Die Schulen an der Kronen- und Hermannstraße (Schulen Herne-Constantin)
Die ehemaligen Schulgebäude an der Kronenstraße und Hermannstraße (Heute Dorastraße) in Herne-Constantin waren von 1900 bis 1974 eine katholische und evangelische Volksschule und später eine städtische Grundschule.
- Ortsteil: Herne-Constantin / Altenhöfen
- Schulgründung: Ostern 1902
- Konfessionen: Evangelische Volksschule (Hermannstraße) / Katholische Volksschule (Kronenstraße)
- Nachfolgeschule: Gemeinschaftsgrundschule XII Kronenstraße (ab 1968)
1. Historischer Kontext und Entstehung
Um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert erlebte das Ruhrgebiet und insbesondere die Stadt Herne durch den rasanten Aufschwung des Steinkohlenbergbaus einen enormen Bevölkerungszuwachs. Da die Löhne im Bergbau zu dieser Zeit vergleichsweise hoch waren, zog es unzählige Arbeitskräfte aus ländlicheren Regionen in das Revier.
In direkter Nähe zur Zeche „Constantin der Große“ entstanden in kurzer Zeit großflächige Arbeitersiedlungen, die rasch die Dimensionen eines eigenen Stadtteils annahmen. Mit der rasant steigenden Zahl an Arbeiterfamilien wuchs auch der Bedarf an Bildungseinrichtungen vor Ort.
Die Zechenverwaltung stellte für den dringend benötigten Schulneubau ein kostengünstiges Grundstück zur Verfügung. Dieses wurde von der Stadtgemeinde erworben und zu gleichen Teilen an die katholische und die evangelische Schulgemeinde übertragen. Die Verteilung der Grundstückshälften wurde per Losentscheid geregelt:
- Die nördliche Hälfte fiel an die katholische Schulgemeinde (Kronenstraße).
- Die südliche Hälfte ging an die evangelische Schulgemeinde (Hermannstraße).
2. Baugeschichte und Architektur
Erste Bauphase (1901–1902)
Die Bauarbeiten an den beiden separaten Schulgebäuden begannen im Jahr 1901. Pünktlich zu Ostern 1902 konnten beide Schulen mit jeweils sechs Klassenräumen bezogen werden.
In der Anfangsphase waren die Schulen organisatorisch noch nicht eigenständig:
- Die evangelische Schule unterstand zunächst der Schule an der Bergstraße in Altenhöfen.
- Die katholische Schule unterstand der Schule an der Düngelstraße.
Die Erweiterung (1907–1908)
Aufgrund des anhaltenden Zuzugs stiegen die Schülerzahlen an beiden Schulen so rasant an, dass schon bald Platznot herrschte. Im Jahr 1907 begannen die Arbeiten für einen Erweiterungsbau.
Zwischen den beiden bestehenden Schulhäusern wurde ein verbindendes Mittelgebäude (Zwischenbau) errichtet, das 1908 fertiggestellt wurde. Dieser Mittelbau beinhaltete:
- Jeweils 6 weitere Klassenräume für die evangelische und die katholische Schule (wodurch die Schulen auf jeweils 12 Klassenräume anwuchsen).
- Einen großen, gemeinsamen Zeichensaal im Dachgeschoss.
Dieser gemeinsame Zeichensaal galt für die damalige Zeit als ein bemerkenswert moderner und fortschrittlicher Akzent im ansonsten eher konservativen Schulbau des Kaiserreichs. Erst mit dem Abschluss dieser Erweiterung und der Neuordnung zum 1. April 1908 endete auch die administrative Abhängigkeit der evangelischen Schule von der Schule Altenhöfen.
3. Lehrkräfte der Anfangsjahre (1902 bis nach 1908)
Die überlieferten Personallisten aus den Anfangsjahren zeigen den Aufbau des Lehrkörpers an beiden Schulen.[1]
Evangelische Schule Constantin (Hermannstraße) - Bis 1908 der Schule Altenhöfen unterstellt.
| Name | Zeitraum | Anmerkungen / Funktion |
|---|---|---|
| Wilhelm Tegeder | 1902–1904 | Lehrer |
| Clara Haake | 1902–nach 1908 | Lehrerin |
| Gertrud Hofrichter | 1902–1902 | Lehrerin |
| Emil Schrader | 1903–nach 1908 | Späterer Schulleiter, ab 1908 Rektor |
| August Kunick | 1904–1913 | Lehrer |
| Wilhelm Dahm | 1905–1909 | Lehrer |
| Ottilie Buse II | 1906–1910 | Lehrerin |
| Emilie Trost | 1906–1907 | Lehrerin |
| Pauline Lux | 1907–1910 | Lehrerin |
Katholische Volksschule Kronenstraße
| Name | Zeitraum | Anmerkungen / Funktion |
|---|---|---|
| Wilhelm Schemm | 1902–nach 1908 | Hauptlehrer, Schulleiter |
| Margarethe Schultz | 1902–1904 | Lehrerin |
| Wilhelm Weber | 1902–1907 | Lehrer |
| Sophie Kappe | 1902–1903 | Lehrerin |
| Maria Schulte I | 1903–1905 | Lehrerin |
| August Ziegler | 1904–1906 | Lehrer |
| Gertrud Ruhrmann | 1904–1908 | Lehrerin |
| Ludwig Werner | 1904–1907 | Lehrer |
| Gertrud Schulenberg | 1905–1907 | Lehrerin |
| Franziska Schneidersmann | 1906–nach 1908 | Lehrerin |
| Therese Moritz | 1906–1920 | Lehrerin |
| Anna Sänger | 1907–1908 | Lehrerin |
| Sophie Schulte | 1907–1907 | Lehrerin |
| Bruno Schmidt | 1907–1912 | Lehrer |
| Franz Jansen | 1907–nach 1908 | Lehrer |
| Anna Mühlhöfer | 1907–1908 | Lehrerin |
| Josef Weinrich | 1908–nach 1908 | Lehrer |
| Maria Schulte II | 1908–nach 1908 | Lehrerin |
Aus Erzählungen wird deutlich, wie widersinnig die damaligen Vorschriften zur strikten Trennung nach Glaubenszugehörigkeit aus heutiger Sicht erscheinen: Man ging gemeinsam zur Schule, musste die Pausen getrennt verbringen und durfte erst danach wieder gemeinsam den Heimweg antreten.
4. Nachkriegszeit, Schließung und Abriss
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeichneten sich tiefgreifende Veränderungen ab.
Zunächst erfolgte die Zusammenlegung der bis dahin konfessionell getrennten Schulen zur Gemeinschaftsgrundschule XII Kronenstraße unter der Leitung von Rektor Greb. Zwischenzeitlich waren auch Klassen der 1968 neuen Realschule Sodingen früher Realschule II, auch im Gebäude der Schule Constantin an der Kronenstraße untergebracht.
Das historische Schulgebäude an der Kronenstraße wies mit den Jahrzehnten erhebliche bauliche Mängel auf und wurde schließlich als einsturzgefährdet eingestuft. Die Constantiner Grund- und Realschüler mussten das Gebäude räumen. -> siehe Waldschule
Im Juni und Juli 1973 erfolgte der Abbruch des maroden Schulgebäudes an der Kronenstraße.
Heute befindet sich an diesem Standort das Willi-Pohlmann-Seniorenzentrum der AWO (Kronenstraße 6).
Archivalien
- Stadtarchiv Herne
- Best. 306 / Historischer Bestand V, Nr. A 7 - Errichtung der ev. und kath. Schule Constantin
- Laufzeit 1897 - 1905
- Bl. 1-34, 179-225: Schulgrundstück 1897-1903
- Bl. 37, 54: Schulkinderzahlen 1900
- Bl. 75-81, 84-93, 237-249, 257-263: Schuldiener 1901-1904
- Bl. 96R, 97: Einweihung am 9.4.1902
- Bl. 106, (110/11): Herner Lehrpersonen 1903
- Best. 306 / Historischer Bestand V, Nr. A 30 - Erweiterung der kath. Schule in Constantin, Kronenstr.
- Laufzeit 1904 - 1909
- Best. 306 / Historischer Bestand V, Nr. A 33 - Bau der Mittelteils der Schule Constantin
- Laufzeit 1907 - 1908
- (betr. Arbeitsverträge mit den Firmen Senger, Herne u. Arendt, Mildner & Evers, Hannover)
- Best. 306 / Historischer Bestand V, Nr. A 34 - Erweiterung der ev. Schule in Constantin, Hermannstr.
- Laufzeit 1907 - 1909
- Bl. 8/9: Beschluß üb. Erweiterung 1907
- Bl. 10-14: Versicherungen 1907-1909
- Best. 306 / Historischer Bestand V, Nr. A 7 - Errichtung der ev. und kath. Schule Constantin
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Quellen
- ↑ Quelle: Stache 1964

