Heinrich Ommelmann (1846-1902) Bergmann - Ingenieur- Unternehmer
Heinrich Wilhelm Ommelmann (* 22. August 1846 in Bochum-Laer; † 29. April 1902 in Dortmund) war ein Bergmann, Ingenieur und Unternehmer. Er machte sich im Ruhrgebiet durch seine Tätigkeit im Bergbau, mehrere technische Patente und verschiedene unternehmerische Projekte einen Namen. Neben seiner Arbeit im Bergbau engagierte er sich in der Dortmunder Stadtentwicklung und gründete Ende der 1890er Jahre eine Gesellschaft für den Vertrieb von Bier in verschlossenen Steingutkannen. Dieses Unternehmen geriet jedoch bereits kurze Zeit nach seiner Gründung in Schwierigkeiten.
Herkunft und beruflicher Aufstieg
Heinrich Wilhelm Ommelmann wurde am 22. August 1846 in Bochum-Laer als Sohn des Bergmanns Hermann Ommelmann und seiner Ehefrau Dorothea, geborene Reiter, geboren. Am 30. August 1846 wurde er in der katholischen Probsteikirche zu Bochum getauft.[1]
Familie
Heinrich Ommelmann heiratete am 20. Mai 1873 in der Probsteikirche St. Peter in Recklinghausen[2], die am 14. März 1853 in Bruch geborenen Emilie Bernhardine Timmerbrink.[3]. Sie stirbt am 15. Februar 1908 im Haus Märkische Straße 61.[4]
Kinder
- Theodora Johanna Emilie, * 05.04.1874 Eickel, ~ 09. April 1874 St. Marien Eickel.
- Eugen Heinrich Wilhelm Ommelmann, * 23. Oktober 1875 Eickel, ~ 28. Oktober 1875 St. Marien Eickel, * 30. Mai 1956 Berlin. Steuerberater.
- Antonette Franziska Lucia, * 7. Dezember 1877 Eickel, ~ 12. Dezember 1877 St. Marien Eickel.
- Arsenika Cornelia Ommelmann, * 12. April 1880 Kamen, ~ 25. April 1880 Kamen Hl. Familie; † 13. August 1880 Kamen[5] an Krämpfe, ± 15. August 1880 Kamen
- Heinrich Hugo Ommelmann, * 19. Februar 1883 Kamen, ~ 19. März 1883 Kamen Hl. Familie; [6], † 02.02.1937 Berlin. Kaufmann.
Ommelmann und Eickel
Ommelmann schlug eine Laufbahn im Bergbau ein und stieg vom Obersteiger bis zum Ingenieur und Betriebsführer auf.
1874 bereits Obersteiger auf der Zeche Vereinigte Hannibal II. in Eickel. In dieser Funktion u.a. Wahlvorsteher der Knappschaftswahl im Bezirk „Gemeinde Eickel mit Ausschluß des Eickler Bruches“.[7]
Nachhaltig für unsere Betrachtungs ist die Zeit von 1876 bis 1882. Hier ist er als Gründungschef der Bürger Feuerwehr Eickel nachweisbar.
Schon 1880 wird in Kamen seine Tochter Cornelia geboren. Dort ist er als Betriebsleiter tätig. Das heißt, als Bauunternehmen täuft er dort auf eigene Rechnung Schächte ab.
Im Jahr 1883 bis August 1884 war er als Betriebsführer und Schachtbauunternehmer auf der Hoffnungszeche Carl-Rudoph bei Bentheim nachgewiesen. Später auch auf Mont-Cenis. In dieser Funktion war er auch mit dem Abteufen von Schächten und dem Einsatz von Sprengstoffen befasst. s.u.
Seine berufliche Tätigkeit brachte ihn in Kontakt mit den technischen und rechtlichen Herausforderungen des damaligen Bergbaus. Im Zusammenhang mit dem Transport und der Aufbewahrung von Dynamit auf der Zeche in Bentheim wurde 1886 gegen ihn ein Strafverfahren wegen Verstößen gegen das Dynamitgesetz geführt. Ommelmann wurde zunächst am 1. September 1885 zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Nach einer Revision der Staatsanwaltschaft befasste sich das Reichsgericht erneut mit Teilen des Verfahrens. Am 2. November 1885 wurde das erste Urteil aufgehoben. Am 2. Januar 1886 dann freigesprochen. Die von Ommelmann und dem Fuhrmann Heinrich Gerling eingelegte Revision wurde verworfen.[8]
Ein nächster Prozess fand über ein neues Dynamitvergehen am Wetterschacht der Zeche Vereinigte Constantin der Große in Hofstede statt. Ab März 1886 durfte Ommelmann, der auf eigene Rechnung den Wettersacht abteufte, kein Dynamit mehr benutzten, was einen hohen persönlichen Kostenfaktor bedeutete. Der Bergwerksdirektor Pieper drängte auf Niederbringung des Wetterschachts (Schacht 3). Auf Ommelmanns Gesuch hin gab es am 21. Mai 1886 einen Ortstermin. Aufgrund seinem vorherigen Prozess in Osnabrück, wurde er allerdings unter strenger Aufsicht gehalten und öfters Denunziert. Zunächst entlastet wurde ihm spätestens im Oktober 1886 klar, dass eine erneute Nutzung des Dynamites versagt wurde und so übergab er mit einem Verlust seines Privatvermögens (30 000 MK) den Weiterbau auf.
Nun übernahm er den Bau des Wetterschachts (Schacht 1a) der Zeche Mont-Cenis in Sodingen. Am 2. Oktober 1886 wird er im Prozess wegen Vergehens gegen das Dynamitgesetzt freigesprochen.
Ommelmann setzte sich anschließend publizistisch mit den Folgen des Dynamitgesetzes vom 9. Juni 1884 auseinander. In seiner 1887 erschienenen Schrift kritisierte er die seiner Ansicht nach missverständliche und übermäßig strenge Anwendung der gesetzlichen Bestimmungen. Nach einer zeitgenössischen Besprechung hatte ihn die Angelegenheit trotz seiner Freisprechung beruflich erheblich geschädigt.[9]
Erfinder und technischer Unternehmer
Ommelmann beschäftigte sich nicht nur mit dem laufenden Bergwerksbetrieb, sondern entwickelte auch technische Neuerungen. Mehrere Patente belegen seine Tätigkeit als Erfinder.
Zu seinen frühen Entwicklungen gehörte eine Neuerung an Haldenwippern, für die am 3. Februar 1883 das Deutsche Reichspatent Nr. 25 534 erteilt wurde. Die Konstruktion betraf die Verwendung von Drahtseilen bei Haldenwippern mit transportablem Wippergestell.
Weitere Erfindungen waren ein Schneidring für Senkschächte und eine ringförmige Schwebebühne zur Ausführung von Schachtausmauerungen, beide aus dem Jahr 1885. Damit befasste sich Ommelmann mit technischen Problemen des Schachtbaus und der bergbaulichen Infrastruktur.
In den 1890er Jahren wandte er sich auch anderen technischen Anwendungsbereichen zu. Für 1897 ist eine Seifenbüchse mit beweglichem Zwischenboden verzeichnet. 1898 folgte ein Flaschentransportbehälter - vermutlich aus seiner letzten Kapitalanlage.
Die Patente zeigen die Bandbreite seiner technischen Interessen. Sie belegen jedoch für sich genommen nicht, in welchem Umfang die jeweiligen Konstruktionen industriell eingesetzt oder wirtschaftlich erfolgreich wurden.
Engagement in Dortmund
Schon 1885 ist er in Dortmund ansässig (Münsterstraße 23). Neben seiner bergbaulichen Tätigkeit trat Ommelmann auch mit Vorschlägen zur städtebaulichen Entwicklung Dortmunds hervor. Im Juli 1896 machte er den Vorschlag, durch eine Lotterie die finanziellen Mittel zur Beseitigung der sogenannten Reinoldiinsel aufzubringen. Gemeint war eine ältere Häusergruppe im Bereich der Reinoldikirche, die den Straßenraum einengte.
Das Vorhaben sollte die Verkehrssituation verbessern und mehr Licht und Luft in den Bereich zwischen der Reinoldikirche und dem Ostenhellweg bringen. Zugleich erhoffte man sich Vorteile für die anliegenden Geschäftsleute. Die Stadt unterstützte Ommelmanns ursprünglichen Vorschlag zunächst nicht. Die Freilegung des Bereichs wurde erst nach längeren öffentlichen und politischen Diskussionen schrittweise umgesetzt.
Ein Rückblick im General-Anzeiger für Dortmund vom 3. Dezember 1910 würdigte Ommelmann als frühen Befürworter der Maßnahme. Der Artikel stellte heraus, dass der Nutzen der breiteren Verkehrsfläche erst nach der Beseitigung der alten Häusergruppe deutlich geworden sei.[10]
Die Dortmunder Kannenbier-Gesellschaft

In den Jahren 1897 und 1898 wandte sich Ommelmann einem neuen Geschäftsfeld zu: dem Vertrieb von Bier in verschlossenen Kannen. Am 1. März 1898 wurde die Dortmunder-Kannenbier-Gesellschaft GmbH unter seiner Geschäftsführung in das Handelsregister eingetragen (Handelsregister Nr. 827).
Das Unternehmen setzte auf ein damals bekanntes, aber technisch weiterentwickeltes Vertriebsprinzip. Bier wurde in wiederverwendbaren, glasierten Steingutkannen mit einem Fassungsvermögen von einem Liter versandt. Eine besondere Verschlussvorrichtung sollte verhindern, dass die Kohlensäure entwich. Die Kannen waren weiß glasiert, leicht zu reinigen und schützten das Bier vor Lichteinwirkung.
Nach einem zeitgenössischen Bericht des General-Anzeigers für Dortmund vom 31. März 1898 zeichnete sich das Füllverfahren durch besondere Sauberkeit aus: Die mit dem Abfüllen beschäftigte Person kam demnach nicht unmittelbar mit dem Bier in Berührung. Der Verkaufspreis lag bei 30 Pfennig je Kanne. Zum Auftakt bot die Gesellschaft unter anderem Bier der Dortmunder Union-Brauerei, der Kronenbrauerei und der Städtischen Brauerei an. Die ersten Versandwagen nahmen Ende März 1898 ihren Betrieb auf.[11]
Das Unternehmen wollte den Biergenuss zu Hause verbessern und das Bier möglichst frisch zum Verbraucher bringen. Der zeitgenössische Bericht stellte die technische Ausführung und die hygienischen Vorteile der Kannen heraus und äußerte sich optimistisch über die Geschäftsaussichten.
Niedergang und Auflösung
Der anfängliche Optimismus hielt nicht lange an. Im Dezember 1898 teilte die Dortmunder Union-Brauerei mit, dass sie die Gesellschaft nicht länger beliefern werde.[12] Der Entzug eines wichtigen Lieferanten stellte für ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell auf dem Bezug und der Weiterverteilung von Brauereibier beruhte, einen erheblichen Einschnitt dar.
Am 5. Mai 1899 wurde die Dortmunder-Kannenbier-Gesellschaft GmbH aufgelöst. Die spätere Löschung im Handelsregister erfolgte am 23. August 1902.[13]
Die überlieferten Angaben belegen damit eine kurze Unternehmensgeschichte von nur etwa einem Jahr zwischen Eintragung und Auflösung. Warum die Union-Brauerei die Belieferung einstellte und welche weiteren wirtschaftlichen Faktoren zur Auflösung führten, geht aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutig hervor. Ein Konkursverfahren ist nicht nachgewiesen, jedoch lassen einige Fakten einen hohen Kapitalverlust vemuten.
Ommelmanns letzte bekannte Anschrift war die Märkische Straße 61 in Dortmund. Das Grundstück wurde bereits im Mai 1901 an den Weinhändler Gustav Egen verkauft. Heinrich Ommelmann starb am 29. April 1902 in Dortmund.[14] er wurde am 2. Mai 1902 auf dem Ostfriedhof beigesetzt.[15]
Werke
- Ommelmann, Heinrich: Das Dynamitgesetz vom 9. Juni 1884 und seine Folgen, welches auf ein Haar 50.000 Bergleute des Oberbergamtsbezirks Dortmund auf die Anklagebank gebracht hätte. Baedeker, Essen 1887, 67 Seiten. Digitalisat
- Ommelmann, Heinrich: Der Rheinisch-Westfälische Bergarbeiterstrike, welcher als Opfer 11 Tote und 26 Verwundete gefordert hat, nebst Andeutungen zur Verhütung ähnlicher Bewegungen. Dortmund 1889. Digitalisat
Patente
- 1883: Neuerung an Haldenwippern, Deutsches Reichspatent Nr. 25 534.
- 1885: Schneidring für Senkschächte.
- 1885: Ringförmige Schwebebühne zur Ausführung von Schachtausmauerungen.
- 1897: Seifenbüchse mit beweglichem Zwischenboden, Patentanmeldung vom 3. Dezember 1896, Nr. 901.
- 1898: Flaschentransportbehälter.
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Quellen
- ↑ Reg. Nr. 118/1946
- ↑ https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/muenster/recklinghausen-st-peter/KB028/?pg=137
- ↑ Vater: Wirt Johann Timmerbrink aus Hillen, Mutter Friederike geb. Ebeling
- ↑ Reg.Nr. 325
- ↑ Reg. Nr. 68
- ↑ Reg. Nr. 15
- ↑ https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/1343264
- ↑ Essener Zeitung, 1886; Wattenscheider Zeitung, 26. Februar 1887.
- ↑ Heinrich Ommelmann: Das Dynamitgesetz vom 9. Juni 1884 und seine Folgen. Baedeker, Essen 1887; Berg- und Hüttenmännische Zeitung, Band 46, 1887, S. 49.
- ↑ General-Anzeiger für Dortmund, 3. Dezember 1910.
- ↑ General-Anzeiger für Dortmund, 31. März 1898.
- ↑ General-Anzeiger für Dortmund, Dezember 1898.
- ↑ Handelsregisterangaben zur Dortmunder-Kannenbier-Gesellschaft GmbH, HR 827.
- ↑ Angaben zum Grundstücksverkauf im Mai 1901; biografische Angaben zu Ommelmann.
- ↑ https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/paderborn/DE_EBAP_51601/KB028-01-S/?pg=262

