Stolpersteine (Herne): Unterschied zwischen den Versionen

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__NOTOC__'''<big>Stolpersteine in Herne und Wanne-Eickel</big>'''
[[Datei:Stolpersteine Hannover Ferdinand Wallbrecht Strasse leuchtend.jpg|thumb| Stolpersteine Hannover Ferdinand Wallbrecht Straße. <br>Foto: Axel Hindemith, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de]]
[[Datei:Stolpersteine Hannover Ferdinand Wallbrecht Strasse leuchtend.jpg|thumb| Stolpersteine Hannover Ferdinand Wallbrecht Straße. <br>Foto: Axel Hindemith, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de]]


Die '''Stolpersteine in Herne und Wanne-Eickel''' sind Teil des europaweiten Erinnerungsprojekts des Künstlers **Gunter Demnig**, das an Menschen erinnert, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert oder ermordet wurden. Die Messingtafeln werden im Gehweg vor dem letzten freiwilligen Wohnort der Betroffenen verlegt.
Die '''Stolpersteine in Herne und Wanne-Eickel''' sind Teil des europaweiten Erinnerungsprojekts des Künstlers Gunter Demnig, das an Menschen erinnert, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert oder ermordet wurden. Die Messingtafeln werden im Gehweg vor dem letzten freiwilligen Wohnort der Betroffenen verlegt.
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== Hintergrund ==
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Das Projekt '''[https://de.wikipedia.org/wiki/Stolpersteine Stolpersteine]''' wurde 1992 von Gunter Demnig initiiert und gilt als das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Die Steine erinnern unter anderem an jüdische Opfer, politisch Verfolgte, Opfer der sogenannten „Euthanasie“, Widerstandskämpfer sowie religiös Verfolgte.
Das Projekt '''[https://de.wikipedia.org/wiki/Stolpersteine Stolpersteine]''' wurde 1992 von Gunter Demnig initiiert und gilt als das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Die Steine erinnern unter anderem an jüdische Opfer, politisch Verfolgte, Opfer der sogenannten „Euthanasie“, Widerstandskämpfer sowie religiös Verfolgte.


In Herne und Wanne-Eickel begann die konkrete Umsetzung vergleichsweise spät. Die Planung, Recherche und Organisation erfolgt in Zusammenarbeit verschiedener lokaler Initiativen, Forschungskreise und Angehöriger der Opfer.
In Herne und Wanne-Eickel begann die konkrete Umsetzung vergleichsweise spät. <br>
Herne hatte sich lange gegen Stolpersteine entschieden und stattdessen andere Formen des Gedenkens gefördert, wie die "[[Kategorie:Nahtstellen|Nahtstellen]]"-Gedenktafeln und das [[Shoah-Denkmal]] vor dem Kulturzentrum, welche die Geschichte des jüdischen Lebens in der Stadt sichtbar machen sollten.
Der damalige Oberbürgermeister [[Horst Schiereck]] unterstützte 2013 die Idee dezentraler Erinnerungsorte, betonte aber die Notwendigkeit, die lokale Geschichte greifbar zu machen, und befürwortete eigene Wege gegenüber den Stolpersteinen, die er seine Ablehnung der Stolpersteine so begründet : „Man hat zwischen 1933 und 1945 das Leben der jüdischen Bevölkerung mit Füßen getreten.“ Da passe es nicht, wenn man über die Gedenksteine laufe.<ref>https://www.waz.de/staedte/herne-wanne-eickel/article8313711/herne-bevorzugt-eigene-form-des-gedenkens.html#:~:text=Mehr%20dar%C3%BCber%20erfuhren%20die%20G%C3%A4ste%20von%20Oberb%C3%BCrgermeister,zwischen%201933%20und%201945%20das%20Leben%20der</ref>

Bis zum Jahr 2024 war die Stadt Herne im Ruhrgebiet die einzige größere Stadt ohne Stolpersteine. Dies hat sich im Zuge eines Ratsbeschlusses geändert, nachdem verschiedene Akteure und Initiativen das Projekt in die Stadt getragen hatten.<ref>„Herne ist im Revier einzige Stadt ohne Stolpersteine – noch“, *WAZ*, 22. April 2024</ref>

== Ratsbeschluss und Initiativen ==

Im April 2024 beschloss der [[Stadtverordneten-Versammlung Herne 2020-2025|Rat der Stadt Herne]] einstimmig, Stolpersteine auch in Herne zu verlegen. Diese Entscheidung erfolgte auf Antrag der Grünen-Fraktion, die sich für eine Erweiterung der lokalen Erinnerungskultur stark gemacht hatte.<ref>„Projekt gegen das Vergessen: Stolpersteine kommen jetzt auch nach Herne“, *WAZ*, 25. April 2024</ref><ref>„Grüne Fraktion setzt sich für Stolpersteine als Erweiterung der Erinnerungskultur in unserer Stadt ein“, *GRÜNE HERNE*, April 2024</ref> Die Verlegung der Stolpersteine soll gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Gruppen und anderen lokalen Erinnerungspartnern vorbereitet und umgesetzt werden.

Lokale Initiativen luden zu Auftaktveranstaltungen ein, um die ersten Schritte der Umsetzung und die Biografiearbeit zu planen. In diesen Arbeitsgruppen sollen auch Namen von NS-Opfern recherchiert und geprüft werden, damit die Stolpersteine künftig an authentischen letzten Wohnorten im Stadtgebiet verlegt werden können.<ref>WAZ-Artikel „Erinnerung an Nazi-Opfer: Start für Stolpersteine in Herne“, *WAZ*, 4. Dezember 2024</ref>


Die Planung, Recherche und Organisation erfolgte dann auch in Zusammenarbeit verschiedener lokaler Initiativen, Forschungskreise und Angehöriger der Opfer.


== Umsetzung in Herne und Wanne-Eickel ==
== Umsetzung in Herne und Wanne-Eickel ==

Aktuelle Version vom 16. Januar 2026, 13:57 Uhr

Stolpersteine in Herne und Wanne-Eickel

Stolpersteine Hannover Ferdinand Wallbrecht Straße.
Foto: Axel Hindemith, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de

Die Stolpersteine in Herne und Wanne-Eickel sind Teil des europaweiten Erinnerungsprojekts des Künstlers Gunter Demnig, das an Menschen erinnert, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert oder ermordet wurden. Die Messingtafeln werden im Gehweg vor dem letzten freiwilligen Wohnort der Betroffenen verlegt.

Hintergrund

Das Projekt Stolpersteine wurde 1992 von Gunter Demnig initiiert und gilt als das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Die Steine erinnern unter anderem an jüdische Opfer, politisch Verfolgte, Opfer der sogenannten „Euthanasie“, Widerstandskämpfer sowie religiös Verfolgte.

In Herne und Wanne-Eickel begann die konkrete Umsetzung vergleichsweise spät.
Herne hatte sich lange gegen Stolpersteine entschieden und stattdessen andere Formen des Gedenkens gefördert, wie die ""-Gedenktafeln und das Shoah-Denkmal vor dem Kulturzentrum, welche die Geschichte des jüdischen Lebens in der Stadt sichtbar machen sollten. Der damalige Oberbürgermeister Horst Schiereck unterstützte 2013 die Idee dezentraler Erinnerungsorte, betonte aber die Notwendigkeit, die lokale Geschichte greifbar zu machen, und befürwortete eigene Wege gegenüber den Stolpersteinen, die er seine Ablehnung der Stolpersteine so begründet : „Man hat zwischen 1933 und 1945 das Leben der jüdischen Bevölkerung mit Füßen getreten.“ Da passe es nicht, wenn man über die Gedenksteine laufe.[1]

Bis zum Jahr 2024 war die Stadt Herne im Ruhrgebiet die einzige größere Stadt ohne Stolpersteine. Dies hat sich im Zuge eines Ratsbeschlusses geändert, nachdem verschiedene Akteure und Initiativen das Projekt in die Stadt getragen hatten.[2]

Ratsbeschluss und Initiativen

Im April 2024 beschloss der Rat der Stadt Herne einstimmig, Stolpersteine auch in Herne zu verlegen. Diese Entscheidung erfolgte auf Antrag der Grünen-Fraktion, die sich für eine Erweiterung der lokalen Erinnerungskultur stark gemacht hatte.[3][4] Die Verlegung der Stolpersteine soll gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Gruppen und anderen lokalen Erinnerungspartnern vorbereitet und umgesetzt werden.

Lokale Initiativen luden zu Auftaktveranstaltungen ein, um die ersten Schritte der Umsetzung und die Biografiearbeit zu planen. In diesen Arbeitsgruppen sollen auch Namen von NS-Opfern recherchiert und geprüft werden, damit die Stolpersteine künftig an authentischen letzten Wohnorten im Stadtgebiet verlegt werden können.[5]


Die Planung, Recherche und Organisation erfolgte dann auch in Zusammenarbeit verschiedener lokaler Initiativen, Forschungskreise und Angehöriger der Opfer.

Umsetzung in Herne und Wanne-Eickel

Die ersten Stolpersteine in Herne und Wanne-Eickel werden im ersten Quartal 2026 verlegt. Grundlage hierfür sind umfangreiche biografische Recherchen sowie Anfragen von Angehörigen und zivilgesellschaftlichen Gruppen.[6]

Die Verlegungen erfolgen an den jeweils letzten freiwilligen Wohnorten der Betroffenen und werden öffentlich begleitet.

Geplante Verlegungen (1. Quartal 2026)

Familie Hecht (Wanne-Eickel)

Chaim Hecht Jutta Malka Hecht Jeanette Hecht Simon Hecht

Letzter freiwilliger Wohnort: Hauptstraße 293, Wanne-Eickel

  • Chaim Hecht: 1939 KZ Sachsenhausen, 1942 Auschwitz, ermordet am 5. November 1942
  • Jutta Malka Hecht: Deportation nach Riga, überlebt, emigrierte nach Australien
  • Jeanette Hecht: Deportation nach Riga, überlebt, emigrierte nach Australien
  • Simon Hecht: 1938 nach Polen abgeschoben, ermordet

Initiative: Anfrage durch Diane Mossenson (Enkelin), Australien Verlegung: Mittwoch, 28. Januar 2026, 9:30 Uhr[7]

Sally und Frieda Neugarten (Wanne-Eickel)

Sally Neugarten Frieda Neugarten

Letzter Wohnsitz: Bahnhofstraße 29a (Kaufhaus Gebr. Rindskopf), Wanne-Eickel

  • Deportation am 28. Februar 1943 nach Auschwitz
  • Beide ermordet

Initiative: Ralf Piorr Finanzierung: Frau Beckmann, Pfarrei St. Christophorus, Wanne-Eickel Verlegung: Dienstag, 17. Februar 2026, 15:00 Uhr[8]

Emma Schlewitz (Herne)

Emma Schlewitz

Letzter Wohnort: Bruchstraße 136, Herne (Historischer Standort eines Fachwerkhauses; Verlegung vor Nr. 134c)

  • 1935 Heil- und Pflegeanstalt Warstein
  • 1941 Heil- und Pflegeanstalt Eichberg
  • Ermordet am 23. Dezember 1941

Initiative: Initiativkreis Polizeigefängnis Herne Verlegung: Samstag, 21. Februar 2026, 11:00 Uhr[9]

August und Wilhelmine („Mimmi“) Schuster (Herne)

August Schuster Wilhelmine (Mimmi) Schuster

Letzter Wohnort: Altenhöfener Straße 47, Herne

  • August Schuster: Zuchthaus Butzbach, gestorben am 22. Dezember 1944
  • Wilhelmine Schuster: KZ Ravensbrück, ermordet am 13. Februar 1945

Einordnung: Kommunistischer Widerstand Initiative: DGB-Geschichtswerkstatt Verlegung: Samstag, 21. Februar 2026, 12:00 Uhr[10]

Friedrich und Helene Gotthold (Herne)

Friedrich Gotthold Helene Gotthold

Letzter Wohnort: Düngelstraße 58, Herne

  • Friedrich Gotthold: verfolgt, überlebt
  • Helene Gotthold: Strafgefängnis Berlin-Plötzensee, hingerichtet am 8. Dezember 1944

Einordnung: Verfolgung der Zeugen Jehovas Initiative: Forschungsgruppe „Lila Winkel“, Bochum-Herne Verlegung: Montag, 23. Februar 2026, 10:30 Uhr[11]

Bedeutung

Mit der Einführung der Stolpersteine wird die lokale Erinnerungskultur in Herne und Wanne-Eickel um eine dezentrale und biografisch orientierte Form des Gedenkens erweitert. Die Steine machen Verfolgung und Entrechtung im Alltag sichtbar und verankern das Gedenken dauerhaft im Stadtbild.

Verwandte Artikel

Quellen

  1. https://www.waz.de/staedte/herne-wanne-eickel/article8313711/herne-bevorzugt-eigene-form-des-gedenkens.html#:~:text=Mehr%20dar%C3%BCber%20erfuhren%20die%20G%C3%A4ste%20von%20Oberb%C3%BCrgermeister,zwischen%201933%20und%201945%20das%20Leben%20der
  2. „Herne ist im Revier einzige Stadt ohne Stolpersteine – noch“, *WAZ*, 22. April 2024
  3. „Projekt gegen das Vergessen: Stolpersteine kommen jetzt auch nach Herne“, *WAZ*, 25. April 2024
  4. „Grüne Fraktion setzt sich für Stolpersteine als Erweiterung der Erinnerungskultur in unserer Stadt ein“, *GRÜNE HERNE*, April 2024
  5. WAZ-Artikel „Erinnerung an Nazi-Opfer: Start für Stolpersteine in Herne“, *WAZ*, 4. Dezember 2024
  6. „Verlegung Stolpersteine 1. Quartal 2026 – Stand 15.01.2026“, Arbeitsübersicht der Initiativgruppen, PDF-Dokument
  7. „Verlegung Stolpersteine 1. Quartal 2026 – Stand 15.01.2026“, PDF-Dokument
  8. PDF-Dokument: Verlegung Stolpersteine 1. Quartal 2026
  9. PDF-Dokument: Verlegung Stolpersteine 1. Quartal 2026
  10. PDF-Dokument: Verlegung Stolpersteine 1. Quartal 2026
  11. PDF-Dokument: Verlegung Stolpersteine 1. Quartal 2026