges Bestehen. Die Feier fand gemeinsam mit dem ersten Verbandstag Westfalen-Lippe auf dem Festplatz „Auf der Wenge“ statt. Neben den benachbarten Löschzügen nahmen auch Vertreter von Stadtrat und Stadtverwaltung teil.

In den folgenden Jahrzehnten wurden Fahrzeuge und Ausrüstung schrittweise modernisiert. Die Zusammenarbeit mit der hauptamtlich besetzten Hauptfeuerwache an der Stöckstraße ermöglichte es, die Kräfte des Löschzugs bei Einsätzen gemeinsam einzusetzen. Mit der Einführung moderner Löschfahrzeuge, einer Drehleiter und Atemschutzgeräten verbesserten sich die Möglichkeiten zur Brandbekämpfung unter schwierigen Bedingungen.

1976 beging der Löschzug sein 100-jähriges Bestehen. Wegen begrenzter finanzieller Mittel fand der Festkommers im Gemeindesaal der evangelischen Kirchengemeinde Eickel statt. Eine Feuerwehrschau auf dem Eickeler Markt und eine Schauübung auf dem Hof der Hülsmann-Brauerei boten der Bevölkerung Gelegenheit, die Arbeit der Wehr kennenzulernen.

Das Gerätehaus an der Edmund-Weber-Straße

1989 stellte die Stadt Herne dem Löschzug den ehemaligen Bauhof an der Edmund-Weber-Straße 48 zur Verfügung. Die Feuerwehrangehörigen bauten das Gelände und die vorhandenen Gebäude über mehrere Jahre in Eigenleistung um. Ergänzend entstand mit Unterstützung der Stadt eine Fahrzeughalle.

Im umgebauten Werkstatttrakt wurden Schulungs- und Sanitärräume sowie technische Einrichtungen integriert. Eine Küche ermöglichte die Versorgung bei längeren Wachbereitschaften und nach Einsätzen. Das Gebäude schuf damit nicht nur Raum für Fahrzeuge und Ausrüstung, sondern auch die Voraussetzungen für Ausbildung und gemeinschaftliche Arbeit.

125-jähriges Bestehen und weitere Entwicklung

2001 feierte der Löschzug Eickel sein 125-jähriges Bestehen. Am 23. Juni 2001 wurde das Jubiläum mit einem Festtag begangen. Gleichzeitig stand ein Wechsel in der Führung an: Drei am Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen in Münster ausgebildete Brandinspektoren und Zugführer übernahmen gemeinsam Verantwortung für die weitere Entwicklung der Einheit.

Die Chronik dokumentiert für diesen Zeitpunkt auch die Aufnahme einer Frau in die Mannschaft. Dies verweist auf die schrittweise Öffnung des Feuerwehrdienstes für Frauen.

Am 20. Dezember 2007 erhielt der Einsatzleitwagen 2 der Berufsfeuerwehr Herne seinen Standort am Gerätehaus Eickel. Die dort vorgenommenen Neuerungen sollten anschließend begutachtet und erprobt werden.

"Chefs" des Löschzuges

  • 1876—1882 Betriebsführer Heinrich Ommelmann,
  • 1882—1894 Bauunternehmer Friedrich Garthmann,
  • 1894—1896 Amtmann Briese,
  • 1896—1907 Kaufmann Heinrich Bönnebruch,
  • 1907—1914 Brandmeister Goswin Rieve,
  • 1914-? Wirt Bönnebruch.
  • Oehler
  • ...

Bedeutung für die örtliche Geschichte

Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Eickel spiegelt wichtige Entwicklungen der örtlichen Gesellschaft wider: die Folgen der Industrialisierung, die Bedeutung privater und betrieblicher Unterstützung, die kommunale Neuordnung von 1926, die personellen Verluste der Weltkriege und den Wiederaufbau nach 1945.

Über Generationen hinweg beruhte ihre Arbeit auf dem ehrenamtlichen Einsatz der Einwohner. Die Feuerwehr entwickelte sich von einer kleinen, nach einem Großbrand gegründeten Bürgerwehr zu einem Bestandteil der städtischen Gefahrenabwehr. Ihre Geschichte ist damit zugleich ein Teil der Sozial- und Technikgeschichte Eickels und Wanne-Eickels.

Quellen

Verwandte Artikel

Quellen

  1. ↑ Freiwillige Feuerwehr Herne: „Geschichte des Löschzug Eickel“, https://freiwillige.feuerwehr-herne.de/lz-eickel-geschichte.php, abgerufen am 26. Oktober 2026.
  2. ↑ Dortmunder Zeitung (12.5.1876) [1]
  3. ↑ https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/5926287
  4. ↑ https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/5954122
  5. ↑ Stadt Herne: „Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen“, Anlage Straßenneubenennungen seit 1997, Stichwort „Feuerwehrplatz“, https://www.herne.de/PDF/Verkehr/stadtgeschichte_im_spiegel_der_strassennamen_anlage_strassenneubenennungen_seit_1997.pdf.
  6. ↑ Freiwillige Feuerwehr Herne: „Geschichte des Löschzug Eickel“, https://freiwillige.feuerwehr-herne.de/lz-eickel-geschichte.php.