Wiescherstraße 184 - Waldschule - Herne-Constantin

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
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Die Waldschule Herne-Constantin ist ein historisches Schulgebäude im Herner Stadtteil Constantin. Sie steht in der Tradition der deutschen Waldschulbewegung, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand und gesundheitliche sowie pädagogische Ziele miteinander verband. Die Schule befindet sich an der Wiescherstraße 184 und wird heute von der Privatschule Constantin genutzt.

Waldschule
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RechtsformPrivatschule Constantin GmbH
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HandelsregisterBochum HRB 23311
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GeschäftsführerGlückmann, Sabine
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AdresseWiescherstraße 184, 44625 Herne
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Lage

Die Waldschule liegt im Stadtteil Constantin im Süden der Stadt Herne. Der Stadtteil entwickelte sich im Umfeld der Zeche Constantin und war über Jahrzehnte durch den Bergbau geprägt. Die Schule befindet sich in der Nähe ehemaliger Wald- und Grünflächen, die für die Namensgebung „Waldschule“ charakteristisch waren. Wie viele Einrichtungen dieser Art sollte sie Kindern eine gesündere Lernumgebung als die dicht bebauten Wohnquartiere der Industriestädte bieten.

Geschichte

Die Waldschulbewegung

Die Idee der Waldschule entstand im späten 19. Jahrhundert als Antwort auf die gesundheitlichen Probleme von Kindern in den schnell wachsenden Großstädten. Bereits 1876 forderte der Zürcher Pfarrer Hermann Walter Bion die Einrichtung von Erholungsstätten für gesundheitlich geschwächte Kinder, ohne dass diese ihren Schulunterricht versäumen müssten.

1881 schlug der Berliner Kinderarzt Adolf Baginsky die Gründung einer sogenannten Waldschule vor. Er beobachtete bei Stadtkindern gesundheitliche Beeinträchtigungen, die er auf schlechte hygienische Verhältnisse, mangelnde Bewegung, fehlende Frischluft und geringe Sonneneinstrahlung zurückführte. Sein Vorschlag wurde zunächst nicht umgesetzt.

Als erste moderne Waldschule gilt die 1904 gegründete Waldschule für kränkliche Kinder in Charlottenburg bei Berlin. Sie wurde vom Kinderarzt Bernhard Bendix und dem Schulrat Hermann Neufert gegründet. Die Schule lag am Rand des Grunewaldes und verband schulischen Unterricht mit medizinischer Betreuung, gesunder Ernährung und einem Aufenthalt in naturnaher Umgebung. Ziel war es, gesundheitlich geschwächte Kinder zu stärken, ohne dass sie gegenüber ihren Mitschülern Lernrückstände erlitten.

Das erfolgreiche Konzept verbreitete sich rasch in Deutschland, Europa und später auch in anderen Teilen der Welt.[1]

Entwicklung in Herne-Constantin

Die Waldschule in Herne-Constantin entstand im Kontext dieser Reformbewegungen des frühen 20. Jahrhunderts. Das Gebäude wurde ursprünglich als evangelische Kleinkindschule genutzt und diente zugleich kirchlichen und sozialen Zwecken. Errichtet im Jahre 1907, wurde es im Mai 1908 seiner Bestimmung übergeben, behütete damals eine Diakonisse 80 bis 90 Kinder, deren Zahl bis 1912 auf bis zu 120 Kinder gestiegen war. Der Besuch dieser Kleinkinderschule war kostenlos.

Ebenfalls im Gebäude war seit 1908 für die Frauen und Kinder der Kolonie eine Badeanstalt eingerichtet worden, welche kostenlos bis zu 1000 mal im Monat benutzt wurde! Auch eine eigene Bibliothek war vorhanden.

Neben dem Kindergartenbetrieb fanden dort Gottesdienste, Jugendarbeit und verschiedene Bildungsangebote statt.

1928 wurde die Waldschule, nebst benachbartem Licht- und Luftbad Herne (Tagesheilstätte) an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen. Heute hält die Buslinie HCR 323 hier.

1973 erwarb die Stadt Herne das Gebäude von der evangelischen Kirchengemeinde. Nach umfangreichen Umbau- und Renovierungsarbeiten wurde die Einrichtung als Grundschule für den Stadtteil Constantin genutzt. Sie übernahm die Beschulung der Kinder, nachdem das bisherige Schulgebäude an der Kronenstraße wegen erheblicher Bauschäden aufgegeben werden musste.

Im Juli 2012 wurde die mittlerweile seit dem 27. April 1994 unter Denkmalschutz stehende Schule leer gezogen blieb bis dahin ein wichtiger Bestandteil des Bildungsangebots im Stadtteil.

Nachnutzung

Seit September 2013 wird das historische Schulgebäude von der Privatschule Constantin genutzt. Damit blieb die ursprüngliche Funktion des Gebäudes als Bildungsstandort erhalten.

Pädagogische Bedeutung

Waldschulen verbanden die Ziele der Gesundheitsfürsorge mit schulischer Bildung. Sie entstanden als Reaktion auf die sozialen und gesundheitlichen Folgen der Industrialisierung. Frische Luft, Bewegung, Sonnenlicht und eine naturnahe Umgebung galten als wesentliche Voraussetzungen für die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern.

Die Waldschule Herne-Constantin steht beispielhaft für diese Entwicklung und dokumentiert die Bedeutung reformpädagogischer und sozialhygienischer Konzepte im Ruhrgebiet des frühen 20. Jahrhunderts.

DENKMAL NR.577

  • ehem. Waldschule
  • Wiescherstraße 184
  • Erbaut: 1907
  • Architekt:
  • Details: Die ehem. Kleinkinderschule (Waldschule) wurde nebst Beamtenwohnung für die Gewerkschaft Constantin der Große in Bochum um 1907 geplant und erbaut. Es handelt sich um ein 2 1/2-geschossiges freistehendes Gebäude mit einer Ziegel-Putzfassade und ziegelgedeckten verspringenden Walmdächern. Zum Hof hin zeigt sich das Gebäude durch ein hohes Podest, rechts und links über mehrere Stufen erreichbar erschlossen. Der Eingangsbereich ist weiterhin durch eine Fachwerkkonstruktion mit Satteldach überdacht. Zur Straße hin zeigt sich das Gebäude ebenfalls trauf- und giebelständig. Die Fassade im Bereich des Dachgeschosses sowie die Giebelfelder waren ursprünglich in Blendfachwerk gestalte. Das Gebäude der Kleinkinderschule diente nicht nur schulischen Zwecken. Im Sockelgeschoß befanden sich Duschräume, die ganz offensichtlich den Einwohnern der angrenzenden Bergarbeitersiedlung zur Reinigung zur Verfügung standen.

Literatur

  • Hermann Walter Bion: Schriften zur Kinderfürsorge, Zürich, 1876.
  • Adolf Baginsky: Beiträge zur Kinderheilkunde und Schulhygiene, Berlin, 1881.
  • Bernhard Bendix; Hermann Neufert: Die Waldschule für kränkliche Kinder in Charlottenburg, Berlin, 1904.

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Quelle