Die Grafschaft Mark im Gebiet des späteren Wanne-Eickel

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Die Grafschaft Mark im Gebiet des späteren Wanne-Eickel

Zur Einleitung:


- Grafschaft Mark und Herne

Territoriale Zugehörigkeit und Verwaltungsstruktur

Die Geschichte der Grafschaft Mark ist auch für die Entwicklung des späteren Stadtgebiets Wanne-Eickels von grundlegender Bedeutung. Die heutigen Stadtteile Wanne, Eickel, Crange, Bickern, Röhlinghausen und Holsterhausen bildeten im Mittelalter und in der frühen Neuzeit noch keine zusammenhängende kommunale Einheit. Sie bestanden aus einzelnen Bauerschaften, Höfen und adeligen Herrschaftsbereichen, die in die Verwaltungs- und Gerichtsorganisation der Grafschaft Mark eingebunden waren.

Die genannten Bauerschaften gehörten zum Amt Bochum. Dieses war einer der bedeutenden Verwaltungsbezirke der Grafschaft Mark und wurde wegen seiner Größe in Oberamt, Mittelamt und Niederamt gegliedert. Bickern, Crange, Eickel und Holsterhausen werden in der Landesaufnahme des Amtes Bochum aus den Jahren 1670 bis 1689 ebenso wie Herne dem Mittelamt zugeordnet. [1]

Die Zugehörigkeit zum Amt Bochum bedeutete nicht, dass sämtliche Rechte unmittelbar durch den Amtmann ausgeübt wurden. Neben der landesherrlichen Verwaltung bestanden örtliche Gerichtsrechte, Lehnsbindungen und grundherrliche Ansprüche. Besonders die adeligen Häuser Crange und Dorneburg sowie die Herren von Strünkede prägten die örtlichen Besitz- und Herrschaftsverhältnisse.

Für die Erforschung dieser Strukturen sind neben den Urkunden des Adels vor allem die Steuerregister, das Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486 und die Landesaufnahme des Amtes Bochum von Bedeutung. Sie ermöglichen die Rekonstruktion der Höfe, der Abgabenpflichten und der bäuerlichen Siedlungsstruktur.

Bickern und die Entstehung des Namens Wanne

Die spätere Stadt Wanne entwickelte sich aus der älteren Bauerschaft Bickern. Der Name Wanne bezeichnete ursprünglich einen Flur- und Gewannbereich innerhalb der Gemarkung Bickern. Die Entstehung des Ortsnamens ist nicht abschließend geklärt. Historische Belege für die Bezeichnung Wanne reichen bis in das Mittelalter zurück; ihre sichere Verbindung mit dem späteren Ortsnamen muss jedoch anhand der jeweiligen Quellen geprüft werden.

Im Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486 werden Bewohner der Bauerschaft Bickern beziehungsweise der dortigen Flurgebiete erfasst. Auch spätere Steuerregister und das Feuerstättenverzeichnis von 1664 dokumentieren die bäuerliche Siedlungsstruktur. Diese Quellen zeigen, dass die spätere Stadt Wanne ursprünglich aus einer ländlichen Siedlungslandschaft hervorging. [2]


- Schatzbuch der Grafschaft Mark
- Eine neue Türkensteuerliste - 1598
- Die Feuerstättenliste des Amtes Bochum 1664 (Herner Ausschnitt)

Die Bauerschaft Bickern gehörte während der napoleonischen Verwaltungszeit zur Mairie Herne. Nach dem Ende der französischen Herrschaft wurde sie Bestandteil der preußischen Bürgermeisterei Herne und gehörte seit 1844 zum Amt Herne.

Am 1. August 1875 wurde das Amt Herne geteilt. Bickern gehörte fortan zum neugebildeten Amt Wanne, das außerdem Crange, Eickel, Holsterhausen und Röhlinghausen umfasste. Am 13. August 1897 wurde der Name der Gemeinde Bickern amtlich in Wanne geändert. Damit setzte sich die zuvor bereits gebräuchliche Flurbezeichnung als Gemeindename durch. [3]

Ein Überblick über die Adelshäuser im Amt Bochum

Eickel und Holsterhausen

Eickel gehörte zu den älteren Siedlungen des späteren Wanne-Eickeler Stadtgebiets. Seine Geschichte reicht weit in das Mittelalter zurück. Das Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486 verzeichnet zahlreiche steuerpflichtige Hofbesitzer in Eickel. Auch die Türkensteuerregister und das Feuerstättenverzeichnis von 1664 dokumentieren die landwirtschaftlich geprägte Siedlungsstruktur.

Die Entwicklung Eickels war durch die Verbindung von Landwirtschaft, Grundherrschaft und örtlichen Adelsrechten bestimmt. Die Nähe zu den adeligen Häusern der Umgebung führte zu vielfältigen Besitz- und Lehnsverhältnissen, die im Einzelnen anhand der Urkunden und Register zu untersuchen sind. [4]

Holsterhausen ist ebenfalls seit dem Mittelalter urkundlich nachweisbar. Im Jahr 1320 erhielten die Brüder Albert und Adolf van den Hamme, Burgmannen in Strünkede, eine Hufe in Holsterhausen als Burglehen. Dieser Nachweis verdeutlicht die Verbindung zwischen der örtlichen Grundbesitzgeschichte und dem Adel im Umfeld der Burg Strünkede. [5]

Beide Bauerschaften gehörten während der napoleonischen Zeit zur Mairie Herne und anschließend zur preußischen Bürgermeisterei Herne. Am 1. August 1875 wurden Eickel und Holsterhausen dem Amt Wanne zugeordnet. Nach der Teilung des Amtes am 1. November 1891 bildeten sie das Amt Eickel. Holsterhausen wurde am 1. April 1910 in die Gemeinde Eickel eingegliedert. [3]

Crange und Haus Crange

Crange entwickelte sich aus einer ländlichen Siedlung, deren Geschichte eng mit dem gleichnamigen Adelssitz verbunden ist. Eine wichtige urkundliche Nachricht stammt vom 10. August 1441. An diesem Tag wurde Derick van Eykel, Droste des Amtes Bochum, durch Herzog Adolf von Kleve und Grafen von der Mark mit dem Haus ten Krangh belehnt. [6]

Die Belehnung belegt die Verbindung zwischen dem märkischen Landesherrn und der örtlichen Adelsherrschaft. Haus Crange war ein eigenständiger Adelssitz innerhalb des märkischen Herrschaftsgebietes und ist von der übergeordneten landesherrlichen Verwaltung zu unterscheiden.

Die Bauerschaft Crange gehörte zum Amt Bochum und während der napoleonischen Zeit zur Mairie Herne. Nach der preußischen Verwaltungsneuordnung wurde sie 1844 Bestandteil des Amtes Herne. Bei dessen Teilung am 1. August 1875 kam Crange zum Amt Wanne und verblieb dort auch nach der Teilung in die Ämter Wanne und Eickel im Jahr 1891. [7]

Röhlinghausen

Röhlinghausen gehörte ebenfalls zum märkischen Amt Bochum. Die Siedlung war landwirtschaftlich geprägt und bestand aus einzelnen Höfen und Kotten. Ihre Entwicklung lässt sich durch die Steuerregister und die späteren Katasterunterlagen nachvollziehen.

Im Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486 finden sich Hinweise auf Bewohner und Hofstellen im Umfeld von Röhlinghausen. Zusammen mit den späteren Steuerverzeichnissen bieten diese Einträge Anhaltspunkte für die Untersuchung der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Siedlungsstruktur. [8]

Wie Bickern und Crange gehörte Röhlinghausen während der napoleonischen Zeit zur Mairie Herne. Nach der preußischen Verwaltungsneuordnung wurde die Gemeinde dem Amt Herne zugeordnet. Seit der Teilung vom 1. August 1875 gehörte sie zum Amt Wanne und blieb auch nach der Verwaltungsreform von 1891 Bestandteil dieses Amtes.

Vom Amt Wanne zur Stadt Wanne-Eickel

Die Entstehung der Stadt Wanne-Eickel war das Ergebnis der kommunalen Neuordnung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Bis 1875 gehörten die späteren Wanne-Eickeler Gemeinden zum Amt Herne. Durch die Teilung des Amtes am 1. August 1875 entstanden das verkleinerte Amt Herne und das Amt Wanne. Zum Amt Wanne gehörten zunächst die Gemeinden Bickern, Crange, Eickel, Holsterhausen und Röhlinghausen.

Am 1. November 1891 wurde das Amt Wanne geteilt. Die Gemeinden Eickel und Holsterhausen bildeten das Amt Eickel, während Bickern, Crange und Röhlinghausen beim Amt Wanne verblieben. Durch die Eingemeindung Holsterhausens nach Eickel im Jahr 1910 veränderte sich die kommunale Struktur erneut.

Am 1. April 1926 wurden die Ämter Wanne und Eickel zur kreisfreien Stadt Wanne-Eickel vereinigt. Diese Stadt bestand bis zur kommunalen Gebietsreform, durch die sie am 1. Januar 1975 mit der Stadt Herne zur heutigen Stadt Herne zusammengeschlossen wurde. [9]

Die kommunale Entwicklung darf nicht mit der mittelalterlichen Territorialgeschichte gleichgesetzt werden. Die Grafschaft Mark bildete den landesherrlichen Rahmen, in dem sich die älteren Bauerschaften entwickelten. Die Ämter Wanne und Eickel entstanden dagegen erst im 19. Jahrhundert aus der preußischen Verwaltungsorganisation. Die Stadt Wanne-Eickel war somit eine moderne kommunale Einheit, deren Gebiet aus mehreren historisch eigenständigen Siedlungen hervorgegangen war.

Literatur und Quellen

  • Friemann, Heinrich: Landesaufnahme von 1670–1688 im Amte Bochum. In: Heimatbuch 1958.
  • Köbler, Gerhard: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien und reichsunmittelbaren Geschlechter vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 5., vollständig überarbeitete Auflage, C. H. Beck, München 1995, S. 650.
  • Pätzold, Stefan: Bochum. Kleine Stadtgeschichte. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2017, S. 21–31.
  • Hildebrandt, Manfred; Frensel, Ralf; Bodeux, Jeannette; Heiserholt, Franz: Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Herne 1997.
  • Stadt Herne: Die Zeit von 774 bis 1899. Stadtgeschichtliche Chronologie.
  • Stadt Herne: Koppenbergs Hof. Straßenverzeichnis und Erläuterungen zu historischen Straßennamen.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Fachbeitrag Kulturlandschaft zum Regionalplan Ruhr. Kulturlandschaftsbereich Schloss Strünkede.
  • Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486.
  • Landesaufnahme des Amtes Bochum, 1670–1689.
  • Feuerstättenverzeichnis des Amtes Bochum von 1664.

Verwandte Artikel

Quellen

  1. ↑ Heinrich Friemann: Landesaufnahme von 1670–1688 im Amte Bochum. In: Heimatbuch 1958. Die Darstellung beruht auf der historischen Landesaufnahme und ihrer Überlieferung.
  2. ↑ Stadtarchiv Herne, Dokumentationsbibliothek, Bestand Stadtteile, Bickern; ferner die historischen Steuerregister und das Feuerstättenverzeichnis des Amtes Bochum von 1664.
  3. ↑ 3,0 3,1 Stadtarchiv Herne, Dokumentationsbibliothek, Bestand Stadtteile, Bickern; Stadt Herne, Stadtgeschichte und historische Verwaltungsentwicklung.
  4. ↑ Stadtarchiv Herne, Dokumentationsbibliothek, Bestand Stadtteile, Eickel; Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux und Franz Heiserholt: Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Band 1, Herne 1997, S. 194–195.
  5. ↑ Stadtarchiv Herne, Dokumentationsbibliothek, Bestand Stadtteile, Holsterhausen; Hildebrandt u. a.: Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Herne 1997, S. 335–337.
  6. ↑ Stadt Herne: Stadtgeschichte, Eintrag zum 10. August 1441.
  7. ↑ Stadt Herne: Die Zeit von 774 bis 1899, Einträge zur Verwaltungsentwicklung; Stadtarchiv Herne, Dokumentationsbibliothek, Bestand Stadtteile, Crange.
  8. ↑ Stadtarchiv Herne, Dokumentationsbibliothek, Bestand Stadtteile, Röhlinghausen; Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486.
  9. ↑ Stadt Herne: Stadtgeschichte; Stadtarchiv Herne, Darstellung zur Geschichte des Stadtarchivs Wanne-Eickel und zur Bildung der Stadt Wanne-Eickel 1926.