Falko Herlemann (1956-2026) Kunsthistoriker
Dr. Falko Herlemann (* 23. Februar 1956; † 4. September 2026) war ein deutscher Kunsthistoriker, Ausstellungskurator, Publizist und Kunstvermittler. Über mehrere Jahrzehnte gehörte er zu den prägenden Persönlichkeiten der Kunst- und Kulturszene in Herne und Wanne-Eickel. Besondere Bedeutung erlangte er durch seine Tätigkeit für die Künstlerzeche Unser Fritz 2/3, seine kunsthistorischen Vorträge und Ausstellungseinführungen sowie durch seine langjährige Tätigkeit als freier Kunstberichterstatter der WAZ-Lokalredaktion Herne.[1]
Leben und Wirken
Studium und wissenschaftliche Arbeiten
Falko Herlemann studierte an der Ruhr-Universität Bochum die Fächer Kunstgeschichte, Archäologie und Philosophie. Das Studium schloss er mit dem akademischen Grad Magister Artium (M.A.) ab. Gegenstand seiner Magisterarbeit war das Spätwerk des französischen Malers Robert Delaunay (1885–1941). Die Arbeit trug den Titel
- Das Spätwerk Robert Delaunays.
Anschließend setzte Herlemann seine wissenschaftliche Tätigkeit fort und wurde zum Dr. phil. promoviert. Seine Dissertation beschäftigte sich mit der Auseinandersetzung um die moderne Kunst in der Bundesrepublik Deutschland während der 1950er Jahre. Sie trug den Titel:
- Zwischen unbedingter Tradition und bedingungslosem Fortschritt. Zur Auseinandersetzung um die moderne Kunst in der Bundesrepublik Deutschland der 50er Jahre.[2][3]
Damit befasste sich Herlemann bereits in seiner wissenschaftlichen Arbeit mit einem Themenfeld, das auch für seine spätere Tätigkeit als Kunsthistoriker und Kunstvermittler charakteristisch war: dem Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Moderne sowie der gesellschaftlichen und kulturgeschichtlichen Einordnung moderner Kunst.
Die wissenschaftliche Ausbildung in Kunstgeschichte, Archäologie und Philosophie bildete die Grundlage für seine spätere Tätigkeit als Ausstellungskurator, Kunstvermittler, Publizist und Vortragender. Insbesondere die Verbindung kunsthistorischer Analyse mit kulturgeschichtlichen und philosophischen Fragestellungen prägte seine öffentliche Vermittlungsarbeit.
Forschungsschwerpunkte
Mit seiner Magisterarbeit über das Spätwerk Robert Delaunays und seiner Dissertation über die Diskussion um moderne Kunst in der Bundesrepublik der 1950er Jahre beschäftigte sich Herlemann mit unterschiedlichen Ausprägungen der Moderne und ihrer Rezeption.
Während Delaunay zu den wichtigen Vertretern der europäischen Avantgarde und der Entwicklung der abstrakten Kunst zählt, richtete Herlemanns Dissertation den Blick auf die Nachkriegszeit in Deutschland und die dort geführte Auseinandersetzung über den Stellenwert moderner Kunst.
Diese wissenschaftlichen Interessen standen in einem engen Zusammenhang mit seiner späteren Tätigkeit. Als Kunsthistoriker war Herlemann nicht nur mit der historischen Einordnung von Kunst befasst, sondern vermittelte zeitgenössische Kunst regelmäßig einem interessierten Publikum. Bei zahlreichen Ausstellungseröffnungen und Vorträgen erläuterte er künstlerische Positionen und stellte sie in größere kunsthistorische Zusammenhänge. In Herne und Wanne-Eickel war er über Jahrzehnte mit zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern, Ausstellungsorten und Kulturinstitutionen verbunden.
Ein wesentlicher Schwerpunkt seines Wirkens war die Künstlerzeche Unser Fritz 2/3. Dort war er über viele Jahre im Förderverein aktiv und gehörte dem Vorstand an. Über längere Zeit bekleidete er das Amt des Schatzmeisters. Herlemann brachte seine kunsthistorische Fachkenntnis unmittelbar in die Arbeit der Künstlerzeche ein: Er eröffnete Ausstellungen, hielt Vorträge und führte Besucher durch die Räumlichkeiten. Auch die Vermittlungsarbeit mit Kindern und Schulklassen gehörte zu seinen Arbeitsschwerpunkten. Bereits in den frühen 2000er-Jahren trat Herlemann als Ansprechpartner und Vertreter des Fördervereins der Künstlerzeche in Erscheinung.[4]
Ausstellungstätigkeit und Kunstvermittlung
Herlemann war über viele Jahre als kunsthistorischer Begleiter zahlreicher Ausstellungen tätig. Zu seinen Aufgaben gehörten insbesondere die fachliche Einführung in Ausstellungen und die Vermittlung der künstlerischen Positionen an ein breiteres Publikum.
An der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 und darüber hinaus sind zahlreiche Veranstaltungen dokumentiert, bei denen Herlemann als Kunsthistoriker auftrat:
- 1989 Mitorganisation der Tagung des Ulmer Vereins „Deutschland und die Französische Revolution“ in Nürnberg
- 1993-2002 Vorstandsmitglied im "Ulmer Verein - Verband für Kunst- und Kulturwissenschaften" in Marburg[5]
- 1994 Konzept, Organisation und Moderation der Tagung des Ulmer Vereins e.V. „Kunst in der Öffentlichkeit. Ästhetisierung - Historisierung - Medialisierung“ in Marl (zusammen mit Michael Kade)
- 1997 Kurator des Projektes „Tuchfühlung“ in Velbert-Langenberg
- 1998 Mitorganisation und Konzeption der Tagung des Ulmer Vereins e.V. „Kunstgeschichte in der Gesellschaft. 30 Jahre Ulmer Verein“, Ruhr-Universität Bochum,
- 1998-99 Kurator des Projektes „Tuchfühlung 2“ in Velbert-Langenberg
- 1999 Konzept, Mitkurator: „Hauptstadt Herne - Fotografische Positionen“, Flottmann-Hallen, VHS-Galerie, Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 Herne
- 2005 Projektvorschlag „Alles fließt“ für die Kulturhauptstadt 2010 (zusammen mit Michael Kade)
- 2005/2006 Erarbeitung einer Dokumentation 60 Jahre Westdeutscher Künstlerbund
- 2006 Mitkurator „Qi Yang: 8888 Vier Mal Glück“, Küstlerzeche Unser Fritz 2/3 Herne
- 2014 hielt er die Einführung zur Ausstellung Das königliche Spiel von Jürgen Buhre.[6]
- 2021 Im Beirat des Kunstvereins im Kulturrat Bochum
- 2023 führte er in die Ausstellung Verwicklung von Verena Schuh ein und hielt im Rahmen der Finissage einen Vortrag über Reflexion und Transparenz als künstlerisches Mittel.[7]
- Im selben Jahr hielt er anlässlich der Ausstellung Staging Reality von Moritz Riesenbeck einen Vortrag zum Thema Realität (in) der Kunst[8] sowie bei der Ausstellung MARE BALTICUM von Anett Frontzek den Vortrag Bilder vom Meer.[9]
Seine Tätigkeit beschränkte sich dabei nicht auf die Künstlerzeche; Herlemann war ebenso bei Ausstellungen und kulturellen Veranstaltungen anderer regionaler Einrichtungen als Kunsthistoriker und Vortragender beteiligt.
Tätigkeit für die WAZ
Eine besondere Rolle spielte Herlemann als langjähriger freier Mitarbeiter der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). Für die Lokalredaktion Herne berichtete er über viele Jahre über die heimische Kunstszene.
Zu seinen journalistischen Arbeiten gehörten Besprechungen und Einführungen zu Ausstellungen, Porträts von Künstlerinnen und Künstlern sowie die Reihe Atelierbesuche. Darüber hinaus widmete er sich kunsthistorischen Themen aus dem unmittelbaren Lebensumfeld der Stadt, darunter den Bildwelten der Cranger Kirmes. Ein Beispiel hierfür ist ein 2010 veröffentlichter Beitrag über die Künstlerin Danuta Karsten und ihr Atelier in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3.[10]
Herlemann verstand Kunstberichterstattung nicht ausschließlich als Besprechung von Ausstellungen. Seine Beiträge dienten zugleich der Vermittlung kunsthistorischer Zusammenhänge.
Engagement für die Künstlerzeche und weitere Funktionen
Als Vorstandsmitglied und Schatzmeister war Herlemann an der organisatorischen Arbeit des Fördervereins der Künstlerzeche beteiligt und wirkte bei der Planung von Führungen und Ausstellungen mit. Auch bei der Förderung jüngerer Künstlerinnen und Künstler brachte er seine fachliche Erfahrung ein; 2023 gehörte er beispielsweise der Jury des Kunstförderpreises der Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit (GWK) an.[11]
Bis kurz vor seinem Tod trat er regelmäßig öffentlich in Erscheinung: 2024 war sein Vortrag Nacht-Bilder im Programm der Künstlerzeche angekündigt[12], und im Juni 2026 wurde er von der Stadt Herne gemeinsam mit Erika Porsch für einen kunstgeschichtlichen Vortrag und Ausstellungsrundgang bei den Flottmann-Hallen angekündigt.[13]
Tod
Falko Herlemann starb am 4. September 2026 im Alter von 70 Jahren überraschend.[1]
Sein Tod löste in der Herner Kunst- und Kulturszene große Betroffenheit aus. Der Förderverein der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 sowie der Herner Künstlerbund (HKB), dem Herlemann über viele Jahre eng verbunden war, würdigten sein langjähriges Engagement, seinen fachkundigen Rat und sein Wirken als Verlust für die regionale Kunstszene.
Bedeutung für die Herner Kunstgeschichte
Herlemann wirkte über Jahrzehnte an der Schnittstelle zwischen Kunstwissenschaft, Journalismus, Ausstellungspraxis und Kulturvermittlung. Seine Bedeutung lag vor allem in seiner Funktion als Vermittler, Kenner, Chronist und Förderer der bildenden Kunst. Durch seine Vorträge, Ausstellungseinführungen, Publikationen und journalistischen Beiträge dokumentierte und interpretierte er die Entwicklung der regionalen Kunstszene und trug maßgeblich dazu bei, die Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 als festen Ausstellungs- und Begegnungsort zu etablieren.
Werke (Auswahl)[14]
- Herlemann , Falko : Zwischen unbedingter Tradition und bedingungslosem Fortschritt . Zur Auseinandersetzung um die moderne Kunst in der Bundesrepublik Deutschland der 50er Jahre . Diss . , Frankfurt a . M. , Bern , New York , Paris 1989
- Herlemann, Falko / Kade, Michael (Hrsg.): Kunst in der Öffentlichkeit. Ästhetisierung, Historisierung, Medialisierung, Frankfurt am Main 1996
- Füllgrabe, Erich., Herlemann, Falko., Mertmann, Angelika. Augen auf: Kunst im Herner Stadtgebiet. Deutschland: n.p., 2023. ISBN: 9783934940598
- Falko Herlemann: „Die Untersterblichkeit ist nicht Jedermanns Sache“ Kunst und Tod: Eine immerwährende Beziehungskiste. In: Pest im Ruhrgebiet: Seuchen und Krankheiten im 17. Jahrhundert : ein Beitrag zum Jubiläum "350 Jahre Westfälischer Frieden". (1998). Deutschland: Emschertal-Museum. S. 73f.
- Falko Herlemann: „Spuren“ Herner Künstler an vier Kulturorten zu entdecken. In: WAZ vom 9. März 2018.
Verwandte Artikel
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Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Lars-Oliver Christoph: Er prägte die Herner Kunstszene über Jahrzehnte: Falko Herlemann ist tot, WAZ, 8. September 2026.
- ↑ https://d-nb.info/890358443
- ↑ https://d-nb.info/890358443/04
- ↑ inHerne, Ausgabe 2002: Bericht über die Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 und den Förderverein.
- ↑ http://www.ulmer-verein.de/?page_id=14443
- ↑ Künstlerzeche Unser Fritz 2/3: Jürgen Buhre: Das königliche Spiel, Ausstellung vom 8. bis 30. November 2014, Einführung Dr. Falko Herlemann.
- ↑ Künstlerzeche Unser Fritz 2/3: Verena Schuh – VERWICKLUNG, Ausstellung 3. Juni bis 2. Juli 2023.
- ↑ Künstlerzeche Unser Fritz 2/3: Moritz Riesenbeck – Staging Reality, Ausstellung 8. Oktober bis 19. November 2023.
- ↑ Künstlerzeche Unser Fritz 2/3: Anett Frontzek – MARE BALTICUM, 2023.
- ↑ Falko Herlemann: Ein Atelier als Ort des Rückzugs, WAZ, 9. August 2010.
- ↑ Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit (GWK): Jury Kunst 2023.
- ↑ Künstlerzeche Unser Fritz 2/3: Ausstellungsprogramm 2024.
- ↑ Stadt Herne: Viel Programm rund um die Flottmann-Hallen, 28. Mai 2026.
- ↑ https://d-nb.info/gnd/132231522
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